Konfessionelles Zeitalter 1555-1618; Dreißigjähriger Krieg 1618-1648 - Gebhardt, Bruno

Bruno Gebhardt 

Konfessionelles Zeitalter 1555-1618; Dreißigjähriger Krieg 1618-1648

Von Maximilian Lanzinner u. Gerhard Schormann
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Konfessionelles Zeitalter 1555-1618; Dreißigjähriger Krieg 1618-1648

Band 10: Die Epoche hat gegensätzliche Signaturen - ein in Europa einzigartiger Friede, die Polarisierung der Konfessionen, ein verheerender Kriegszustand. Krisen in Wirtschaft und Gesellschaft begleiteten den Absturz in den Krieg - Agrarkrisen, Revolten, Hexenwahn. Gewinner waren die großen Territorien. Sie stiegen zu frühmodernen, konfessionell geprägten Kleinstaaten auf.


Produktinformation

  • Handbuch der deutschen Geschichte
  • Frühe Neuzeit bis zum Ende des Al, Bd.10
  • Verlag: Klett-Cotta
  • 2008
  • 10., neubearb. Aufl. 2008.
  • Ausstattung/Bilder: XLVIII, 320 S. 219 mm
  • Seitenzahl: 320
  • Deutsch
  • Abmessung: 219mm x 144mm x 34mm
  • Gewicht: 620g
  • ISBN-13: 9783608600100
  • ISBN-10: 3608600108
  • Best.Nr.: 09414654

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Seit 1892 ist der Gebhardt das zuverlässige Überblicks-Werk über die deutsche Geschichte. Auch konzeptionell ist er in all seinen Neuausgaben mit der Zeit gegangen: die neueste vollständige Überarbeitung macht da keine Ausnahme, ist auf 24 Bände geplant, mit vier Herausgebern. Die Bände neun und zehn, die bereits erschienen sind, nimmt der Rezensent Joachim Whaley in einer ausführlichen, auch ins Detail gehenden Besprechung, als Probe aufs Exempel der bis 2005 sich vervollständigen Gesamtausgabe.
1) Wolfgang Reinhard: "Gebhardt" Band 9: Probleme deutscher Geschichte 1495-1806 / Reichsreform und Reformation 1495-1555
Whaley ist von der Neukonzeption sehr angetan, lobt etwa die auch theoretische Veränderungen des Fachs reflektierende Einleitung in den 9. Band von Wolfgang Reinhard. Der Abschied von der Fokussierung auf politische Geschichte ist endgültig gekommen, es werden nun auch "Wirtschaft, Gesellschaft, Verfassung, Politik, Mentalität und Kultur in ihren Wechselwirkungen zusammenhängend analysiert." Gelungen scheint Whaley das in beiden Bänden gut, wenn auch methodisch durchaus unterschiedlich. Kritisch setzt er sich mit einzelnen Punkten auseinander, …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 24.09.2001

Kein Ende der Geschichte
Ein Neubeginn: Der "Gebhardt" zeigt sich auf der Höhe der Zeit

Seit mehr als hundert Jahren gilt der "Gebhardt" als eine deutsche Institution. Bruno Gebhardt, Oberlehrer an der städtischen Realschule Berlin, veröffentlichte sein Handbuch der deutschen Geschichte in den Jahren 1891/92 als "eine vollständige, dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft entsprechende deutsche Geschichte". Das Handbuch etablierte sich schnell als Standardwerk. Als 1922/23 Aloys Meister die sechste Auflage herausgab, hatten führende Wissenschaftler Gebhardts ursprüngliche Mannschaft von Lehrern ersetzt. Trotz Bedenken, ob man nach der "deutschen Katastrophe" wieder "in die Enge bloßer Nationalgeschichte zurücklenken" sollte, wurde nach 1945 eine achte Auflage unter der Leitung von Herbert Grundmann vorbereitet. Die neuen Autoren verzichteten auf die nationalpolitische Linie ihrer Vorgänger. Einige neue Forschungsrichtungen wurden angedeutet, und in der neunten, leicht veränderten Auflage von 1970 bis 1976 erschien auch eine Auseinandersetzung mit der sich entwickelnden materialistischen Historiographie der DDR. Struktur und Form des Handbuchs …

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Alfred Haverkamp, geboren 1937, Studium der Geschichte, Germanistik und Philosophie in Münster, Würzburg und München; 1964 Promotion in München; 1965/65 Archivreferendar, 1969 Habilitation. Seit 1970 ordentlicher Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Trier. 1988 Gastprofessor an der Hebrew University, Jerusalem, 1995 Stipendiat am Historischen Kolleg in München; Wolfgang Reinhard, geboren 1937, studierte Geschichte, Anglistik und Geographie in Freiburg und Heidelberg. Reinhard promovierte 1963 in Neuerer Geschichte in Freiburg, wo er sich 1973 auch habilitierte. 1977 ordentlicher Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit in Augsburg und seit 1990 ordentlicher Professor für Neuere Geschichte in Freiburg; Jürgen Kocka, geboren 1941, studierte Geschichte, Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie in Marburg, Wien, Berlin und Chapel Hill (North Carolina). Er promovierte 1968 bei Gerhard A. Ritter; Wissenschaftlicher Assistent in Münster und ADLS-Fellow in Harvard bis 1972; nach der Habilitation Professur an der Universität Bielefeld 1973 - 1988; als Gastprofessor bzw. Fellow u.a. in Princeton, Jerusalem, Stanford und Paris. Seit 1988 Professor für die Geschichte der industriellen Welt an der FU Berlin sowie seit 1991 ständiges Mitglied des Wissenschaftskollegs zu Berlin. Zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Leibniz-Preis 1992. Präsident des »Comité des Sciences historiques«; Wolfgang Benz, geboren 1941, ist Professor für Antisemitismusforschung an der TU Berlin. Er hat zahlreiche Werke zur Geschichte des Dritten Reiches und der nationalsozialistischen Judenverfolgung vorgelegt, darunter »Die Juden in Deutschland«; »Der Holocaust«; »Enzyklopädie des Nationalsozialismus« (Hrsg. zusammen mit Hermann Graml und Hermann Weiß, 1997) und »Geschichte des Dritten Reiches« (München 2000).

Leseprobe zu "Konfessionelles Zeitalter 1555-1618;..."

§ 2 Europäische Konflikte und ihre Wirkungen auf das Reich 1555-1586

Der Friede von Cateau-Cambrésis (3.4.1559), ein Wendepunkt der europäischen Geschichte, beendete für drei Jahrzehnte den offenen Kampf zwischen den Häusern Habsburg und Valois, indem er Spanien die Vorherrschaft in Italien beließ. Der Friede, geschlossen von finanziell erschöpften Mächten, erhielt Dauer, weil die Krone Frankreich seit 1562 von den Hugenottenkriegen, die Krone Spanien seit 1568 vom Aufstand der Niederlande in Anspruch genommen war. Die Hugenottenkriege wie der niederländische Aufstand hatten ein Ursachenfeld, in dem sich religiöser Haß, materielle Interessen, der Kampf um Herrschaft zwischen Krone und Ständen sowie pure Machtpolitik unauflösbar mischten. Aber die religiöse Konfliktlinie bündelte in Frankreich wie in den Niederlanden die Gegensätze, die Calvinisten wurden durch ihren im Glauben wurzelnden Selbstbehauptungs- und Sendungswillen gegen Niederlagen und bequeme Kompromisse immunisiert. Europa teilte sich in alt- und neugläubige Mächte, auf der einen Seite Spanien-Habsburg, Valois und die Kurie, auf der anderen Hugenotten, Holländer und die Krone England. Diese Spaltung wirkte ab 1567/68 in zweifacher Hinsicht ins Reich hinein. Zum einen wurde das Reich zum militärischen Rekrutierungsgebiet, aus dem die Konfliktparteien ihre Söldnerarmeen auffüllten. Immer häufiger verlagerten sich daher Kriegshandlungen direkt in Territorien an Ems und Rhein. Zum anderen drohte die Gefahr, daß die Macht-, Stände- und Religionskämpfe des Westens auch politische Frontbildungen im Reich induzierten.

Eine neuartige Bedrohung erwuchs dem Reich im Nordosten. 1558 eröffnete Zar Iwan IV. den Krieg um den Besitz Livlands, der in den Kampf um die Vorherrschaft im Ostseeraum einmündete. Rußland und in der Folge Schweden, das seit 1563 die Küstenregionen Pommerns und Mecklenburgs beunruhigte, stiegen zu Konkurrenten Dänemarks und Polens auf. Die große Politik Karls V. hatte die Mitte, den Westen und Süden Europas zu einem Aktionsraum zusammengeführt, mit Korrespondenzbeziehungen, Diplomaten, Bündnissen und Konflikten. Der Nordosten dagegen verharrte bis 1558 an der Peripherie. Ihn rückten die Kriege in Livland und der Ostsee, die sich bis hin zur Getreideversorgung Spaniens und Englands auswirkten, ins politische Gesichtsfeld. In dem noch losen gesamteuropäischen Mächtesystem nahm das Reich nunmehr die Mitte ein. Dennoch konnte und wollte das Reich keine äußere Politik betreiben, weil die Interessen des Kaisers, der Reichsstände und der Regionen zu weit auseinanderliefen. Dies hatte zur Folge, daß die äußeren Spannungen zumindest auf Einflußzonen an den Grenzen des Reichs übergriffen. Eine gemeinsame Politik und Kriegführung waren nur möglich gegenüber dem Osmanischen Reich. Zwar hatten als erste die Erb- und Kronländer Habsburgs die Frontlinie des Reichs und Europas gegen das Osmanische Reich zu verteidigen. Die existentielle Bedrohung durch den Erbfeind der Christenheit und die Möglichkeit eines Vorstoßes in den bayerischen und sächsischen Raum verpflichteten jedoch alls Reichsstände.

IV. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) Als gravierende Zäsur kann der Westfälische Frieden sicher für die deutsche, in gewisser Weise auch für die europäische Geschichte gewertet werden. Die Trennung der spanischen und österreichischen Habsburger bedeutete mehr als nur das Ende einer langen Konstante der europäischen Politik. Für Deutschland war jeder Versuch des Kaisers beendet, seine Macht als Reichsoberhaupt ausdehnen zu können. Umgekehrt eröffnete der Westfälische Frieden zumindest den größeren Reichsständen neue Möglichkeiten ihrer inneren und äußeren Entwicklung. Das einzige vom Kaiser dauerhaft erreichte Kriegsziel, seine Machtstellung in den Erblanden, sollte ebenfalls für die deutsche wie die europäische Geschichte langfristige Folgen haben, auch wenn diese 1648 nicht erkennbar waren. Es wurde die Grundlage der österreichischen Monarchie, daß die 1620 einsetzende Verschiebung der Macht von den Ständen zur Zentralgewalt wie der Zwang zur Konfessionseinheit anhielten, und daß dem Machtverlust im Reich ein Machtzuwachs im Südosten folgte. In der Frage von Krieg und Frieden freilich brachte das Jahr 1648 keinen langfristigen Einschnitt. Weit davon entfernt, ein universeller und immerwährender Frieden zu sein, wie Artikel 1 des Vertrages von Münster verkündete, hat der Westfälische Frieden nicht einmal dem Reich eine sonderlich lange Friedenszeit gebracht - keine 30 Jahre nach seinem Abschluß sah es sich mit der französischen Expansionspolitik konfrontiert, die eine neue lange Periode kriegerischer Verwicklungen einleitet. Diese vielen Kriege bis zur Französischen Revolution können schwerlich als Rückfälle oder verspätete Folgen des Systems aus der Zeit vor 1648 eingestuft werden. In Sachen Krieg und Frieden blieb der Westfälische Frieden ein Ideal.

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