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Isabel von Belles Leseinsel
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Mainz
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Mehr Rezensionen von mir gibt es unter: http://bellexrsleseinsel.blogspot.com/
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Insgesamt 508 Bewertungen
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  • Bewertung vom 31.03.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • Dantes Inferno

    Vor einem Jahr verschwand die damals 10-jährige Clara spurlos. Nun taucht sie vollkommen verstört und mit einem grauenvollen Tattoo auf dem Rücken wieder auf. Staatsanwältin Melanie Dietz ermittelt mit Kommissar Hauser zusammen in dem Fall. Zur gleichen Zeit zieht Sabine Nemez von München nach Wiesbaden, um ihre Ausbildung an der BKA-Akademie zu beginnen. Ihr Dozent ist niemand anderes als Maarten S. Sneijder, den Sabine aus einem früheren Fall kennt. Sneijder nimmt in seinem Seminar ungelöste Mordfälle mit seinen Schülern durch und schnell stellt Sabine Zusammenhänge zwischen diesen Fällen her.

    Ein kleines Mädchen hetzt am Ende ihrer Kräfte durch den Wald. Sie hat nur ein Ziel: endlich eine Ortschaft zu finden und Menschen, die ihr helfen. Clara hat unwahrscheinliches Glück und wird von einem älteren Ehepaar entdeckt. Mit dieser erschütternden Szene beginnt Andreas Gruber den 2. Band seines kongenialen Teams Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder.

    Sabine selbst kann ihr Glück kaum fassen, dass sie nach vielen vergeblichen Versuchen endlich an der BKA-Akademie aufgenommen wurde und dies noch ohne Aufnahmeprüfung. Doch ihr Verdacht bestätigt sich rasch, dass der brillante Fallanalytiker Maarten S. Sneijder hier seine Finger im Spiel hatte. Mit Feuereifer stürzt sie sich in die Ausbildung und die ungelösten Mordfälle, welche im Sneijders Modul durchgenommen werden, wecken schnell ihre Neugier. Die Fälle haben völlig unterschiedliche Modus Operandi, haben sich quer über das Bundesland ereignet und doch entdeckt Sabine hier Zusammenhänge. Allerdings steht sie mit ihrem Verdacht ziemlich alleine da.

    Die Handlungsstränge wechseln regelmäßig zwischen Wien und Wiesbaden und bald schon fragt man sich, was diese so völlig unterschiedlichen Geschichten nun gemeinsam haben sollen. Lange Zeit lässt Andreas Gruber hier seine Leser im Dunkeln tappen. Aber nicht nur die Neugier wird immer wieder aufs äußerste vom Autor strapaziert, auch die Story ist von Anfang an äußerst packend und fesselnd erzählt.

    Verzwickt und vielschichtig entwickelt sich diese, die Schlagabtausche zwischen Sabine und Sneijder sorgen zudem immer mal wieder für kleine Schmunzler, für die man bei der ansonsten doch recht beklemmenden Stimmung des Psychothrillers recht froh ist. In Bezug auf Täter oder gar Motiv der ungeklärten Mordfälle wie auch der Entführung von Clara lässt der Autor einem auch äußerst lange im Unklaren. Immer wieder nimmt die Story überraschende Wendungen an und die Auflösung des Psychothrillers ist dann absolut schlüssig, unvorhersehbar und lässt zudem keine Fragen mehr offen.

    Aber nicht nur die hervorragend durdachte und hochspannende Story überzeugen restlos, auch das eigenwillige wie sympathische Team Nemez und Sneijder überzeugt auf ganzer Linie mit ihren eigensinnigen Ermittlungsmethoden.

    Fazit: Sneijder & Nemez zum Zweiten: Hochspannend, äußerst wendungsreich und unvorhersehbar … absolut lesenswert
Gerwien, Michael Krautkiller EUR 11,99
  • Bewertung vom 27.03.2015
  •  
    weniger gut
  • Der Koch-Mörder

    Zusammen mit Moni und Sandra besucht Ex-Kommissar und Privatdetektiv Max Raintaler seinen Freund Franz Wurmdobler im Chiemgauer Seehof-Hotel. Dort hält sich der Hauptkommissar zu einer Diätkur auf. Entsprechend gereizt ist seine Stimmung, denn Schweinsbraten und Bier sind gnadenlos von der Speisekarte gestrichen. Doch aus dem geplanten Urlaub wird nichts, zumindest für Max, denn im Vorratskeller des Hotels wird eine Leiche aufgefunden und Max‘ Neugier ist natürlich sofort geweckt. Sehr zum Leidwesen von Freundin Monika. Allerdings soll es bei der einen Leiche nicht bleiben und bald schon engagiert die Hotelchefin Max mit der Aufklärung der Mordfälle.

    Nach Meinung von Max stürzt sich dieser mit Feuereifer in die Ermittlungen, als Leser hat man eher so den Eindruck, dass diese mehr halbherzig vonstattengehen, da die Ermittlungen eher nebenbei nur Erwähnung finden und Max lieber der einen oder anderen Frau schöne Augen macht und natürlich dem Alkohol in keiner Weise abgeneigt ist. So fließen Bier und Schnaps in Strömen und Frauen werden erst einmal auf ihr Aussehen reduziert. Aber so ist er nun mal der Max Raintaler und nach dem mittlerweile 8. Band kennt man das ja schon, auch, dass Ermittlungsarbeit nicht gerade im Fokus der Max-Raintaler-Reihe stehen.

    Doch wirkt dies langsam etwas stupide und langweilig, da man Max‘ Ansichten, Gedankengänge, sein Verhalten und Reaktionen auf unterschiedliche Situationen so oder so ähnlich bereits mehrfach in früheren Krimis der Reihe gelesen hat. Es findet keine Weiterentwicklung des Charakters statt, auch nicht bei Franzi oder Moni. Somit überraschen die Akteure nicht mehr, was dem Leser zum einen zwar das Gefühl gibt, alte, liebgewonnene Bekannte wiederzutreffen, man aber auf der anderen Seite jede Reaktion von ihnen voraussieht und sie somit bei ihren Handlungen nicht mehr überraschen können.

    Wäre ja nicht weiter tragisch, wenn die Krimihandlung einige überraschende Wendungen und eine durchdachte oder gar spannende Story bieten würde. Dies ist aber auch nicht gegeben. Der Schwerpunkt liegt klar beim Protagonisten Max Raintaler wie auch bei Franzis halbherzigen Abnehmversuchen sowie den Gängeleien, denen er von Seiten seiner Frau ausgesetzt ist und die mit der Zeit etwas zu viel des Guten sind.

    Wie gesagt, die äußerst brutalen Mordfälle werden eher nur am Rande erwähnt und auch ziemlich lax abgetan. Und die Auflösung kommt dann auf den letzten Seiten wie aus dem Nichts und wirkt ziemlich konstruiert. Hinzu kommt, dass man als Leser schon nach wenigen Seiten den Mörder identifiziert hat und im Verlauf des Krimis ist einem dessen Motiv ebenfalls recht schnell klar, auch wenn dies ziemlich an den Haaren herbeigezogen daherkommt.

    Fazit: Spannungsarmer Krimi mit einer lange vorher absehbaren Auflösung und selbst der Protagonist kann dieses Mal wenig überzeugen.
Hefner, Ulrich Die dritte Ebene EUR 9,95
  • Bewertung vom 26.03.2015
  •  
    sehr gut
  • Die Trompeten von Jericho

    Frühjahr 2004: Die Küsten der Vereinigten Staaten werden von einer Reihe von Hurrikans heimgesucht, die eine unnatürliche Kraft entwickeln und die Karibik wird von Monsterflutwellen überschwemmt. Meteorologen aus den Staaten sind fassungslos und ratlos über diese gewaltigen Naturkatastrophen, zumal die Hurrikans absolut unberechenbar sind, da ihre Route kaum vorherzusagen ist. Zur gleichen Zeit kehrt ein Raumshuttle von der ISS zurück, eine Katastrophe bei der Landung kann gerade noch verhindert werden, doch zwei der drei Piloten zeigen ein rätselhaftes Verhalten. Die Wissenschaftler Brian Saint-Claire und Suzannah Shane gehören zu einem Team, welches die Beinahekatastrophe untersuchen soll. Als sie einem hochgeheimen Experiment auf die Spur kommen, welches die gesamte Menschheit bedroht, beginnt ein hochgefährlicher Wettlauf gegen die Zeit.

    In seinem Katastrophenthriller nimmt Ulrich Hefner die globale Klimaerwärmung als Thema, verknüpft dies mit einer hochspannenden, temporeichen Geschichte, bei der mystische Ereignisse, Tsunamis, Monsterhurrikans und militärische Machenschaften eine große Rolle spielen.

    Die Geschichte wird mithilfe vieler Handlungsstränge erzählt, entsprechend kurz sind stellenweise auch die Kapitel gehalten. Doch mit der Zeit entwickeln sich einige wenige heraus, bei denen die Geschehnisse rund um Brian und Suzannah im Fokus liegen. Diese gehören einem Expertenteam an, welches von der NASA gebeten wurde, die unerklärlichen Umstände der Beinahekatastrophe des Space Shuttles zu untersuchen. Zudem wechselt Ulrich Hefner vom Space Center in Florida regelmäßig nach New Mexico zu einem Sherriff, in dessen Bezirk eine Leiche gefunden wird, dessen Todesumstände äußerst mysteriös sind. Dwain Hammilton sieht hier Zusammenhänge zu dem hochbewachten Military Camp, welches sich in den Bergen seines Countys befindet.

    Aber auch die Meteorologen kommen in dem packenden Thriller nicht zu kurz, die sich ausgiebig mit den seltsamen Naturkatastrophen beschäftigen und für die Monsterhurrikans absolut keine Erklärung finden. Zumal es völlig unnatürlich ist, dass bereits im Frühjahr die Hurrikan-Saison schon startet und die Hurrikans bisher nie dagewesene Ausmaße annehmen.

    Durch die rasch wechselnden Handlungsstränge ist die Geschichte sehr abwechslungsreich und rasant erzählt. Praktisch seitenweise geschieht eine nächste Katastrophe oder bahnt sich gerade an, das Leben von Brian und Suzannah ist bald keinen Pfifferling mehr wert, das FBI wie auch die NSA haben ihre Finger im Spiel, ganz zu schweigen vom Militär. Morde geschehen und werden vertuscht, Nachrichtensperren werden ausgesprochen und die Suche nach der Wahrheit gestaltet sich für Brian, Suzannah und Dwain bald zu einem brisanten wie extrem gefährlichen Wettlauf, den sie eigentlich nur verlieren können.

    Man merkt schnell, dass Ulrich Hefner für seinen Thriller viel recherchiert hat und sein Wissen vermittelt der Autor zumeist äußerst informativ. Ab und an waren mir aber die wissenschaftlichen Erklärungen, gerade aus meteorologischer Sicht, dann doch etwas viel, allerdings sind diese Kapitel zumeist sehr kurz gehalten. Hierdurch hat die Spannung kaum eine Chance abzuflachen. Und der Thriller stimmt auch ein wenig nachdenklich in Bezug darauf, wie wir mit unserer Natur und den begrenzten Ressourcen umgehen.

    Fazit: Rasant erzählter und nach wie vor sehr aktueller Katastrophenthriller, der zudem ein wenig nachdenklich stimmt.
Harkness, Deborah Das Buch der Nacht / All Souls Trilogie Bd.3 EUR 19,99
  • Bewertung vom 25.03.2015
  •  
    sehr gut
  • Die Suche nach dem Buch des Lebens

    Diana und Matthew sind aus dem Jahr 1591 zurück in der Gegenwart und ihr erster Weg führt sie nach Sept-Teurs, dem Familiensitz von Matthew. Diana ist mit Zwillingen schwanger, eigentlich unmöglich zwischen einer Hexe und einem Vampir. Matthew setzt alles daran, das genealogische Rätsel zu lösen, währenddessen versucht Diana, die fehlenden Seiten von Ashmole 782 zu finden und so hinter das Geheimnis des Buch des Lebens zu gelangen. Doch in der Gegenwart erwartet das Ehepaar auch eine große Gefahr. Matthews Sohn Benjamin will unbedingt die Gründe von Dianas Schwangerschaft erfahren und dafür ist dem Vampir jedes Mittel recht.

    Der erste Weg in der Gegenwart führt Diana und Matthew nach Sept-Teurs, wo sie freudig von Matthews Familie und Freunden empfangen werden. Dadurch, dass eine Vielzahl von alten Bekannten auf Sept-Teurs versammelt sind, ist man auch schnell wieder mit allen Akteuren vertraut.

    Mit gewohnt einfühlsamer, packender und bildhafter Erzählweise verfolgt man fortan die Bemühungen von Diana, Matthew und den Rest ihrer Familie und Freunde. Und es gibt viel zu tun. Matthew, Miriam und Chris setzen ihr wissenschaftliches Wissen ein und versuchen hinter das Rätsel von Dianas Schwangerschaft zu gelangen, während sich Diana auf Suche nach den fehlenden Seiten von Ashmole 782 begibt. Doch es gilt auch die Kongregation von der Ehe und der Schwangerschaft von Diana und Matthew zu überzeugen. Und hätten die beiden Liebenden nicht schon genug um die Ohren, meldet sich Matthews jahrhundertelang verschollener Sohn Benjamin zurück.

    Deborah Harkness lässt sich Zeit ihren letzten Band der Trilogie zu erzählen und stellenweise gestaltet sich dies auch ein wenig ausschweifend. So richtig viel passiert irgendwie nicht recht, oft verfolgt man ganz normale Alltagsgeschehnisse. Da die Autorin in ihrer Trilogie jedoch fantastische, facettenreiche und recht eigensinnige Charaktere geschaffen hat und diese hervorragend beschreibt, tritt Langeweile während des Lesens nicht auf.

    Obwohl die Geschichte zeitweise recht gemächlich und ruhig erzählt wird, gestaltet sich die Story dennoch ziemlich wendungsreich und überraschend. Und bald schon zieht Deborah Harkness auch das Erzähltempo an, die Ereignisse überschlagen sich bald regelrecht und die Geschichte entwickelt sich spannend und stellenweise hochdramatisch.

    Fazit: Wunderbarer Abschluss einer fantastischen Trilogie.
Hübner, Michael Stigma EUR 8,99
  • Bewertung vom 19.03.2015
  •  
    sehr gut
  • Der Wächter

    Als 13-jähriger gerät Tom Kessler in die Hände eines wahnsinnigen Kindermörders. Nach drei qualvollen Stunden kann er befreit werden, doch Tom kann sich an diese Stunden nicht mehr erinnern. Noch heute, dreizehn Jahre später, befindet er sich in Therapie, leidet unter massiven Panikattacken und lebt sehr zurückgezogen. Als ein kleines Mädchen ermordet aufgefunden wird, scheint sich sein Alptraum zu wiederholen. Der Tatort gleicht dem von damals und bei der Kinderleiche wurde ein Zettel gefunden, der Tom namentlich erwähnt und nur von dem Täter stammen kann. Doch dieser starb bei Toms Befreiung. Notgedrungen erklärt sich Tom zu einer Hypnosetherapie bereit und die Erinnerungen kommen bruchstückhaft zurück bis die sie außer Kontrolle geraten.

    Tom Kessler ist ein erfolgreicher Thriller-Autor und lebt mit Frau Karin und Sohn Marc zurückgezogen im ehemaligen Haus seiner Großeltern. Das abgelegene Grundstück ist Toms selbst gewähltes Gefängnis, unter Menschen traut er sich nicht, er verlässt das Haus nur, um alle zwei Wochen zu den Therapiesitzungen zu fahren. Doch Tom ist mit dieser selbstgewählten Einsamkeit zufrieden, nur die in letzter Zeit immer häufiger auftretende Schreibblockade irritieren den Autor. Als jedoch die Mordkommission eines Tages vor seiner Tür steht und ihm von dem Mord an dem kleinen Mädchen berichtet, dass in seiner unmittelbaren Umgebung aufgefunden wurde und alles darauf hinweist, dass der Täter von damals wieder am Werk ist, bricht für Tom seine heile Welt zusammen. Immer öfter bekommt er neben den Panikattacken auch unkontrollierbare Wutanfälle. Notgedrungen erklärt er sich zu einer Hypnosesitzung bereit und der Alptraum beginnt.

    Der Psychothriller, der im Verlauf der Geschichte seinem Namen alle Ehre macht, benötigt etwas Zeit bis sich eine gewisse Spannung aufbaut. Michael Hübner stellt anfangs seinen Lesern das nicht gerade einfache Leben von Tom vor. Man erfährt einiges über seine Lebensumstände und erhält eine Ahnung davon, was sich vor 13 Jahren ereignet hat. Tom lebt in einer scheinbaren Idylle, ist sehr auf sich selbst bezogen und mit seinem Leben, so wie er es führt, zufrieden. Wenn da nur seine Ängste nicht wären. Doch anstelle sich diesen zu stellen, läuft er immer wieder vor ihnen weg, kapselt sich ab und reagiert auch mehr und mehr aggressiv auf gutgemeinte Ratschläge.

    Als er sich dann eher widerwillig zur Hypnose entschließt, nimmt auch die Story Fahrt auf und die bisher eher verhaltene Spannung steigert sich kontinuierlich. Michael Hübner beschreibt wunderbar und nachvollziehbar das Gefühlschaos, in welches sich Tom immer mehr verstrickt. Toms Blackouts nehmen zu wie auch seine Wahnvorstellungen, bald weiß der junge Thriller-Autor nicht mehr, was Realität ist und was seiner Fantasie entspringt. Die Story entwickelt sich immer rätselhafter, nicht nur für Tom, sondern auch für den Leser und nach und nach erfährt man ebenfalls, was sich in den drei Stunden, als Tom sich im Keller des Kindermörders befand, geschehen ist.

    Je rasanter sich die Geschichte entwickelt und umso mysteriöser wird sie. Der Fokus liegt klar auf Tom und seinen Erlebnissen, die Ermittlungen in dem Mordfall nehmen kaum Raum ein. Stellenweise wundert man sich auch über das Verhalten der weiteren Protagonisten, ab und an auch über die äußerst passenden Zufälle, doch wenn man dann die fantastische Auflösung der Story liest, die absolut unerwartet und doch so schlüssig daherkommt, passt wieder alles prima zusammen.

    Fazit: Anfangs etwas spannungsarm, doch dies ändert sich und bald schon hält man einen hochspannenden und sehr gut durchachten Thriller in Händen.
Lange, Kathrin Gotteslüge / Faris Iskander Bd.2 EUR 9,99
  • Bewertung vom 18.03.2015
  •  
    sehr gut
  • Vergeltung

    Mitten in Berlin will ein Selbstmordattentäter einen kleinen Laden in die Luft jagen. Die Ladenbesitzerin und deren kleine Tochter hat der junge Mann als Geiseln genommen und besteht darauf mit Faris Iskander, Sonderermittler beim LKA, zu reden. Zwar gelingt es Faris mit knapper Not, sein Leben und das der Geiseln zu retten, doch der Attentäter zündet die Bombe. Vorher hat dieser noch eine Botschaft für Faris: „Das nächste Mal wirst du den Auslöser drücken.“. Noch während die Ermittlungen am Tatort laufen, setzt sich der Hintermann des Attentats mit Faris in Verbindung und für den Sonderermittler beginnt ein Alptraum sondergleichen, der ihn tief in den Abgrund blicken lässt.

    Spannender könnte ein Prolog kaum beginnen – Faris Iskander steht irgendwo mitten in Berlin mit einem Bombengürtel um die Hüften und ist bereit, den Auslöser zu drücken.

    Doch bevor man Zeit hat, über diesen Einstieg in den rasanten Thriller nachzudenken, steigt Kathrin Lange sofort in die Geschichte ein und präsentiert ihren Lesern gleich das nächste rätselhafte Geschehnis, was eigenständige Ermittlungen erfordert und eng mit Faris in Verbindung steht. Dieser dagegen versucht am Tatort des Anschlags, noch die Ereignisse zu verarbeiten als der Drahtzieher des Anschlags mit ihm erstmals Kontakt aufnimmt. Und von da an entwickelt sich der bisher schon zügig erzählte Thriller zu einem äußerst rasanten Wettlauf gegen die Zeit. Der Mann, der Vergeltung sucht, wie der Attentäter in dem Thriller genannt wird, hat nur ein Ziel, dass Faris Iskander den Auslöser einer Bombe drückt und so selbst zum Attentäter wird.

    Kathrin Lange schickt ihren Ermittler von der SERV (Sondereinheit für religiös motivierte Verbrechen) an die Grenze dessen und noch darüber hinaus, was ein Mensch ertragen kann. Doch im Gegensatz zu manch anderen Protagonisten in temporeichen Thrillern, darf Faris Iskander Gefühle zeigen. Nachvollziehbar und glaubwürdig schildert Kathrin Lange zum einen die Zerrissenheit, die Schuldgefühle, die Wut und auch die Hilflosigkeit, welche Faris die gesamte Zeit empfindet wie aber auch seine Beeinträchtigungen, welche er durch eine Verletzung ertragen muss. Nicht wie andere steckt er diese wie nichts weg, sondern verhält sich genauso wie man es von einem Verletzten erwarten würde. Was seinem Verhalten noch mehr Glaubwürdigkeit gibt und ihn sehr menschlich wirken lässt.

    Die Story selbst wird zumeist aus der Perspektive von Faris Iskander erzählt, zwischendurch kommt aber auch der Mann, der Vergeltung sucht zu Wort. Durch winzige Details kommt man dessen Identität wie auch einem Teil seines Motivs recht schnell auf die Spur, doch dies mindert die Spannung des Thrillers in keiner Weise. Und Kathrin Lange hält am Schluss des Thrillers noch eine Überraschung parat, die man so niemals erwartet hätte.

    Hochspannend, temporeich, bestens recherchiert und fesselnd erzählt Kathrin Lange den 2. Fall von Faris Iskander. Komplex und wendungsreich entwickelt sich die Story, ein-/zweimal kommen die Wendungen jedoch nicht unbedingt überraschend. Geschuldet ist dies der hervorragenden Charakterzeichnung von Faris, die einen dessen Handlungen sehr gut einschätzen lassen. Auch der eine oder andere Logik-Fehler ist mir in der ansonsten schlüssigen Story aufgefallen, dies stört jedoch nicht sonderlich.

    Fazit: Auch im 2. Band lässt Kathrin Lange ihren Protagonisten an dessen Grenzen und darüber hinausgehen – temporeich und hochspannend erzählt.
  • Bewertung vom 13.03.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • Sein und Schein

    Elisabeth König ist verzweifelt. Nach einem heftigen Streit ist ihr Mann Martin spurlos verschwunden. Auf seinem Rechner hatte Elisabeth Fotos von ihrer gemeinsamen Tochter gefunden, die ein Vater so niemals von seinem Kind haben dürfte. Die Psychotherapeutin Dr. Tessa Ravens vom Kriseninterventionsteam betreut Mutter und Tochter. Als Martin König in einem Waldstück tot aufgefunden wird, übernimmt Hauptkommissar Torben Koster mit seinem Kollegen Liebetrau die Ermittlungen. Tessa und Torben haben sich nach ihrer kurzen Affäre vor gut einem Jahr nicht mehr gesehen, nun müssen sie in einem Fall zusammenarbeiten, der schrecklicher nicht sein könnte.

    Die Königs führen ein scheinbar perfektes Familienleben. Sie wohnen in einem schönen Haus mit Garten, der attraktive Martin König ist ein beliebter Feuerwehrmann und Rettungssanitäter, Elisabeth ist die perfekte Hausfrau und kümmert sich um die kleine Amelie. Doch der Schein trügt. Nun muss sich Elisabeth die Frage stellen, ob ihr Mann wirklich pädophil ist und sie dies all die Jahre nicht gemerkt hat. Und was noch erschreckender ist: Ist es „nur“ bei den Fotos geblieben oder hat Martin seiner Tochter noch weit schlimmeres angetan?

    Angélique Mundts psychologisches Fachwissen fliest während des gesamten Krimis mit ein, entsprechend sensibel und überzeugend stellt die Autorin die innere Zerrissenheit, die Wut und die Ungläubigkeit gegenüber den Tatsachen von Elisabeth König dar. Aber auch ihre beiden Protagonisten Tessa und Torben führt sie bei ihrem zweiten Krimi an die Grenze dessen, was erträglich ist. Es ist ein durchaus gefühlsbetonter Krimi, der auf die menschlichen Abgründe eingeht, deswegen aber in keiner Weise spannungsarm ist – ganz im Gegenteil.

    Obwohl Tessa genau weiß, dass sie sich emotional nicht auf die Familie König einlassen sollte und sich längst hätte zurückziehen müssen, lässt sie deren Schicksal nicht mehr los. Als sich der Vermisstenfall sehr schnell zu einem Mordfall wandelt und Torben und Liebchen mit den Ermittlungen beginnen, ist zudem Tessas Neugier geweckt. Doch die Ermittlungen gestalten sich schwierig. Scheinbar wusste niemand von Martins pädophilen Neigungen und die Truppe bei der Feuerwehr hüllt sich in Schweigen. Doch irgendjemand muss ein Mordmotiv gehabt haben.

    Mit einer ruhigen, einnehmenden und äußerst fesselnden Erzählweise baut Angélique Mundt kontinuierlich die Spannung auf, die Atmosphäre des Krimis ist aufgrund des Themas zumeist bedrückend und nachdenklich. Zwar enthüllen die Ermittlungen immer mehr Details über das Leben von Martin König, doch helfen diese nicht wirklich, der Identität des Mörders auf die Spur zu kommen.

    Unvorhersehbare Wendungen überraschen zusätzlich und fördern die Spannung. Hinzu kommen die bis in die kleinste Nebenrolle ausgefeilten Charaktere, welche durchweg authentisch und nachvollziehbar auftreten. Zwar steht die Auflösung des Mordfalls klar im Fokus des Geschehens, doch Angélique Mundt geht auch feinfühlig und kurzweilig auf das Privatleben von Tessa und Torben ein, für die sich dieser Fall aus mehr als einer Sicht sehr emotional gestaltet.

    Fazit: Emotionaler wie spannender und komplexer Krimi, der zudem durch ausgereifte Charaktere überzeugt.
Pieper, Tim Dunkle Havel EUR 9,90
  • Bewertung vom 12.03.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • Die weinende Frau

    Hauptkommissar Toni Sanftleben wird zu einem Tatort in der Potsdamer Innenstadt gerufen. Ein Mann liegt erstochen auf einer Baustelle, alles sieht nach einem Routinefall aus. Doch als Toni die Habseligkeiten der Leiche durchsieht, findet er das Bild einer Frau und ist geschockt. Bei dem Foto handelt es sich um seine Ehefrau Sofie, die vor 16 Jahren in Werder spurlos verschwand. Alle Nachforschungen nach ihr verliefen im Sande, die Ungewissheit über Sofies Schicksal ist für den Hauptkommissar nach wie vor kaum auszuhalten. Hat er nun endlich eine heiße Spur und kann herausfinden, was mit seiner Frau damals wirklich geschah?

    Der Kriminalroman beginnt im Frühjahr 1998. Toni und seine Frau Sofie verbringen einen ausgelassenen Abend auf dem Baumblütenfest in Werder. Doch der Ausflug endet tragisch. Sofie verschwindet spurlos, alles sieht danach aus, als wenn die junge Frau Selbstmord begangen hätte, ertrunken in der noch eiskalten Havel. Ihre Leiche bleibt bis heute unauffindbar.

    Zusammen mit Sohn Aaron lebt Toni auf einem Hausboot und hat in den letzten 16 Jahren akribisch die Suche nach Sofie vorangetrieben. Auch seinen Beruf hat er nur deswegen gewählt, um mehr Möglichkeiten zu haben, Sofie wiederzufinden oder wenigstens zu erfahren, was ihr damals passiert ist. Als er nun bei dem Toten das verblasste Foto seiner Frau findet, keimt wieder Hoffnung auf. Ohne sein Team über die Identität der Frau auf dem Foto zu informieren, beginnt er eigene Nachforschungen anzustellen. Was nicht ohne Folgen bleibt.

    Tim Pieper weckt mit dem Prolog über das rätselhafte Verschwinden von Sofie gleich die Neugier seiner Leser und auch die Spannung lässt in dem temporeich erzählten Krimi nicht lange auf sich warten. Zumeist eigenmächtig geht Toni den Spuren nach, entdeckt Zusammenhänge zwischen dem Toten und dem verhängnisvollen Abend vor 16 Jahren und kommt doch dem Rätsel ob des Verschwindens seiner Frau nicht näher.

    Atmosphärisch dicht, packend und fesselnd erzählt Tim Pieper die Ermittlungen um den Mordfall, der nicht der letzte bleiben soll. Und auch das Privatleben von Toni Sanftleben fließt gut dosiert mit ein, wodurch man einiges über Toni wie aber auch über Sofie erfährt. Der sympathische Hauptkommissar ist getrieben von dem Gedanken, das Schicksal seiner Frau aufzuklären. Die Ungewissheit hat Toni zu einem wortkargen Einzelgänger werden lassen, der seinen Schmerz mit Alkohol ertränkt, was vom Autor überzeugend beschrieben wird.

    Der Krimi, den man zumeist aus der Perspektive von Toni Sanftleben verfolgt, entwickelt sich vielschichtig und undurchsichtig. Unaufhaltsam treibt Tim Pieper die Geschichte voran und lässt seine Leser genauso im Ungewissen in Bezug auf den Täter wie den Urenkel von Otto Sanftleben. Logisch und sehr gut durchdacht entwickelt sich die Story und neben vielen bildhaften Beschreibungen rund um Potsdam, gelingt es dem Autor zudem wunderbar, die Spannung bis zum überraschenden Ende immer weiter zu steigern.

    Fazit: Nach zwei historischen Krimis ermittelt nun Otto Sanftlebens Urenkel in Potsdam und dies gestaltet sich genauso vielschichtig und spannend wie bei seinem Urgroßvater.
Rossbacher, Claudia Steirerland EUR 11,99
  • Bewertung vom 06.03.2015
  •  
    sehr gut
  • Der Gliedmaßen-Mörder

    Eigentlich soll LKA-Inspektorin Sandra Mohr ihren Dienst erst am nächsten Tag beginnen, doch da erhält sie einen Anruf von ihrem Chef Sascha Bergmann. Ganz in der Nähe von ihrem Hotel wurde die Leiche eines Mannes gefunden und da sich Sandra eh gerade im Vulkanland aufhält, fährt sie kurzerhand zum Tatort. Was sie nicht weiß – dies ist bereits der zweite Mord, bei dem einer Leiche Gliedmaßen amputiert wurden. Sascha und Sandra ermitteln in alle Richtungen, ein Verdächtiger ist auch schnell ausgemacht, doch ist dieser wirklich der brutale Serientäter?

    Nach den Ereignissen aus Band 4 hat Sandra Mohr eine Auszeit benötigt, die am nächsten Tag beendet ist. Doch während sie noch am Ausschecken ist, erfährt sie von dem Mord an einem Musiker. Der Tatort bietet ihr ein grauenvolles Bild. Dem Akkordeon-Spieler wurden beide Hände abgetrennt, doch schnell ist auch klar, dass der Fundort der Leiche nicht der Tatort ist. Von ihrem Chef erfährt Sandra, dass bereits vor ein paar Tagen ganz in der Nähe eine Leiche aufgefunden wurde. Dem Jungwinzer fehlten beide Unterschenkel. Wer mordet nur auf solch eine brutale Weise und warum werden den Opfern Gliedmaßen amputiert? Sandra ahnt, dass dies nicht der letzte Mord gewesen ist.

    Claudia Rossbacher steigt flott in ihren 5. Steirerkrimi ein und so findet man sich auch nach wenigen Seiten zusammen mit Sandra am Fundort der Leiche wieder. Das zügige Tempo hält die Autorin während des gesamten Krimis bei, wodurch von Anfang an eine gewisse Spannung vorhanden ist, welche sich im Verlauf noch steigert. Die Handlung an sich ist geprägt von der Ermittlungsarbeit, welche die Inspektoren aber nicht wirklich weiterbringt. Zwar finden sich immer wieder neue Ermittlungsansätze, aber so schnell sie gefunden sind, so schnell erübrigen sie sich auch wieder. Was mich jedoch ein wenig an der ansonsten gut durchdachten und atmosphärisch starken Story gestört hat, war dann schlussendlich die Auflösung des Falls, welche ein wenig zu abrupt kam, dennoch aber plausibel erklärt wird.

    Natürlich hat sich Chefermittler Sascha Bergmann während der Auszeit von Sandra Mohr in keiner Weise gebessert. Er ist immer noch ein Macho wie er im Buche steht, fällt gerne mal mit der Tür ins Haus und macht jeder attraktiven Frau schöne Augen. Selbst bei Sandra versucht er es nach wie vor – allerdings auch nach wie vor erfolglos. Das Geplänkel der beiden Ermittler sorgt während der packenden Krimihandlung immer mal wieder für kleine Schmunzler. Und wie nebenbei baut Claudia Rossbacher das Privatleben von Sandra mit ein, bei dem man als Leser ein schöne Überraschung erlebt.

    Fazit: Auch der 5. Band der Steirerreihe überzeugt durch sympathische Protagonisten, einer fesselnden Story und viel österreichischem Flair.
Wolpert, Heike Schönheitsfehler EUR 9,99
  • Bewertung vom 04.03.2015
  •  
    sehr gut
  • Kommissar Socke ermittelt

    Kater Socke hat in seinem kurzen Katzenleben bisher schon einiges Schlechtes erlebt, aber die heutige Nacht setzt dem Ganzen die Krone auf. Wird er doch in einem Katzenkorb im Park eines Hotels ausgesetzt. Ohne Hoffnung, hier schnell gefunden zu werden oder sich selbst befreien zu können. Doch da kommt ihm unerwartet Katze Clooney zur Hilfe. Kaum wieder in Freiheit entdecken Socke und Clooney die Leiche des Schönheitschirurgen Dr. Karl-Heinz Finkenberg. Hauptkommissar Peter Flott, der in der Nähe wohnt, übernimmt den Fall und ehe es sich der Kommissar versieht, hat er einen tierischen Ermittler im Team, der ihn kurzerhand auch noch als neuen Dosenöffner adoptiert. Peter Flott und seine Kollegen ermitteln derweil in alle Richtungen und stoßen dabei auf einen fast schon vergessenen Skandal.

    Socke hatte es bisher wirklich nicht einfach im Leben. Kaum auf der Welt legte er sich mit einem LKW an und wurde schwer verletzt im Tierheim abgegeben. Zum Glück blieb nur eine Schwanzlähmung zurück, doch wer nimmt schon eine Katze mit Behinderung. Als das Tierheim mal wieder aus allen Nähten platzt, wird Socke kurzerhand zu einem vermeintlichen Tierfreund ausquartiert. Doch auch dieser Aufenthalt ist kurz und ehe er es sich versieht, findet er sich nachts im Park ausgesetzt wieder. Ohne zu ahnen, dass sich dies noch zu einem Glücksfall für ihn entwickeln wird. Doch zuerst gilt es, einen Mord zu klären.

    Tatkräftig unterstützt wird er hierbei von der etwas molligen Clooney, ihrem Sohn Gismo, Nachbarskater Mickey und Perserkatze Suleika. Während die tierische Truppe eigene Ermittlungen anstellt, schreiten auch in der Menschenwelt die Ermittlungen in dem Mordfall zügig voran. Doch anfangs scheint Peter Flott und sein Team im Trüben zu fischen. Sonderlich beliebt war der Schönheitschirurg nicht gerade, um seine Ehe stand es auch nicht zum Besten, aber ein Mordmotiv oder gar einen Verdächtigen scheint es weit und breit nicht zu geben.

    Heike Wolpert erzählt ihren temporeichen, sehr unterhaltsamen und durchaus spannenden Krimi mal aus der Perspektive der Kommissare, dann wieder aus Sicht von Socke und seinen Freunden. Während Socke die typische Katzenneugier treibt, ist Clooney mehr am nächsten Leckerli interessiert, die eitle Suleika gibt ungebeten gutgemeinte, aber unnütze Ratschläge und Jungspund Gismo muss manchmal in seinem Tatendrang ausgebremst werden. Mickey ist dabei eher der neutrale Beobachter. Aber nicht nur die tierischen Protagonisten sind liebenswert und detailreich beschrieben, auch die menschlichen Protagonisten, allen voran Peter und seine Kollegin Lisa überzeugen durch ihre lebendige, detailreiche Darstellung.

    Fazit: Unterhaltsamer, gut durchdachter und spannender Krimi, der mit einem liebenswerten Ermittler auf Samtpfoten und einem sympathischen Kommissar überzeugt.
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