Flucht durch den Winter - Schulz, Hermann

Hermann Schulz 

Flucht durch den Winter

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Flucht durch den Winter

Spätherbst 1943. Nachdem Ännchen Schwalbes Vater Judensterne auf die jüdischen Bücher seiner Lüneburger Buchhandlung geklebt hat, wird er von der SS abgeholt. Eines Tages ist auch die Mutter verschwunden, und das 14-jährige Ännchen wird zu Bauern nach Bredenbock in die Lüneburger Heide geschickt. Dort lernt sie den russischen Fremdarbeiter Sergej kennen. Als sie erfährt, dass die SS die Fremdarbeiter des Dorfes abholen soll, beschließt sie, mit Sergej zu fliehen ...


Produktinformation

  • Verlag: Carlsen
  • 2002
  • Ausstattung/Bilder: 2002. 198 S.
  • Seitenzahl: 144
  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 229mm x 142mm x 22mm
  • Gewicht: 388g
  • ISBN-13: 9783551580962
  • ISBN-10: 3551580960
  • Best.Nr.: 10825182

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Hermann Schulz erzählt eine Geschichte aus dem Krieg, einfühlsam, historisch genau und in einer schlichten Sprache, die Cathrin Kahlweit überzeugt hat. Im Mittelpunkt des Geschehens aus dem zweiten Weltkrieg steht ein Mädchen, das seinen Kosenamen Ännchen nicht ablegen kann, weil ihm die Familie abhanden gekommen ist. Es gerät in eine Pflegefamilie auf dem Land, wo es auch Fremd- und Zwangsarbeiter gibt, und einen von ihnen, einen Russen, begleitet Ännchen wie selbstverständlich auf der Flucht durch Deutschland. Flucht und erste Liebe, Hunger, Kälte und Verfolgung werden von Schulz ebenso unspektakulär wie poetisch geschildert, lobt Kahlweit. Am Ende werden die beiden, fast verhungert, von den Alliierten aufgegriffen; Ännchen wird wieder gesund und findet ihren Vater, während der junge Mann sehnsuchtsvoll gen Russland entschwindet. Ein Buch, das Kahlweit beeindruckt hat, weil hier kindliche Stärke völlig selbstverständlich geschildert wird.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.10.2002

Wo kommst du her?
Ein Mädchen und ein Fremdarbeiter auf der Flucht
Ännchen heißt das Mädchen, dessen Geschichte Hermann Schulz erzählt, und für das, was das Mädchen erlebt, ist Ännchen ein ziemlich niedlicher Kleinmädchenname. Ännchen heißt eigentlich Anna. Aber weil ihr die Familie im Krieg abhanden gekommen ist – der Vater kommt ins Lager, weil er aus Protest gegen die Judenverfolgung Bücher mit dem Judenstern beklebt, die Mutter stirbt bei einem Bombenangriff, der Bruder ist in Russland vermisst –, gibt es niemanden mehr, der aus dem kleinen Ännchen, das erwachsen wird, eine große Anna macht.
Der Kosename bleibt ihr – dabei muss sie Entscheidungen fällen wie eine Erwachsene und Härten durchleiden, unter denen mancher Erwachsene zusammengebrochen wäre.
Ännchen wohnt bei einer Pflegefamilie auf dem Dorf Bredenbock in der Lüneburger Heide, wo sie regelmäßig junge Russen trifft, die als Fremdarbeiter auf den Höfen arbeiten müssen. Mit einer jungen Russin – Anna heißt sie,wie das Ännchen – freundet sie sich heimlich an, obwohl das nicht gern gesehen wird. Fremdarbeiter sind keine Menschen. Auch Annas siebzehnjähriger Freund …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.10.2002

Zärtlichkeit in Zeiten des Krieges
Hermann Schulz erzählt von der "Flucht durch den Winter"

Als der Zweite Weltkrieg in Deutschland zu Ende ging, war es ähnlich zerstört wie dreihundert Jahre vorher nach dem Dreißigjährigen Krieg. Bombenangriffe hatten ganze Städte in Schutt und Asche gelegt. Soldaten der sich auflösenden Wehrmacht, Zwangsarbeiter aus vielen, vor allem östlichen Ländern und eine wachsende Zahl von Flüchtlingen durchstreiften das Land. Der totale Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft hinterließ ein Macht- und Ordnungsvakuum. Zwei Dinge sind in diesem Zusammenhang überraschend. Erstens, wie rasch sich in den folgenden Monaten und Jahren eine neue Ordnung gegen alle materiellen und sonstigen Widrigkeiten etablieren konnte. Zweitens aber, und das sieht wie ein schreiender Widerspruch dazu aus, wie lange die alte Ordnung der Nazis sich halten konnte, obwohl schon im Winter 1944/45 alles in Scherben zu fallen begann, nämlich sozusagen punktgenau bis zur Kapitulation im Mai 1945.

Im kollektiven Gedächtnis der Deutschen sind die Monate und Wochen bis zum Kriegsende lange verdeckt gewesen. Nun scheint die …

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Hermann Schulz, geboren 1938 in Nkalinzi in Tansania als Sohn eines deutschen Missionars. Er lebt seit 1960 in Wuppertal und leitete von 1967 bis 2001 den Peter Hammer Verlag. Reisen führten ihn in mehr als sechzig Länder, vor allem in Afrika und Lateinamerika. Roman-Veröffentlichungen. Auszeichnung 2001 mit dem Kunst- und Kulturpreis für internationale Verständigung.

Leseprobe zu "Flucht durch den Winter" von Hermann Schulz

"'Du brauchst Hilfe, sonst kriegen sie dich', sagt Ännchen. 'Wenn eine Deutsche mit einem Russen flüchtet, werden sie hinter uns her sein. Also, geh nach Hause!' meinte Sergej. Ännchen fror. Auch viel später hätte sie nicht erklären können, warum sie nicht einfach auf den Hof zurückgekehrt war. Es wäre einfacher gewesen ..."

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