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Isabel von Belles Leseinsel
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Mainz
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25 

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Insgesamt 541 Bewertungen
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Leuze, Julie Sturm über Rosefield Hall EUR 9,99
  • Bewertung vom 29.06.2015
  •  
    gut
  • Wie im goldenen Käfig

    1913 in der Grafschaft Devon: Die 18-jährige Ruby wächst behütet und zurückgezogen auf dem Herrensitz ihrer Eltern Lord und Lady Compton auf. Außer ihren fast täglichen Ausritten bietet Rosefield Hall für die junge Frau kaum Abwechslung. Dies ändert sich, als sie bei einem ihrer Ausflüge auf den charismatischen Cyril Brown trifft, zu dem sich Ruby sofort hingezogen fühlt. Ihre wahre Identität verrät sie ihm nicht, um den Zwängen ihrer Herkunft entfliehen zu können. Dies ändert sich jedoch, als Ruby und Cyril sich auf der gesellschaftlichen Bühne wiedertreffen und ihre Eltern sich strikt gegen eine Verbindung mit dem Kaufmann aussprechen.

    Ruby fühlt sich wie in einem goldenen Käfig gefangen. Die eigenwillige junge Adlige ärgert sich maßlos darüber, dass sie in ihrer äußerst konservativen Familie keine eigene Meinung kundtun darf. Sie hat schön auszusehen, höflich und freundlich zu sein und den möglichen Heiratskanditen, welche ihre Eltern für sie ausgesucht haben, zuvorkommend aufzutreten. Einziger Freiraum findet Ruby bei ihren regelmäßigen Ausritten, bei denen sie auf den modern denkenden und aufgeschlossenen Cyril trifft. Bald schon merkt Ruby, dass der überaus erfolgreiche Londoner Kaufmann etwas vor ihr verbirgt. Als ihr geliebter Bruder Edward zu Besuch aus Gambia anreist, ein schwarzes Dienerpaar ihn begleitet und Ruby die Schwester und Mutter von Cyril kennenlernt, verändern sich zusehends die festgefahren Konventionen auf Rosefield Hall und steuern auf eine Katastrophe zu.

    Eugenik, Homosexualität, nicht standesgemäße Beziehungen, Suffragetten und Rassismus sind die Themen, welche Julie Leuze in ihrem farbenprächtigen Roman aufgreift. Für ein Buch mit rund 350 Seiten, welches nur über wenige Monate spielt, fast zu viel des Guten.

    Praktisch von der ersten Seite an taucht man in die Welt von Ruby ein, aber auch aus der Perspektive des Hausmädchens Florence und der Schwester und Mutter von Cyril erlebt man die Geschehnisse rund um Rosefield Hall mit. Allerdings verliert der Roman mit der Anhäufung der Themen und Probleme im Verlauf etwas von seiner Faszination.

    Der Erzählstil von Julie Leuze ist blumig, zumeist packend und bald auch etwas schnulzig, gerade was die Beziehungen einzelner Akteure zueinander betrifft. Anfangs wird man regelrecht überschüttet mit Geheimnissen, die keiner preisgeben möchte. Manches davon kann man am Verhalten der Mitwirkenden jedoch schon im Vorfeld erahnen. Auf das Thema Frauenwahlrecht geht Julie Leuze recht spezifisch ein, ebenso zur Eugenik. Diese Informationen sind gut recherchiert und gut dosiert in die Geschichte eingebaut.

    Ihre Charakterzeichnungen sind durchweg gelungen, wobei mir allerdings die Veränderungen von Florence in ihrem Denken und Handeln für diese wenigen Monate, in der die Handlung spielt, dann doch etwas zu drastisch waren. Hinzu kommen die nicht gerade einfachen Themen, welche die Protagonisten vor schier unlösbare Probleme stellen und die sich dann so ganz nebenbei im Verlauf des Romans im Nichts auflösen.

    Fazit: Farbenprächtiger Roman, der es gut zu unterhalten versteht, bei dem die Lösungen schwerwiegender Probleme aber doch ein wenig zu einfach abgefertigt werden.
  • Bewertung vom 24.06.2015
  •  
    sehr gut
  • Sein Ein und Alles

    In Valandsiel an der Nordseeküste hat der junge Polizeichef Knut Jansen eher ein ruhiges Leben. Dies ändert sich jedoch nach der Sturmflut, diese schwemmt eine Frauenleiche an den Strand. Und noch bevor Jansen überhaupt richtig mit den Ermittlungen beginnen kann, wird im Hafen die nächste Leiche gefunden. Beide Tote weißen ähnliche Spuren auf, die auf einen Serientäter hindeuten. Mithilfe der ehemaligen FBI-Profilerin Helen Henning, die nach Jahren wieder in ihr Heimatdorf zurückgekehrt ist, versucht Jansen den Mörder zu stellen.

    Der Sturm tobte über die Küste mitten im Juni. Ganz Valandsiel ist mit Aufräumarbeiten beschäftigt als die erste Leiche am Strand gefunden wird. Revierleiter Knut Jansen ist damit fast überfordert. Schließlich ist es seine erste Leiche und der junge Polizeichef ist bemüht, alles richtig zu machen. Doch ihm ist auch schnell klar, dass er hier dringend Unterstützung benötigt. Helen Hennig ist gerade wieder nach langen Jahren zurück in Valandsiel. In den USA war sie eine sehr erfolgreiche Profilerin, doch nun steht ihr Leben an einem Wendepunkt. Eher widerwillig unterstützt sie anfangs Knut bei seiner Arbeit. Als jedoch die zweite Leiche auftaucht, das LKA die Ermittlungen übernimmt, hilft die Ex-Profilerin Knut bei seinen eigenen Ermittlungen. Schließlich scheint der Täter sich genau in Valandsiel auszukennen und die toten Frauen sind in Knuts Revier gefunden worden.

    Derek Meister erzählt seinen Thriller mithilfe zweier Erzählstränge. Hauptbestandteil der Story sind die Ermittlungen von Knut und Helen, wobei beide hier stellenweise recht eigenwillig und unkonventionell vorgehen. Neben der reinen Ermittlungsarbeit geht Derek Meister aber auch auf das Privatleben von Knut und Helen ein, sodass man die recht eigenwilligen wie sympathischen Protagonisten sehr gut kennenlernt.

    Aber auch der Mörder tritt schon sehr früh in Erscheinung. Man erfährt einiges über ihn, der sich gezielt Opfer aussucht, die in seinen Augen rein und unschuldig sein müssen. Seine wahren Beweggründe, geschweige denn seine Identität verrät Derek Meister nicht. Erst im letzten Drittel tauchen einige Hinweise auf, klar ist nur, dass sich der Mörder bestens in Valandsiel auskennt.

    Die Story entwickelt sich wohldurchdacht, sehr komplex, überzeugt mit authentisch beschriebenen Charakteren und auch die Spannung lässt nicht lange auf sich warten. Und für das Finale hat sich Derek Meister wirklich eine ausgefallene Auflösung einfallen lassen.

    Fazit: Spannender, vielschichtiger Nordseethriller, mit überzeugend und sehr sympathisch gezeichneten Protagonisten.
Caboni, Cristina Die Rosenfrauen EUR 9,99
  • Bewertung vom 22.06.2015
  •  
    sehr gut
  • Beatrice und ihr geheimnisvolles Parfüm

    Die Florentinerin Elena Rossini ist eine Nase, sie hat ein besonderes Talent für Düfte und den Beruf der Parfümeurin von der Pike auf von ihrer Großmutter gelernt. Doch eigentlich träumt Elena nur davon, ihren Verlobten Matteo zu heiraten und viele Kinder mit ihm zu haben. Doch der Traum zerplatzt wie eine Seifenblase als sie Matteo beim Fremdgehen erwischt. Auf Anraten ihrer Freundin Monique zieht Elena von Florenz nach Paris und beginnt in einer Parfümerie zu arbeiten. Langsam entdeckt sie ihre Liebe zum Parfüm wieder und beginnt sich für das perfekte Parfüm zu interessieren, dass einer ihrer Ahninnen geschaffen hatte. Die Formel dazu konnte allerdings bisher nicht gefunden werden. Auf der Suche nach ihrer wahren Bestimmung trifft Elena auch auf den Rosenzüchter Cailin McLean und verliebt sich in ihn, doch dann macht sie eine Entdeckung, welches ihr Leben von Grund auf ändern wird.

    Elenas Welt ist die Welt der Düfte. Jeder Mensch hat sein ganz eigenes Parfüm, welches Elena mit Leichtigkeit bis in die kleinsten Komponenten analysieren kann. Entsprechend fasziniert ist sie auch am Abend ihrer Ankunft in Paris, als sie vor ihrer neuen Wohnung auf Cail trifft und dessen Duft wahrnimmt. Doch der Schotte gibt sich äußerst distanziert, züchtet im selben Haus seine Rosen und ist eher als Einzelgänger und extrem eigenbrötlerisch bekannt. Davon lässt sich Elena jedoch nicht schrecken. Und auch Cail fühlt sich vom ersten Moment an zu der schönen, ruhigen Elena hingezogen, bleibt anfangs allerdings auf Distanz.

    Elena findet zwar dank der Hilfe ihrer besten Freundin Monique eine Anstellung in einer Parfümerie, doch hier wird ihr grandioses Talent nicht genutzt. Die Italienerin darf nur als Verkäuferin arbeiten. Anfangs stört dies Elena nicht weiter, entdeckt sie durch ihre Anstellung doch immer mehr ihre Liebe zum Parfüm wieder. Bis sie einer Intrige auf den Leim geht, ein Ereignis ihr bisheriges Leben komplett auf den Kopf stellt und Elena schon wieder vor einer wichtigen Entscheidung in ihrem Leben steht.

    Der Roman von Cristina Caboni handelt von Düften und der Parfümherstellung. Immer wieder beschreibt die Autorin, welche Duftvariationen Elena wahrnimmt, wenn sie auf andere Menschen trifft, welche Zusammensetzungen einzelne Parfüms haben, wie verschiedene Aromen riechen und welche Wirkung sie haben. Zumeist fließt dies wie nebenbei mit ein, stellenweise war es aber auch ein wenig zu viel des Guten.

    Die Geschichte ist durchweg unterhaltsam und farbenfroh erzählt. Cristina Caboni schildert das Leben von Elena kurzweilig, manchmal mit einigen überraschenden Wendungen, doch den Ausgang der Geschichte kann man schon früh erahnen. Allerdings ist dies nicht weiter tragisch, da der Weg bekanntlich das Ziel ist und dieser von der Autorin warmherzig und äußerst gefühlvoll erzählt wird.


    Fazit: Ein gefühlvoller, manchmal auch ein wenig kitschiger Roman über die Welt der Düfte … unterhaltsam und einnehmend erzählt.
  • Bewertung vom 15.06.2015
  •  
    sehr gut
  • Der Anwalt der Toten

    Dr. Michael Wilson ist seit kurzem zum Coroner der Stadt Dublin ernannt, als die Akte von Patrick Dowling auf seinem Schreibtisch landet. Der junge Mann war schwer drogenabhängig und soll Selbstmord begangen haben. Doch Mike stören einige Ungereimtheiten und er beginnt, Fragen zu stellen. Auffällig ist auch, dass ein Kollege von ihm, der ebenfalls mit dem Tod des Ministersohnes befasst war, ermordet wurde. Kaum mit seinen Nachforschungen begonnen, wird auf Mike ein Anschlag verübt.

    Coroner Mike Wilson versteht sich als Anwalt der Toten, als die letzte Instanz, um deren Todesumstände restlos aufzuklären. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ihm an dem Tod von Patrick Dowling, den der zuständige Pathologe als Selbstmord durch Erhängen deklariert hat, einige Unstimmigkeiten auffallen. Mike beginnt Fragen zu stellen, die jemanden zu Ohren kommen, der partout verhindern will, dass die wahren Umstände von Patrick Tod ans Licht kommen. Von überall her stößt der Coroner nur auf eine Mauer des Schweigens, selbst Patricks Eltern sind nicht daran interessiert, die Todesumstände ihres jüngsten Sohnes aufgeklärt zu wissen.

    Paul Carson lässt seinen Protagonisten selbst seine Erlebnisse erzählen und so entwickelt sich die Story entsprechend den Charaktereigenschaften von Mike eher besonnen, ruhig und nachdenklich. Doch trotz dieses eher undramatischen Schreibstils gelingt es Paul Carson sehr gut, von Anfang an die Spannung recht hoch zu halten. Durch die Ich-Erzählweise lernt man den Familienmenschen Mike, der mit Ehefrau Sarah und seinen beiden Kindern Jennifer und Gregory in Dublin lebt, schnell kennen. Man erfährt einiges aus seiner Vergangenheit, was auch erklärt, warum Mike so verbissen an der Lösung des Falls interessiert ist und es nicht nur seinem irischem Dickkopf geschuldet ist, dass er sich selbst vor Mordanschlägen nicht davon zurückhalten lässt, immer tiefer in dem Fall zu graben.

    Die Story entwickelt sie zwar geruhsam, aber kontinuierlich in Richtung Hochspannung. Nach dem gemächlichen Start zieht das Tempo immer mehr an, stellenweise überschlagen sich die Ereignisse und der Thriller entwickelt sich komplex und schlüssig. Gekonnt hat Paul Carson zudem vielschichtige, zum Teil sehr undurchsichtige Charaktere geschaffen. Undurchsichtig auch deshalb, da sich in Mikes Behörde ein Maulwurf befindet, der entscheidende Informationen weiterleitet, dessen Identität Paul Carson aber geschickt lange Zeit im Dunkeln lässt. Auch ist nicht sicher, wem von der Dubliner Polizei der Coroner noch trauen kann und somit fühlt sich Mike teilweise ziemlich allein auf weiter Flur. Doch seine Vergangenheit hat ihn gelehrt, dass er niemand trauen darf.

    Fazit: Anfangs ein eher ruhiger Thriller, der eindringlich und nachvollziehbar erzählt wird und stetig fesselnder wird.
  • Bewertung vom 11.06.2015
  •  
    sehr gut
  • Der fünfte Mann

    Krabbenfischer entdecken vor der Ostfriesischen Küste eine Segelyacht, die mit Schlagseite in der Nordsee treibt. Als die Fischer an Bord gehen, erwartet sie ein grauenhafter Anblick: Überall an Bord befindet sich Blut, die Kabine ist teilweise ausgebrannt und drei Menschen sind tot, nur eine junge Frau hat schwer verletzt überlebt. Die Sondereinheit des LKA Niedersachsen übernimmt die Ermittlungen. Tjark Wolf beendet hierfür seinen Urlaub vorzeitig und unterstützt seine Kollegen bei dem Fall, der sich äußerst verzwickt gestaltet. Die Überlende spricht nicht, ein Motiv für die Tat lässt sich nicht aufspüren. Als ein Mordanschlag auf die junge Frau verübt wird, ist dem Team um Femke Folkmer und Tjark Wolf schnell klar, dass ihre Ermittlungen bisher in die falsche Richtung liefen.

    Nach dem grausamen Fund der havarierten Segelyacht auf der Nordsee lässt es Sven Koch gewohnt ruhig angehen. SOK-Leiterin Ceylan Özer macht die Messerattacke aus dem letzten Fall immer noch zu schaffen und sie geht ähnlichen Fällen der letzten Jahre nach. Währenddessen befindet sich Tjark in Dänemark, um neue Erkenntnisse über den rätselhaften Tod seiner Mutter zu gewinnen. Femke dagegen fühlt sich immer noch hin- und hergerissen zwischen dem Haus ihrer Oma und ihrer Wohnung in Wilhelmshaven und Fred ist mit seinem neuen Haus beschäftigt. Man erfährt somit gewohnt viel über das Privatleben der SOK-Ermittler, was regelmäßig in die Ermittlungen mit einfließt.

    Und diese gestalten sich äußerst verzwickt. Anfangs sieht alles danach aus, als wenn es ein Segelausflug dreier wohlhabender Geschäftsleute gewesen wäre, die sich für ihr Vergnügen eine junge Frau mit an Bord genommen haben und der Törn irgendwie aus dem Ruder gelaufen ist. Die junge Frau, die offensichtlich Osteuropäerin ist, traut sich aus Angst nicht, eine Aussage über die Vorfälle an Bord zu machen, zudem scheint sie auch der deutschen Sprache kaum mächtig. Allerdings erfährt der Leser in einem weiteren Erzählstrang, dass jemand auch unbedingt möchte, dass die Frau nicht redet und dafür vor nichts zurückschreckt.

    Als auf Aisa ein Mordversuch nur knapp verhindert werden kann, nimmt auch die Geschichte langsam an Fahrt auf. Allerdings ist die Story bis dahin mitnichten langatmig erzählt. Sven Koch versteht es sehr gut, von Anfang an einiges an Fragen bei dem Fall aufzuwerfen, stellenweise versorgt der Autor seine Leser aber auch mit Informationen, welche den Ermittlern noch nicht vorliegen, welche jedoch zur Lösung des Falls in keiner Weise beitragen. Dies alles schürt die Neugier und man merkt bald schon, dass sich der Anfangsverdacht des SOK-Teams als nicht ausreichend erweist und die Geschichte bedeutend komplexer angelegt ist und vor allem auch des Themas betreffend sehr gut recherchiert wurde.

    Sven Koch versteht es zudem sehr gut, seinen Kriminalroman atmosphärisch dicht und packend zu erzählen. Nach und nach zieht der Autor auch die Spannung an, die in einem fulminanten, alle Fragen klärenden Ende mündet. Und doch hinterlässt Sven Koch auf der letzten Seite einen Cliffhanger, der einem das Warten auf den nächsten Band nicht leicht fallen lässt.

    Fazit: Und wieder benötigt man etwas Geduld, wird dann jedoch mit einem spannenden, vielschichtigen und packend erzählten Krimi belohnt.
Bolton, Sharon Schwarze Strömung / Lacey Flint Bd.4 EUR 14,99
  • Bewertung vom 10.06.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • Die Meerjungfrau

    Lacey Flint findet beim illegalen Schwimmen in der Themse eine Leiche. Diese ist in ein Laken gewickelt und scheint schon lange im Fluss gelegen zu haben. DI Dana Tulloch und ihr Team übernehmen die Ermittlungen, doch ohne die Identität der Toten ist eine Lösung des Falls kaum möglich. Dann taucht die nächste Wasserleiche auf, wieder in ein Laken gewickelt und alles deutet daraufhin, dass der Mörder die Leichen so ablegt, dass Lacey sie finden muss.

    Mittlerweile wieder arbeitstauglich geschrieben, arbeitet Lacey Flint nun bei der Londoner Flusspolizei und wohnt auch auf der Themse. Ein kleines Boot nennt sie nun ihr Eigen und das illegale Schwimmen in der Themse gehört zu ihrem täglichen Trainingsprogramm. Lacey fühlt sich recht wohl, findet langsam wieder ins Leben zurück, doch dann entdeckt sie die erste Leiche und ganz offensichtlich wird sie noch von einem Unbekannten gestalkt. Immer wieder entdeckt Lacey auf ihrem Boot unbekannte Gegenstände.

    Sharon Bolton steigt im vierten Band um Lacey Flint mit einer Szene ein, bei der man den Mörder dabei erlebt, wie er eine Leiche für die Themse vorbereitet. Doch dann geht etwas schief. Seine Identität oder das Motiv für die Morde verrät Sharon Bolton allerdings nicht. Immer wieder sind auch kurze Kapitel über junge Frauen eingefügt, die irgendwo an der Themse gefangen gehalten werden. Zu welchem Zweck und wie sie in diese Lage geraten sind, belässt die Autorin ebenfalls lange im Dunkeln.

    Die Story entwickelt sich äußerst rätselhaft und wohldurchdacht, zudem bestens recherchiert. Neben dem Thema des Thrillers, welches einem erst so nach und nach präsentiert wird, liefert Sharon Bolton auch viel Wissenswertes über die Themse, die Dreh- und Angelpunkt der Story ist.

    Von Anfang an sehr spannend und unvorhersehbar erzählt Sharon Bolton die Geschehnisse, welcher Lacey wieder einmal ausgesetzt ist. Natürlich ermittelt Lacey auch wieder auf eigene Faust und um sie wenigstens einigermaßen unter Kontrolle zu halten, nimmt Dana Tulloch die junge Frau schnell in ihr Team mit auf. Aber auch Mark Joesebury bleibt nicht unerwähnt, wie auch das Privatleben von Dana. Klar im Fokus steht aber natürlich die eigenwillige Lacey Flint.

    Fazit: Hochspannender, packender und undurchsichtiger Thriller, der mit einer wohldurchdachten Story und einem fulminanten Schluss überzeugt.
Veste, Luca Die Lektion des Todes EUR 9,99
  • Bewertung vom 07.06.2015
  •  
    sehr gut
  • „… Das Ziel des Lebens ist der Tod …“

    Ein Spaziergänger findet die Leiche einer jungen Frau in einem Liverpooler Park. DI David Murphy wird mit dem Fall betraut. Bei der toten Studentin wird ein Brief gefunden, indem der Mörder andeutet, dass dies nicht sein letzter Mord gewesen ist. Anfangs hält Murphy dies für ein Ablenkungsmanöver, doch dann wird die nächste Leiche gefunden und wieder befindet sich ein Brief des Mörders bei der Toten. Währenddessen versucht Rob Barker immer noch über das rätselhafte Verschwinden seiner Freundin vor einem knappen Jahr hinwegzukommen.

    Ein Mörder, der seine Opfer als Experiment ansieht und jedem weiteren Opfer mit einer Nummer versieht. Per Brief, der an den Leichen befestigt ist, klärt er die Ermittler teilweise über seine Experimente auf und immer scheint der Täter der Polizei mindestens einen Schritt voraus zu sein. DI Murphy und seine Kollegin DS Laura Rossi ermitteln in ihrem ersten Fall auf Hochtouren und gehen jeder noch so kleinsten Spur nach. Doch alle Ermittlungsansätze verlaufen ins Leere, die einzige Verbindung zwischen den Ermordeten ist die Universität von Liverpool.

    Luca Veste beginnt nach einem kurzen Artikelauszug mit Experiment Nummer zwei. Eine junge Frau verlässt frühzeitig ein Pub, hält ein Taxi an und schläft ein. Mit dem Aufwachen beginnt für sie ein Alptraum. Nach diesem mitreißenden wie beklemmenden Einstieg wechselt der Autor zum Fundort der ersten Leiche und steigt somit ziemlich rasant in seinen Psychothriller ein.

    Diesen temporeichen wie beklemmenden Schreibstil behält Luca Veste bis zum Schluss seines packenden, wohldurchdachten und wendungsreichen Psychothrillers bei. Immer wieder wechselt der Autor die Handlungsstränge. So ist man zum überwiegenden Teil bei den akribischen Ermittlungen von Murphy und Rossi dabei, bei der jede neue Spur doch nur wieder ins Leere zu laufen scheint und die Ermittler schier verzweifeln lassen. Hierbei ist Rätselraten bis zum Schluss gegeben, zumal Luca Veste schon den einen oder anderen Verdächtigen präsentiert.

    Immer wieder kehrt Luca Veste aber auch zu Rob Barker zurück. Dessen Freundin ist eines Nachts nicht nach Hause gekommen und seitdem spurlos verschwunden. Inwieweit Rob oder seine verschwundene Freundin mit den Morden in Verbindung stehen, ahnt man früh. Allerdings hilft einem dies bei der Lösung des Thrillers in keiner Weise weiter.

    Neben der durchweg sehr spannenden und schlüssigen Ermittlungsarbeit der Liverpooler Polizei geht Luca Veste auch recht ausführlich auf das Privatleben von David Murphy und Laura Rossi ein, wobei gerade Murphys Vergangenheit ebenfalls anfangs einige Frage aufwirft, die der Autor jedoch bis zum Ende seines Thrillers lückenlos beantwortet. Durch Einbindung des Privatlebens der Ermittler, nehmen Murphy und Rossi schnell Konturen an, haben einige Ecken und Kanten und überzeugen durchweg bei ihren Handlungen.

    Fazit: Gelungenes Debüt … komplexe, undurchsichtige Story mit interessanten Wendungen, temporeich und zumeist hochspannend erzählt.
  • Bewertung vom 04.06.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • Auf der Spur der Skorpione

    Süditalien im Jahre 1054: Normanne Gilbert hat nur noch ein Ziel vor Augen, auch wenn ihm seine Freunde alle davon abraten. Seine Geliebte Gerlaine wurde von Sklavenjägern entführt und Gilbert setzt alles daran, Gerlaine aus deren Fängen zu befreien. Auch wenn dies bedeutet, dass er nach Sizilien reisen muss. Mit seinen Gefährten begibt sich Gilbert auf die gefahrvolle Reise ins Feindesland und gerät schnell in die Fänge arabischer Gotteskrieger sowie mitten hinein in die Machtkämpfe der Berberfürsten. Doch bei allem verliert Gilbert sein Ziel nicht aus den Augen.

    Bei seinem schier aussichtslosen Unterfangen erhält Gilbert unerwartet Hilfe von Roberts Frau, welcher Gerlaine ans Herz gewachsen ist. Mit genügend Gold, um seine Geliebte auslösen zu können und zwei seiner besten Freunde schifft sich Gilbert nach Sizilien ein. Dank Lando erwartet die Kameraden im Feindesland ein Übersetzer, der sie durch das Land führen soll. Doch Gilberts Tatendrang und auch Naivität führen die jungen Normannen direkt in die Hände brutaler Gotteskrieger. Ihnen droht das Schicksal der Sklaverei, doch dann kommt Hilfe von unerwarteter Seite.

    Zwar konzentriert Ulf Schiewe sich im dritten Band seiner Trilogie stark auf seinen Protagonisten Gilbert und sein Unterfangen, seine Gerlaine zu befreien. Dabei geht der junge Normanne stellenweise ziemlich kopflos vor und unterschätzt die eine oder andere Gefahrensituation. Dennoch geht der Autor aber auch wieder hervorragend recherchiert auf die damaligen Geschehnisse ein, die sich rund um Gilbert ereignen. Dies alles schildert der Autor wieder gewohnt farbenprächtig und bildhaft.

    Historische Fakten verknüpft Ulf Schiewe geschickt mit seiner fiktiven Geschichte und erzählt die gefahrvollen Abenteuer von Gilbert und seinen Gefährten äußerst fesselnd und spannend. Der Sprachstil ist der damaligen Zeit angepasst und dementsprechend stellenweise ungeschönt und direkt. Somit bietet auch der dritte Band wieder eine authentisch und überzeugend erzählte Geschichte, die anschaulich und packend die ereignisreichen Geschehnisse rund um Gilbert, dem einstigen Schweinehirten schildert.

    Fazit: Ein opulenter, spannender und äußerst interessanter Roman, der in Süditalien des 11. Jahrhunderts spielt.
Hammesfahr, Petra An einem Tag im November EUR 19,99
  • Bewertung vom 29.05.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • Was geschah mit Emilie?

    An einem Tag im November verschwindet die fünfjährige Emilie Brenner spurlos. Die Vermisstenanzeige wird von den Eltern erst Stunden später aufgegeben, die Suche der Polizei verläuft ergebnislos. Kommissar Arno Klinkhammer nimmt die Ermittlungen auf und erfährt so nach und nach Dinge, die bereits vor Monaten begannen und unweigerlich zur Katastrophe führen mussten.

    Ein Ehepaar ist auf der Rückfahrt von Freunden. Sie sind viel zu spät losgefahren, dann noch in einen Stau geraten. Es ist mitten in der Nacht, als sie endlich ihre Ortschaft sehen, nur noch eine scharfe Kurve. Doch diese nimmt der Ehemann zu schnell und kann nicht mehr reagieren, als etwas von den Scheinwerfern erfasst wird.

    Nach diesem sehr beklemmenden Prolog beginnt Petra Hammesfahr mit der eigentlichen Geschichte. Diese erzählt die Autorin mithilfe von Zeitsprüngen und einer Fülle von Beteiligten. Deren Charakterbeschreibungen sind jedoch so gut gelungen, dass man diese Vielzahl an Mitwirkenden und auch deren Schicksale, auf welche die Autorin stellenweise verstärkt eingeht, gut auseinanderhalten kann.

    Regelmäßig wechselt Petra Hammesfahr zwischen den aktuellen Geschehnissen rund um die verzweifelte Suche nach Emilie und den Ereignissen, die sich Monate zuvor rund um die Neubausiedlung „Garten“ abgespielt haben.

    Petra Hammesfahr greift hier ebenfalls einiges an Themen auf. Es geht um Mobbing an Schulen, um gewaltbereite Jugendliche, um Misshandlung, um Diebstahl, um psychisch gestörte junge Erwachsene, um Vernachlässigung von Kindern berufstätiger Eltern, um Verrat und um einiges mehr.

    Nach und nach erhält man einen Überblick über die Geschehnisse im Vorfeld des Verschwindens von Emilie. Doch dieser hilft einem nicht wirklich weiter, um festzustellen, was mit Emilie geschehen ist. Klar ist nur, dass Anne mit Emilie an dem Samstag allein zu Hause war, es stark geregnet hatte und Anne ihrer Tochter deswegen verboten hatte, ihr neues Fahrrad draußen zu benutzen. Emilie spielt friedlich im Wohnzimmer und Anne schläft ein. Als sie wieder aufwacht, ist Emilie verschwunden. Petra Hammesfahr gelingt es hervorragend, immer wieder Zweifel zu schüren, ob dem Schicksal von Emilie. Und bei der Fülle der Akteure ist lange nicht ersichtlich, wer möglicherweise und aus welchen Beweggründen Emilie etwas angetan haben könnte.

    Petra Hammesfahr erzählt ihren Roman sehr feinfühlig, die Autorin geht sehr gut gelungen auf die Gefühlswelt der verschiedenen Akteure ein, erschafft durchweg eine äußerst beklemmende Atmosphäre und schildert das Geschehnis, welches der schlimmste Alptraum für Eltern nur sein kann, mitreißend und äußerst eindringlich. Und trotzt des eher ruhigem, nachdenklichen Schreibstils gelingt es Petra Hammesfahr problemlos, die Spannung kontinuierlich zu steigern und eine Auflösung zu präsentieren, die durchaus so nicht zu erwarten ist.

    Fazit: Beklemmende, komplexe Story, bei der eine Aneinanderreihung von Zufällen zur Katastrophe führen … eindringlich erzählt.
Pala, Ivo Gift - Der Tod kommt lautlos EUR 9,99
  • Bewertung vom 26.05.2015
  •  
    sehr gut
  • Projekt „GIFT“

    Bei der GTAZ (Gemeinsames Terrorrissmusabwehrzentrum der BRD) herrscht Alarmstufe Rot. Der Leiter der GTAZ ist spurlos verschwunden, Patrizia Hardt übernimmt die kommissarische Leitung und versucht mit ihrem Team alles in ihrer Macht stehende zu tun, um ihren Chef aufzuspüren. Die Entführer melden sich auch bald zu Wort und drohen mit eine erneuten Gefahr für die BRD. Auf ostdeutschen Boden schlummern noch aus Zeiten des Kalten Krieges versteckte Depots mit Giftstoffen und biologischen Waffen und die Terroristen sind im Begriff, die Schläfer zu wecken. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

    Doch bevor Ivo Pala mit der eigentlichen Geschichte beginnt, erzählt der erste Prolog ein Geschehen aus dem Jahr 1979, ohne hierbei jedoch zu viel zu verraten. Weiter geht es gleich mit dem zweiten Prolog, der einen ins heutige Macao führt, wo ein hochrangiger FSB-Agent hochbrisante Informationen verkaufen möchte. Um wen es sich bei dem Käufer handeln soll, erfährt man recht schnell, doch zu der Weitergabe der Informationen wird es nicht kommen. Die Terroristen sind schneller.

    Das Verschwinden von Böllling ruft Patrizia Hardt und Gernot Löw von der nationalen Terrorabwehr auf den Plan und als kurz darauf eine Videosequenz die GTAZ erreicht, herrscht Alarmstufe Rot. Bundeskanzler Wagner wird eingeschaltet. Die Bundesregierung muss ihr gesamtes politisches Geschick einsetzen, um einen Dritten Weltkrieg zu verhindern. Die Russen wie auch die Amerikaner spielen in dem Thriller eine tragende Rolle.

    Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, warten die Terroristen nicht lange und aktivieren den ersten Schläfer. Milzbrandsporen werden auf einem NATO-Stützpunkt nahe der polnischen Grenze freigesetzt, doch es schlummern noch weitere biologische Waffen in den Depots: Ebola, Lassa-Fieber wie auch die Beulenpest. Und keiner weiß, wo die Depots und die Schläfer sich befinden. Doch was sind die wahren Ziele der Terroristen? Dies erfährt man erst ganz zum Schluss des mitreißenden und äußerst kurzweilig erzählten Thrillers.

    Entsprechend wie schon bei „H2O – Das Sterben beginnt“ wechselt Ivo Pala relativ häufig die Handlungsstränge, die Ereignisse überschlagen sich stellenweise, entsprechend rasant wird die Story erzählt wie auch durchaus realitätsnah.

    Die Story entwickelt sich sehr abwechslungsreich, gut durchdacht und komplex. Bei der Füllmenge an handelnden Personen gelingt es Ivo Pala zumeist sehr gut, diese detailreich zu beschreiben und deren Gefühlswelt überzeugend zu schildern.

    Fazit: Hochspannender Politthriller, packend und unvorhersehbar erzählt.
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