 | Besprechung von 16.05.2000 |
Grausame KampagnenEin wenig überzeugender Versuch, die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs in China darzustellenDieter Kuhn: Der Zweite Weltkrieg in China. Duncker & Humblot, Berlin 1999. 385 Seiten, 98,- Mark.
19 Millionen Tote? 95 Millionen Flüchtlinge? Die Zahlen sind, wie so oft, umstritten; unzweifelhaft ist indes, dass der chinesisch-japanische Krieg zu den größten Katastrophen zählt, die China im zwanzigsten Jahrhundert heimsuchten. Die Vorgeschichte dieses Krieges, als dessen Beginn der so genannte "Mukden-Zwischenfall" am 18. September 1931 anzusehen ist, reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Nach den Auseinandersetzungen in Shanghai 1932 und der Gründung des Marionettenstaates Manchukuo trat der Konflikt in eine etwas ruhigere Phase ein, die jedoch weiterhin von einer Ausdehnung des japanischen Einflusses vor allem auf die (Innere) Mongolei und Nordchina geprägt war. Mit dem "Zwischenfall" an der Marco-Polo-Brücke am 7. Juli 1937 begann eine weitere, mehr als ein Jahr dauernde heiße Phase des Krieges, die vor allem durch das von den Japanern mit äußerster Brutalität durchgeführte "Nanking-Massaker" traurige …
Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Freddy Litten ist von diesem Band maßlos enttäuscht. Der Würzburger Sinologe Dieter Kuhn, der "zur chinesischen Technikgeschichte international anerkannte Beiträge geleistet hat", hat hier nach Ansicht des Rezensenten eine widersprüchliche, fehlerhafte - fast liest man zwischen den Zeilen "schlampige" - Arbeit vorgelegt. Litten missfällt einfach alles: Die Auswahl der Literatur zum Thema ist ihm unverständlich, wichtige Standardwerke fehlten. Die Darstellung sei unausgewogen, nicht einmal die amerikanische, geschweige den britische oder sowjetische Politik, die für den chinesisch-japanischen Krieg nicht ganz unwichtig waren, würden angemessen dargestellt. Sogar richtige Fehler hat er bemerkt. Traurig verkündet der Rezensent, dass eine "verlässliche Darstellung" dieses Krieges "weiter schmerzlich vermisst" wird.
© Perlentaucher Medien GmbH
"Der zweite japanisch-chinesische Krieg, ausgefochten von 1937 bis 1945, wird selten objektiv behandelt. Zu vielschichtig waren die Probleme, Interessen und ideologischen Verflechtungen und zu verworren die militärischen Operationen. Für die meisten Autoren kommen besondere Schwierigkeiten dadurch hinzu, daß selten jemand alle für die notwendigen Quellen und Darstellungen erforderlichen Sprachkenntnisse besitzt. Um so mehr ist daher zu begrüßen, daß der Autor des hier zu besprechenden Werkes sowohl das Chinesische als auch das Japanische beherrscht. Der fachkundige Leser weiß außerdem zu schätzen, daß Personen- und Ortsnamen sowie Fachbegriffen die chinsesischen bzw. japanischen Schriftzeichen beigegeben sind. Kuhn ist zudem ein hervorragender Kenner der chinesischen Geschichte, bezüglich Japans aber zeigt er sich nicht immer ganz firm. Trotzdem bemüht er sich, weitgehend mit beachtlichem Erfolg, beiden Seiten gerecht zu werden. Die zu einzelnen Punkten anzubringenden kritischen Bemerkungen sollen daher das Lob keineswegs schmälern. ... Kuhn teilt sein Werk in drei zeitliche Abschnitte ein: 1937/38; 1939 bis 1941; 1942 bis 1945. Ein Epilog behandelt kurz die Entwicklung in der Nachkriegszeit. Zahlreiche Karten tragen zum Verständnis der geschilderten Ereignisse bei. In der ersten Phase vom Kriegsausbruch zur -ausweitung führte Japan große militärische Operationen, in denen es zwar auch selbst oft äußerst große Verluste erlitt, China aber seiner wertvollsten Provinzen berauben konnte. Die Kriegführung war von extremen Greueln gekennzeichnet, gipfelnd in dem japanischen Massaker von Nanking. In der zweiten Phase wurde der Krieg 'eingefroren', da keinerlei Chancen für einen militärischen Sieg sichtbar waren, und der eroberte Raum wurde konsolidiert. In der dritten Phase schließlich mündete der China-Konflikt durch den japanischen Angriff auf die Positionen der angelsächsischen Mächte in den Pazifischen Krieg ein. ... Positiv ist der penibel geführte Nachweis zu werten, daß trotz aller offizieller Verlautbarungen beide Seiten keineswegs entschlossen waren, den Krieg bis zum bitteren Ende auszufechten, sondern durchaus immer wieder nach Friedensmöglichkeiten suchten. ... Das widerwillige militärische Engagement der Chinesen trug nach Kuhns Ansicht erheblich dazu bei, daß die UdSSR als Partner der USA größeres Gewicht gewann und sich Zugeständnisse für die Nachkriegszeit sichern konnte, die auch auf Kosten Chinasgingen." (Militärgeschichtliche Zeitschrift, 1/2000)
"Der zweite japanisch-chinesische Krieg, ausgefochten von 1937 bis 1945, wird selten objektiv behandelt. Zu vielschichtig waren die Probleme, Interessen und ideologischen Verflechtungen und zu verworren die militärischen Operationen. Für die meisten Autoren kommen besondere Schwierigkeiten dadurch hinzu, daß selten jemand alle für die notwendigen Quellen und Darstellungen erforderlichen Sprachkenntnisse besitzt. Um so mehr ist daher zu begrüßen, daß der Autor des hier zu besprechenden Werkes sowohl das Chinesische als auch das Japanische beherrscht. Der fachkundige Leser weiß außerdem zu schätzen, daß Personen- und Ortsnamen sowie Fachbegriffen die chinsesischen bzw. japanischen Schriftzeichen beigegeben sind. Kuhn ist zudem ein hervorragender Kenner der chinesischen Geschichte, bezüglich Japans aber zeigt er sich nicht immer ganz firm. Trotzdem bemüht er sich, weitgehend mit beachtlichem Erfolg, beiden Seiten gerecht zu werden. Die zu einzelnen Punkten anzubringenden kritischen Bemerkungen sollen daher das Lob keineswegs schmälern. ... Kuhn teilt sein Werk in drei zeitliche Abschnitte ein: 1937/38; 1939 bis 1941; 1942 bis 1945. Ein Epilog behandelt kurz die Entwicklung in der Nachkriegszeit. Zahlreiche Karten tragen zum Verständnis der geschilderten Ereignisse bei. In der ersten Phase vom Kriegsausbruch zur -ausweitung führte Japan große militärische Operationen, in denen es zwar auch selbst oft äußerst große Verluste erlitt, China aber seiner wertvollsten Provinzen berauben konnte. Die Kriegführung war von extremen Greueln gekennzeichnet, gipfelnd in dem japanischen Massaker von Nanking. In der zweiten Phase wurde der Krieg 'eingefroren', da keinerlei Chancen für einen militärischen Sieg sichtbar waren, und der eroberte Raum wurde konsolidiert. In der dritten Phase schließlich mündete der China-Konflikt durch den japanischen Angriff auf die Positionen der angelsächsischen Mächte in den Pazifischen Krieg ein. ... Positiv ist der penibel geführte Nachweis zu werten, daß trotz aller offizieller Verlautbarungen beide Seiten keineswegs entschlossen waren, den Krieg bis zum bitteren Ende auszufechten, sondern durchaus immer wieder nach Friedensmöglichkeiten suchten. ... Das widerwillige militärische Engagement der Chinesen trug nach Kuhns Ansicht erheblich dazu bei, daß die UdSSR als Partner der USA größeres Gewicht gewann und sich Zugeständnisse für die Nachkriegszeit sichern konnte, die auch auf Kosten Chinas gingen." Gerhard Krebs, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift, 1/2000 "Der Verfasser, Professor für Sinologie an der Universität Würzburg, verfolgt nicht den Ehrgeiz, durch Erschließung bisher unbekannter Primärquellen neue Teilerkenntnisse zu seinem Thema zu gewinnen oder gar den gesamten Zweiten Weltkrieg in China in einem neuen Licht erscheinen zu lassen. Er hat, wie er sagt, nicht die Absicht, das Wagenrad nochmals zu erfinden. Auch entwickelt er keine neuen Theorien zu seinem Gegenstand, ja er bezeichnet seine Arbeit sogar als 'antitheoretisch'. Er möchte vielmehr eine kritische Beurteilung der Ereignisgeschichte eines der bedeutsamsten historischen Abschnitte Ostasiens im 20. Jahrhundert bieten, alle wesentlichen Vorgänge chronologisch aufarbeiten und dabei das komplizierte Wechselspiel zwischen ideologischen, machtpolitischen und militärischen Faktoren sichtbar machen. Dieses ist ihm hervorragend geglückt. Gestützt auf vorwiegend chinesische, japanische und amerikanische Forschungsergebnisse gelingt es, Entstehung, Verlauf und Ergebnisse des Krieges plausibel darzustellen. Die wesentlichen Aussagen werden quellenmäßig überzeugend belegt. Das Buch ist in einer klaren Sprache geschrieben und übersichtlich gegliedert. Es gewinnt an Wert dadurch, dass im Text den chinesischen und japanischen Eigennamen wie auch den transkribierten Wendungen die Originalschriftzeichen hinzugefügt werden; dasselbe gilt für die in der reichhaltigen Bibliographie enthaltenen Titel. Durch ein umfängliches Register, das neben Personen- und Ortsnamen auch Sachtermini enthält, wird die Benutzbarkeit als Nachschlagewerk erhöht. Herausgekommen ist die erste umfassende Arbeit in deutscher Sprache zum Thema. Das Buch ist aus Vorlesungsmanuskripten und Seminarvorbereitungen entstanden. Dies erklärt seine pädagogisch geschickte Darstellungsweise. Es kann daher als Lehrbuch für den Hochschulbereich wärmstens empfohlen werden. Eine englische und eine chinesische Ausgabe sind ihm zu wünschen." Dieter Heinzig, in: Asien, Nr. 87
Sitemap: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20