"Die liberale Ordnung ist die Ordnung für alle Bürger",
schreibt Ralf Dahrendorf. "Erst wenn diese hergestellt ist,
kann man von einer freien Gesellschaft sprechen."
Nur sie garantiert, dass eines der wichtigsten Ziele einer
politischen Ordnung erreicht werden kann: gleiche Lebenschancen für
alle. Aber wie läßt sich diese Freiheit, wo sie besteht, erhalten,
wo sie fehlt, herbeiführen - in einer Welt, die unübersichtlich und
unregulierbar geworden, die "ohne Halt" ist?
Ralf Dahrendorf über Politik der Freiheit im 21. Jahrhundert
In glänzenden Analysen stellt Ralf Dahrendorf dar, welche Gefahren
der liberalen Ordnung in den demokratisch verfaßten Staaten drohen
und welche Hindernisse ihrer Etablierung in Ländern im Wege stehen,
die sie kaum oder nie gekannt haben. In den westlichen Demokratien
ist die Freiheit durch die demokratischer Willensbildung entzogene
Globalisierung und den neuen illiberalen Regionalismus bedroht,
aber auch gefährdet duch einen politischen Autoritarismus und sein
Pendant, die Apathie der Bürger. In der postkommunistischen Welt
können die gerade zur Demokratie Bekehrten an ihr schon wieder zu
zweifeln beginnen, weil der Wohlstand, den man mit einer
demokratisschen Verfassung verschwistert glaubt, sich nicht
einstellen will. In den Ländern der "Dritten Welt"
schließlich können gerade die Modernisierungsprozesse mit ihren
großen Verheißungen und kleinen Fortschritten gefährliche
Gegenbewegungen bis hin zum religiösen Fundamentalismus und zum
Terrorismus auslösen.
Hier ist ein Buch entstanden, das von der wissenschaftlichen
Kompetenz der Soziologen und der praktischen Erfahrung des
Politikers lebt, präzise in seiner Analyse, unbestechlich in seinem
Urteil, mutig in seinen Empfehlungen für einen Weg aus der Krise.
Gerade weil Ralf Dahrendorf sich und seinen Lesern nichts vormacht,
haben seine Ratschläge Gewicht. Es gibt derzeit kein anderes Buch,
das so überzeugend eine Politik der Freiheit für das 21.
Jahrhundert entwirft.
Krupp-Vorlesungen zu Politik und Geschichte im Wissenschaftszentrum NRW Bd.3
Deutsch
Abmessung: 208mm x 128mm x 18mm
Gewicht: 268g
ISBN-13: 9783406505409
ISBN-10: 3406505406
Best.Nr.: 11253914
Besprechung von 03.04.2003
Gemeinsam mit Washington Auf dem Weg in das 21. Jahrhundert bei Tony Blair angelangt
Ralf Dahrendorf: Auf der Suche nach einer neuen Ordnung. Eine Politik der Freiheit für das 21. Jahrhundert. Verlag C. H. Beck, München 2003. 147 Seiten, 15,40 [Euro].
Die vorherrschende Stimmung im Frühjahr 2003 läßt sich in zwei Worte komprimieren: weitverbreitete Ratlosigkeit. Jedermann ist zwar imstande, die Merkmale der kritischen Lage vorwärts und rückwärts zu buchstabieren: der geplatzte High-Tech-Boom der neunziger Jahre, das altmodische "Modell Deutschland", an dem viele herumdoktern, und jetzt - als wäre das nicht schon genug - urplötzlich auch eine tiefe Krise der atlantischen Gemeinschaft und des Projekts "Europa". Doch auf die Frage, wie es weitergehen soll, gemahnen die Antworten der Regierungen, Parteien, Kirchen und weiterer Großorganisationen an den Kalauer, mit dem Alfred Kerr seinerzeit das 20. Jahrhundert begrüßte: "Unsere Zukunft liegt im dunkeln, wüste Worte hört man munkeln."
So greift der Leser neugierig zu der neuen Studie von Ralf Dahrendorf, dem bedeutendsten, auch literarisch produktivsten liberalen …
Ralf Dahrendorfs Analyse der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bietet nach Ansicht von Rezensent Dieter Rulff "bewährte Antworten" und offenbart ganz nebenbei, wie weit die FDP mittlerweile von ihrer einstigen Bestform entfernt ist. Wie Rulff ausführt, erschöpft sich für Dahrendorf der Fortschritt nicht in der Entfaltung des Marktes, sondern bemisst sich nach der Ausweitung menschlicher Freiheit. Während Rulff dem "anspruchsvollen Freiheitsbegriff" Dahrendorfs Beifall spendet, scheinen ihm dessen Überlegungen zum Gerechtigkeitsprinzip "relativ dürftig". Orientierungspunkte für die aktuellen sozialpolitischen Kontroversen liefere Dahrendorf kaum. Allerdings merkt Rulff an, dass sich die Bürgergesellschaft, die Dahrendorf vorschwebt, ohnehin unabhängig von staatlicher Beeinflussung und Förderung entfalte. Gegen die Vorstellung einer globale Demokratie plädiert Dahrendorf ferner für den Ausbau des Rechts, das Festhalten am Nationalstaat als dem Rückgrat der Verfassung, die Freiheit und die Bürgergesellschaft, in denen er Bollwerke gegen den "Autoritarismus" erkennt, berichtet Rulff. Zwar ist Dahrendorfs Therapie "nicht frei von Gesundbeterei", resümiert der Rezensent, doch tue das der Klarheit seiner Analyse keinen Abbruch.
Wirtschaftsbuch
Zum Thema
Andere Dinge lernen
Hartmut von Hentig: Bildung. Ein Essay. Beltz Verlag,
Weinheim/Basel 2004, 210 Seiten, 12.90 Euro
Hartmut von Hentig hat ein radikales, fast schon subversives Werk
geschrieben, das den vorherrschenden schulischen Bildungskanon ins
Jenseits kickt.
Mehr Solidarität
Ralf Dahrendorf: Auf der Suche nach einer neuen Ordnung. Eine
Politik der Freiheit für das 21. Jahrhundert. C. H. Beck Verlag,
München 2003, 160 Seiten, 14,90 Euro.
Eine Politik der Freiheit bedeutet, die größten Lebenschancen der
größten Zahl zu garantieren. Dafür benötige man eine Kultur der
Solidarität und Zusammengehörigkeit, meint Ralf Dahrendorf.
Bildung ist das Einzige, was zählt
In Deutschland sind knapp 40 Millionen Menschen erwerbstätig. Das
ist die höchste Zahl, die es hierzulande je gab. Auch wenn die
Arbeitslosigkeit wieder steigt, gilt die Faustregel: Je besser man
qualifiziert ist, desto kürzer bleibt man im Zweifelsfall ohne
Arbeit. Darauf weisen die beiden Wirtschaftswissenschaftler Michael
Hüther und Thomas Straubhaar hin. „Am schnellsten, nämlich nach …
Lord Ralf Dahrendorf, geb. 1929, lehrte Soziologie in Hamburg, Tübingen und Konstanz. Er war von 1987-97 Rektor des St. Antony's College und von 1991 bis 1997 Prorektor der Universität Oxford. Seit 1993 ist Ralf Dahrendorf als Baron of Clare Market in the City of Westminster Mitglied des britischen Oberhauses. Er gilt durch zahlreiche Veröffentlichungen als einer der wichtigsten Vertreter liberaler Gesellschafts- und Staatstheorie und hat als kritischer Intellektueller seine beiden 'Vaterländer' Deutschland und England geprägt.
Leseprobe zu "Auf der Suche nach einer neuen Ordnung"
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Leseprobe zu "Auf der Suche nach einer neuen Ordnung"
I. Es ist uns noch nie so gut gegangen. Über Lebenschancen. «Wohlstand für alle» Am 20. Juli 1957 hielt der gerade zum Premierminister avancierte britische Politiker Harold Macmillan im Fussballstadion von Bedford eine Rede, die vor allem wegen einer Aussage in die Geschichte eingegangen ist: «Seien wir ehrlich, den meisten Menschen bei uns ist es noch nie so gut gegangen. Geht durchs Land, in die grossen Städte, die kleinen Dörfer, und ihr werdet einen Wohlstand finden, wie er nie zuvor in meinem Leben existierte - in der Tat nie zuvor in der Geschichte dieses Landes.» Politiker brüsten sich gerne damit, «unbequeme Wahrheiten» mitzuteilen; darum reden sie selten wie Harold Macmillan, denn seine ist sozusagen eine «bequeme Wahrheit». Konrad Adenauer drückte sich im gleichen Jahr 1957 etwas vorsichtiger aus; er wollte vor allem «keine Experimente». In der Tat verdankte er seine absolute Mehrheit bei den Wahlen im September des Jahres sicher nicht zuletzt dem von seinem Wirtschaftsminister Ludwig Erhard versprochenen - und zunehmend geschaffenen - «Wohlstand für alle». Wenn die «bequeme Wahrheit» 1957 die Wahrheit war, um wieviel stärker gilt dann ein halbes Jahrhundert später, dass es uns noch nie so gut gegangen ist! Auch wer makroökonomischen Zahlen mit gehöriger Skepsis begegnet, kann die Dimension der Veränderungen in den Jahrzehnten seit den 1950er Jahren nicht übersehen. Das Bruttosozialprodukt pro Kopf hat sich in vielen entwickelten Ländern zwischen 1950 und 2000 mehr als vervierfacht und mit um die 20000 Dollar im Jahr eine erstaunliche Höhe erreicht. Sogar in Grossbritannien, wo die Entwicklung langsamer verlief, gab es zwischen den Premierministern Harold Macmillan und Tony Blair eine Verdoppelung des Pro-Kopf-Einkommens. Dafür ist das Bruttosozialprodukt pro Kopf keineswegs das einzige Mass. Ökonomen haben einen Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index, HDI) vorgeschlagen, der Einkommen, Bildungsstand und Lebenserwartung misst. Auch dieser ist in den Mitgliedsländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) seit 1950 fast überall um 50% und mehr gestiegen. Die massive Verbesserung der sozialen Stellung von Frauen, die Erhöhung sozialer Teilnahmechancen überhaupt, die Verkürzung des Arbeitstages, Arbeitsjahres, Arbeitslebens, der Ausbau des Wohlfahrtsstaates, die Verbesserung der allen zugänglichen Infrastruktur und andere qualitative Entwicklungen haben die Lebenschancen vieler beträchtlich erhöht. Nie zuvor hatten so viele Menschen so grosse Lebenschancen wie heute. Die Entfaltung der Lebenschancen war kein linearer Prozess. Es gab grosse Schübe voran und Phasen der Stagnation. Die Jahrzehnte vor 1913 sahen den Modernisierungsschub miteiner ersten Verdoppelung des Pro-Kopf-Einkommens. Nach dem Zweiten Weltkrieg ereignete sich das eigentliche Wirtschaftswunder, das bis zum Jahr des Ölschocks 1973 anhielt. Dann kam der Schub, den wir als Globalisierung beschreiben. Er begann mit Macht im Revolutionsjahr 1989, als die Auflösung der Fronten des Kalten Krieges unter anderem den technischen Möglichkeiten des Informationszeitalters weltweit zum Durchbruch verhalf. Die gleichzeitige Verfügbarkeit von Information an jedem Ort wurde zum Stimulus zuerst für die Finanzmärkte, dann für Dienstleistungen und am Ende für viele Bereiche moderner Volkswirtschaften. Am Ende, um die Jahrhundertwende, geriet der Schub der Globalisierung ausser Rand und Band; aber die Korrekturen der ersten Jahre des neuen Jahrhunderts haben das Gesamtbild nicht wesentlich verändert. Seien wir also ehrlich, den meisten Menschen bei uns ist es noch nie so gut gegangen. Doch wird niemand dies vernehmen, ohne auf das grosse Aber zu warten, das solchen Aussagen unweigerlich folgt. Bei Macmillan hatte das Aber einen Namen, Inflation. Er war gut beraten, davor zu warnen. Die Globalisierung war ja unter anderem die befreiende Antwort auf jene Mischung von Inflation und Stagnation, in der der amerikanische Ökonom Mancur Olson noch Anfang der 1980er Jahre die Ursache für den nach seiner Meinung drohenden «Niedergang von Nationen» sah. Olson unterschätzte offenbar die Wirkung der von den schon amtierenden unorthodoxen Politikern Margaret Thatcher und Ronald Reagan betriebenen Politik der Öffnung und Ermutigung, von den bevorstehenden Prozessen des glasnost und der perestroika in der bereits wankenden kommunistischen Welt ganz zu schweigen. Indes greift mein Aber weiter aus. Es sind genau genommen drei Aber, die ich der These anfügen will, dass es uns noch nie so gut gegangen ist. Quelle: S.11-14; Verlag C.H.Beck oHG
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