Der Oberbefehlshaber der Armee im Zweiten Weltkrieg war ein Star zu
Lebzeiten. In einem der schwärzesten Momente der Schweizer
Geschichte, im Sommer 1940, als Frankreich zusammengebrochen und
die Schweiz allein Hitler ausgeliefert war, tat er etwas
Bemerkenswertes: Er zog die Armee in die Alpen zurück und baute
hier, im Reduit, eine gigantische Festung.
Ob Guisan sich bewährt hätte, wenn die Deutschen wirklich
angegriffen hätten: Es ist offen. Klar ist, dass er mit seinem
Entscheid fürs Reduit alles getan hatte, was militärisch möglich
war. Ob es die Deutschen abschreckte, wird sich nie mit
Bestimmtheit sagen lassen. In der Geschichte ist es schwer genug,
zu erklären, warum etwas geschehen ist. Zu begründen, warum ein
Ereignis nicht eingetroffen ist, treibt den Historiker zur
Verzweiflung. Immerhin, die Deutschen nahmen das Reduit wahr und in
ihren Berichten sprachen sie von einer "schwer zu lösenden
Aufgabe".
Es war eine Notlösung, die vielen zu Anfang als sehr kurios
erschien. Das Mittelland und die Familien aufzugeben, um die
Gletscher zu verteidigen: Allein dank Guisan, der täglich dafür
warb, erhielt bald fast die ganze Bevölkerung das Gefühl, die
Schweizer Armee habe das Richtige getan. Angst blieb bestehen,
dennoch fühlte man sich sicher, wenn dieser ältere Herr mit
französischem Akzent auf Radio Beromünster alle zum Widerstand
aufrief. Widerstand nach Schweizerart.
Hat Guisan die Schweiz gerettet? Was taugte das Reduit? Diese
Biografie eines der bedeutendsten Schweizer der Moderne ist auch
eine Geschichte der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Sie stellt alte
Fragen, und sie gibt neue Antworten.