Menschenrauch - Baker, Nicholson

Nicholson Baker 

Menschenrauch

Wie der Zweite Weltkrieg begann und die Zivilisation endete

Übersetzer: Hedinger, Sabine; Bergfeld, Christiane
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Produktbeschreibung zu Menschenrauch

"Menschenrauch" hat schon bei seinem Erscheinen in den USA auch in der deutschen Presse für heftige Kontroversen gesorgt War der Zweite Weltkrieg der 'gerechte Krieg' gegen Hitler? Waren Churchill und Roosevelt die Lichtgestalten, welche die abendländische Zivilisation retteten? Um das herauszufinden oder doch einer Antwort wenigstens näher zu kommen, benutzt Nicholson Baker ein verblüffendes Mittel. Er "setzt aus historischen Nachrichten, Anekdoten und Kommentaren eine eindrucksvolle Textcollage zusammen, die überkommene Gewissheiten über den Krieg erschüttert" (Der Spiegel). Der Autor meldet sich nicht zu Wort, er vertraut auf die Wirkung der zitierten Texte aus Tageszeitungen, Politikerreden, Tagebüchern, Briefen. Herausgekommen ist "eine subjektive Chronik mit hohem Wahrheitsanspruch", (Süddeutsche Zeitung) die belegt, dass ein Vernichtungskrieg vermeidbar gewesen wäre. Bakers Buch ist ein flammendes Plädoyer für den Pazifismus und für den Erhalt der Menschlichkeit auch in schwierigen Zeiten.

Produktinformation


  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 636 S.
  • Seitenzahl: 640
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 138mm x 43mm
  • Gewicht: 664g
  • ISBN-13: 9783498006617
  • ISBN-10: 3498006614
  • Best.Nr.: 25572023
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.03.2009

Menschen mögen Krieg
Nicholson Baker rekonstruiert in „Menschenrauch” die Geschichte vom Untergang der Zivilisation im Zweiten Weltkrieg auf kontroverse Weise
Mit mehr Wut ist schon lange kein Werk der Literatur mehr begrüßt worden. Ein Buch für die Feinde der Demokratie hat Daniel Kehlmann Nicholson Bakers historische Collage „Menschenrauch” genannt; von „Häppchenhistorie” sprach Hans-Ulrich Wehler; Anne Applebaum, die verdiente Historikerin des Gulag, begreift das aus Originalquellen von 1892 bis 1941 zusammengefügte Werk Bakers als bizarres Resultat einer anti-professionellen, verschwörungstheoretisch infizierten Internetkultur, die aus einem Meer unsortierter und ungeprüfter Informationen regelrecht geisteskranke Gegengeschichten zum offiziellen Wissen zusammenbraut: Jesus hat mit Maria Magdalena eine Familie gegründet, und Churchill ist mitschuldig am Zweiten Weltkrieg. Nicholson Baker als Dan Brown der Zeitgeschichte.
Was hat Baker, dieser subtile Erzähler, nach John Updikes Tod der Letzte in der Schule von Proust und Nabokov, getan? Er hat auf 500 Seiten etwas mehr als 1000 historische Quellen, Zitate aus Zeitungen, Tagebüchern, …

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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Gar nicht überzeugt ist Michael Rutschky von Nicholson Bakers Buch "Menschenrauch”. Auf den ersten Blick fühlt er sich bei der aus Texten monterten Chronik an Walter Kempowskis Mammutprojekt "Das Echolot” erinnert. Doch bei genauerem Hinsehen erkennt man nach Rutschky schnell den Unterschied zwischen beiden Werken: während Kempowski nur seine Zeugen sprechen lässt und bei seiner Montage ausschließlich Zitate verwendet, gibt es bei Baker einen Erzähler, der zwar hin und wieder aus den Quellen zitiert, im Wesentlichen aber mit eigener "unverwechselbarer Stimme” spricht. Das Problem sieht Rutschky darin, dass man als Leser die Meinung dieses Erzählers, nur die Pazifisten hätten das Gute gewusst und getan, seien aber leider gescheitert, teilen müsse, ansonsten bleibe das Buch ohne Gewinn. Er hält Baker vor, seinen Erzähler als eine Art "höhnischen Gott” konzipiert zu haben, der über alle - Churchill, Roosevelt, Hitler - denselben Spott gieße und aus der Szenerie eine einzige "Freakshow” mache. Anders als von Kempowskis Chronik hat er davon relativ schnell genug.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.03.2009

Nachrichten aus dem Pandämonium

Eine Collage von Stimmen als literarisches Ereignis: Nicholson Baker glaubt nicht an Bomberpiloten als Helden und lässt den Zweiten Weltkrieg aus leisen Vorzeichen entstehen.

Von Lorenz Jäger

Die Hoffnung der Juden, die sich an den Zweiten Weltkrieg heftet, ist armselig." Max Horkheimer, Leiter des exilierten Frankfurter Instituts für Sozialforschung, schrieb diesen Satz in den ersten Septembertagen 1939 nieder. Merkwürdig ist er aus mehreren Gründen und wohl nicht zuletzt deshalb, weil damals eigentlich noch niemand von einem "Zweiten Weltkrieg" redete. Der "Weltkrieg" war im öffentlichen Sprachgebrauch immer noch der 1918 zu Ende gegangene. Horkheimers Satz hinterlässt ein leise gespenstisches Gefühl, fast wie der Titel jenes Gedichts, das Stefan George in den zwanziger Jahren verfasst hatte: "Einem jungen Führer im Zweiten Weltkrieg".

Solche Entdeckungen aber macht man in den Werken der akademischen Historiographie eher selten; Sätze wie der von Horkheimer liegen oft unterhalb des Aufmerksamkeitsradars, den sich die Geschichtswissenschaft zur Erfassung ihrer Befunde habituell eingestellt hat. …

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Nicholson Baker wurde 1957 in Rochester/New York geboren. Er studierte u.a. an der Eastman School of Music und lebt heute mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in South Berwick, Maine. 1997 erhielt er den Madison Freedom of Information Award.

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