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Benutzername: Isabel von Belles Leseinsel
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Bewertungen

Insgesamt 585 Bewertungen
Bewertung vom 18.04.2016
Niemals wirst du ihn vergessen / Detective Rafferty Bd.2
Bush, Nancy

Niemals wirst du ihn vergessen / Detective Rafferty Bd.2


sehr gut

Gruß aus der Vergangenheit

Er stranguliert seine Opfer und ritzt ihnen eine Botschaft in den Bauch. Detective September Rafferty und ihre Kollegin sind mit dem Fall betraut. Kurz nach dem ersten Mord bekommt September ihre eigene Kinderzeichnung aus der 2. Klasse geschickt. Darauf vermerkt der Text „Was sie zuvor mit mir getan, das tu ich jetzt den andern an.“ Genau diesen Spruch ritzt der Mörder in den Bauch seiner Oper. Warum erhält sie diese Botschaft? Kennt sie möglicherweise den Serienmörder und was für eine Rolle spielt dabei ihre Jugendliebe Jake?

Es sind viele Fragen, die September und Gretchen zu lösen haben und immer sitzt ihnen die Angst im Nacken, dass das FBI ihnen den Fall entziehen könnte. Aber nicht nur diese Sorge hat September. Nachdem sie ihre Kinderzeichnung aus der 2. Klasse erhalten hat, treibt sie die Frage um, wer ihr dieses Bild geschickt hat. Kennt sie den Täter, ist es gar jemand aus ihrer Familie, handelt es sich um den Serienmörder oder ist es ein Trittbrettfahrer, der ihr einfach nur Angst einjagen möchte? Diese Fragen ziehen sich durch den Großteil des 2. Band der Detectives-Rafferty-Reihe.

Im Vordergrund steht dieses Mal Auggies Zwillingsschwester September „Nine“ Rafferty, die seit kurzer Zeit im Laurelton Police Department in Oregon arbeitet und nun in ihrem ersten großen Fall ermittelt. Und ausgerechnet jetzt trifft sie auch ihre Jugendliebe Jake wieder, der einer der Verdächtigen des Falls ist.

Überhaupt präsentiert Nancy Bush ihren Lesern einige Verdächtige und auch dem Serienmörder selbst lässt die Autorin zu Wort kommen, ohne hierbei seine Identität zu verraten. Das einzige was man von Anfang an weiß, ist, dass er September tatsächlich kennt.

Der 2. Band beginnt etwas verhalten und knüpft direkt an das Ende des ersten Bandes an, wodurch es ratsam wäre, diesen auch zuerst zu lesen, da vieles darauf aufbaut. So nach und nach nimmt die Geschichte Fahrt auf, Nancy Bush versteht es gut, ihre Story zügig und unterhaltsam zu erzählen. Und mit der Zeit zieht dann auch die Spannung an und der vorliegende Band präsentiert sich packend und recht komplex.

Die Charaktere sind gewohnt facettenreich beschrieben, gerade die Protagonistin kommt äußerst sympathisch rüber und agiert zumeist auch überzeugend.

Fazit: Nicht ganz so spannend wie der 1. Band, aber eine in jedem Fall lesenswerte Trilogie.

Bewertung vom 31.03.2016
Fremdes Leben
Hammesfahr, Petra

Fremdes Leben


gut

Prinzessin Tausendschön

Eine Frau wacht aus dem Koma auf, weiß nicht, wie sie heißt, noch wo sie ist, geschweige denn, wie sie dorthin gekommen ist. Sie kann sich nicht bewegen und nicht sprechen und hört nur die Worte in ihrem Kopf „Mach sie tot, mach sie tot“. Ein grausames Erwachen für die Mitvierzigerin aus dem Koma, abgemagert bis auf die Knochen und nicht fähig, auch nur den kleinen Finger zu bewegen. Doch so nach und nach kehrt das Leben zurück, die Frau erfährt immer mehr über sich, doch es bleiben viele Lücken und sie ist fest davon überzeugt, einen Mord begangen zu haben.

Zwei Jahre ist der schwere Autounfall her, den die Frau mit schwersten Verletzungen überlebt hat. In einem privaten Pflegeheim lag sie im Koma, magerte dort rapide ab und kam nur durch Zufall zurück ins Krankenhaus. Dank der Pflege dort und der anschließenden Reha findet die Frau zurück ins Leben, doch die vielen Lücken in ihrer Erinnerung bleiben. Das Bild, welches ihr Sohn und ihr Mann von ihr zeichnen, ist ihr vollkommen fremd und immer wieder sieht sie eine brennende Wohnung und einen kleinen Jungen, der verzweifelt nach seiner Mutter ruft. Die Frau ist felsenfest davon überzeugt, die Mörderin dieses Jungen zu sein. Doch war sie es wirklich oder trügen sie ihre Erinnerungen. Es beginnt ein langer Kampf zurück ins Leben und eine Suche nach der Wahrheit.

Realistisch und nahegehend schildert Petra Hammesfahr die verzweifelte Rückkehr der Frau in ihr altes Leben. Aus Bruchstücken reimt sie sich die Geschehnisse zusammen, die zu dem Unfall geführt haben, doch Gewissheit, ob es wirklich so war, hat sie nicht. Somit auch nicht der Leser. Kleinste Hinweise und kurze Flashbacks helfen ihr, nach und nach Licht ins Dunkle zu bringen. Allerdings führen neue Puzzleteilchen auch zu neuen Fragen, deren Antworten stellenweise ein völlig neues Licht auf die möglichen Geschehnisse werfen.

Lange Zeit macht die Geschichte der Frau, deren Namen man im Verlauf erfährt, neugierig auf mehr. Die Story entwickelt sich, hat gerade anfangs viele kriminalistische Züge, ist stellenweise hochspannend, auch dadurch bedingt, dass einige Menschen ihrer Umgebung ihr offensichtlich einiges verheimlichen. Allerdings gibt es zur Mitte hin dann auch viele Wiederholungen. Die Frau denkt natürlich immer wieder über die Geschehnisse nach, auch öfter in abgewandelter Form dank neuer Informationen, aber hier wünscht man sich stellenweise einfach eine zügigere Erzählweise.

Nach dem Durchhänger in der Mitte nimmt die Story dann aber wieder Fahrt auf und Petra Hammesfahr präsentiert für jedes noch so verzwickte Puzzleteilchen eine Lösung. Allerdings erinnerte mich die Auflösung dann doch ein wenig sehr an die ach so heile, seichte Welt von Vorabendserien.

Fazit: Realistische Schilderungen, authentische Protagonistin und meist unterhaltsam. Das Ende war mir dann aber doch etwas zu seicht.

Bewertung vom 21.03.2016
Der Schlafmacher / Joe O'Loughlin & Vincent Ruiz Bd.10
Robotham, Michael

Der Schlafmacher / Joe O'Loughlin & Vincent Ruiz Bd.10


ausgezeichnet

Ich bin hier

Chief Superintendent Ronnie Cray bittet Professor Joe O’Loughlin um Hilfe. In einem Bauernhaus wurden zwei Frauen ermordet, die Ermittlungen stocken, die Bevölkerung ist entsprechend missgestimmt und fordert eine Verhaftung. Mehr widerwillig geht Joe den Fall durch und wird sogleich mit mehreren Verdächtigen konfrontiert, die durchaus ein Motiv hätten und deren Alibi nicht unbedingt wasserdicht ist. Als jedoch eine weitere Leiche gefunden wird, auf deren Stirn ein „A“ eingeritzt ist, ist dem Professor klar, dass er es mit einem Mörder zu tun hat, der auf Rache sinnt und vor dem auch O’Louglins Familie nicht sicher sein kann.

Eigentlich wollte Joe nichts mehr mit Polizeiarbeit zu tun haben und mit Mordermittlungen noch weniger, doch notgedrungen unterstützt er Ronnie Cray bei ihrer Arbeit, die sich regelrecht festgefahren hat. Es gibt in dem Fall der ermordeten Mutter und deren Tochter in dem einsamen Bauernhaus mehrere Verdächtige, aber auch der große Unbekannte ist durchaus eine Alternative. Grund hierfür ist das ausschweifende Privatleben von einer der Frauen. Unterstützung holt sich der Professor bei seinem alten Freund Vincent Ruiz, der auch sofort tatkräftig in die Ermittlungen einsteigt. Aber auch privat tut sich einiges bei Joe und so erlebt man auch einen sehr privaten Professor.

Michael Robotham hat einen sehr eingängigen, eher ruhigen und absolut fesselnden Schreibstil, mit dem er seine Leser binnen Minuten an seinen Psychothriller bindet und ihm keine Chance mehr lässt, das Buch noch groß aus der Hand zu legen. Der Plot gestaltet sich äußerst komplex und rätselhaft. Geschuldet ist dies unter anderem auch einem weiteren Handlungsstrang, bei dem der Schlafmacher zu Wort kommt. Doch wer hofft, dass Michael Robotham auch noch einen Hauch von Hinweis ob der Identität des Mörders liefert, der hofft vergebens. Bis zum Schluss ist absolut unklar, um wen es sich bei dem perfiden, psychisch kranken Mann handeln könnte.

Dabei durchleuchtet der Autor die Vergangenheit des Mörders äußerst akribisch. Nach und nach erfährt man so den Grund für sein Handeln, wie er allerdings seine Opfer ausfindig macht, lässt Michael Robotham ebenfalls bis fast zum Schluss offen.

Wie gesagt, das Privatleben von Joe nimmt einen großen Raum in dem Thriller ein, was jedoch in keiner Weise die Spannung schmälert. Denn hier ereignet sich auch einiges, auch wird Charlie, Joes erwachsene Tochter, mit in den Fall integriert und auch seine Frau Julienne spielt eine gewichtige Rolle im vorliegenden Roman.

Fazit: Hochspannend und äußerst komplex gestaltet sich auch dieser Fall von Joe O’Loughlin wieder. Einfach nur absolut lesenswert.

Bewertung vom 04.03.2016
Das Küstengrab
Berg, Eric

Das Küstengrab


sehr gut

Die Clique

23 Jahre ist es her, dass Lea das letzte Mal zu Hause auf Poel war. Als Teenager verließ die erfolgreiche Fotografin die Ostseeinsel, ihre Rückkehr endet tragisch. Bei einem Autounfall wird Lea schwer verletzt und verliert einen Teil ihrer Erinnerungen, ihre Schwester Sabina kommt bei dem Unfall ums Leben. Nun ist Lea körperlich wieder genesen, doch ständige Flashbacks lassen sie auf die Insel zurückkehren. Lea will wissen, was vor dem Unfall auf Poel passiert ist. In ihrem Heimatdorf Kaltenhusen angekommen, trifft sie auf ihre alte Clique, doch das Wiedersehen stößt nicht bei allen auf große Begeisterung.

Lea beginnt auf Poel Fragen zu stellen, auf die sie selten eine befriedigende Antwort erhält, sondern diese sind meist gespickt mit Halbwahrheiten oder rätselhaften Andeutungen, ohne konkret zu werden. Irgendetwas ist bei ihrem Kurzaufenthalt vor 4 Monaten auf Poel geschehen. Warum war ihre Schwester Sabina zur gleichen Zeit auf Poel und welche Bedeutung hat das Verschwinden von Lea’s Jugendfreund Julian im Sommer 1990? Immer mehr Fragen drängen sich Lea auf, ihre Erinnerungsfetzen, die sie wie schwarzweiß Fotos wahrnimmt, vermehren sich, doch zur Rätsels Lösung tragen sie kaum bei. Hinzu kommt das Verhalten ihrer ehemaligen Clique. Der eine oder andere verbirgt ganz offensichtlich etwas vor ihr, andere sind überaus freundlich oder lassen Lea ihre Abneigung deutlich spüren.

Eric Berg erzählt seinen Kriminalroman auf drei Zeitebenen. Geschehnisse aus dem Jahr 1990 spielen ganz massiv in die heutigen Ereignisse mit rein. Der Sommer 1990 war für jedes Mitglied der Clique schicksalshaft, Auslöser war der Mauerfall wenige Monate zuvor, welcher den jungen Erwachsenen plötzlich ganz neue Perspektiven bietet. Doch auch die Ereignisse rund 4 Monate vor Leas jetzigen Besuch prägen den Verlauf der eigentlichen Geschichte. Eric Berg wechselt immer wieder zwischen den Ebenen, der Hauptstrang bilden aber die heutigen Geschehnisse, welche in der Ich-Form erzählt werden.

Durch die unterschiedlichen Handlungsstränge entwickelt sich die Geschichte eher gemächlich, aber keineswegs langatmig. Eric Berg versteht es sehr gut, seine Leser bei der Stange zu halten, regelmäßig interessante Wendungen in die vielschichtige Story einzubauen und die Neugier ob der Geschehnisse rund um die Clique immer weiter zu schüren.

Mit der Zeit steigt somit nicht nur die Neugier ob dem Ausgang der Story, sondern auch die Spannung zieht kontinuierlich an. Schnell ist klar, dass Lea eigentlich niemanden trauen kann, ihre früheren Freunde sind heute Fremde, die nur ihren eigenen Vorteil und Interessen im Sinne zu haben scheinen.

Fazit: Düster, oft auch beklemmend, mit einem realistischen Blick zurück in die Zeit des Mauerfalls, erzählt Eric Berg einen atmosphärisch dichten Kriminalroman, den man bedenkenlos weiterempfehlen kann.

Bewertung vom 29.02.2016
Sturm über dem Meer
Wilken, Constanze

Sturm über dem Meer


ausgezeichnet

Die Glocken von Cantre'r Gwaelod

Durch einen starken Sturm sind an der walisischen Küste uralte Baumstümpfe sichtbar geworden. Dr. Samantha Goodwin erhält den archäologischen Auftrag, diese zu untersuchen. Sam kennt die Gegend, denn ihre Grandma lebt in dem nahegelegenen Fischerdorf. Die uralten Baumstümpfe, die Indizien für das versunkene Königreich Cantre’r Gwaelod sein sollen, faszinieren Sam seit ihrer Kindheit und so stürzt sich die junge Archäologin begeistert in die Arbeit. Bis in der Bucht von Cardigan eine Leiche entdeckt wird, die 60 Jahre am Meeresgrund lag. Sam vermutet, dass es sich hierbei um ihren verschollenen Großvater Arthur handelt und beginnt Nachforschungen anzustellen, ohne dabei zu ahnen, dass sie sich hierdurch in tödliche Gefahr begibt.

Mit einem kurzen Einblick über die Legende von Cantre’r Gwaelod steigt Constanze Wilken in ihrem packenden Wales-Roman ein und schwenkt dann aber sehr schnell zu ihrer Protagonistin Sam. Die junge Archäologin kocht vor Wut, hat doch ihr Exfreund und beruflicher Partner sie auf hinterhältigste verunglimpft. Da kommt ihr das neue Projekt nahe Borth gerade recht, schließlich verbindet Sam mit dem kleinen Fischerdorf nur schöne Kindheitserinnerungen. Doch kaum bei ihrer rüstigen Großmutter angekommen, beginnen auch schon die Probleme als die Leiche eines Mannes gefunden wird.

Es dauert wirklich nur eins, zwei Seiten und man ist gefangen in der fesselnden, teilweise sehr spannenden, jederzeit unterhaltsamen und mitreißenden Geschichte. Constanze Wilken versteht es gekonnt, ihre Leser mit unvorhersehbaren Wendungen, einer interessanten, rätselhaften Geschichte und einer geheimnisvollen Legende an ihren Roman zu fesseln.

Immer wieder kehrt die Autorin im Verlauf der Story auch in die Vergangenheit zurück. Es ist kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs, die Menschen in Borth haben mit den Nachwirkungen des Krieges zu kämpfen, doch ihren Lebensmut lassen sie sich nicht nehmen. So auch die junge Gwen, die unsterblich in den Fischer Arthur verliebt ist, der ihren Eltern jedoch nicht genehm ist. Diese würden sie gerne mit dem reichen Ashton verheiratet sehen. Doch Gwen hat ihren eigenen Kopf.

Nach und nach fügen sich die Ereignisse der Gegenwart mit den Geschehnissen der Vergangenheit zusammen. Aber was damals wirklich geschah, das verrät die Autorin ihren Lesern erst ganz zum Schluss des Romans. Bis dahin hat ihre Heldin einige Unwegsamkeiten zu ertragen, muss um ihr Leben fürchten und das eine oder andere Rätsel lösen.

Fazit: Ein mitreißender, jederzeit sehr unterhaltsamer und stellenweise hochspannender Roman, bei dem auch die Liebe nicht zu kurz kommt.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.02.2016
Jagdrevier / Embla Nyström Bd.1
Tursten, Helene

Jagdrevier / Embla Nyström Bd.1


gut

Die Jagd beginnt

Es ist Spätsommer in Schweden. Nahe Göteborg trifft sich eine Jagdgruppe zur Elchjagd. Dieser gehört auch die Polizeibeamtin Embla Nyström an. Man kennt sich über Jahre hinweg, ist ein eingespieltes Team. Doch dieses Mal soll alles anders werden. Während Embla von dem Neuzugang Peter schlichtweg begeistert ist, verschwinden zwei Mitglieder der Jagdgruppe spurlos. Einer wird tot aufgefunden, der andere bleibt verschwunden. Embla und ihr Team aus Göteborg nehmen die Ermittlungen auf und bald schon muss sich Embla die Frage stellen, wie gut sie die Mitglieder der Jagdgruppe nun wirklich kennt.

Helene Tursten lässt es im ersten Band ihrer neuen Krimiserie geruhsam angehen und stellt ihren Lesern erst einmal die Protagonistin Embla Nyström und deren Leidenschaft fürs Boxen wie auch für die Elchjagd vor. Und mit einem Boxkampf und dem anschließenden Sieg für Embla beginnt auch der Krimi. Embla hat sich für die Elchjagd extra 2 Wochen frei genommen und fährt nach dem gewonnenen Boxkampf mit ihrem „Veteran“, einem in die Jahre gekommenen Auto, zu ihrem Onkel Nisse, bei dem sie während der Jagdzeit wohnt.

Die Autorin selbst ist entweder begeisterte Jägerin oder aber hat für ihren Roman akribisch recherchiert und dieses Wissen vermittelt sie ihren Lesern im Verlauf des Krimis. Meist fließt dies nebenbei mit ein, oftmals ist es aber auch einfach ein wenig zu viel des Guten und nimmt die Spannung aus dem eh schon recht ruhig erzählten Krimi fast gänzlich. Nicht das der Roman jetzt langatmig wäre, nein, Helene Tursten versteht es gekonnt zu erzählen, doch für einen Krimi reicht dies nicht aus. Zumal mangels vieler Beteiligter und durchaus recht offensichtlich gelegten Spuren schnell ein Verdächtiger ausgemacht ist. Auch ist das Motiv seiner Taten jetzt nicht gerade neu und in dieser oder ähnlicher Form hat man dies schon zuhauf gelesen.

Ein großes Plus des Krimis sind die Charakterzeichnungen. Helene Tursten versteht es einfach allen Mitwirkenden ein Gesicht zu geben, sie lebendig und überzeugend zu beschreiben. Allen voran ihre sympathische Protagonistin Embla, die keine Überfrau ist, ihre Schwächen, aber auch ihre Stärken hat und jederzeit nachvollziehbar agiert.

Fazit: Dem Krimi fehlt es zwar an Spannung, dennoch ein vielversprechender Start mit einer sympathischen, überzeugend agierenden Protagonistin.

Bewertung vom 29.01.2016
Und draußen stirbt ein Vogel
Thiesler, Sabine

Und draußen stirbt ein Vogel


ausgezeichnet

Ich wünschte, ich wäre hier

Er verfolgt sie zu jeder ihrer Lesungen, kennt alle ihre Bücher auswendig und ist voller Hass auf sie, doch die Autorin Rina Kramer ahnt hiervon nichts. Nach der letzten Lesung zu ihrem neuen Buch zieht sich Rina in ihr Haus in der Toskana zurück, ein Anwesen sehr abgelegen auf einem Berg. Nur ihr 11-jähriger Sohn Fabian leistet ihr Gesellschaft. Mit der beschaulichen Idylle ist es jedoch schnell vorbei, als der Stalker Manuel die Adresse von Rinas Anwesen herausfindet, dorthin reist und sich als vermeintlicher Feriengast ihr Vertrauen erschleicht.

Es ist die letzte Lesung, danach geht es direkt in die Toskana. Zusammen mit ihrem Ehemann reist Rina nach Hause, voller Vorfreude auf ihren Sohn, der ein Internat besucht und die Sommerferien bei ihr verbringen wird. Rinas Ehemann ist Filmregisseur, gedanklich beim nächsten Dreh und eigentlich schon auf den Sprung nach Paris. So lernt er auch nicht mehr den neuen Feriengast kennen, der eines Tages am Tor klingelt und dem Rina kurzentschlossen das kleine Gartenhäuschen auf dem Anwesen vermietet. Ohne dabei zu ahnen, dass sie einen Psychopathen auf ihr Grundstück geladen hat.

Manuel, ein verkappter Autor, hasst Rina von ganzem Herzen und hat nur ein Ziel, die Autorin zu vernichten. Hierfür geht er konsequent und unbarmherzig vor und bald schon müssen Fabian und Rina feststellen, dass der so freundliche Feriengast irgendwie doch recht seltsam ist. Doch bis sich die Lage zuspitzt, lässt Sabine Thiesler ihre Leser erst einmal ein wenig zappeln.

Im Gegensatz zu Rina weiß man von Anfang an, dass die Autorin sich hier einen Todfeind ins Haus geladen hat, der absolut unberechenbar ist und während Rina dem Psychopathen noch vollkommen ahnungslos gegenübertritt, rechnet man praktisch auf jeder Seite damit, dass Manuel nun zur Tat schreitet. Dies fördert sehr die Spannung, welche die Autorin bis zum Schluss auf sehr hohem Niveau hält. Und zum Ende hin zieht Sabine Thiesler dann noch das Tempo ziemlich rasant an und die Ereignisse überschlagen sich regelrecht.

Gelungen sind neben der komplexen, undurchsichtigen, wendungsreichen Story, die von der ersten Seite äußerst packend erzählt ist, auch die vielschichtig angelegten Charaktere. Erst so nach und nach offenbart sich der Grund für den Hass, welchen Manuel für Rina empfindet. Dies erfährt der Leser durch regelmäßig eingeschobene Rückblenden, die in der Jugendzeit von Manuel beginnen. Aber auch Rina oder auch der Pfarrer, der eine kleine aber entscheidende Nebenrolle spielt, agieren facettenreich, überraschen und sind lebendig und überzeugend beschrieben.

Fazit: Ein ruhiger, aber äußerst spannend erzählter Psychothriller

Bewertung vom 21.01.2016
Wo du auch bist
Smithwick, Fleur

Wo du auch bist


ausgezeichnet

Mein imaginärer Freund Sam

Bei einem tragischen Autounfall verliert die junge Fotografin Alice ihren besten Freund, sie selbst wird schwer verletzt. Als sie aus dem Koma aufwacht, ist ihr imaginärer Freund Sam aus Kindertagen wieder an ihrer Seite. Ist Alice anfangs noch hocherfreut über das Wiedersehen, ändert sich dies schleichend als Sam immer mehr von ihr fordert. Als Alice sich auch noch mit ihrer Jugendliebe Jonathan öfter trifft bahnt sich eine Katastrophe an.

Fleur Smithwick lässt es in ihrem Debütroman, den man nicht unbedingt als psychologischen Thriller bezeichnen kann, etwas ruhig angehen und beginnt mit der Hochzeit von Alices Vater. Auf der Heimfahrt ereignet sich dann der tragische Verkehrsunfall, dem ihr bester Freund zum Opfer fällt. Als Alice Wochen später aus dem Koma erwacht, ist Sam an ihrer Seite. Außer Alice kann ihn niemand sehen, für die junge Frau ist Sam jedoch absolut real – sie kann ihn sehen, hören und anfassen. Die Freude über das Wiedersehen ist riesengroß, braucht Alice doch gerade jetzt einen Schulter zum Anlehnen und ausweinen, jemand der sie tröstet und wieder aufbaut. Sam ist rund um die Uhr für Alice da, hilft ihr, unterstützt sie, tröstet sie, doch er fordert auch die volle Aufmerksamkeit von Alice und wird mit der Zeit immer besitzergreifender.

Alice kämpft sich zurück ins Leben, fängt wieder an zu arbeiten, doch die Konflikte mit Sam nehmen zu, hinzu kommend die Probleme mit ihrer Familie und ihrem Umfeld, die durchaus wissen, dass Sam wieder da ist und Alice dringend zu einer psychiatrischen Behandlung raten. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass Sam in Alice Leben aufgetaucht ist? Das erfährt der Leser durch immer wieder eingeschobene Rückblenden, die in Alice frühester Kindheit beginnen und ein Leben zeigen, dass man keinen kleinen Mädchen wünscht. Somit wird schnell verständlich, warum Alice sich ihren imaginären Freund geschaffen hat. Doch wie wird man diesen wieder los, wenn er beginnt, immer mehr zu fordern, einem regelrecht die Luft zum Atmen nimmt und man befürchten muss, dass die Menschen, die man liebt, nicht mehr sicher vor ihm sein können?

Warmherzig, mitreißend, gefühlvoll und fast durchweg sehr unterhaltsam erzählt Fleur Smithwick ihren Roman, der durchaus auch spannende Momente zu bieten hat, aber so gut wie keine Thrillermerkmale aufweist. Neben der packenden Geschichte, die einige überraschende Wendungen präsentiert und bis zum Schluss schwer vorhersehbar bleibt, sind der Autorin auch die Charaktere gut gelungen. Gerade Sam und seine Beweggründe, die zu seinem Handeln führen, sind nachvollziehbar beschrieben wie auch der Charakter von Alice. Man lernt eine einsame, introvertierte junge Frau kennen, die es von klein auf gewohnt ist, sich selbst überlassen zu sein und nur wenig Freunde zu haben. Aber Alice ist auch eine Kämpferin, was sie im Verlauf der Geschichte mehr als einmal unter Beweis stellen muss.

Fazit: Ein bewegender, warmherzig erzählter Roman über einen imaginären Freund, der immer mehr das Leben der Protagonistin beeinflusst.

Bewertung vom 05.01.2016
Eisige Glut
Brown, Sandra

Eisige Glut


sehr gut

Er wird nicht ruhen

Reporter Dawson Scott ist gerade aus Afghanistan zurückgekehrt und hat eigentlich überhaupt kein Interesse daran über einen Mordfall zu berichten, auch wenn die Details noch so grausam zu sein scheinen. Doch sein Patenonkel und FBI-Agent Gary Headley überzeugt ihn davon, dass es sich lohnt über den Fall zu berichten, denn der Ermordete soll der Sohn eines Terroristenehepaares sein, welches Headley schon seit Jahrzehnten erfolglos jagt. Dawson trifft im Gerichtssaal auf Amelia Nolan, der Witwe des Ermordeten und sein Interesse an dem Fall ist geweckt. Bei seinen Recherchen deckt Dawson Informationen auf, die sich als lebensgefährlich für alle Beteiligten herausstellen sollen.

Seit Dawson aus Afghanistan zurückgekehrt ist plagen ihn Alpträume und Schlaflosigkeit, was er mit Tabletten und Alkohol versucht in den Griff zu kriegen. Da kommt der Anruf seines Patenonkels mehr aus unpassend, als dieser ihn bittet, über einen Mordfall zu berichten. Ein Mann soll seinen Ehefrau und deren Liebhaber getötet und anschließend an seine Hunde verfüttert haben. Das Brisante an dem grausamen Fall: Bei dem Liebhaber handelt es sich um Jeremy Wesson, der laut Überprüfung seiner DNA der Sohn eines Terroristenpaares sein soll, den Agent Headley bereits seit mehr als 40 Jahren erfolglos sucht. Nur seinem Patenonkel zuliebe macht sich Dawson auf den Weg in den Gerichtssaal in dem er prompt auf die attraktive Witwe von Jeremy Wesson trifft.

Mit „Eisiger Glut“ hält man einen Thriller in der Hand, der anfangs noch nicht einmal die Grundzüge eines Krimis zeigt. Doch das stört in keiner Weise, da Sandra Brown es bestens versteht, ihr Leser von der ersten Seite an zu unterhalten. So bizarr der Mordfall ist, so rätselhaft entwickelt sich die Geschichte, wobei man natürlich von Anfang ganz genau weiß, wohin die Beziehung zwischen Amelia und Dawson führen wird. Natürlich geht dies ohne scheinbar unüberwindbaren Hindernissen und Problemen nicht vonstatten und somit ist mal wieder der Weg das Ziel. Die Beziehung zwischen Dawson und Amelia steht während des gesamten Romans klar im Mittelpunkt, die Thrillerhandlung ist eher Nebenschauplatz und schnell ist auch klar, was bzw. wer hinter den merkwürdigen Vorkommnissen steckt, die im Umfeld von Amelia geschehen.

Doch so vorhersehbar die Entwicklung der Story ist, Sandra Brown ist es dennoch gelungen, den einen oder anderen Überraschungseffekt einzubauen, der es wirklich in sich hat. Die Geschichte gestaltet sich durchweg sehr unterhaltsam und packend, auch dank der beiden wirklich sehr sympathischen Protagonisten, die ihre Ecken und Kanten haben. Allerdings darf man hier in Sachen Problembewältigung nichts Tiefsinniges erwarten. So wird Dawsons posttraumatische Belastungsstörung, welche er mit Pillen und Alkohol versucht in den Griff zu bekommen doch recht lapidar abgetan und gilt eigentlich mehr oder weniger nur als Alibifunktion, da sie zur Vergangenheit von Jeremy und somit zur Story passt.

Fazit: Ein Thriller ist etwas anderes, aber Sandra Brown versteht es dennoch bestens, ihre Leser von der ersten Seite an hervorragend zu unterhalten.

Bewertung vom 31.12.2015
Während du stirbst
Cohen, Tammy

Während du stirbst


sehr gut

Bis zum zwölften Tag

Beim Weihnachtsshoppen trifft Jessica Gold auf den äußerst attraktiven Dominic Lacey, der sie mit Komplimenten überschüttet und scheinbar spontan in seine Wohnung irgendwo in London einlädt. Doch der Traum von einem Mann wandelt sich mit der Ankunft im Loft zu einem Alptraum. Der Unternehmer lässt Jessica angekettet in einer Hundehütte übernachten und jeden Tag überreicht er ihr ein Geschenk. 12 Stück sollen es bis zum Schluss sein, jeden Tag eines und damit verbunden jedes Mal eine äußerst perfide Geschichte. Jessica ahnt bald, dass sie den 13. Tag nicht mehr erleben wird.

„Es kann gut sein, dass ich schon tot bin, wenn Sie das hier zu Ende gelesen haben. …“ - So beginnt der erste Teil des Psychothrillers und man ahnt, dass man hier keine leichte Kost in Händen hält. Jessica ist gefangen in einem Loft über den Dächern Londons, ohne Chance, sich selbst befreien zu können. Sie ist 29 Jahre alt und hat mit ihrem Leben abgeschlossen, schwer verletzt schreibt sie die Erlebnisse der vergangenen Tage auf und beginnt mit dem ersten Zusammentreffen von ihr und Dominic in einem Café in der Oxford Street.

Dominic ist ein äußerst launischer Mensch, seine Stimmungsschwankungen bekommt Jessica schmerzvoll in den nächsten Tagen zu spüren und er ist ein absoluter Machtmensch, der die bedingungslose Kontrolle über einen Menschen haben muss. Mit jedem Geschenk, welches er Jessica überreicht, ist auch ein Geschehnis aus Dominics Vergangenheit verbunden, welches er Jessica bereitwillig erzählt. So lernt man nach und nach einen psychisch gestörten Menschen kennen, der unfähig ist, eine normale Beziehung zu einem anderen Menschen einzugehen und dem Tod in seinem Leben schon mehrmals begegnet ist.

Neben den Geschehnissen rund um Jessica, welche in der Ich-Form geschrieben sind, wird die Geschichte zudem aus dem Blickwinkel von Kim erzählt, die als Detective arbeitet, auf den Fall angesetzt ist und die Gratwanderung zwischen Beruf und Familie hinzukommen versucht. Kim verbeißt sich regelrecht in den Fall, ist sie doch davon überzeugt, dass der Freund von Jessica irgendetwas verschweigt. Doch das Augenmerk des Psychothrillers liegt klar bei den schrecklichen Erlebnissen, welchen Jessica ausgesetzt ist.

Der Verlauf der Story gestaltet sich packend, durchweg spannend und äußerst wendungsreich. Hier sind Tammy Cohen wirklich einige sehr überraschende und vor allem absolut unvorhersehbare Wendungen eingefallen. Auch wenn man sich dann ganz am Ende schon denken kann, auf was die Geschehnisse schlussendlich hinauslaufen sollten.

Fazit: Spannende, äußerst wendungsreiche Story mit überzeugend wie undurchsichtig agierenden Protagonisten.