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allegra
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55 

Bewertungen


Insgesamt 110 Bewertungen
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Berg, Alex Dein totes Mädchen EUR 9,99
  • Bewertung vom 13.05.2013
  • ****
    sehr gut
  • Dieses Buch nimmt den Leser mit auf eine Reise in den hohen Norden aber auch in die Kindheit und Jugend der Hauptfiguren. Caroline hat in einem kleinen Dorf in Nordschweden eine glückliche Kindheit verbracht. Als junge Frau hat sie Schweden jedoch für ganze 28 Jahre den Rücken gekehrt. Mit fast 50 verliert sie ihre 26 jährige Tochter durch einen tragischen Unfall. Da sie nicht mit dem Verlust fertig wird, reist sie mit ihrem Hund in ihr Heimatdorf zruück, wo sie versucht zur Ruhe zu kommen. Durch die Begegnung mit alten Freunden, allen voran ihrer großen Jugendliebe Ulf, der inzwischen bei der Kriminalpolizei Karriere gemacht hat, werden sehr viele Erinnerungen wach.
    Es wird sehr bald klar, dass Caroline durch dunkle Geheimnissen belastet ist, denen sie sich stellen muss.

    Dieser Roman beginnt wie ein Krimi. Die Spannung wird anfangs sehr schnell aufgebaut und bleibt auch durchwegs hoch. Allerdings verlagert sich die Thematik sehr bald. Das Buch ist mehrheitlich geprägt durch die unheimliche aber auch schöne und ruhige Atmosphäre im eisigen Winter Nordschwedens und die Beziehungen von Caroline und ihren Jugendfreunden, die durch viele Rückblenden und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden.

    Die eingängige sprachliche Ausdrucksweise von Alex Berg ermöglichte mir, das Buch recht zügig zu lesen und in die beeindruckende Atmosphäre einzutauchen. Die Charaktere gewinnen im Laufe des Romans mehr und mehr Konturen. Dennoch konnte ich die Hauptfigur nicht so wirklich greifen. Gut gefallen hat mir, dass die Autorin den Mut gehabt hat, zu dem Ende zu finden, der zum Buch passt und nicht in ein Happy End ausgewichen ist, das vermutlich vielen Lesern besser gefallen hätte.

    Von mir erhält dieser gefühlvolle und stimmungsvolle Roman 4 Sterne.
Masterman, Becky Der stille Sammler / Brigid Quinn Bd.1 EUR 18,00
  • Bewertung vom 23.04.2013
  • ****
    sehr gut
  • Ein unheimlicher Serienkiller verbreitet entlang der Route66 Angst und Schrecken. Jeden Sommer wird über mehrere Jahre hinweg eine Frau in der Nähe der Route66 brutal ermordet. Allen Leichen gemeinsam ist, dass ihnen ein Ohr fehlt. Brigid Quinn, eine erfahrene FBI Agentin ist mit dem Fall betraut. Sie versucht mit ihrer jungen Kollegin Jessica, die als Lockvogel eingesetzt wird, den Täter zu fassen. Doch der Zugriff geht gründlich schief. Der Kontakt zu Jessica bricht ab, sie wird vom Täter überfallen, ihre Leiche bleibt verschwunden. Acht Jahre später versucht Brigid Quinn ein ruhiges Rentnerleben zu führen. Sie ist verheiratet mit Carlo, einem klugen und warmherzigen Mann. Eines Tages wird sie von Laura Coleman kontaktiert. Bei einer Straßenkontrolle ist ein Mann aufgefallen. Er hatte eine mumifizierte Leiche im Wagen und behauptete nach seiner Festnahme, er wäre der Route66 Killer. Tatsächlich konnte er Brigid, Laura und die anderen Ermittler zu Jessicas Leiche bringen. Doch Laura und Brigid glauben nicht, dass er der Täter ist und ermitteln auf eigene Faust.


    Meine Meinung

    Am Auffälligsten war für mich bei diesem Thriller die Protagonistin. Als 59 jährige Ex-Agentin, die bereits mit kleineren körperlichen Einschränkungen zu kämpfen hat, passt sie eindeutig nicht ins übliche Thrillerklischee. Die Lösung des Falles fand ich durchgehend spannend beschrieben. Von den Handlungsorten wie von den Personen konnte ich eine gute Vorstellung gewinnen. Etwas schade fand ich, dass einige im Verlaufe der Aufklärungen zutage getretenen Fährten meiner Meinung nach nicht optimal ausgewertet worden sind. Daraus hätte man mehr Stoff zum Miträtseln machen können. Die Auflösung ist unerwartet und der Showdown liest sich wie von einer sehr routinierten Autorin. Insgesamt habe ich mich bei der Lektüre bestens unterhalten gefühlt und vergebe eine Leseempfehlung mit 4 Sternen.
Stolzenburg, Silvia Im Reich der Löwin EUR 16,95
  • 1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 17.04.2013
  • ****
    sehr gut
  • Bei „Im Reich der Löwin“ handelt es sich um einen historischen Roman, der sich deutlich unterscheidet vom Typ „Liebesgeschichte vor historischer Kulisse“. Das Buch ist ein Füllhorn an historischen Informationen und ich bin sicher, dass man beim wiederholten Lesen immer wieder neue Details findet an geschichtlichen Verflechtungen, die manchmal im Vorbeigehen erwähnt sind.

    Die Handlung des Romans wird aus verschiedenen Perspektiven in chronologischer Reihenfolge erzählt. Die meisten handelnden Figuren sind historisch belegt und glaubhaft charakterisiert. So sind der aufbrausende Charakter und seine bisweilen leichtsinnige Verhaltensweise von Richard Löwenherz sehr gut vorstellbar. Die fiktiven Personen sind geschickt eingewoben in das Beziehungsgefüge der historisch verbürgten Figuren. Eine Personenübersicht und eine Karte von Frankreich erleichtern einem das Verständnis.

    Die Liebesgeschichte, die sich zwischen zwei Figuren anbahnt ist sehr behutsam eingefügt, man erlebt, wie ungewiss das Leben von jungen, an sich privilegierten Frauen war, weil sie, oft als Spielball für Machtintrigen dienten.

    Ich habe dieses Buch ohne Kenntnis des ersten Bandes gelesen und habe nach kleineren Anfangsschwierigkeiten gut in die Geschichte hinein gefunden. Die schnell aufeinander abfolgenden Szenenwechsel fand ich manchmal etwas anstrengend. Kaum hatte ich mich in eine Handlungsumgebung eingelesen, wurde ich wieder durch einen Wechsel des Schauplatzes herausgerissen. Aus diesem Grund empfehle ich das Buch so zu lesen, dass man ausreichend Zeit am Stück damit verbringen kann.

    Der Schreibstil von Silvia Stolzenburg sagt mir sehr zu, weil sie es förmlich versteht, mit Worten zu malen. Ich konnte mir die Burgen und Heereslager immer sehr gut vorstellen. Man spürt, dass die Autorin auch bei Kleinigkeiten wie architektonischen Besonderheiten oder der Kleidung sehr genau recherchiert hat.

    Mein Fazit

    „Im Reich der Löwin“ ist ein sehr reichhaltiger historischer Schmöker, der dem Leser die Geschichte von Richard Löwenherz nach seiner Rückkehr ins Reich bis zu seinem Tod näher bringt. Das Buch ist der zweite Teil von „Schwerter und Rosen“ und kann eigenständig gelesen werden. für den optimalen Lesegenuss empfiehlt sich aber die Einhaltung der Reihenfolge.
    Ich vergebe diesem Buch eine Lesempfehlung für Liebhaber guter historischer Mittelalter-Romane. Allerdings ist es keine leichte Lektüre und erfordert die Bereitschaft, sich etwas intensiver mit der Lektüre zu beschäftigen als es beim üblichen Unterhaltungsroman der Fall ist.
Strobel, Arno Der Sarg EUR 9,99
  • 1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 11.03.2013
  • ***
    gut
  • In diesem Thriller spielt Arno Strobel mit der Urangst aller Menschen, lebendig begraben zu sein. Das ist nun nicht wirklich eine neue Idee in einem Thriller, dennoch bietet es natürlich immer wieder Anlass zu Nervenkitzel. Doch ist das in diesem Buch wirklich gelungen?

    Bei mir leider nicht so wirklich. „Der Sarg“ ist sicherlich spannend zu lesen, ich habe mich die ganzen 360 Seiten lang nicht gelangweilt; aber das echte Pageturner und Nervenkitzel Gefühl hat mir gefehlt. Als recht routinierte Leserin ist mir ein entscheidender Hinweis zum Tatort sehr früh aufgefallen. Und die Täterschaft habe ich nach der Hälfte auch - leider richtig - vermutet. Ich bevorzuge aber ehr unerwartete, und doch schlüssige Wendungen und Überraschungen. Darauf habe ich hier vergebens gewartet. Allerdings hätte es mich sehr Wunder genommen, wie es mit den Nebenfiguren weitergegangen ist. Die sind nämlich teilweise wirklich interessant und hätten mehr hergegeben. Aber das ist leider nicht weiter ausgeführt.

    Ein sicherlich wichtiges Thema, das Strobel im Buch aufwirft, ist Missbrauch an Kindern und das Wegschauen der Beteiligten. Es ist erschreckend und macht mich unendlich wütend, wenn Erwachsene es nicht wahrhaben wollen, wenn Kinder in Not sind. Und man muss alles erdenkliche Verständnis für Menschen haben, denen in der Kindheit Unrecht angetan wurde. Aber das Thema ist inzwischen auf dem Thrillermarkt etwas zu omnipräsent, dass es für mich schon in die Richtung Effekthascherei geht.

    Im Gegensatz zu „Das Skript“ fand ich diesen Thriller schwächer, weil mich auch die Herausarbeitung der Ermittlercharaktere nicht überzeugt hat. Ich weiß, dass Arno Strobel das besser kann, freue mich auf den nächsten Teil und hoffe, dass er sich genügend Zeit dafür nimmt und sich nicht zu sehr unter Zeitdruck setzen lässt.
Riebe, Brigitte Die schöne Philippine Welserin EUR 14,99
  • 2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 07.03.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • Inhalt

    Der Roman „Die schöne Philippine Welserin“ zeigt die Jahre der Kaufmannstochter Philippine Welser von 1556 bis zu ihrem Tod 1595. Philippine, von ihren Angehörigen Pippa genannt, trifft bei einem Besuch bei ihrer Tante Katharina von Loxan auf Schloss Bresnitz in Böhmen den Erzherzog Ferdinand II von Habsburg. Die beiden verlieben sich ineinander und Ferdinand macht Philippine einen Heiratsantrag. Allerdings muss die Ehe geheim bleiben, was sich im Laufe der Jahre für Pippa als sehr belastend herausstellt. Ferdinands Vater, der Kaiser, darf auf gar keinen Fall davon erfahren, dass sein Sohn eine Bürgerliche geehelicht hat. Philippine muss sogar ihre neugeborenen Kinder in einer demütigenden Prozedur vor ihrer Schwelle als „Schwellenkinder“ auffinden und kann sie dann als Findelkinder adoptieren.
    Ferdinand stattet Philippine mit viel Luxus aus. Erst wohnt Philippine auf Schloss Pürglitz in Böhmen, weil Ferdinand oft am Hofe in Prag sein muss. Nach dem Tod seines Vaters tritt Ferdinand die Herrschaft über Tirol an und zieht mit seiner Familie ins Schloss Ambras bei Innsbruck.

    Philippine befasst sich wie ihre Mutter Anna sehr intensiv mit der Kräuterheilkunde. Auf ihren Schlössern werden Kräutergärten angelegt. Philippine kann vielen Menschen helfen und wird vom Volk als Heilkundige verehrt.

    Erst nach 20 Jahren wird die Ehe zwischen Ferdinand und Philippine vom Papst als gültig erklärt und ihre beiden Söhne in die Erbfolge aufgenommen. Doch Philippine ist gesundheitlich schon geschwächt und gezeichnet durch ihre Sorgen. Dazu muss sie auch noch erkennen, dass ihr Ferdinand bereits einen regen Briefkontakt pflegt mit einer jungen Adligen, die er plant zu heiraten, sobald Philippine tot ist.

    Philippine Welserin erliegt letztendlich einer unheilbaren Krankheit, es bleibt offen, ob es sich um eine Vergiftung gehandelt hat.


    Meine Meinung

    Ich konnte mit diesem Buch sehr schön Abtauchen in das recht traurige Leben der Philippine Welserin. Heilpflanzen spielen sowohl in der Handlung als auch in der Gestaltung des Buches eine große Rolle. Den einzelnen Kapiteln sind jeweils die Zeichnungen einer Heilpflanze und deren Wirkung vorgestellt, die im Laufe des Kapitels eine Rolle spielt. In Überschriften ist der Schauplatz und das Jahr genannt, sodass man sich sehr gut orientieren kann.

    Die Schreibweise von Brigitte Riebe gefällt mir sehr gut. Sie verliert sich nicht in ausschweifenden Beschreibungen, sondern wählt ihre Worte so treffend, dass sie bei mir irgendwie innere Saiten anregen, sodass mir die jeweiligen Personen und Orte vorstellen und ihre Sorgen und Nöte nachfühlen kann.

    Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt. Einmal von einem allwissenden Erzähler und zum anderen in einem Tagebuch, das Philippine führt. Dadurch kann man sehr schön miterleben, wie sich das Geschehen in ihrer Gefühlswelt reflektiert.

    Dem Motiv der Vergiftung begegnet man immer wieder und das ist auch durchaus spannend. Aber mir war es fast etwas zuviel. Ich fragte mich, weshalb sich denn Philippine überhaupt mit soviel Pflanzen umgibt, wenn sie sich doch ständig von Giftmördern verfolgt fühlt.

    Für das wunderschön gestaltete Cover, das ein Portrait von Philippine Welser trägt und im Inneren der Klappen die Heilpflanzen zeigt, die im Buch vorkommen hat der Gmeiner Verlag ein Extralob verdient. Etwas Mühe habe ich mit der Einordnung. Das Buch wird als Historischer Kriminalroman bezeichnet. Es kommen natürlich kriminelle Elemente drin vor, aber die werden größtenteils nicht aufgeklärt sondern dienen eher, dem Aufbau einer etwas unheimlichen Stimmung.


    Mein Fazit

    Dieses Buch erzählt eine wahre Liebesgeschichte aus der Renaissance. Die Figuren sind größtenteils historisch verbürgt und tragen die Charakterzüge, wie sie zu der Zeit passen. Ich kann den Roman Liebhabern von historischen Romanen empfehlen. Aber wer einen Kriminalroman erwartet, wird womöglich etwas enttäuscht.
Jameson, Hanna Kalter Schmerz EUR 14,99
  • Bewertung vom 22.02.2013
  • ***
    gut
  • Inhalt

    Nic Caruana wird als siebzehnjähriger von einer Bande Jugendlicher überfallen. Aus Versehen tötet er dabei einen Jungen. Sein älterer Bruder Anthony möchte versuchen, die Tat zu vertuschen, aber Nic beichtet alles seinem Vater. Was danach folgt ist für diesen, der von Beruf Polizist ist, eine große Enttäuschung. Nic kommt in den Jugendstrafvollzug. Dadurch scheint sein Leben vorgezeichnet zu sein.

    Als junger Erwachsener ist Nic zwar bereits zu einigem Wohlstand gekommen. Aber um welchen Preis? Er arbeitet als eine Art Privatermittler: Er spürt Menschen auf oder löst Probleme wie die Entsorgung einer Leiche. Mit anderen Worten, er lebt im Milieu der Verbrecher und Dealer.

    In der Haupthandlung wird Nic vom Waffenhändler Pat Dyer beauftragt, seine Tochter Emma zu suchen, die nicht zu einer Verabredung mit ihrer Freundin erschienen und seither verschwunden ist. Das Mädchen wird tot aufgefunden und Nic soll den Täter finden und vermutlich nicht nur das.

    Bei den Ermittlungen kommt Nic Emmas Mutter Clare näher, die bildhübsch ist. Von Beruf ist sie Tänzerin und Model. Die Suche nach den Tätern führt den Leser in die Londoner Unterwelt, die regiert wird durch Sex, Drugs und viel Geld aus illegalen Geschäften.


    Meine Meinung

    Der Thriller hat auf mich den Eindruck eines rasanten Gangsterfilms gemacht. Die Story ist durchaus interessant angelegt und das Buch ist auch durchgehend spannend. Dennoch ist mir sehr vieles zu oberflächlich geblieben. Die Figuren sind zum Großteil mehr skizziert als charakterisiert. Die Hauptfiguren Nic, sein Freund Mark, Clare und Pat sind alles sehr komplizierte Persönlichkeiten, mit denen ich mich naturgemäß überhaupt nicht identifizieren konnte, weil sie in einem, mir völlig fremden Umfeld agieren.

    Für sensiblere Gemüter würde ich das Buch nicht empfehlen, das es an sehr gewalttätigen und blutigen Szenen nicht gerade mangelt. Da mir diese Unterwelt der Verbrecher als sehr unwirklich erschien, hatte ich genügend Distanz, dass ich es nicht so schlimm fand. Überhaupt hat mich das Buch nicht wirklich mitgerissen.

    Die Ausdrucksweise ist sehr modern, gerade aus und hat Schwung, ist vom Wortschatz her eher einfach, aber in keiner Weise unangenehm zu lesen.

    Die Autorin Hanna Jameson ist erst 22 Jahre alt. Ich finde es schon erstaunlich, in diesem Alter einen Thriller zu schreiben. Aber ich habe den Eindruck, dass sich ein gewisser Mangel an Lebenserfahrung doch zeigt. Ich nehme an, dass Hanna Jameson nicht in der geschilderten Welt der Illegalität zu Hause ist. Dennoch fehlten mir zwischenmenschliche Aspekte. Das Buch fühlte sich für mich an, wie eine Bleistiftsskizze, bei der nur einige Figuren etwas angemalt sind.


    Mein Fazit

    Ich habe diesen Thriller innerhalb weniger Tage durchgelesen und fand ihn rasant und recht spannend. Aber wirklich mitgenommen hat er mich nicht und ich glaube nicht, dass ich noch mehr aus der Welt des Nic Caruana erfahren muss. Lesbar, aber kein Muss.

    Von mir 3 Sterne.
Kressmann Taylor, Katherine Adressat Unbekannt, 1 Audio-CD EUR 11,95
  • Bewertung vom 15.02.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • Adressat unbekannt


    Zur Vorgeschichte: Die beiden Freunde Martin Schulse und der Jude Max Eisenstein studierten gemeinsam in Deutschland. Nach ihrem Studium wandern sie als mittellose Künstler nach Amerika aus, wo sie gemeinsam eine gut laufende Galerie aufbauen. Martin ist verheiratet und hat Familie. 1932 kehrt er nach München zurück, weil er möchte, dass seine Kinder in Deutschland aufwachsen. Max führt derweil die Galerie weiter und überweist Martin regelmäßig seine Anteile am Gewinn. Zum Kundenstamm gehören vorwiegend ältere „jüdische Matronen“.

    Der Briefroman setzt ein, als Martin Schulse 1932 bereits wieder in München lebt, wo er mit seinem erworbenen Reichtum ein Schloss erwerben kann. Die Bevölkerung in Deutschland leidet zu dieser Zeit unter einer Wirtschaftskrise, es herrscht viel Arbeitslosigkeit, Armut und Unzufriedenheit.

    Im ersten Brief, der datiert auf den 12. November 1932 erkundigt sich Max bei Martin wie er sich in München eingelebt hat. Anhand der danach alle 3-6 Wochen folgenden Briefe, kann man mitverfolgen, wie sich in Deutschland die Stimmung ändert. Der Nationalsozialismus verbreitet sich und die skeptische und anfänglich „nur“ opportunistische Haltung von Martin Schulse wandelt sich in einen Fanatismus, der darin gipfelt, dass Martin zwar gerne das Geld aus der Galerie annimmt, aber sonst den Kontakt zu Max abbrechen möchte, weil er sich in seiner Position keinen Briefkontakt zu einem Juden leisten kann. Max darf, wenn es denn nötig ist, die Briefe nur noch mit der Geschäftspost an die Bank richten.

    Max Eisensteins Schwester Griselle ist Schauspielerin und nimmt ein Engagement an einem Berliner Theater an. Bald ist der Antisemitismus so verbreitet, dass sie in Bedrängnis gerät. Ein Brief, den Max an Griselle richtet, kommt zurück mit dem Vermerk „Adressat unbekannt“. Max fürchtet das Schlimmste und bittet Martin um Hilfe

    Der Briefkontakt geht weiter bis zum 3. März 1934. Für das Verständnis des Romans ist es von Vorteil, wenn man mit den wichtigsten Eckdaten der Geschichte wie der Machtergreifung Hitlers und der Judenverfolgung etwas vertraut ist. Im zweiten Teil des Briefromans nimmt die Handlung eine unerwartete Wendung. Der von seinem Freund schwer enttäuschte Max wechselt in seinen Briefen, die er wieder an die Privatadresse von Martin schickt, zu einem auffallend freundlichen Ton und lässt die Gefahr zwischen den Zeilen lauern.

    Eine Geschichte, die zur Zeit des Nationalsozialismus spielt, wie es recht viele gibt, könnte man im ersten Moment meinen. Doch weit gefehlt! Die Qualität dieses Werks liegt nicht mur im originellen Format des Briefromans. Die amerikanische Autorin Katherine Kressmann Taylor hat dieses Buch im Jahre 1938 veröffentlicht, im Jahr der Reichsprogromnacht. Zu einer Zeit also, wo in Deutschland angeblich noch viele Leute „nicht wussten“ was mit der jüdischen Bevölkerung geschah und was es mit Konzentrationslagern auf sich hatte.

    Das Hörbuch ist gesprochen von Matthias Brandt und Stephan Schad. Ich war beeindruckt von der Eiseskälte, die Stephan Schad Martin Schulse in den Mund zu legen vermag. Auch Matthias Brandt interpretiert die Briefe aus Eisensteins Feder mit sehr warmem, freundschaftlichem Ton, aber auch die panische Angst um seine Schwester kann man förmlich spüren.

    Ich habe dieses relativ kurze Hörbuch von 60 Minuten Dauer mehrmals sehr aufmerksam gehört und konnte jedes mal wieder einen neuen Aspekt entdecken, der mir bislang entgangen war. Es gibt noch immer ein paar Punkte, die ich noch nicht bis ins letzte Detail verstanden habe. Aber ich denke ich habe den Sinn zwischen den Zeilen von Eisensteins letzten Briefen richtig interpretiert und am Ende stockte mir echt der Atem.

    Ein kurzes Buch in einer meisterhaften Hörbuch Umsetzung, das mich sehr berührt hat. Von mir 5 Sterne.
Eastland, Sam Roter Zar / Pekkala Bd.1 EUR 9,99
  • 2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 29.01.2013
  • ****
    sehr gut
  • Sam Eastland erzählt in diesem Krimi auf zwei Zeitebenen, wie es zu der Ermordung der Zarenfamilie kam und stellt die 1929 herrschenden Lebensbedingungen in der noch relativ jungen Sowjetunion kritisch dar. So zeigt er zum Beispiel, wie ausländische Journalisten systematisch getäuscht wurden, damit sie nicht erkannten, dass in der Sowjetunion eigentlich eine Hungersnot herrschte. Sehr interessant fand ich als Ergänzung den Anhang, in dem man nachlesen kann, was mit der Zarenfamilie wirklich geschehen ist und um die Historie auch noch mit Bildmaterial zu untermalen kann man sich auf der Homepage zur Serie (http://www.inspectorpekkala.com/) Fotos zur Russischen Revolution ansehen. Besonders interessant fand ich die Bilder des Ipatiew Hauses, des Hauses für besondere Zwecke, in dem man die Zarenfamilie in Swerdlowsk (Jekaterinburg) untergebracht hat. Da überschneidet sich das Buch thematisch mit John Boynes Roman „Das Haus zur besonderen Verwendung“, das ich aber leider noch nicht gelesen habe.

    Ich konnte mir das Leben am Hofe des Zaren sowie später im Ipatiew-Haus gut vorstellen. Die Ortsbeschreibungen waren ausreichend anschaulich, so dass ich die Stimmung gut nachempfinden konnte. Besonders gut haben mir die Beschreibungen der Taiga gefallen, wo Pekkala anfangs gefangen gehalten war.

    Die Charaktere sind mir noch etwas auf Distanz geblieben, aber das ist nicht ungewöhnlich bei dieser Thematik, die so weit entfernt von meiner Lebenswirklichkeit ist. Als Einstieg in die Serie, die im Original mittlerweile vier Teile umfasst, halte ich die Personenbeschreibungen für ausreichend. Echte Gefühle konnte ich noch nicht so wirklich entwickeln, da hat die etwas künstlich aufgedrückte Liebesgeschichte auch nichts geändert. Aber die Ermittlungen sind eigentlich spannend genug, dass es weder die Verlobte noch die ebenfalls etwas aufgesetzt wirkende „lustige“ Szene mit einem Fahrrad ohne Bremsen, nicht gebraucht hätte.

    Von mir erhält dieser historische Krimi eine Leseempfehlung mit 4 Sternen.
  • 3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 26.01.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • Wieder einmal ist es Camilla Läckberg gelungen, mich von der ersten Seite an in ihren Bann zu ziehen. Ich verfolge die Serie schon seit Beginn. Somit waren mir die Figuren aus Ericas Familie und die Mitarbeiter des Kriminalkommissariats Tanum bereits vertraut. Die Autorin führt aber alle Personen so ein, dass für das Verständnis des eigentlichen Kriminalfalles keine Vorkenntnisse aus früheren Büchern nötig sind. Die Ermittlungen rund um den Mord an Mats sind sorgfältig und gut nachvollziehbar dargestellt, so dass man leicht miträtseln kann. Mit der idyllischen und gleichzeitig unheimlichen Leuchtturminsel lässt die Autoren die zauberhafte Landschaft der Schäreninseln vor dem inneren Auge auferstehen. Ergänzt wird das Bild durch die geheimnisvollen Stimmen, die die Bewohner sowohl in der Rückblende 1870 als auch in der Gegenwart vernehmen.

    Ericas Schwester Anna erlebt eine sehr schwere Zeit. Sie fällt in eine tiefe Depression und kümmert sich nicht einmal mehr um ihre Kinder. Ich finde es sehr beeindruckend, wie sensibel die Familie Anna beigestanden ist und wie Erica ihr letztendlich mit einer einfachen Idee geholfen hat, sich aus dem Lock heraus zu kämpfen. Mir gefällt sehr, dass nicht alle Protagonisten glücklich und erfolgreich sind, sondern dass es auch Menschen gibt, die es aufgrund ihrer Persönlichkeit und ihrer Erlebnisse einfach schwerer haben im Leben und dennoch oder gerade deswegen als Mensch ernst genommen und geliebt werden. Das strahlt auf mich eine sehr positive Haltung aus, was mir bei dieser Serie immer sehr gut gefällt.

    Wie die einzelnen Handlungsstränge zusammenhängen, werde ich jetzt natürlich nicht erklären. Ich möchte nur soviel verraten, dass es die Autorin in souveräner Weise schafft, die einzelnen Fäden zu einem abgerundeten Ganzen zusammen zu fügen.
    Einen einzelnen Strang, der für mich noch nicht so wirklich zu einem Ende gekommen ist, interpretiere ich jetzt mal als Cliffhanger für die Fortsetzung.

    Dieser Band führt die familiäre Geschichte um Patrik und Erica auf glaubwürdige Weise weiter. Der Kriminalfall ist in sich abgeschnitten und wird gut nachvollziehbar gelöst. Ich fand dieses Buch von Anfang bis zum Ende spannend und es hat mich auch von den Gefühlen her angesprochen.
  • 1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 22.01.2013
  • ****
    sehr gut
  • Mit „Tod im Beginenhaus“ ist Petra Schier ein schöner Start in eine Serie um die Apothekertochter Adelina gelungen. Der historische Krimi spielt zu einer politisch sehr unruhigen Zeit in Köln. Auf den ersten Blick lässt die Autorin vor den Augen des Lesers eine mittelalterliche Stadt erstehen, aber die Renaissance steht bereits vor der Tür. So gibt man sich bei Erkrankungen nicht zufrieden damit, Gott anzurufen sondern forscht im Verborgenen auch nach organischen Ursachen von Leiden

    Die Stimmung, in der die Schicht der Handwerkszünfte, zu denen auch die Apotheker zählen, an Selbstvertrauen gewinnt und einen Willen zur Mitbestimmung entwickelt, ist sehr gut eingefangen. Der Apothekerberuf stand auch Frauen offen, so dass Adelina durchaus auch eine berufliche Zukunft vor sich hat.

    Die Hauptfiguren sind alle sehr sorgfältig beschrieben und charakterisiert, so dass man eine gute Vorstellung von der Familie des Apothekers gewinnt. Dabei nehmen die familiären Beziehungen zwischen Adelina, ihrem kleinen Bruder und ihrem Vater, dem langsam aber sicher seine zunehmende Vergesslichkeit Probleme beschert, sehr viel Raum ein. Man kann ihre Ängste und Hoffnungen sehr gut nachvollziehen und mit ihnen mitfühlen. Die Lösung des Kriminalfalles tritt stellenweise eher ins Hintertreffen, ist aber interessant und spannend zu verfolgen. Die Aufklärung erfolgt im Vergleich zu Krimis, die in der Gegenwart spielen, eher gemächlich, was sehr gut passt zu den vergleichsweise einfachen Mitteln, die man zur Verfügung hatte. Die Täterschaft war für mich überhaupt nicht absehbar, so dass die Spannung bis zum Ende erhalten blieb.

    Das Buch wird ergänzt durch ein sehr informatives Nachwort, das die historischen Hintergründe sowohl was die Politik betrifft, als auch die Stellung einer Frau als Apothekerin, erklärt und erfreulicherweise auch im Hörbuch gelesen wird.

    Bei der Lesung durch Sabine Swoboda hatte ich anfangs das Gefühl, dass sich während den ersten Kapiteln etwas einlesen musste. Anfangs fand ich ihre Interpretation etwas flach. Da die Geschichte aber sehr flüssig formuliert ist und gut nachvollziehbar aufgebaut ist, hatte ich keine Probleme mit der Aufmerksamkeit. Mit der Zeit wird die Lesung aber etwas lebhafter und Sabine Swoboda gibt dem Krimi, der aus der Perspektive Adelinas erzählt wird, eine sehr passende und glaubwürdige Stimme.


    Ich konnte mit diesem Hörbuch wunderbar ins spätmittelalterliche Köln eintauchen. Die Figuren sind vor meinen inneren Augen zum Leben erwacht und ich konnte Adelinas Liebe zu ihrem Bruder, aber auch ihren Drang zu unabhängigem Handeln und das Ausleben ihrer Neugierde sehr gut nachvollziehen. Ich werde auf jeden Fall noch weitere Fälle von Adelinas Detektivkunst lesen oder lauschen.
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