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Isabel von Belles Leseinsel
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Mainz
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Mehr Rezensionen von mir gibt es unter: http://bellexrsleseinsel.blogspot.com/
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Insgesamt 491 Bewertungen
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Kidd, Sue Monk Die Erfindung der Flügel EUR 19,99
  • Bewertung vom 26.01.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • Der Story Quilt

    Sarah Grimké wächst als Tochter eines Plantagenbesitzers Anfang des 19. Jahrhunderts in Charleston/South Carolina auf. Das Mädchen entdeckt schon früh die Welt der Bücher für sich und ihr größter Wunsch ist es, einmal Anwältin zu werden. Unmöglich für eine Frau der damaligen Zeit. Entsetzt reagiert Sarah, als sie zu ihrem elften Geburtstag die um ein Jahr jüngere Sklavin Hetty „Handful“ als Geschenk erhält. Für Sarah ist es nicht vorstellbar, einen Menschen zu besitzen. Um Handful wenigstens etwas an Freiheit zu schenken, bringt sie ihr das Lesen bei. Doch dieses Vergehen bleibt nicht lange verborgen und wird schwer geahndet. Doch Sarah kämpft weiter, weiß sie doch, dass noch eine ganz besondere Aufgabe in ihrem Leben auf sie wartet.

    Sue Monk Kidd erzählt in ihrem wundervollen Roman die Lebensgeschichte der Grimké-Schwestern Sarah (1792 – 1873) und Angelina (1803 – 1879). Sie waren die ersten Frauen in den Vereinigten Staaten, die sich öffentlich für die Abschaffung der Sklaverei einsetzten. Sie erhielten viel Aufmerksamkeit und Unterstützung, aber auch Häme und Anfeindungen.

    Eindringlich, warmherzig und absolut mitreißend schildert die Autorin den Kampf von Sarah und später auch ihrer Schwester Angelina gegen die Sklaverei. Ist Sarah eher die ruhige, besonnene junge Frau, die lieber im Verborgenen und mithilfe von Briefen und Pamphleten rebelliert, ist Angelina die offensivere der beiden Schwestern. Nina tritt beherzt auf, ist mutiger und lehnt sich ständig gegen Ungerechtigkeiten auf und zieht so ihre ältere Schwester mit. Beide Frauen ergänzen sich hervorragend. Aber da ist auch noch Handful. Geprägt durch ihre selbstbewusste, eigensinnige Mutter lehnt auch die Sklavin sich immer wieder gegen ihre Besitzer auf, hält sich nicht immer an Regeln und riskiert bewusst, erwischt und entsprechend bestraft zu werden.

    Man lernt in dem packenden Roman beide Seiten kennen. Durch Sarah das Leben der Plantagenbesitzer, für die Sklavenhaltung das Selbstverständlichste der Welt ist wie auch den vorherbestimmten Lebensweg von Frauen ihrer Zeit. Selbständiges Denken oder gar einen Beruf erlernen war verpönt und verboten, die Frau hatte gut auszusehen, ihrem Mann zu Diensten zu sein und die Kinder großzuziehen. Für Sarah wie auch Angelina unvorstellbar. Ebenso eindringlich, hervorragend recherchiert und warmherzig schildert Sue Monk Kidd das ärmliche, fremdbestimmte Leben der Sklaven, die machtlos der Willkür ihrer Besitzer ausgeliefert und jeden Rechten beraubt waren.

    Die Autorin orientiert sich zwar eng an der Biografie der Grimké-Schwestern, doch fiktive Elemente finden sich immer wieder in dem Roman, dies ist einfach der Dramaturgie geschuldet. So hatte Sarah anfangs zwar eine Sklavin namens Hetty, doch über diese ist sehr wenig bis gar nichts bekannt. Die schleichenden Veränderungen in Charleston, die vermehrte stille Rebellion der Sklaven und die immer lauter werdenden Stimmen aus dem Norden bezüglich der Abschaffung der Sklaverei fängt die Autorin ebenso gut ein wie auch die Zweifel und Ängste, die sich Sarah wie auch Handful ausgesetzt sehen. Denn eines verbindet die beiden so unterschiedlichen Frauen: Sie sind Gefangene ihrer Zeit, doch beiden gelingt es, ihre von der Gesellschaft auferlegten Fesseln zu sprengen.

    Fazit: Die Geschichte starker Frauen, die sich gegen die gesellschaftlichen Zwänge ihrer Zeit zur Wehr setzen.
Pfennig, Grete Das Rätsel des Afghans (eBook, ePUB) EUR 3,99
  • Bewertung vom 15.01.2015
  •  
    sehr gut
  • Die letzte Offenbarung Mohammeds

    „… Dereinst wird ein Hirte den Teppich bringen.
    Er stammt von Mohammed selbst und
    wird euch den Weg weisen zum Paradies,
    den Heiden zum Höllenfeuer und
    den Ketzern zum Untergang. …“

    Anwältin Grete Pfennig wird von ihrer Kanzlei beauftragt, den Fall des Teppichgaleristen Eschenbach zu übernehmen. Dieser glaubt, dass ihm jemand nach dem Leben trachtet, seine Ehefrau dagegen will ihn gegen seinen Willen in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen. Der Grund hierfür sind Eschenbachs irrwitzige Ufo-Theorien, mit denen er die erfolgreiche Galerie in den Ruin treibt. Im Iran hatte Eschenbach einen alten Afghan ersteigert und meint in seinem Muster ein Ufo entdeckt zu haben, was die prähistorische Anwesenheit Außerirdischer auf der Erde beweisen würde. Eine islamitische Sekte hingegen sieht in dem Teppich etwas ganz anderes. Sie ist überzeugt, dass in dem jahrhundertealten Afghan eine geheime Sure verborgen ist, die letzte Offenbarung des Propheten Mohammeds. Grete engagiert den Detektiv Frederick Molban mit der Hintergrundrecherche und ehe es sich die Beiden versehen, stecken sie mitten in einem Entführungsfall und müssen einen möglichen Glaubenskrieg verhindern.

    Ein Schäfer findet in Alamut in einer Felsspalte einen uralten Teppich. Eine islamistische Sekte glaubt daraufhin, dass die Legende um die letzte Offenbarung des Mohammeds nun in Erfüllung geht und versucht alles, in den Besitz dieses Teppichs zu gelangen. Doch der Teppichhändler Eschenbach hat diesen bereits auf einem Basar in Teheran erstanden. Dank der guten Vernetzung gelingt es der Sekte, Eschenbachs Galerie aufzuspüren und den Teppich samt Teppichhändler in ihren Besitz zu bringen.

    Die couragierte wie eigenwillige Anwältin Grete Pfennig und der Philosoph, Yogalehrer und Detektiv Frederick Molban, der von allen nur F. genannt wird und gerne mal zur Nervenberuhigung einen Joint raucht, begeben sich auf Spurensuche. Und diese gestaltet sich wahrlich nicht einfach oder gar ungefährlich. Eschenbach bleibt wie vom Erdboden verschwunden, doch ihre hartnäckigen Ermittlungen, die auch des Öfteren recht unkonventionelle Wege einschlagen, bringt sie auf die Spur der radikalen Sekte. Deren Anführer, Scheich Tabrizi, glaubt fanatisch an die letzte Offenbarung des Mohammed und legt dafür bewusst einige Hinweise aus der Sure zu seinen Gunsten aus.

    Die Geschichte entwickelt sich recht tempo- und ereignisreich und neben den Ermittlungen des originellen Ermittlerduos Grete und F. verfolgt man zudem die Geschehnisse rund um den jungen Rahim, der in die Fänge der Sekte gerät und dem Sohn von Scheich Tabrizi. Hamid kann den fatalistischen Vorstellungen seines Vaters nicht folgen, doch fehlt ihm der Mut, sich gegen den brutalen Scheich aufzulehnen.

    Die Geschichte wirkt von Anfang bis Ende gut recherchiert und durchdacht, auch wenn sie anfangs ein wenig fantastisch anmutet in Bezug auf Außerirdische und der letzten Offenbarung. Der Schreibstil ist durchweg einnehmend, packend und oft auch recht humoristisch. Gerade die Passagen, welche Grete selbst zu Wort kommen lassen und sie sich über das Verhalten ihres Partners F. auslässt, sind äußerst unterhaltsam. Dies lockert die kurzweilige Story immer mal wieder ein wenig auf, ohne dass dabei die Spannung auf der Strecke bleibt. Diese hält sich während des gesamten Thrillers auf einem relativ hohen Niveau. So fantastisch die Story anfangs daherkommt, so schlüssig und interessant entwickelt sie sich weiter und zum Schluss bleiben in dem vielschichtigen Thriller keine Fragen mehr offen.

    Fazit: Eine komplexe und spannend erzählte Story über einen rätselhaften Afghan, auf dessen Suche sich ein äußerst sympathisches Ermittlerpaar begibt.
Semple, Maria Wo steckst du, Bernadette? EUR 9,99
  • Bewertung vom 12.01.2015
  •  
    sehr gut
  • Spurlos verschwunden

    Stararchitektin Bernadette Fox wohnt mit Ehemann Elgie Branch und Tochter Bee in Seattle in einem etwas heruntergekommenen Haus, welches früher ein Mädchenerziehungsheim war. Wobei Geld im Hause Fox/Branch keine Rolle spielt, da Elgie ein richtig großes Tier bei Microsoft ist. Bernadette hat mit der Geburt ihrer Tochter den Beruf an den Nagel gehängt und kümmert sich um die 15-jährige Bee, geht Menschen nach Möglichkeit strikt aus dem Weg und managt ansonsten den Haushalt. Wobei sie dies gern ihrer indischen Assistentin überlässt und via Internet diese mit Hotelbuchungen, Tischreservierung etc. beauftragt. Und so organisiert Manjula nun auch die Familienreise in die Antarktis. Doch kurz vor Reisebeginn ist Bernadette plötzlich spurlos verschwunden.

    Bernadette ist absolut chaotisch, kann stundenlange Tiraden über Fünffachkreuzungen halten, geht Menschen und besonders den Eltern von Bees Schule grundsätzlich aus dem Weg und nimmt ansonsten kein Blatt vor den Mund. Herrlich unkonventionell ist diese Frau Anfang 50, selbstsicher und in Krisensituationen der ruhende Pol, aber mit Menschen an sich hat sie ernsthafte Probleme und ist lieber für sich allein. Irgendwie schon ein wenig schrullig. So ist es auch kein Wunder, das Bernadette in ihrer Straße und ganz besonders in Bees Schule absolut unbeliebt ist. Na ja, ein wenig Neid ist bei den Eltern bestimmt auch vorhanden, denn Bernadette und Elgie können sich scheinbar alles leisten und wohnen trotzdem in einem Haus, dass nur noch durch die Brombeerranken zusammengehalten wird. Bee liebt es und fühlt sich wie Dornröschen, Elgie erträgt es eher mit stoischer Ruhe, wenn mal wieder das Wasser durch das Dach tröpfelt und Bernadette kümmert sich um Schadensbegrenzung.

    Maria Semple erzählt ihren äußerst humorvollen und zumeist sehr unterhaltsamen Roman in verschiedenen Erzählweisen. Mal kommt Bernadette selbst zu Wort, dann wieder Bee, ein anderes Mal verfolgt man die Geschehnisse rund um die liebenswerte Bernadette mithilfe von Mails, Faxen, Briefen und kleinen Notizen, welche Nachbarn, Bekannte oder Arbeitskollegen von Elgie schreiben oder aber auch Bernadette selbst. So erhält man ein äußerst vielschichtiges Bild von der chaotischen Architektin, was einen aber in Bezug auf ihr plötzliches Verschwinden dennoch absolut im Dunkeln stehen lässt.

    Ab der Mitte des Buches wird die Geschichte regelrecht turbulent, die Ereignisse überschlagen sich, binnen Minuten verändern sich gegenwärtige Situationen im Buch in völlig andere … Chaos pur und Bernadette mittendrin bzw. spurlos verschwunden und man selbst als Leser fiebert und rätselt einfach nur noch mit.

    Es ist eine ungewöhnliche Erzählweise, die Maria Semple für ihren Roman gewählt hat, aber sie passt perfekt zu der Geschichte. Allerdings war mir dann doch der eine oder andere Bericht etwas zu langatmig, da hätte ich mir schon ein paar Kürzungen gewünscht. Aber im Großen und Ganzen überzeugt die Geschichte bis zur letzten Seite und die Charakterzeichnungen, besonders von Bernadette, sind absolut gelungen, wunderbar menschlich beschrieben, irgendwie auch ein wenig überdreht. Eben wie das ganze Buch: ein wenig schräg, aber absolut liebenswert.

    Fazit: Keine Spur von Bernadette … Eine Frau, die ihren Weg auf recht eigenwillige Art geht … einfach wunderbar erzählt.
Müller, Ray Tote Hose EUR 8,99
  • Bewertung vom 06.01.2015
  •  
    sehr gut
  • Der Lederhosen-Kommissar

    Da kommt die Leiche im Starnberger See dem Kommissar doch gerade recht, sitzt Anton Biersack doch seinem Blind Date, der Waldfee Hildegard gegenüber und hat keine Ahnung, wie er unbescholten aus dieser Nummer wieder herauskommen soll. So verlässt er, dem Handy sei Dank, fluchtartig das Treffen mit der Holden und fährt schnurstracks zum Tatort. Dort wurde ein Schwarzer in Lederhosen, ohne Papiere und ohne Fingerkuppen aufgefunden. Eine Identifizierung ist schier unmöglich. Niemand scheint den Toten gekannt zu haben, alle Spuren laufen ins Leere. Als dann jedoch ein stadtbekannter Schönheitschirurg am helllichten Tag in seiner Praxis von einer Unbekannten erschossen ist, nimmt der Fall um den Toten im Starnberger See eine überraschende Wendung.

    Warum nur hat er kein geheimes Zeichen mit seinem Kollegen ausgemacht? Diese Frage stellt sich Kommissar Biersack, als er bei seinem Rendezvous mit der Internetbekanntschaft Waldfee auf die esoterisch angehauchte, resolute Hildegard trifft, die ihn vollkommen einschüchtert. Doch dann kommt ihm zum Glück sein Handy zur Hilfe und Hals über Kopf verlässt Biersack das Restaurant und lässt Hildegard etwas verstört zurück.

    Der Anblick, den sich den Ermittlern am Fundort der Leiche bietet, ist allerdings schon etwas seltsam. Dort liegt ein farbiger Mann mit Lederhosen bekleidet. Die Todesursache ist nicht ersichtlich, aber eine große Wunde ziert dessen Rücken. Biersack und sein Team ermitteln in alle Richtungen, doch welcher Spur sollen sie folgen, wenn sie noch nicht einmal die Identität, geschweige denn die Nationalität des Toten kennen? So gerät auch der Tote vom See erst einmal in den Hintergrund als kurze Zeit später ein Schönheitschirurg in seiner Praxis erschossen wird. Doch schon bald stellt Biersack einige Zusammenhänge zwischen dem Schönheitschirurgen und dem Unbekannten her.

    Mit viel Münchner Flair, einem herrlichen Wortwitz, dementsprechend locker und unterhaltsam erzählt Ray Müller seinen Kriminalroman um den Münchner Hauptkommissar Anton Maria Biersack. Dieser ist ein gestandener Mann Mitte 50, der das gute Essen zu genießen versteht, eher bedächtig und überlegt einen Fall angeht und gerne auch mal ein wenig eigenbrötlerisch wird, wenn er einen Verdacht hegt. Seine Kollegen bekommen dann meist nur noch das Ergebnis präsentiert. Was Biersack allerdings nach seiner Scheidung fehlt, ist eine Frau an seiner Seite. Tja, da wäre ja die Waldfee, sein Blind Date, dass er so Hals über Kopf hat sitzen lassen. Doch der Biersack ist ein Herzensguter und schnell plagt ihn das schlechte Gewissen.

    Die Krimihandlung entwickelt sich gemächlich, dabei aber keineswegs langatmig. Eher schon wirken die Ermittlungen realistisch und vor allem nachvollziehbar. Da kann dem Kommissar schon mal ein Fehler unterlaufen oder Biersack vergisst etwas, Spuren führen ins Leere oder Verdächtige entpuppen sich als unschuldig. Es bleibt spannend bis zum Schluss, denn auch wenn man ab der Mitte des Buches die Zusammenhänge ahnt, den Täter präsentiert einem Ray Müller erst zum Schluss.

    Fazit: Ein spannender, atmosphärisch dicht erzählter Krimi mit viel Münchner Flair und einem herrlich sympathischen Hauptkommissar.
Letocha, Thomas Oma Else startet durch EUR 8,99
  • Bewertung vom 05.01.2015
  •  
    sehr gut
  • Reise mit Hindernissen

    Oma Else lebt mit Freund Mario glücklich im Süden in einem kleinen Häuschen. Doch mit der Idylle ist es vorbei, als Mario nach Deutschland zurückkehrt und plötzlich ein fremder Mann auf Oma Elses Couch schläft. Hardy ist im Auftrag von Mario da und soll Oma Else mit in den Norden nehmen. Mit dem alten klapprigen VW-Bus machen sich Oma Else und Hardy vom Mittelmeer aus über die Alpen nach Norden, doch die Reise wird alles andere als erholsam.

    Es war so eine schöne Zeit, die Oma Else mit Mario im Süden Italiens genießen konnte. Doch nun ist Mario bereits seit gut drei Wochen wieder im Norden, um seinen Söhnen zu helfen und telefonisch nicht erreichbar. Und plötzlich liegt da ein Wildfremder auf der Couch. Oma Else glaubt an einen Einbrecher und es dauert eine Zeit, bis sich die Verhältnisse geklärt haben. Doch dann findet die rüstige Rentnerin der nicht minder rüstigen Rentner durchaus sympathisch und bricht mit ihm gen Norden auf.

    Wer jedoch den ersten Band von Oma Else kennt, weiß jetzt schon, dass die Reise über die Alpen alles andere als langweilig wird. Da muss schon mal die Polizei Oma Else suchen oder die beiden Rentner entführen kurzerhand einen Hund. Und der VW-Bus mit all ihren Habseligkeiten kommt ihnen auch zwischendurch abhanden.

    Oma Else ist mit ihren knapp über 80 Jahren immer noch eine recht rüstige, neugierige Dame, deren Knochen zwar nicht immer mehr so mitspielen, besonders die Hüfte, aber das hindert sie nicht daran, auch mal die Verfolgung nach einem vermeintlichen Freund aufzunehmen.

    Und so erlebt man wieder sehr kurzweilige, amüsante Lesestunden und verfolgt durchweg mit einem Lächeln auf den Lippen die stellenweise skurrilen und abenteuerlichen Erlebnisse von Hardy und Oma Else.

    Fazit: Oma Else startet mit Volldampf durch – witzige, kurzweilige Geschichte über eine Rentnerin, die man einfach ins Herz schließen muss.
Frei, Tanja Das Wispern der Nacht EUR 8,99
  • Bewertung vom 25.12.2014
  •  
    sehr gut
  • Die Hüterin

    Es ist Sommer in München und die Grafikerin Jenna Winters lernt in einer Strandbar die junge Lena kennen und freundet sich mit ihr an. Lena bietet Jenna die Ablenkung, die sie dringend braucht, seit ihre Tochter Kim nach Schottland gegangen ist. Doch mit der Zeit erhält Jenna den Eindruck, dass Lena etwas vor ihr verbirgt und zudem weiß, wer Jenna in Wirklichkeit ist. Als das Konsortium wieder auf den Plan tritt, geraten Lena und Jenna in tödliche Gefahr, denn diese haben nur ein Ziel, das Tor zur Schattenwelt zu öffnen und den Jäger zu finden. Ein Vorhaben, dass Jenna um jeden Preis verhindern muss.

    Die Abenteuer der Hüterin gehen im zweiten Band rasant weiter, doch wer den ersten Band „Das Wispern der Angst“ nicht kennt, wird sich im vorliegenden Band dennoch schnell zurechtfinden. Tanja Frei erwähnt immer mal wieder die vorangegangenen Geschehnisse, sodass man schnell die Zusammenhänge versteht. Doch um wen es sich bei dem immer wiederkehrenden kurzen Handlungsstrang, der in der Ich-Form geschrieben ist, handelt, ahnt man erst mit der Zeit. In jedem Fall ist es eine Person, die ganz genau zu wissen scheint, über welche magischen Fähigkeiten Jenna verfügt und diese für sich nutzen will. Ob jetzt zum Guten oder Bösen für die Hüterin ist ungewiss.

    Die Geschichte beginnt unterhaltsam und wird von Tania Frei so packend beschrieben, dass die Neugier ihrer Leser schnell geweckt wird. Rätselhafte Geschehnisse, geheimnisvolle Verfolger und ein Konsortium, dessen Absichten zwar klar sind, doch welche Auswirkungen diese auf Jenna haben, im Dunkeln bleiben, erhöhen mit der Zeit immer mehr die Spannung und bald schon entwickelt sich der Mystery-Thriller äußerst rasant und fesselnd.

    Jenna selbst ist sich ihrer magischen Fähigkeiten noch gar nicht recht bewusst, hat sie doch erst vor einem halben Jahr erfahren, dass sie die Hüterin des Tores zur Schattenwelt ist. Doch welche Konsequenzen dies für sie hat, welche magischen Fähigkeiten in ihr schlummern und vor allem, welche Absichten die rätselhafte, lebenslustige und so unkonventionelle Lena hegt, bleiben ihr lange verborgen. Jenna zur Seite steht ihr Antoine, den sie im ersten Band aus der Schattenwelt befreit hatte und ihr mit seinem Wissen ein ums andere Mal hilfreiche Dienste leistet. Doch auch der junge Franzose kann nicht verhindern, dass das Konsortium den Ring um Jenna immer enger zieht und sie bald eine Entscheidung treffen muss.

    Fesselnd, oftmals düster, dann wieder voller Wortwitz versehen erzählt Tanja Frei den zweiten Band um Jenna Winters. Dabei nimmt die Geschichte immer wieder ungeahnte Wendungen an und wechselt oftmals auch nach England ins Jahr 1930, wodurch einem sich die Zusammenhänge zu den heutigen Geschehnissen immer mehr erschließen. Dies geschieht jedoch gut dosiert und die Wechsel der Erzählstränge sind taktisch gut gelegt, sodass sich das Spannungsniveau meist im oberen Level hält.


    Fazit: Ein Thriller voller Mystik und Spannung, fesselnd erzählt und mit Charakteren, die Ecken und Kanten haben dürfen und deren wahre Absichten anfangs oft nicht gleich erkennbar sind.
Martini, Christiane Die Meisterin aus Mittenwald EUR 13,00
  • Bewertung vom 23.12.2014
  •  
    sehr gut
  • Die Geigenbauerin

    Anno 1702: Annas Mutter wird der Hexerei angeklagt und stirbt durch ein Gottesurteil. Anna selbst muss sich dem Tross der Inquisition anschließen und soll in ein Kloster gebracht werden. Doch auf dem Weg über die Alpen kommt es zu einem schrecklichen Unglück und Anna kann als junger Mann getarnt in das nahegelegene Mittenwald flüchten. Dort findet sie unter dem Namen Ferdinand eine Lehrstelle bei Geigenbauer Dürnholz und freundet sich mit Moritz an, der ebenfalls Lehrling bei einem Geigenbauer ist. Annas größter Traum ist es, einmal eine erfolgreiche Geigenbauerin zu werden, doch dies scheint ihr verwehrt, als sie und Moritz in eine blutige Intrige verwickelt werden. Hals über Kopf fliehen beide gen Venedig, ihnen dicht auf den Fersen, ein skrupelloser, blutrünstiger venezianischer Söldner.

    Die 17-jährige Anna ist verzweifelt. Eben noch musste sie den Tod ihrer Mutter mit ansehen, schon befindet sie sich auf dem Wagen des Inquisitors von Schaffhausen, der sie in ein Kloster mitten in den Alpen bringen will. Für Anna ein schier unvorstellbarer Gedanke, immer wieder denkt sie über Flucht nach und als ein Unwetter in den Bergen tobt, gelingt Anna tatsächlich das Unverhoffte. Dank der Kleidung eines Mitreisenden und mithilfe einer Schere verwandelt sich Anna in den jungen Schreinergesellen Ferdinand, der auf der Suche nach einer Lehre als Geigenbauer ist. Fündig wird Anna alias Ferdinand im nahegelegenen Mittenwald. Bei dem ungehobelten Meister Dürnholz lernt sie das Handwerk, doch Anna merkt schnell, dass Dürnholz einiges zu verbergen hat und illegale Geschäfte mit dem venezianischen Söldner Carrigi betreibt. Bald schon überschlagen sich die Ereignisse und Anna und Moritz befinden sich auf einer gefahrvollen Flucht über die Alpen Richtung Venedig.

    Mit dem Tod von Annas Mutter beginnt Christiane Martini ihren Historischen Roman, wobei der kurze Prolog in Venedig, bei der Padre Antonio Vivaldi eine Rolle spielt, erst einmal einige Fragen aufwirft. Doch schnell wechselt die Geschichte zu Anna und man begleitet die junge, verzweifelte Frau bei ihrer unfreiwilligen Reise über die Alpen. In einem weiteren Handlungsstrang stellt die Autorin ihren Lesern auch den jungen, ehrgeizigen wie talentierten Moritz vor, dessen größter Traum es ist, bei Meister Klotz in die Lehre zu gehen, um bei ihm die Feinheiten des Geigenbauens zu erlernen. Sein Wunsch soll ihm bald erfüllt werden. Moritz ist selig, geht in seiner Arbeit auf und verbringt seine knappe Zeit mit Meister Klotz’ Sohn Sebastian und Freund Alois. Doch das ruhige Leben hat für den jungen Mann ein jähes Ende als Anna alias Ferdinand in Mittenwald auftaucht.

    So erlebt man die packend erzählte Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven, die Christiane Martini mithilfe ihres einnehmenden, der Zeit angepassten und fesselnden Schreibstil gekonnt in Szene setzt. Zudem lässt die Autorin ihr fundiertes Fachwissen als Musiklehrerin und Konzertistin unterhaltsam mit einfließen und vermittelt ganz nebenbei noch einige interessante Informationen rund um den Geigenbau.

    Die Geschichte entwickelt sich jetzt nicht unbedingt überraschend, zumal man bald schon die rätselhafte Szene am Anfang der Geschichte zuordnen kann und die Kurzbeschreibung des Buches auch viel verrät. Dennoch zieht das Schicksal von Anna und Moritz einen schnell in seinen Bann und man verfolgt gespannt die oftmals gefahrvollen Erlebnisse der beiden jungen Leute.


    Fazit: Unterhaltsame, atmosphärisch dichter erzählte Geschichte einer jungen Frau, die davon träumt, Geigenbauerin zu werden.
Cain, Chelsea Totengabe EUR 9,99
  • Bewertung vom 15.12.2014
  •  
    sehr gut
  • Happy Birthday, Archie

    Zum Feiern kommt Detective Archie Sheridan an seinem Geburtstag beileibe nicht. Ein verdeckter Ermittler, den Archie gut kannte und der gegen den Drogenboss Jack Reynolds ermittelte, wird tot aufgefunden. Da Halloween ist, findet auf Reynolds Privatinsel eine Dinnerparty statt, zu der Archie eine Einladung erhält, die er zur Sammlung von möglichen Beweisen nutzen will. Doch als er am nächsten Morgen mit einer Gehirnerschütterung aufwacht, gibt es eine weitere Leiche. Dem nicht genug, taucht die aus dem Gefängnis entflohene Gretchen Lowell wieder auf, um Archie ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk zu präsentieren.

    Die Ermordung des verdeckten Ermittlers gleicht einer Hinrichtung und alle Indizien sprechen dafür, dass Drogenboss Jack Reynolds seine Finger im Spiel hatte. Da der verdeckte Ermittler auch die Kontaktperson von Leo Reynolds war, droht dem Sohn des Drogenbosses ebenfalls die Enttarnung. Als Archie über Umwege eine Einladung zu Reynolds Dinnerparty auf dessen Privatinsel erhält, überschlagen sich die Ereignisse und bald schon muss Archie feststellen, dass Gretchen sich mal wieder etwas ganz Besonders für ihn hat einfallen lassen.

    Chelsea Cain hält sich nicht mit langem Vorgeplänkel auf und steigt gleich recht zügig in den mittlerweile 6. Band ihrer Thrillerreihe ein. Und auch dieses Mal darf ihre Protagonistin Gretchen Lowell nicht unterschätzt werden, denn keiner mordet so schön wie sie.

    Das FBI ist überzeugt, dass der Mord auf der Insel auf das Konto von Gretchen geht, doch Archie weiß es besser, dafür kennt er die Serienmörderin viel zu gut. Geschickt zieht Gretchen Lowell die Fäden in dem Fall, alles scheint von ihr bis ins kleinste Detail geplant zu sein und Archie und seine Kollegen sind nur die Statisten, die ungewollt genau so handeln, wie Gretchen es wünscht.

    So rasant wie die Story startet, so temporeich setzt Chelsea Cain diese auch in großen Teilen bis zum Schluss um. Fesselnd und oftmals hochspannend geht die Jagd nach der schönen Serienmörderin weiter und der Thriller entwickelt sich vielschichtig und unvorhersehbar. Und die Psychospiele von Gretchen Lowell sind von der Autorin wieder absolut überzeugend umgesetzt, auch wenn man die Geschichte jetzt nicht unbedingt als realitätsnah bezeichnen kann. Aber etwas überzogen in der Story darf ein Thriller ja ruhig einmal sein.

    Fazit: Gretchen Lowell geht in die 6. Runde und wieder einmal präsentiert Chelsea Cain einen zumeist hochspannenden Thriller mit einer komplexen Story.
Galbraith, Robert Der Seidenspinner / Cormoran Strike Bd.2 EUR 19,99
  • 3 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 24.11.2014
  •  
    ausgezeichnet
  • Bombyx Mori

    An einem kalten Novembermorgen steht die Ehefrau des Romanautors Owen Quine in Strikes Büro und bittet den Privatdetektiv, den Aufenthaltsort ihres Mannes zu ermitteln. Da Quine bereits öfter tagelang spurlos verschwunden ist, möchte Leonora die Polizei nicht einschalten. Obwohl sich Strike seit seinem spektakulären Fall um das Model Lula Landry vor Aufträgen kaum retten kann, nimmt er den wenig lukrativen Fall an und begibt sich auf Spurensuche nach dem exaltierten Autor. Dem Privatdetektiv ist schnell klar, dass hinter dem Verschwinden von Quine mehr steckt, als seine Ehefrau annimmt, denn der Autor hat ein Buch geschrieben, dass viele Menschen in seinem Umfeld bei Veröffentlichung in Misskredit bringen würde. Kurze Zeit später wird der Autor tot aufgefunden, bizarr und auf äußerst brutale Weise ermordet.

    Eigentlich nimmt Cormoran Strike nur noch profitable Fälle an, um seine Schulden endlich begleichen zu können und seine Assistentin Robin Ellacott auf die versprochene Fortbildung zu schicken. Doch das eigenartig selbstbewusste Auftreten von Leonora und ihre Schilderungen über ihren Ehemann reizen Strikes Neugier und so nimmt er wider besseres Wissen den Fall an. Sein Weg führt ihn die Kreise von Verlegern, Lektoren und Autoren; in eine Welt voller exzentrischer, eigenwilliger, launenhafter und überheblicher Menschen.

    Robert Galbraith / J.K. Rowling hat auch mit dem zweiten Band um ihren charismatischen Privatdetektiv Cormoran Strike und seiner ambitionierten Assistentin Robin Ellacott wieder einen Kriminalroman ganz im klassischen Stil geschaffen. Atmosphärisch dicht, eher ruhig erzählt und versehen mit viel Lokalkolorit begleitet man ihren Privatermittler durch die Straßen Londons.

    Manch einer der Befragten gibt Strike bereitwillig Auskunft über sein Verhältnis zu Quine, andere dagegen scheinen ganz offensichtlich etwas verbergen zu wollen. Als dann Quines grausam zugerichtete Leiche gefunden wird, deren Modus Operandi auf sein Buch hinweist, ist die Liste der Verdächtigen nicht gerade kurz. Zwar ist das Manuskript noch nicht veröffentlicht, doch unter der Hand kursiert es seit Tagen durch die Verlagswelt. Und nicht gerade wenige hätten ein Motiv, den zu Lebzeiten geltungssüchtigen Owen Quine den Tod zu wünschen.

    Mit tatkräftiger Unterstützung durch Robin begibt sich Cormoran auf Mördersuche und auch wenn die Polizei schnell einen Verdächtigen identifiziert hat und die Indizien eindeutig auf diesen als Täter hinweisen, glaubt Strike nicht daran. Unbeirrt ermittelt er weiter, setzt seine vielen Kontakte für neue Erkenntnisse ein und geht oft unkonventionelle Wege bei der Mördersuche. Erschwerend hierbei kommt ihm jedoch seine Behinderung, das äußerst schlechte Londoner Wetter, und dass ganz offensichtlich eine unbekannte Person im schwarzen Mantel ihm nach dem Leben trachtet. Hiervon lässt sich Strike jedoch nicht abschrecken und verfolgt seine Spuren akribisch, stur und zielorientiert.

    Unaufgeregt entwickelt sich die Story und lebt ganz von seinem eigenwilligen wie sympathischen Protagonisten Cormoran Strike. Dennoch fehlt zu keiner Zeit des Kriminalromans die Spannung. Strikes Gedankengänge verrät die Autorin ihren Lesern selten gleich, sodass hier ständiges Rätselraten in Bezug auf den Mörder angesagt ist. Erschwerend hierbei sind die äußerst ausgefeilten Charaktere des Romans, denen man irgendwie alle diesen absonderlichen Mord zutrauen würde, diese in ihren Handlungen jedoch so undurchsichtig bleiben, dass die Suche nach dem Täter bis zur letzten Seite äußerst fesselnd bleibt.

    Fazit: Ein klassischer englischer Kriminalroman im besten Sinne: Atmosphärisch dicht erzählte, fesselnde Story mit einem eigensinnigen Ermittler.
Sund, Erik A. Schattenschrei / Victoria Bergman Bd.3 EUR 12,99
  • 6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 17.11.2014
  •  
    ausgezeichnet
  • Der Hass hält sie am Leben

    Alles deutet daraufhin, dass die zwei toten Frauen für die Morde verantwortlich sind. Doch Jeanette Kihlberg hat ihre Zweifel, Unklar ist auch, welche Rolle Victoria Bergmann bei den Morden spielt. Währenddessen gibt es neue Anhaltspunkte bei den Todesumständen der Jungen. Der Fall wird wieder aufgerollt. Die Psychologin Sofia Zetterlund setzt sich immer stärker mit ihrer Vergangenheit auseinander, was ihre Freundschaft mit Jeanette zunehmend belastet.

    Nach einem kurzen Rückblick knüpfen Erik Axl Sund direkt an den Vorgängerband an und erzählen die Geschichte zügig weiter. Wie bereits von Band 1 und 2 gewohnt, ist der Schreibstil der Autoren weiterhin eher distanziert und nüchtern. Was jedoch dem Leser im Verlauf der Geschichte zugutekommt, denn was die Autoren ihren Protagonisten und somit auch ihren Lesern zumuten, ist extrem hart. Jeanette und Jens kommen hier an die Grenzen des Erträglichen und Aushaltbaren und somit auch der Leser. Mehr als einmal musste ich zwischendurch das Buch zur Seite legen, ob der grausamen Schilderungen.

    Die Ermittlungen rund um die Morde und den rätselhaften Todesumstände der ausländischen Jungen verschmelzen immer mehr mit dem Privatleben von Jeanette wie auch von Sofia. Letztere setzt sich weiterhin penibel mit ihrer Vergangenheit auseinander, was ihr einiges abverlangt und ihr Verhältnis zu Jeanette negativ zu beeinflussen droht.

    Die vielen losen Enden wie auch die zahlreichen offenen Fragen, welche sich aus Band 1 und 2 ergeben haben, fügen sich nach und nach logisch zusammen und alle Fragen werden schlüssig geklärt. Erik Axl Sund gelingt es hierbei hervorragend, der Story immer wieder unerwartete Wendungen zu geben und ihre Leser hierdurch zu überraschen wie auch in die Irre zu führen. Die Spannung ist zwar auch dieses Mal eher verhalten, durch die zügige, packende Erzählweise gelingt es den Autoren jedoch problemlos, ihre Leser von der ersten bis zur letzten Seite an ihren äußerst komplexen, ausgefeilten Psychothriller zu fesseln.

    Fazit: Grandioser Abschluss einer außergewöhnlichen Trilogie.
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