Benutzer


Nickname:
Isabel von Belles Leseinsel
Wohnort:
Mainz
Über mich:
Mehr Rezensionen von mir gibt es unter: http://bellexrsleseinsel.blogspot.com/
Danksagungen:
249 (erhaltene)
Rang:
24 

Bewertungen


Insgesamt 515 Bewertungen
««« zurück1234vor »
Burton, Jessie Die Magie der kleinen Dinge EUR 19,99
  • Bewertung vom 17.04.2015
  •  
    sehr gut
  • Die geheimnisvolle Miniaturistin

    Nach ihrer Hochzeit im Jahre 1686 mit dem Amsterdamer Kaufmann Johannes Brandt kommt die 18-jährige Petronella Oortmann allein in Amsterdam an. Der Empfang von Brandts Schwester Marin ist äußerst unterkühlt und auch ihren Ehemann sieht Nella fast nie. Nachdem Johannes ihr als verspätetes Hochzeitsgeschenk ein Puppenhaus schenkt, findet Nella wenigstens hier ein wenig Trost. Die Einrichtungsgegenstände lässt sie bei einem Miniaturisten anfertigen und ist nach der ersten Lieferung begeistert von dessen detailreichen Arbeiten. Doch dann treffen immer weitere Gegenstände und auch Nachbildungen ihrer neuen Familie für ihr Puppenhaus ein, die Nella nicht bestellt hat. Diese zeigen, was ganz offensichtlich verborgen bleiben soll. Als Nella langsam beginnt, hinter die Fassade der Familie Brand zu schauen, gerät sie in einen Sog aus Geheimnissen und Abgründe, dessen sich nicht mehr entziehen kann.

    Nella ist eine junge, etwas naive 18-jährige, die aus einer verarmten Adelsfamilie von Lande stammt und das erste Mal in Amsterdam ist. Von der dominanten Marin lässt sie sich einschüchtern, rebelliert nur selten auf und versucht vergeblich, ihrem Mann etwas näher zu kommen. Doch obwohl Johannes äußerst freundlich und umgänglich ihr gegenüber ist, schenkt er ihr kaum Beachtung, widmet sich ausschließlich seinen Geschäften und scheint nur wenig Interesse an einem Eheleben zu haben. Einzig zu Dienstmädchen Cornelia fasst Nella nach und nach ein wenig Vertrauen. Bei ihren regelmäßigen Spaziergängen durch die Stadt fällt Nella bald eine blonde Frau auf, die sie intensiv zu beobachten scheint. Doch jedes Mal, wenn Nella deren Aufmerksamkeit erlangen will, verschwindet die junge Frau spurlos.

    Jessie Burton beginnt ihren historischen Roman mit einer Beisetzung, wobei der Leser nicht weiß, wer hier zu Grabe getragen wird. Anschließend erlebt man die frostige Begrüßung Nellas im Hause Brandt und verfolgt fortan ihr anfangs ziemlich monotones Leben in der Herengracht. Dieser Teil des bildhaften und atmosphärisch dicht erzählten Romans schildert die Autorin auf eine ruhige, eher zurückhaltende Art, die einen dennoch sofort in seinen Bann zieht. Und als sich dann die Ereignisse regelrecht überschlagen und die Geschichte immer wieder sehr überraschende Wendungen nimmt, kommt auch die Spannung nicht zu kurz.

    Neben der einnehmenden Erzählweise der Autorin überzeugen auch die wunderbar herausgearbeiteten Charaktere des Romans. Im Mittelpunkt steht klar Nella, doch auch die restlichen Hausbewohner in der Herengracht kommen beileibe nicht zu kurz und einige überraschen in ihren Handlungen doch wirklich sehr. Die Geschichte entwickelt im Verlauf eine Dramatik, welche man sich in dieser Form anfangs in keiner Weise vorgestellt hätte.

    Auch das bigotte, puritanische Leben der wohlhabenden Bürger Amsterdams, welche sich streng an die gesellschaftlichen Regeln halten wie auch das Leben selbst in der Handelsstadt beschreibt Jessie Burton überaus farbenfroh, wobei die Stimmung des Buches durchweg recht bedrückend wirkt. Dies ist aber schlicht und einfach dem Verlauf der Geschichte geschuldet.

    Fazit: Mysteriös und auf sehr ruhige Art dennoch packend und sehr kurzweilig erzählt.
Holt, Jonathan Folter / Capitano Katerina Tapo Bd.2 EUR 9,99
  • Bewertung vom 16.04.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • Sie wird NICHT gefoltert

    Beim Bau einer neuen Militärbasis wird eine Leiche gefunden. Colonnello Aldo Piola wird mit den Ermittlungen betraut. Zur gleichen Zeit verschwindet die 16-jährige Mia Elston, Tochter eines hochdekorierten Majors der US-Militärbasis nahe Venedig. Kurze Zeit später melden sich die Entführer per Video zu Wort. Dieses zeigt Mia nackt und gefesselt auf einem Stuhl und die Entführer informieren darüber, dass laut USA Waterboarding, der Entzug sensorischer Reize oder sexuelle Erniedrigung keine Folter seien. Zudem teilen sie mit, dass sie Mia NICHT foltern werden. Das erste Mal noch am gleichen Abend um 21:00 Uhr. Capitano Kat Tapo und Holly Bolland vom US-Militär ermitteln unter Hochdruck.

    Der zweite Band der Carnivia-Trilogie beginnt gleich mit der Entführung von Mia Elston, um dann erst einmal zum Fund der Leiche auf der Baustelle der neuen US-Militärbasis zu wechseln. Diese steht bei den Venezianern in der Kritik, Demonstranten versuchen immer wieder das Bauvorhaben zu stören. Währenddessen hat Kat Tapo nach der Beschwerde gegen Aldo Piola kein leichtes Leben bei den Carabinieri und der Streit mit Holly Bolland ist ebenfalls noch nicht beigelegt. Doch die Entführung von Mia lässt Kat und Holly jeglichen Ärger vergessen und bald schon ist auch Aldo in dem Fall involviert und arbeitet eng mit Kat zusammen.

    Jonathan Holts Thriller in eine Schublade zu stecken ist schwierig, da die Story vielseitig ist. Es geht um politische Intrigen, die Katholische Kirche ist wieder involviert und actionreich ist die Story ebenfalls angelegt. Detailliert geht es um die letzten Tage des 2. Weltkriegs, Internet-Kriminalität, den Einsätzen der USA in Afghanistan und besonders um die Foltermethoden der CIA, aber auch die Mafia und deren Methoden sind ein Thema. Nachdenklich wird man nach Beendigung des Thrillers, als man im Nachwort erfährt, dass die meisten Schilderungen, welche man für schriftstellerische Freiheiten gehalten hat, durchaus der Realität entsprechen.

    Von Anfang an legt Jonathan Holt ein rasantes Erzähltempo vor, wobei der Autor seine fundierten Recherchen geschickt und sehr informativ in die sehr komplexe Geschichte einfließen lässt. Unter anderen schildert Jonathan Holt sehr detailreich die einzelnen Foltermethoden, welche laut USA nicht als Folter gelten. Hierzu gehört auch das Waterboarding und gerade diese Szenen gehen einem regelrecht unter die Haut.

    Die Story entwickelt sich äußerst vielschichtig und undurchsichtig. Die Entführung und die Videos erfordern viel fachliches Wissen, immerhin nutzen die Entführer die Carnavia-Plattform als Sprachrohr und selbst Daniele Barbo, der Erfinder der Website stößt hier an sein IT-Wissen. Und dann gibt es noch den Fund der unbekannten Leiche auf der Baustelle, die ebenfalls in irgendeiner Verbindung zu dem Entführungs-Fall zu stehen scheint.

    In Bezug des wahren Motivs wie auch auf die Hintermänner der Entführung lässt Jonathan Holt seine Leser sehr lange im Dunkeln. Die Geschichte entwickelt sich äußerst packend, wirkt jederzeit wohldurchdacht und Jonathan Holt versteht es gekonnt, sein fundiertes Fachwissen kurzweilig mit einzubinden. Und trotz der vielschichtigen Thrillerhandlung kommt auch das Privatleben von Kat, Holly und Aldo nicht zu kurz.

    Fazit: Auch der 2. Band der Trilogie ist wieder hochspannend, hervorragend recherchiert und äußerst komplex.
Goga, Susanne Der dunkle Weg EUR 9,99
  • Bewertung vom 14.04.2015
  •  
    sehr gut
  • Der Kampf um Unabhängigkeit

    Dublin im Jahr 1912: Die Hamburger Kaufmannstochter Ida Martens erfüllt sich einen Traum und reist gegen den Willen ihrer Eltern nach Dublin, um dort eine Freundin zu besuchen. Doch schnell ist Ida klar, dass es für sie ein längerer Aufenthalt in Dublin werden wird. Durch ihre Freundin Grace lernt sie viele neue Menschen kennen, die sich politisch engagieren und Ida hilft bald mit ihrer künstlerischen Arbeit, auf die Missstände in Dublin aufmerksam zu machen. Als sie in dem Arzt Cian O’Connor die Liebe ihres Lebens findet, ist für Ida klar, dass Irland ihre neue Heimat wird. Doch dann bricht der 1. Weltkrieg aus und auch die politische Lage in Dublin wird immer gefährlicher.

    Susanne Goga erzählt in ihrem Roman die Anfänge der Kämpfe nach politischer Unabhängigkeit, was schlussendlich ab 1919 zum Bürgerkrieg führte. Die Armut ist in Dublin überall sichtbar, von der großen Hungersnot rund 60 Jahre zuvor hat sich Irland bis heute nicht erholt und ist unter der Bevölkerung nicht vergessen. Die Arbeiter leben von der Hand in den Mund, Krankheiten kursieren in dem Armenvierteil, immer mehr organisieren sich in Gewerkschaften. Als es zur großen Aussperrung kommt und die Menschen nicht mehr wissen, wie sie ihre Kinder satt bekommen sollen, greifen die Iren zu den Waffen. Der Roman endet rund drei Jahre vor Beginn des Bürgerkriegs.

    Mithilfe der fiktiven Personen Ida Martens und Cian O’Connor erzählt die Autorin die Anfänge des irischen Freiheitskampfes und bindet in ihren Roman viele historische Persönlichkeiten mit ein, die sich maßgeblich gegen England auflehnten.

    Die sehr eigenständige, selbstbewusste Ida ist Malerin und skizziert immer wieder die schrecklichen Zustände in Dublin und verkauft ihre Zeichnungen unter anderen an Zeitungen. Zudem ist sie eng mit der Familie Gifford wie auch mit Joe Plunkett befreundet, wodurch Ida auch sehr gut über die politischen Ereignisse informiert ist. Mit dem schroffen, zynischen wie verschlossenen Cian O’Connor freundet sich Ida aufgrund ihrer künstlerischen Arbeit an. Cian behandelt eher widerwillig die vermögenden Dubliner, doch hierdurch hat er die Möglichkeit, kostenlos den Ärmsten der Armen zu helfen.

    Die Geschichte entwickelt sich anfangs eher ruhig, doch mit ihrem packenden, bildhaften Erzählstil zieht Susanne Goga ihre Leser schnell in ihren Bann und als sich die Stimmung in Dublin immer mehr aufheizt, wird die Geschichte auch stetig packender. Zudem verknüpft die Autorin geschickt fiktive mit historischen Fakten, wobei ich mir stellenweise etwas mehr geschichtliche Details gewünscht hätte. Jedoch merkt man jederzeit, dass dem Roman sehr viel Recherchearbeit vorausgegangen ist.

    Fazit: Die Anfänge des Irischen Bürgerkriegs aus der Perspektive einer sozial engagierten Künstlerin erzählt – fesselnd und atmosphärisch dicht.
Herrmann, Elisabeth Das Dorf der Mörder / Sanela Beara Bd.1 EUR 9,99
  • Bewertung vom 12.04.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • Das Geheimnis von Wendisch Bruch

    Im Pekari-Gehege des Berliner Tierparks machen Besucher eine grauenhafte Entdeckung. Hauptkommissar Lutz Gehring wird mit der Aufklärung des Mordes betraut, doch auch die Streifenpolizistin Sanela Beara, die als eine der ersten am Tatort ist, interessiert der makabre Fall. Vor allem, als schnell eine Verdächtige verhaftet wird, welche ein Geständnis ablegt. Sanela glaubt nicht an die Schuld von Charlie Rubin und stellt eigene Ermittlungen an. Der Psychologe Jeremy Saaler wird mit einem Gutachten über Charlies Zurechnungsfähigkeit betraut. Bald schon vermutet er den Grund für den Mord in Charlies Kindheit. Die Spur führt Jeremy wie Sanela unabhängig voneinander in ein kleines Dorf in Brandenburg.

    Wie abgebrüht und gefühlskalt muss ein Mörder sein, der sein Opfer ein Medikament spritzt, welches ihn lähmt, aber gleichzeitig bei vollem Bewusstsein lässt und ihn anschließend in das Gehege der Pekaris wirft, wo der hilflose Mann von diesen gefressen wird? Alle Indizien weisen auf die Tierpark-Angestellte Charlie Rubin hin und die Frau ist auch sofort geständig, verschweigt aber den Grund für die Tat. Sanela Beara hatte Charlie kurz vor der Verhaftung kennengelernt und glaubt nicht an deren Schuld. Auf eigene Faust stellt sie Ermittlungen an und stößt dabei auf einige Ungereimtheiten. Kurzentschlossen macht sie sich auf den Weg nach Wendisch Bruch, dem Dorf, in dem Charlie aufgewachsen ist.

    Während die sture, neugierige und ehrgeizige Sanela ihren eigenen Ermittlungen nachgeht, lernt man in einem weiteren Erzählstrang Jeremy Saaler kennen. Der Psychologe macht gerade eine Weiterbildung bei Professor Brock zum Psychotherapeuten und ist bald schon von der geständigen Mörderin fasziniert. Soll sie wirklich diesen grausamen Mord begangen haben und welche Rolle spielt ihre jüngere Schwester Cara, zu der Charlie schon vor Jahren jeglichen Kontakt abgebrochen hat? Weiß Cara mehr über die Gründe für den Mord oder deckt Charlie mit ihrem Schweigen gar den wahren Mörder? Im Verlauf des atmosphärisch dicht erzählten Kriminalromans werden immer mehr Fragen aufgeworfen und Elisabeth Herrmann versteht es geschickt, ihre Leser mit den Antworten lange im Dunkeln stehen zu lassen.

    Somit ist Rätselraten von Anfang an gegeben, zumal alle Charaktere des Krimis sehr ausgefeilt gezeichnet sind. Elisabeth Herrmann versteht es zudem hervorragend, die mitwirkenden Personen detailgenau und lebendig zu beschreiben, hierbei aber gerade Cara und Charlie so undurchsichtig darzustellen, dass man bis zum Schluss nicht weiß, ob und wenn ja was die Geschwister zu verbergen haben.

    Die Story entwickelt sich nach den Ereignissen im Berliner Tierpark eher etwas ruhig, aber keineswegs langatmig. Nach und nach steigert die Autorin dann allerdings das Erzähltempo und bald schon findet man sich in einem äußerst rätselhaften wie spannenden Krimi wieder, der sich vielschichtig und wendungsreich entwickelt.

    Fazit: Rätselhaft, packend, komplex, undurchsichtig und mit Protagonisten, die in ihren Handlungen absolut überzeugen.
Harmel, Kristin Über uns der Himmel EUR 9,99
  • Bewertung vom 08.04.2015
  •  
    sehr gut
  • „Ich wusste schon, bevor ich dir begegnete …

    … dass ich für dich bestimmt war.“ Dies ist die Art von Kate und Patrick sich zu sagen, dass sie sich lieben. Die Beiden sind seit rund 4 Monaten verheiratet und mehr als glücklich, doch am 11. September 2001 endet ihr Zusammensein auf grausame Weise. Nach 13 Jahren scheint die New Yorker Musiktherapeutin den Tod von Patrick verarbeitet zu haben, auch wenn sie ihn noch immer liebt. Aber mit Dan ist ein neuer Mann in ihr Leben getreten und als er ihr einen Heiratsantrag macht, sagt Kate freudig ja. Doch dann fangen die Träume an, die überaus realistisch sind. Diese zeigen Kate, wie ihr Leben ausgesehen hätte, wenn Patrick nicht bei den Anschlägen auf die Twin Towers gestorben wäre. Und Kate beginnt sich mit ihrem bisherigen Leben auseinanderzusetzen.

    Kate und Patrick sind Ende Zwanzig und leben glücklich in New York. Alles ist perfekt in ihrem Leben. Patrick hat einen Job, der ihm viel Spaß macht und es Kate ermöglicht, ihren Traum Musiktherapie zu studieren, zu erfüllen. Doch dann kommt der 11. September 2001 und das erste Flugzeug stürzt in den Nordturm der Twin Towers, genau an der Stelle, an dem sich Patricks Büro befindet. Für Kate bricht eine Welt zusammen.

    13 Jahre später arbeitet Kate als Musiktherapeutin, hat nach wie vor engen Kontakt zu ihrer Schwiegermutter und mit Dan einen Mann gefunden, der sie vergöttert. Doch nach Dans Heiratsantrag hat Kate regelmäßig sehr real wirkende Träume. Immer wieder wacht sie an der Seite von Patrick auf und führt über Stunden ein Leben, welches ihr nie vergönnt war. Bedingt durch die Träume beginnt Kate sich für die Musiktherapie von schwerhörigen Kindern und Jugendlichen zu interessieren und lernt hierbei den Dozenten Andrew kennen.

    Kristin Harmel erzählt ihren äußerst gefühlvollen Roman aus Sicht von Kate. Hierdurch lernt man die engagierte Musiktherapeutin nicht nur sehr gut kennen, sondern man leidet und lacht schon bald mit der sympathischen Frau mit. Hierdurch versteht man auch wunderbar das Gefühlschaos, welchem Kate durch die Träume ausgesetzt ist. Hin- und hergerissen zwischen ihren immer noch sehr intensiven Gefühlen zu Patrick und ihrem Schuldbewusstsein gegenüber Dan. Kate kann die Vergangenheit nicht ruhen lassen, immer wieder stellt sie sich die Frage, was diese Visionen zu bedeuten haben.

    Die Gratwanderung, die Gefühle ihrer Protagonistin realistisch und glaubhaft darzustellen und hierbei nicht zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken oder gar kitschig und zu gefühlsduselig zu werden, gelingt Kristin Harmel sehr gut. Die Geschichte entwickelt sich nicht durchweg vorhersehbar, die Autorin fügt immer mal wieder einige interessante Wendungen ein und erzählt die Suche von Kate nach sich selbst packend und unterhaltsam. Trotz der traurigen Geschichte ist die Stimmung des Buches nicht ausnahmslos bedrückend, sondern durchaus auch hoffnungsvoll und sehr bewegend.

    Fazit: Ein emotionaler Roman über eine Frau, die auf der Suche nach ihrem eigenen Ich ist.
  • Bewertung vom 03.04.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • Eine letzte Umarmung

    Nils Trojan bietet sich ein bizarres Bild als er zu einem Tatort in Berlin gerufen wird. Eine Frau und ein Mann liegen nackt im Bett, im Tode durch eine Umarmung vereint. Die Tat weist sehr brutale Züge auf. Noch während Trojan und sein Team auf Hochtouren ermitteln, geschieht der nächste Doppelmord. Und die Indizien verdichten sich, dass Theresa Landsberg, die Frau seines Chefs, in engem Zusammenhang mit den Morden steht.

    Nach einem ziemlich schockierenden wie rätselhaften Prolog wechselt Max Bentow zur eigentlichen Story und somit schnell zum ersten Doppelmord. Der Anblick, welcher sich den Ermittlern bietet, ist äußerst grauenhaft und schnell gerät Theresa Landsberg in den Fokus der Ermittlungen. Allerdings zuerst nur bei Nils Trojan und seinem Chef. Hilmar Landsberg versucht anfangs alles, die belastenden Indizien zu ignorieren und bittet Nils, ohne die Kenntnis des restlichen Teams, nach Beweisen für die Unschuld seiner Frau zu suchen. Doch schon bald lassen sich die eindeutigen Hinweise nicht mehr verheimlichen.

    Äußerst verwirrend und hochspannend beginnt Max Bentow seinen Thriller und dem Autor gelingt es mühelos, die Spannung bis zum Schluss auf sehr hohem Niveau zu halten. Verwirrend ist der Thriller aus dem Grund, da alle Hinweise auf Theresa Landsberg als Täterin hinweisen. Es scheint wirklich alles perfekt zu passen, aber sollte der Autor wirklich fast von Anfang an seinen Lesern schon den Täter bzw. die Täterin präsentieren? Man mag es eigentlich nicht glauben. Verwirrend zum Zweiten ist, dass Max Bentow oft ein Kapitel beginnt, bei dem man gar nicht so genau weiß, von wem dieses nun handelt. Hier ist neben der ansonsten sowieso sehr mysteriösen Geschichte, ein ständiges Rätselraten gegeben.

    Hinzu kommen die äußerst ausgefeilten Charaktere. Gerade Theresa Landsberg wird in ihrer Verwirrung, ihren Blackouts, ihrer Unsicherheit perfekt vom Autor beschrieben. Und auch die Verzweiflung von Hilmar Landsberg, der zwar genau weiß, dass seine Frau sehr labil ist und psychische Probleme hat, mag absolut nicht glauben, dass Theresa irgendetwas mit den Morden zu tun hat. Aber die Indizien werden immer erdrückender.

    Die Story wirft in ihrem Verlauf sehr viele Fragen auf, bleibt bis zum Schluss sehr mysteriös und ist von Max Bentow äußerst packend und fesselnd umgesetzt. Bis zum Schluss wirkt die vielschichtige Story sehr gut durchdacht und am Ende bleiben bei dem schlüssig umgesetzten Psychothriller keine Fragen mehr offen.

    Fazit: Nils Trojan zum Dritten … wieder eine hochspannende, sehr komplexe, undurchsichtige Story mit einem sympathischen Ermittler.
Fürst, Eva Bluttänzer / Maja Heuberger Bd.1 EUR 9,99
  • Bewertung vom 02.04.2015
  •  
    sehr gut
  • Der Blutsauger-Mörder

    An einer Eiche auf dem Marktplatz eines kleinen Dorfes im Erzgebirge ist die Leiche einer jungen Frau befestigt. Die herbeigerufene Rechtsmedizinerin Maja Heuberger stellt bei der ersten Untersuchung fest, dass Augenlider und Lippen der Frau zugeklebt sind. Bei der Obduktion entdecken die Mediziner zudem eine Fledermaus im Mund der Toten. Die Ermittlungen der Kripo laufen auf Hochtouren als bereits das nächste Mordopfer gefunden wird. Maja beginnt zusammen mit ihrem Freund Peter auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen, die für sie äußerst gefährlich werden sollen.

    Eva Fürst legt in ihrem ersten Band der Reihe den Schwerpunkt auf die Arbeit der Rechtsmediziner. Gleichsam informativ wie kurzweilig schildert sie deren Tätigkeit, die Ermittlungen der Mordkommission finden in dem Psychothriller dagegen kaum bis keine Erwähnung. Ungewöhnlich und stellenweise hat mich dies auch ein wenig gestört, da man nie weiß, wie weit die Ermittlungen der Kommissare vorangeschritten sind, ob es schon eine heiße Spur oder gar einen Verdächtigen gibt. Zumal Maja sich im Verlauf des Thrillers mit einem der Kommissare etwas anfreundet, da hätte hier schon ab und an ein kleiner Austausch an Informationen stattfinden können.

    Der eigentliche Held des Thrillers ist zudem weniger Maja, sondern mehr ihr exzentrischer, eigenbrötlerische Jugendfreund Peter. Dessen Privatleben bleibt währenddessen komplett im Dunklen, selbst Maja weiß so gut wie nichts über Peter, außer dass er hochintelligent ist, Psychologie studiert hat und Serienmörder eine doch recht eigenartige Faszination auf ihn ausüben. Peter ist in der Lage sich in den Blutsauger-Mörder, wie er bald von den Medien betitelt wird, hineinzuversetzen und liefert Maja so entscheidende Hinweise zur Aufklärung der Fälle.

    Und diese werden immer bizarrer. Man kann schon fast die Uhr danach stellen, dass der Täter jedes Wochenende zuschlagen wird. Sein Einzugsgebiet ist recht groß, Spuren hinterlässt er keine und die seltsamen Botschaften, welche er an den Leichen hinterlässt, bleiben lange Zeit ein Rätsel. Etwas zum Nachteil empfand ich, dass man den Täter sehr früh und sehr gut kennenlernt und ihn zusätzlich bei der Planung und Ausführung seiner Morde begleitet. Das nimmt ein wenig die Spannung aus der Geschichte. Allerdings kennt man dessen wahre Identität nicht, sodass Rätselraten bis zum Schluss gegeben ist und zudem die Auflösung der Fälle überzeugend und schlüssig von der Autorin vermittelt wird.

    Die Story erzählt Eva Fürst recht zügig und packend. Immer wieder findet auch das Privatleben von Maja Raum, wodurch man rasch ein Bild von der Rechtsmedizinerin vor Augen hat. Man lernt eine gebrochene Frau kennen, die Trost im Alkohol sucht, da sie über das rätselhafte Verschwinden ihrer Tochter Hannah nicht hinwegkommt. Sehr feinfühlig vermittelt die Autorin, wie zermürbend die Ungewissheit über das Schicksal von Hannah für Maja ist. Auch die anderen Charaktere sind facettenreich und überzeugend beschrieben.

    Fazit: Gelungener Start der Thrillerreihe um die Rechtsmedizinerin Maja Heuberger … eine undurchsichtige Story, die spannend umgesetzt ist.
  • 1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 31.03.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • Dantes Inferno

    Vor einem Jahr verschwand die damals 10-jährige Clara spurlos. Nun taucht sie vollkommen verstört und mit einem grauenvollen Tattoo auf dem Rücken wieder auf. Staatsanwältin Melanie Dietz ermittelt mit Kommissar Hauser zusammen in dem Fall. Zur gleichen Zeit zieht Sabine Nemez von München nach Wiesbaden, um ihre Ausbildung an der BKA-Akademie zu beginnen. Ihr Dozent ist niemand anderes als Maarten S. Sneijder, den Sabine aus einem früheren Fall kennt. Sneijder nimmt in seinem Seminar ungelöste Mordfälle mit seinen Schülern durch und schnell stellt Sabine Zusammenhänge zwischen diesen Fällen her.

    Ein kleines Mädchen hetzt am Ende ihrer Kräfte durch den Wald. Sie hat nur ein Ziel: endlich eine Ortschaft zu finden und Menschen, die ihr helfen. Clara hat unwahrscheinliches Glück und wird von einem älteren Ehepaar entdeckt. Mit dieser erschütternden Szene beginnt Andreas Gruber den 2. Band seines kongenialen Teams Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder.

    Sabine selbst kann ihr Glück kaum fassen, dass sie nach vielen vergeblichen Versuchen endlich an der BKA-Akademie aufgenommen wurde und dies noch ohne Aufnahmeprüfung. Doch ihr Verdacht bestätigt sich rasch, dass der brillante Fallanalytiker Maarten S. Sneijder hier seine Finger im Spiel hatte. Mit Feuereifer stürzt sie sich in die Ausbildung und die ungelösten Mordfälle, welche im Sneijders Modul durchgenommen werden, wecken schnell ihre Neugier. Die Fälle haben völlig unterschiedliche Modus Operandi, haben sich quer über das Bundesland ereignet und doch entdeckt Sabine hier Zusammenhänge. Allerdings steht sie mit ihrem Verdacht ziemlich alleine da.

    Die Handlungsstränge wechseln regelmäßig zwischen Wien und Wiesbaden und bald schon fragt man sich, was diese so völlig unterschiedlichen Geschichten nun gemeinsam haben sollen. Lange Zeit lässt Andreas Gruber hier seine Leser im Dunkeln tappen. Aber nicht nur die Neugier wird immer wieder aufs äußerste vom Autor strapaziert, auch die Story ist von Anfang an äußerst packend und fesselnd erzählt.

    Verzwickt und vielschichtig entwickelt sich diese, die Schlagabtausche zwischen Sabine und Sneijder sorgen zudem immer mal wieder für kleine Schmunzler, für die man bei der ansonsten doch recht beklemmenden Stimmung des Psychothrillers recht froh ist. In Bezug auf Täter oder gar Motiv der ungeklärten Mordfälle wie auch der Entführung von Clara lässt der Autor einem auch äußerst lange im Unklaren. Immer wieder nimmt die Story überraschende Wendungen an und die Auflösung des Psychothrillers ist dann absolut schlüssig, unvorhersehbar und lässt zudem keine Fragen mehr offen.

    Aber nicht nur die hervorragend durdachte und hochspannende Story überzeugen restlos, auch das eigenwillige wie sympathische Team Nemez und Sneijder überzeugt auf ganzer Linie mit ihren eigensinnigen Ermittlungsmethoden.

    Fazit: Sneijder & Nemez zum Zweiten: Hochspannend, äußerst wendungsreich und unvorhersehbar … absolut lesenswert
Gerwien, Michael Krautkiller EUR 11,99
  • Bewertung vom 27.03.2015
  •  
    weniger gut
  • Der Koch-Mörder

    Zusammen mit Moni und Sandra besucht Ex-Kommissar und Privatdetektiv Max Raintaler seinen Freund Franz Wurmdobler im Chiemgauer Seehof-Hotel. Dort hält sich der Hauptkommissar zu einer Diätkur auf. Entsprechend gereizt ist seine Stimmung, denn Schweinsbraten und Bier sind gnadenlos von der Speisekarte gestrichen. Doch aus dem geplanten Urlaub wird nichts, zumindest für Max, denn im Vorratskeller des Hotels wird eine Leiche aufgefunden und Max‘ Neugier ist natürlich sofort geweckt. Sehr zum Leidwesen von Freundin Monika. Allerdings soll es bei der einen Leiche nicht bleiben und bald schon engagiert die Hotelchefin Max mit der Aufklärung der Mordfälle.

    Nach Meinung von Max stürzt sich dieser mit Feuereifer in die Ermittlungen, als Leser hat man eher so den Eindruck, dass diese mehr halbherzig vonstattengehen, da die Ermittlungen eher nebenbei nur Erwähnung finden und Max lieber der einen oder anderen Frau schöne Augen macht und natürlich dem Alkohol in keiner Weise abgeneigt ist. So fließen Bier und Schnaps in Strömen und Frauen werden erst einmal auf ihr Aussehen reduziert. Aber so ist er nun mal der Max Raintaler und nach dem mittlerweile 8. Band kennt man das ja schon, auch, dass Ermittlungsarbeit nicht gerade im Fokus der Max-Raintaler-Reihe stehen.

    Doch wirkt dies langsam etwas stupide und langweilig, da man Max‘ Ansichten, Gedankengänge, sein Verhalten und Reaktionen auf unterschiedliche Situationen so oder so ähnlich bereits mehrfach in früheren Krimis der Reihe gelesen hat. Es findet keine Weiterentwicklung des Charakters statt, auch nicht bei Franzi oder Moni. Somit überraschen die Akteure nicht mehr, was dem Leser zum einen zwar das Gefühl gibt, alte, liebgewonnene Bekannte wiederzutreffen, man aber auf der anderen Seite jede Reaktion von ihnen voraussieht und sie somit bei ihren Handlungen nicht mehr überraschen können.

    Wäre ja nicht weiter tragisch, wenn die Krimihandlung einige überraschende Wendungen und eine durchdachte oder gar spannende Story bieten würde. Dies ist aber auch nicht gegeben. Der Schwerpunkt liegt klar beim Protagonisten Max Raintaler wie auch bei Franzis halbherzigen Abnehmversuchen sowie den Gängeleien, denen er von Seiten seiner Frau ausgesetzt ist und die mit der Zeit etwas zu viel des Guten sind.

    Wie gesagt, die äußerst brutalen Mordfälle werden eher nur am Rande erwähnt und auch ziemlich lax abgetan. Und die Auflösung kommt dann auf den letzten Seiten wie aus dem Nichts und wirkt ziemlich konstruiert. Hinzu kommt, dass man als Leser schon nach wenigen Seiten den Mörder identifiziert hat und im Verlauf des Krimis ist einem dessen Motiv ebenfalls recht schnell klar, auch wenn dies ziemlich an den Haaren herbeigezogen daherkommt.

    Fazit: Spannungsarmer Krimi mit einer lange vorher absehbaren Auflösung und selbst der Protagonist kann dieses Mal wenig überzeugen.
Hefner, Ulrich Die dritte Ebene EUR 9,95
  • Bewertung vom 26.03.2015
  •  
    sehr gut
  • Die Trompeten von Jericho

    Frühjahr 2004: Die Küsten der Vereinigten Staaten werden von einer Reihe von Hurrikans heimgesucht, die eine unnatürliche Kraft entwickeln und die Karibik wird von Monsterflutwellen überschwemmt. Meteorologen aus den Staaten sind fassungslos und ratlos über diese gewaltigen Naturkatastrophen, zumal die Hurrikans absolut unberechenbar sind, da ihre Route kaum vorherzusagen ist. Zur gleichen Zeit kehrt ein Raumshuttle von der ISS zurück, eine Katastrophe bei der Landung kann gerade noch verhindert werden, doch zwei der drei Piloten zeigen ein rätselhaftes Verhalten. Die Wissenschaftler Brian Saint-Claire und Suzannah Shane gehören zu einem Team, welches die Beinahekatastrophe untersuchen soll. Als sie einem hochgeheimen Experiment auf die Spur kommen, welches die gesamte Menschheit bedroht, beginnt ein hochgefährlicher Wettlauf gegen die Zeit.

    In seinem Katastrophenthriller nimmt Ulrich Hefner die globale Klimaerwärmung als Thema, verknüpft dies mit einer hochspannenden, temporeichen Geschichte, bei der mystische Ereignisse, Tsunamis, Monsterhurrikans und militärische Machenschaften eine große Rolle spielen.

    Die Geschichte wird mithilfe vieler Handlungsstränge erzählt, entsprechend kurz sind stellenweise auch die Kapitel gehalten. Doch mit der Zeit entwickeln sich einige wenige heraus, bei denen die Geschehnisse rund um Brian und Suzannah im Fokus liegen. Diese gehören einem Expertenteam an, welches von der NASA gebeten wurde, die unerklärlichen Umstände der Beinahekatastrophe des Space Shuttles zu untersuchen. Zudem wechselt Ulrich Hefner vom Space Center in Florida regelmäßig nach New Mexico zu einem Sherriff, in dessen Bezirk eine Leiche gefunden wird, dessen Todesumstände äußerst mysteriös sind. Dwain Hammilton sieht hier Zusammenhänge zu dem hochbewachten Military Camp, welches sich in den Bergen seines Countys befindet.

    Aber auch die Meteorologen kommen in dem packenden Thriller nicht zu kurz, die sich ausgiebig mit den seltsamen Naturkatastrophen beschäftigen und für die Monsterhurrikans absolut keine Erklärung finden. Zumal es völlig unnatürlich ist, dass bereits im Frühjahr die Hurrikan-Saison schon startet und die Hurrikans bisher nie dagewesene Ausmaße annehmen.

    Durch die rasch wechselnden Handlungsstränge ist die Geschichte sehr abwechslungsreich und rasant erzählt. Praktisch seitenweise geschieht eine nächste Katastrophe oder bahnt sich gerade an, das Leben von Brian und Suzannah ist bald keinen Pfifferling mehr wert, das FBI wie auch die NSA haben ihre Finger im Spiel, ganz zu schweigen vom Militär. Morde geschehen und werden vertuscht, Nachrichtensperren werden ausgesprochen und die Suche nach der Wahrheit gestaltet sich für Brian, Suzannah und Dwain bald zu einem brisanten wie extrem gefährlichen Wettlauf, den sie eigentlich nur verlieren können.

    Man merkt schnell, dass Ulrich Hefner für seinen Thriller viel recherchiert hat und sein Wissen vermittelt der Autor zumeist äußerst informativ. Ab und an waren mir aber die wissenschaftlichen Erklärungen, gerade aus meteorologischer Sicht, dann doch etwas viel, allerdings sind diese Kapitel zumeist sehr kurz gehalten. Hierdurch hat die Spannung kaum eine Chance abzuflachen. Und der Thriller stimmt auch ein wenig nachdenklich in Bezug darauf, wie wir mit unserer Natur und den begrenzten Ressourcen umgehen.

    Fazit: Rasant erzählter und nach wie vor sehr aktueller Katastrophenthriller, der zudem ein wenig nachdenklich stimmt.
««« zurück1234vor »

Lieblingslisten