Im Weltinnenraum des Kapitals - Sloterdijk, Peter

Peter Sloterdijk 

Im Weltinnenraum des Kapitals

Für eine philosophische Theorie der Globalisierung. Ausgezeichnet mit dem getAbstract International Book Award 2005

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Im Weltinnenraum des Kapitals

Unangefochten umspannt der Kapitalismus den Globus, doch geht er mit seinen Bewohnern unterschiedlich um: Während anderthalb Milliarden Globalisierungsgewinner eine Komfortzone bewohnen, einen "Weltinnenraum", dessen Grenzen unsichtbar, aber hart und abweisend sind wie die Wände des Londoner Kristallpalastes, dem Ort der ersten Weltausstellung 1851, steht die doppelte Zahl von Menschen ausgeschlossen vor der Tür. Peter Sloterdijk philosophiert darüber, und er erzählt davon, und dank seiner "Unerschrockenheit in Stil und Inhalt" (Der Bund) gelingt es ihm, auch im 21. Jahrhundert noch etwas Grundstürzendes über Globalisierung zu sagen.
Nach dem großen Erfolg der Sphären-Trilogie das nächste große Werk und Wagnis von Peter Sloterdijk.
Peter Sloterdijk, geboren 1947, ist Professor für Ästhetik und Philosophie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und lehrt an der Akademie der Bildenden Künste in Wien.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2006
  • Neuauflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 415 S.
  • Seitenzahl: 415
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.3814
  • Best.Nr. des Verlages: 45814
  • Deutsch
  • Abmessung: 180mm x 111mm x 23mm
  • Gewicht: 246g
  • ISBN-13: 9783518458143
  • ISBN-10: 3518458140
  • Best.Nr.: 20850589
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.03.2005

Peterchens Mondfahrt
Fährmann, ahoi: Käpt'n Sloterdijk bezwingt den Weltinnenraum / Von Andreas Platthaus

Noch nie ist es einem Privatmann ohne staatliche Zuschüsse in Milliardenhöhe gelungen, eine Mondrakete zu bauen. Doch jetzt kommt Peter Sloterdijk. Natürlich hat auch er in seinem neuen Buch "Im Weltinnenraum des Kapitals" weder Bauanleitung noch Treibstoffrezeptur zu bieten, doch er modifiziert einfach frech das Reiseziel: Der Mond, das ist zwar immer noch diese fremde kalte Welt mit der dunklen Seite, auf die es unsere Satelliten immer wieder mal eigenmächtig verschlägt, aber man darf ihn auch als Metapher lesen. Wofür? Für die armen kleinen Gehirne, die bei Sloterdijk so viel zu lernen haben. Denn er beschreibt in seinem Buch nicht weniger als den Ablauf einer Revolution, und "vielleicht wird man irgendwann begreifen, daß die Entdeckung und Kartierung der neurologischen Erdmonde, der menschlichen Gehirne, noch immer derselben Wendung zuzurechnen sind".

Doch das ist nur ein Aperçu, das Sloterdijk mit seinem feinen Sinn für zeitaktuelle Anspielungen setzt. Das Zeitalter der Entdeckungen setzt sich ins Innere des Menschen fort, …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Martin Bauer erklärt Peter Sloterdijks Essay eher, als er ihn rezensiert, die Erklärungen aber lassen ein Interesse, wenn nicht sogar Vergnügen an dem "Schwindel erregenden Ideenreichtum" des Philosophen erkennen. Sloterdijk plädiert für eine Rückkehr aus der unbewohnbaren Zeit in den "gelebten Raum", und will seinen Lesern beibringen, wieder wohnen zu lernen. In seiner vorgestellten Abhandlung zur Globalisierung argumentiert er mit Arnold Gehlen und Hans Freyer eher "deutsch-national", bemerkt der Rezensent, der außerdem amüsiert feststellt, dass dabei die verbreiteten Globalisierungstheorien "en passant" nicht nur widerlegt, sondern schon eher "ridikülisiert" werden. Als "kenntnis- und facettenreich" würdigt Bauer auch die von Sloterdijk vorgenommene Einteilung der Globalisierung in drei Akten, namentlich "onto-morphologisch", "terrestrisch" und "elektronisch". Das Lokale sei schließlich aufgerufen, diser elektronischen Ortlosigkeit Paroli zu bieten. Martin Bauer jedenfalls ist dabei und ruft auch potenziellen Lesern zu: "Wohlan!"

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.03.2005

Kunde aus dem Gelee
Nach dem dritten Akt der Globalisierung sitzen wir im komfortablen Weltinnenraum des Kapitals. Aber wollen wir wirklich wieder wohnen lernen? Peter Sloterdijk plädiert für Ortstreue.
Um griffige Definitionen von Philosophie war Peter Sloterdijk, unangefochtener Medienstar unter den erzählenden Denkern deutscher Zunge, noch nie verlegen. Seine neueste lautet, die Philosophie sei „ihr Ort in Gedanken gefasst”. Selbst wir Halbgebildeten ahnen, wem die Pointe an den Kragen will: Hegel, der im Vorwort zur Rechtsphilosophie erklärt hatte, dass die Philosophie „ihre Zeit in Gedanken erfaßt”. Allerdings wäre es ein Irrtum, wollte man in Sloterdijks „Essay”, der sich als Abgesang auf die „Ära einseitiger Zeitvergötzung” versteht, einen Angriff auf die hegelsche Allianz von Geistesgegenwart und Zeitgenossenschaft erkennen. Nein, gerade dort, wo Sloterdijk mit Schwindel erregendem Ideenreichtum für die fällige Passage aus der unbewohnbaren Zeit zurück in den „gelebten Raum” plädiert, hat er Aktuelles im Auge - und einen gut hegelschen, kulturkonservativen Topos im Gepäck.
Seine als Abhandlung zur Globalisierung …

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Peter Sloterdijk, der Medienstar unter den deutschen Philosophen, hat wieder zugeschlagen. Nach seinem dreibändigen Mammutwerk Sphären legt er nun ein mit gut 400 Seiten relativ schmales Buch vor, in dem er der viel beschworenen und beschwätzten Globalisierung aus philosophischer Perspektive zu Leibe rückt. Sloterdijks Clou: Die Globalisierung ist gar nicht ein so neuartiges Phänomen, wie oft behauptet wird, sie begann schon mit den Entdeckungsfahrten von Kolumbus & Co. Und die heutigen Globalisierer - die um den Globus nicht mehr segelnden, sondern jettenden Business-People - sind die rücksichtslosen Tatmenschen, die Entdecker und Eroberer unserer Tage, im Guten wie im Schlechten. Sloterdijk skizziert den "kapitalistischen Weltinnenraum" als vorläufiges Endprodukt der Globalisierung: Es ist die westliche Wohlstandskugel, deren Bewohner sich zwar den Gesamtglobus verfügbar gemacht haben, die aber schön unter sich bleiben wollen. Sloterdijk schreibt wie gewohnt auf sprachlich hohem Niveau, kann sich aber auch so manchen Kalauer nicht verkneifen. Insgesamt eine äußerst anregende Lektüre, die getAbstract.com jedem empfiehlt, der ein Phänomen tiefer verstehen will, das allzu oft nur rein ökonomisch abgehandelt wird.
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Peter Sloterdijk, 1947 in Karlsruhe geboren, ist dort seit 1992 Professor für Philosophie und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung und seit 2001 deren Direktor. Seit 2002 leitet er zusammen mit Rüdiger Safranski die ZDF-Sendung "Im Glashaus - Das Philosophische Quartett". 2005 erhielt er den Sigmund-Freud-Preis, 2001den Christian-Kellerer-Preis für die Zukunft philosophischer Gedanken und 1993 den Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik. 2008 wurde Peter Sloterdijk mit dem Cicero Rednerpreis und dem Lessing-Preis für Kritik ausgezeichnet.

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