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Benutzername: Isabel von Belles Leseinsel
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Bewertungen

Insgesamt 553 Bewertungen
Bewertung vom 01.09.2015
Die Betrogene
Link, Charlotte

Die Betrogene


ausgezeichnet

Nur Lug und Trug?

DC Kate Linville reist nach Yorkshire, um endlich Klarheit über ihre Zukunft und auch über den Mord an ihrem Vater zu erlangen. Der hochrangige Polizist wurde vor mehreren Monaten grausam in seinem Haus ermordet, der Täter ist bis heute nicht gefunden und die zuständigen Ermittler finden keine neue Spur zu dem rätselhaften Mordfall. Nun versucht Kate auf eigene Faust den Fall zu lösen und muss erkennen, dass ihr Vater ihr all die Jahre etwas vorgespielt hat. Zeitgleich entschließt sich das Ehepaar Jonas und Stella Crane mit ihrem kleinen Sohn Sammy Urlaub auf einer entlegenen Farm in den Hochmooren von Yorkshire zu machen.

Kate arbeitet bei Scotland Yard, lebt sehr zurückgezogen und einsam. Ihr einziger Halt war ihr Vater und Kate steht nun vor der Entscheidung, ihr Leben in London fortzuführen oder nach Yorkshire zu ziehen. Um sich hierüber klar zu werden und um endlich die Ermittlungen voranzutreiben, reicht Kate kurzerhand Urlaub ein und zieht in ihr Elternhaus. Den zuständigen Ermittler DCI Caleb Hale kommt Kate mit ihren Eigeninitiativen immer wieder in die Quere, doch die introvertierte, schüchterne Frau lässt sich selbst von einem drohenden Disziplinarverfahren nicht davor abschrecken, selbst nach dem Mörder ihres über alles geliebten Vaters zu suchen. Doch bald schon muss Kate feststellen, dass Richard Linville ein geheimes Leben geführt hat, von dem seine Tochter nicht das Geringste geahnt hatte.

Stella und Jonas führen eine glückliche Ehe und sind stolze Eltern ihres 5-jährigen Adoptivsohns Sammy. Da Jonas als Drehbuchautor kurz vor einem Burnout steht, entschließen sich die Cranes kurzentschlossen, die einsam gelegene Farm eines Arbeitskollegen für Ferien zu nutzen. Fernab von Fernsehen, Internet, Festnetz und Handyempfang hofft Jonas, dass er wieder zu sich selbst findet. Doch dann kommt alles vollkommen anders und die kleine Familie muss um ihr Leben fürchten.

Wie gehören diese zwei so völlig unterschiedlichen Geschichten zusammen? Diese Frage stellt man sich lange Zeit, denn es sind einfach keine Verbindungen erkennbar. Charlotte Link gelingt es wieder einmal gekonnt, lose Fäden mit der Zeit geschickt zu einer schlüssigen und vor allem sehr komplexen, nachvollziehbaren Geschichte zusammen zu weben.

Immer abwechselnd erzählt die Autorin die Geschehnisse rund um Kate und ihren ermordeten Vater und der Familie Crane weiter. Hierbei holt Charlotte Link weit aus, lässt den Geschichten Zeit, sich zu entwickeln und baut hierdurch eine packende Atmosphäre auf, die einen schnell an den Kriminalroman bindet. Die Spannung präsentiert sich eher unterschwellig, fast schleichend und steigert sich im Verlauf der überaus fesselnden Geschichte stetig.

Immer wieder nimmt die Story neue Wendungen an und Charlotte Link überrascht ein ums andere Mal damit, wie sie die losen Fäden logisch und nachvollziehbar verbindet. Ein großes Plus der Geschichte sind aber auch die detailreich und vor allem sehr lebendig agierenden Personen des Romans, die Ecken und Kanten haben dürfen, Fehler machen und stellenweise undurchschaubar bleiben, wodurch sie natürlich in ihren Handlungen ebenfalls für die eine oder andere Überraschung sorgen.

Fazit: Äußerst komplex angelegte Kriminalgeschichte, die mit facettenreichen Charakteren und einer packenden, unvorhersehbaren Story überzeugt.

4 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 01.09.2015
Anstich / Kommissar Pascha Bd.4
Turhan, Su

Anstich / Kommissar Pascha Bd.4


sehr gut

Nach der Wiesn ist vor der Wiesn

Die Wiesn ist vorbei, Aufräumen ist angesagt, doch was da in einem Müllhaufen hinter einer Bude liegt ist dann doch ziemlich makaber. Bei einer der drei Leichen handelt es sich ganz offensichtlich um einen ausländischen Staatsbürger, sodass Zeki Demirbilek und sein Migra-Team mit der Lösung des Falls betraut werden. Tatkräftige Unterstützung erhält das Team von Kriminalhauptkommissar Pius Leipold, der als Ur-Münchner und Oktoberfest-Experte geradezu prädestiniert ist, den Fall zu lösen. Aber nicht nur beruflich geht es etwas chaotisch für Kommissar Pascha zu, auch privat gestaltet sich die geplante Hochzeit von Sohn Aydin und Kollegin Jale Cengiz mehr als schwierig.

Auf der Theresienwiese herrscht noch Katerstimmung, als bereits die Aufräumarbeiten beginnen. Auch ein älteres Ehepaar ist auf der Wiesn frühmorgens unterwegs und schaut, was die Besucher so alles verloren haben. Dabei machen sie einen grausigen Fund. Eine Leiche mit einem Kaftan bekleidet und mit eindeutig arabischen Wurzeln ruft Sonderermittler Zeki Demirbilek und Isabel Vierkant auf den Plan. Pius wird von der Chefin auch noch kurzerhand der Migra zugeordnet und für Jale, die sich im Mutterschaftsurlaub befindet, verstärkt Serkan fortan das Team. Der Kaftanträger ist schnell identifiziert, doch wer sollte einen Grund gehabt haben, den offenbar wohlhabenden Mann zu ermorden? Das Team ermittelt in alle Richtungen, wobei Pius den Ermittlern zeitweise abhandenkommt.

Neben dem aktuellen Wiesn-Fall nimmt aber auch das Privatleben von Zeki Demirbilek viel Raum ein. Die Geburt von Jale und Aydins Kind steht kurz bevor wie auch die Hochzeit der Beiden. Jale hat extreme Stimmungsschwankungen, die Aydin und Zeki mit stoischer Ruhe zu begegnen versuchen, doch das ist meist einfacher gesagt als getan. So fliegen bei dem jungen Paar öfter die Fetzen und Zeki versucht zu vermitteln. Seine Beziehung zu Derya entwickelt sich, ein romantischer Kurzurlaub in Istanbul stand gerade an. Doch Zeki hängt immer noch an seiner Ex-Frau Selma, deren Rückkehr nach München zur Geburt des Enkelkindes ansteht.

Privatleben und Ermittlungen gehen wieder Hand in Hand bei dem aktuellen Fall von Kommissar Pascha und entsprechend kurzweilig, amüsant und unterhaltsam gestaltet sich der Krimi wieder. Wobei auch die Spannung nicht zu kurz kommt, auch wenn man sich doch recht früh zusammenreimen kann, wie denn der Mann im Kaftan zu Tode kam. Allerdings werden hierzu erst zum Schluss entscheidende Fragen geklärt und zudem überrascht Su Turhan seine Leser mit einigen unerwarteten Wendungen, wodurch sich die rund 300 Seiten durchweg wieder sehr packend gestalten.

Fazit: Ein neuer Fall für Kommissar Pascha … kurzweilige, fesselnde Story mit einem guten Schuss türkischem Lebensgefühl und Münchner Flair.

Bewertung vom 26.08.2015
Das Dornenkind / Nils Trojan Bd.5
Bentow, Max

Das Dornenkind / Nils Trojan Bd.5


ausgezeichnet

Mörderkinder

Binnen kürzester Zeit werden in Berlin drei Todesopfer mit seltsamen Ritzungen in der Haut aufgefunden. Alles deutet zwar auf Selbstmord hin, doch Kommissar Nils Trojan hat seine Zweifel. Und er soll Recht behalten, sein schlimmster Alptraum in Form des Federmanns wird wahr. Der Serienmörder ist zurück und mit ihm seine Tochter und der Serienmörder sinnt auf Rache.

Eine Frau wird von einem Unbekannten verschleppt, in ein Haus gebracht, muss eine merkwürdige Handlung verrichten und wird danach wieder freigelassen. Doch vorher ritzt der Entführer der Frau noch eine seltsame Botschaft in die Haut. Kurze Zeit später ist sie tot. Was hat es mit diesen seltsamen Entführungen auf sich, welchen Zweck verfolgt der Entführer. Aber das sind nicht die einzigen Fragen, die man sich im Verlauf dieses äußerst packenden Psychothrillers stellt.

Bald schon nimmt auch Wendy am Geschehen teil. Ein junge Frau, ausgebildet in Kampfsportarten, die aus Kanada anreist, um sich um ihre kranke Großmutter zu kümmern. Wendy ist die Tochter des Federmanns, doch welche Ziele sie verfolgt, als sie mit Trojan Verbindung aufnimmt, ist lange Zeit unklar.

Geschickt spielt Max Bentow mit dieser Ungewissheit. Ist die junge Frau ihrem Vater, den sie noch nie gesehen hat, hörig oder will sie ihn entlarven, ihn der Polizei ausliefern? Die Ziele des Federmanns dagegen sind von Anfang an klar, die endgültige Vernichtung von Trojan und hierüber lässt er den Kommissar auch nicht lange im Unklaren. Ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

Die Story bleibt bis zum Schluss absolut unvorhersehbar. Geschickt nimmt sie immer wieder neue, unerwartete Wendungen an, was neben dem packenden Erzählstil von Max Bentow zusätzlich für Spannung sorgt. Kontinuierlich baut der Autor diese Spannung weiter aus, steigert sie fast unmerklich und nimmt sich dennoch stellenweise ein wenig Zeit, auf das Privatleben seines Protagonisten einzugehen. Wobei dieses Mal allerdings ganz klar die Thrillerhandlung im Fokus steht.

Fazit: Hochspannend bis zur letzten Seite mit einer ausgefeilten, vielschichtigen Story und überzeugend agierenden Protagonisten.

Bewertung vom 25.08.2015
Berliner Blut / Emma Vonderwehr & Edgar Blume Bd.4
Lanfermann, Mechthild

Berliner Blut / Emma Vonderwehr & Edgar Blume Bd.4


ausgezeichnet

Mord in der Nationalgalerie

Die Radioreporterin Emma Vonderwehr wird zu einer Ausstellungseröffnung gerufen. Während dieser wurde die afrikanische Künstlerin Claire Elbar ermordet aufgefunden, Augenzeugen des Vorfalls lassen sich trotz der reichlich Anwesenden keine finden. Hauptkommissar Edgar Blume, Exfreund von Emma, ermittelt in dem Fall. Und auch Emma lässt der bizarre Fall keine Ruhe. Sie nimmt Kontakt zu Claires Ehemann Samuel auf und erfährt, dass die Künstlerin sich für eine Coltan-Miene im Kongo interessiert hatte und einen kleinen Jungen nach Deutschland schmuggeln wollte.

Eigentlich wollte der Berliner Radiosender, für den Emma arbeitet, nur über die neueste Ausstellung in der Nationalgalerie berichten, doch dann wird die afrikanische Künstlerin Claire Elbar vor ihrem Kunstwerk mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Emma macht sich sofort auf den Weg und noch während sie nach O-Tönen für ihre Reportage sucht, entdeckt sie einen Flüchtling in den angrenzenden Büschen. In gebrochenem Englisch versucht dieser ihr etwas mitzuteilen und flüchtet anschließend. Als sie dann noch erfährt, dass Claire sich für den Abbau von Coltan in Afrika interessiert hat, ist ihre Neugier geweckt. Sie muss unbedingt den Mörder der Künstlerin finden.

Coltan wird in fast jedem Smartphone verwendet. Das Erz ist extrem hitzebeständig und begehrt. Der menschenunwürdige Abbau dieser sogenannten Blutmineralien in Afrika kam in den letzten Jahren immer mehr in Verruf, die großen Handyhersteller reagierten nur langsam auf die Missstände. Diesem Themas nimmt sich Mechthild Lanfermann in ihrem neuesten Emma-Vonderwehr-Krimi an und schildert die unzumutbaren Zustände der Minen im Kongo auf drastische und eindringliche Weise. Wie nebenbei fließen diese Informationen immer wieder in den außerordentlich packend erzählten Krimi mit ein.

Eine Schlüsselperson in dem Fall ist der Afrikaner und Kunstmäzen Henry O., der während der Ermittlungen immer wieder auftaucht und offensichtlich bei weitem mehr über den Todesfall weiß, als er zugibt. Aber auch Claires Ehemann Samuel, der als DJ in angesagten Berliner Clubs auflegt, gerät ins Visier der Polizei. Ihr nicht gerade konfliktfreies Verhältnis lassen Blume und Emma außen vor und arbeiten, soweit es ihr Job zulässt, wieder zusammen. Als Emma eine heiße Spur entdeckt, die sie nach Amsterdam führt, überschlagen sich die Ereignisse.

Von Beginn an spannend und sehr fesselnd schildert Mechthild Lanfermann den aktuellen Fall ihrer Protagonistin und beschreibt ihre eigensinnige, sture Radioreporterin wieder sehr lebendig und sympathisch. Die Story entwickelt sich äußerst wendungsreich und unvorhersehbar und ist zu jeder Zeit nachvollziehbar umgesetzt.

Fazit: Ein brisantes Thema hervorragend recherchiert in einem hochspannenden Krimi verarbeitet.

Bewertung vom 21.08.2015
Der Mädchenflüsterer / Maja Heuberger Bd.2
Fürst, Eva

Der Mädchenflüsterer / Maja Heuberger Bd.2


sehr gut

Der Waldmädchen-Mörder

Beim Spazierengehen mit seinem Hund entdeckt ein Mann einen menschlichen Knochen. Die herbeigerufene Polizei findet am Fundort noch weitere Skelettteile, die der Rechtsmedizinerin Maja Heuberger überstellt werden. Schnell findet Maja heraus, dass die Skelettteile drei verschiedenen Mädchen zuzuordnen sind. Zur gleichen Zeit erhält die Mutter eines seit mehreren Jahren verschwundenen Mädchens einen Brief, eindeutig geschrieben von ihrer Tochter, die in dem Brief um Hilfe fleht. Schnell ist für Kommissar Andreas Melzer der Zusammenhang zu den Skelettfunden hergestellt. Doch es sollen nicht die letzten Leichenfunde sein.

Der November ist kalt im Erzgebirge, der Winter steht praktisch schon vor der Tür. Für Susann Gärtner die schlimmste Jahreszeit, doch auch der Rest des Jahres kann die Mutter nicht mehr aus ihrer Schwermut reißen. Seit ihre Tochter Leah verschwunden ist, hat sie keinen Lebensmut mehr. Als eines Tages ein rosafarbener Brief in ihrem Briefkasten liegt mit dem Hilferuf ihrer Tochter, schöpft sie wieder Hoffnung.

Eva Fürst beginnt den neuen Fall der Rechtsmedizinerin Maja Heuberger mit der Auffindung des ersten Briefes, der jedoch nicht der letzte sein soll. Im Verlauf des Psychothrillers erhalten mehrere Eltern Briefe ihrer verschwundenen Töchter, nach Jahren der Verzweiflung ein Hoffnungsschimmer. Doch der Absender spielt ein äußerst perfides Spiel mit den Eltern und mit der Polizei.

Immer schneller tauchen nach den Skelettfunden weitere Leichen auf, ohne Kopf und Hände, was die Identifizierung erschwert. Maja und ihre Kollegen arbeiten auf Hochtouren und auch die Kripo rund um Andreas Melzer setzten eine Soko ein, um den Serienmörder so schnell wie möglich zu fassen. Doch es lassen sich keine brauchbaren Spuren finden, der Mörder scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein.

Ganz im Gegensatz zu Peter, den etwas seltsamen Freund von Maja, der sich sehr für den Fall interessiert und auf eigene Faust ermittelt. Dass er dabei nicht immer legale Wege geht, ist Peter ziemlich egal. Maja selbst belastet der Fall sehr. Ist doch ihre Tochter Hannah vor Jahren ebenfalls spurlos verschwunden. Immer wieder plagen die Rechtsmedizinerin Alpträume und sich vom Alkohol fernzuhalten, fällt Maja immer schwerer.

Eva Fürst lässt im Verlauf ihres Thrillers immer wieder den Mörder zu Wort kommen, ohne hierbei anfangs dessen Identität preiszugeben. Aber selbst, als man diese kennt, hilft einem dies bei der Lösung des Falls nicht wirklich weiter.

Der Thriller vermittelt aufgrund der Jahreszeit und des Themas eher eine beklemmende Stimmung, der Erzählstil der Autorin ist jederzeit äußerst fesselnd, was auch ihren ausgereiften, authentisch agierenden Protagonisten geschuldet ist. Im Verlauf der Story wirft diese viele Fragen auf und wird wendungsreich erzählt, da nimmt man es gerne in Kauf, das Hochspannung hierbei ein wenig auf der Strecke bleibt. Und für den Schluss ihres Thrillers hat sich die Autorin noch eine absolut unvorhersehbare Überraschung einfallen lassen, die ihre Leser neugierig auf den nächsten Band der Reihe macht.

Fazit: Packende, komplexe Story mit lebendig und überzeugend agierenden Protagonisten.

Bewertung vom 20.08.2015
Im Augenblick des Todes / Kommissar Boesherz Bd.2
Kliesch, Vincent

Im Augenblick des Todes / Kommissar Boesherz Bd.2


ausgezeichnet

Ein ungelöster Mord

Bei einem Sparziergang am Schlachtensee wird Hauptkommissar Severin Boesherz von einem rätselhaften Fremden angesprochen, der ihn zu einem Ausflug einlädt. Neugierig geworden nimmt Boesherz die Einladung von Ismael an, der ihn zu einem Haus fährt. Das Haus ist der Tatort eines brutalen Mordes. Das perfide daran, der Modus Operandi entspricht bis ins kleinste Detail einem Mord, der sich vor 16 Jahren im Rheingau ereignet hatte. Der einzige Mordfall, den der Kommissar nicht lösen konnte.

Kommissarin Olivia Holzmann verhaftet ihren Chef Severin Boesherz, der dies in für ihn ungewöhnlicher Freizeitkleidung stoisch über sich ergehen lässt. Äußerst mysteriös beginnt der Prolog und das Rätselraten wird im Verlauf des Thrillers wahrlich nicht weniger.

Doch warum wird Boesherz verhaftet? Dies klärt Vincent Kliesch im Verlauf seines sehr komplex angelegten und undurchsichtigen Thrillers nach und nach auf. Doch bevor überhaupt erste Fragen geklärt werden, häufen diese sich erst einmal zuhauf.

Schnell ist klar, dass der geniale und sehr eigenwillige Hauptkommissar mehr über den Mord zu wissen scheint, als er seinen Kollegen bekanntgibt. Hinzu kommt, dass der Täter immer schneller mordet, die Ermittler haben kaum eine Chance, erste Erkenntnisse zusammenzufassen, da geschieht schon der nächste Mord. Und jedes Mal hinterlässt der Mörder Rätsel für Boesherz, die auch nur er lösen kann.

Der Fall ist äußerst verzwickt, überrascht ständig mit neuen Wendungen, wirft ständig neue Rätsel auf und auch einige Personen bleiben ziemlich undurchsichtig. Das Motiv oder gar die Identität des Täters präsentiert Vincent Kliesch erst ganz zum Schluss, wobei man zum Ende hin schon ahnen kann, um wen es sich bei dem Täter handeln könnte. Bis zur schlüssigen Auflösung des Thrillers präsentiert sich dieser durchweg sehr temporeich und hochspannend.

Fazit: Boesherz zum Zweiten … packend, hochspannend, wohldurchdacht, komplex und undurchsichtig … einfach perfekt!

Bewertung vom 30.07.2015
Um Leben und Tod
Robotham, Michael

Um Leben und Tod


ausgezeichnet

Wo sind die Millionen?

Einen Tag bevor Audie Palmer seine zehnjährige Haftstraße wegen eines bewaffneten Raubüberfalls abgesessen hat, flieht Audie aus dem Gefängnis und taucht unter. Bei dem damaligen Überfall wurden 7 Millionen Dollar gestohlen, bis heute ist das Geld unauffindbar und jeder glaubt, dass Audie genau weiß, wo sich die Beute befindet. Doch der Entflohene, der nicht nur vom FBI gejagt wird, ist nicht auf das Geld aus. Audie will ein Leben retten.

Warum bricht jemand einen Tag vor seiner Entlassung aus und was ist mit dem Geld geschehen, das bei dem damaligen Raubüberfall gestohlen wurde? Diese Fragen stellt man sich im Verlauf des äußerst komplexen und packend erzählten Thrillers ununterbrochen.

Durch regelmäßige Rückblenden lernt man mit der Zeit Audie und seine Vergangenheit und somit auch die Umstände kennen, welche zu seiner Inhaftierung geführt haben. Doch bis man die kompletten Hintergründe versteht, dauert es fast bis zum Ende des Romans. Was allerdings schnell klar ist, dass Audie der tragische Held der Story ist.

Äußerst wendungsreich, wobei die fesselnde Spannung eher ständig im Hintergrund schlummert, erzählt Michael Robotham die Geschichte seines sympathischen Antihelden. Verfolgt von diversen Polizeiapparaten und noch ganz anderen Leuten, die nicht unbedingt etwas Gutes von Audie wollen, verfolgt der Flüchtige fast schon stoisch sein Ziel. Währenddessen wechselt Michael Robotham aber auch immer wieder die Erzählperspektive und man erfährt hierdurch auch mit der Zeit die Beweggründe der anderen Verfolger kennen. Dabei merkt man recht schnell, dass bei dem oder der einen oder anderen durchaus der äußere Schein zu trügen scheint.

Fazit: Ein hochspannender Thriller voller überraschende Wendungen und Charakteren, die bis in die kleinste Nebenrolle absolut überzeugen.

Bewertung vom 27.07.2015
Nachts schwimmen
Armstrong, Sarah

Nachts schwimmen


sehr gut

Gefühlvoller Roman über Liebe, Lügen und Schuld

Die erfolgreiche Journalistin Rachel ist wieder zurück in ihren Heimatort gezogen, um dort ihre totkranke Mutter zu pflegen. Entspannung findet sie nachts beim Schwimmen im städtischen Schwimmbad. Dort trifft sie auf den Arzt Quinn, der einige Tage die Woche auch in der australischen Provinzstadt praktiziert. Den Rest der Woche verbringt er in Brisbane mit seiner Frau Marianna und geht dort seiner Arbeit nach. Quinn und Marianna versuchen seit Jahren ein Baby zu bekommen. Nach mehreren Fehlgeburten bittet Quinn seine Frau um eine Pause, doch diese ist wie besessen von dem Wunsch nach einem Baby. Eines Nachts trifft der begeisterte Schwimmer im Provinzschwimmbad auf Rachel und stellt fest, dass beide Nachbarn sind. Sie beginnen eine leidenschaftliche Affäre, obwohl gerade Quinn das schlechte Gewissen kaum zur Ruhe kommen lässt. Dann geschieht etwas völlig Unvorhergesehenes und Quinn steht vor einer schwerwiegenden Entscheidung.

Es ist ein geruhsames Leben, welches Rachel in ihrem Heimatort führt. Ihre ganze Aufmerksamkeit ist auf ihre sterbenskranke Mutter gerichtet, immer wieder wandern ihre Gedanken in die Zeit ihrer Kindheit zurück. Ein schreckliches Ereignis von damals belastet Rachel bis heute, an dem sie sich die Schuld gibt. Mithilfe von Gesprächen mit ihrer Mutter hofft sie, dass diese Schuld von ihr genommen wird.

Quinn arbeitet als Allgemeinmediziner in Brisbane und führt eigentlich mit seiner Frau Marianna ein glückliches Leben, wenn da nicht ihr verzweifelter Wunsch nach einem Baby wäre. Nach der vierten Fehlgeburt kann Quinn einfach nicht mehr, bittet seine Frau um ein halbes Jahr Auszeit, womit sich Marianne nur schwer anfreunden kann. Die Gedanken der Lehrerin kreisen unentwegt um ein Kind, dass sie endlich in den Armen halten will, die geforderte Auszeit von Quinn ist für sie fast nicht auszuhalten.

In der Provinzstadt treffen Quinn und Rachel eines Nachts im örtlichen Schwimmbad aufeinander. Beide sind begeisterte Schwimmer und sie genießen ihre Zeit miteinander. Der Beginn einer Affäre ist unausweichlich, auch wenn Quinn schwere Schuldgefühle quälen, kann er doch von Rachel nicht lassen. Immer öfter denkt er darüber nach, seine Frau zu verlassen, um ganz bei Rachel zu sein. Als er sich endlich entschließt, Marianna die Wahrheit zu sagen, geschieht etwas völlig Unerwartetes.

Die äußerst gefühlvolle, aber keineswegs kitschige Geschichte der australischen Journalistin Sarah Armstrong handelt von Liebe, Schuld und Sühne, von dem schmalen Grat zwischen Wahrheit und Lüge, um einen Menschen nicht zu verletzen und um den Wert der Ehrlichkeit.

Das Thema beleuchtet Sarah Armstrong aus der Perspektive aller Beteiligten. So erhält man ein umfangreiches Bild über deren Gefühlsleben, Gedanken, Ängste, Sorgen und Schuldgefühle. Ihre Charakterzeichnungen sind durchweg sehr gelungen, sodass man sich wunderbar in die Protagonisten des Romans hineinversetzen kann. Eigentlich gibt es in der Geschichte keine Schuldigen, irgendwie sind alle Opfer, die ihr bestmögliches geben möchten und doch daran scheitern. Und der Roman zeigt auf, dass Ehrlichkeit das Wichtigste ist, Lügen und sei es nur, um jemanden nicht zu verletzten, nie der richtige Weg sein können.

Die Geschichte lebt von ihren starken Charakteren und der sehr gut aufgebauten Geschichte, die mit einigen Überraschungen aufwartet und nichts schönt. Kleine Längen ab und an nimmt man bei der berührenden und auch nachdenklich machenden Geschichte da gerne in Kauf.

Fazit: Ein emotionaler, beeindruckender Roman mit einem sehr interessanten Thema, dass aus Sicht aller Beteiligten beleuchtet wird.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 23.07.2015
Ein Sommer in Wales
Wilken, Constanze

Ein Sommer in Wales


sehr gut

Das Geheimnis von Morlan House

Wie jedes Jahr verbringt die 16-jährige Ally Carter zusammen mit ihren Eltern und ihrem zehnjährigen Bruder Simon die Sommerferien an der walisischen Küste. Als Ally sich in David verliebt und sich mit ihm treffen will, entschließt sich der aufgeweckte Simon allein zu einer Besichtigungstour von Morlan House. Kurze Zeit später wird der Junge tot am Strand aufgefunden. Nach 10 Jahren kehrt Ally für einen Reisebericht zurück in die Cardigan Bucht. Schuldgefühle belasten Ally bis heute, alles erinnert in Aberaeron an Simon und als sie auch David wiedertrifft, ist Ally endlich bereit, sich der Vergangenheit zu stellen und die Hintergründe von Simons Tod zu recherchieren.

Das Wetter ist im Jahr 2002 traumhaft, der Strand und das Meer locken und dann ist da noch der charismatische David, den Ally bei einem Ausflug mit ihren Eltern kennenlernt. Nur zu gern ist sie bereit sich mit David zu treffen und Simon kommt es auch gerade recht. So kann er das nahegelegene Morlan House erkunden, wo der Sage nach der Heilige Gral verwahrt worden sein soll und für Simon gibt es nichts Interessanteres als die Gralslegende. Doch für den aufgeweckten, hochintelligenten Junge soll der Ausflug nach Morlan House der Letzte sein. Abends wird er tot am Strand aufgefunden, alles weist darauf hin, dass Simon ertrunken ist. Das merkwürdige daran, Simon war ein hervorragender Schwimmer, der sich sehr gut den gefährlichen Strömungen in der Bucht bewusst war. Ally gibt sich die Schuld an seinem Tod, die Familie bricht auseinander und Ally zieht sich im Verlauf der nächsten 10 Jahre immer mehr in ihr Schneckenhaus zurück, zermürbt von Schuldgefühlen und Alpträumen.

Als sie von ihrem Chef den Auftrag erhält, einen Reisebericht über genau diesen Küstenabschnitt in Wales zu schreiben, an dem ihr Bruder gestorben ist, zuzüglich einem Bericht über Morlan House und der Gralslegende, will sie ablehnen. Allerdings erfolglos. Völlig mit den Nerven am Ende reist sie mit Fotograf Nick nach Aberaeron und kaum im Hotel angekommen, trifft sie dort auf David.

Es ist eine teilweise traurige, immer unterhaltsame und zum Schluss sogar richtig gehend spannende Geschichte, welche Constanze Wilken ihren Lesern präsentiert. Die Autorin geht zwar sehr bewusst und oft auf das Gefühlschaos ein, welchem Ally mit ihrer Ankunft in Wales ausgesetzt ist, allerdings ist dies nie übertrieben, gefühlsduselig oder gar kitschig, sondern absolut nachvollziehbar beschrieben. Der Schwerpunkt der Geschichte liegt in der Gegenwart, doch immer wieder kehrt die Autorin auch zu den schicksalshaften Ereignissen in jenem Sommer 2002 zurück. Hierdurch lernt man auch Simon sehr gut kennen, der von seiner Schwester liebevoll immer nur „der kleine Professor“ genannt wird. Doch was letztendlich mit Simon geschehen ist, behält die Autorin bis zum Schluss des packenden Romans zurück.

Die Geschichte entwickelt sich ziemlich interessant, denn schnell ist klar, dass der Tod von Simon ein Geheimnis umgibt. Hat es etwas mit Morlan House zu tun, von welchem der Junge so fasziniert war, hat er gar dort jemanden getroffen? Es gibt viele Fragen zu klären, doch die Antworten darauf zu finden gestaltet sich äußerst schwierig. Schließlich ist der Tod von Simon schon 10 Jahre her, vieles hat sich in dem kleinen Küstenort verändert und wenn es kein Unfall war, wer hätte einen Grund, einen lebhaften, wissbegierigen kleinen Jungen zu töten.

Neben der Suche nach der Wahrheit um den Tod von Simon kommt aber auch die Liebe nicht zu kurz. Und die wunderbar farbenprächtigen wie bildhaften Beschreibungen über die raue Landschaft Wales tun ihr Übriges, um sich bestens unterhalten zu fühlen.

Fazit: Eine perfekte Sommerlektüre: unterhaltsam und rätselhaft mit einem guten Schuss Romantik, einer wendungsreichen Story und sympathischen Charakteren.

Bewertung vom 20.07.2015
K - Kidnapped / Kick Lannigan Bd.1
Cain, Chelsea

K - Kidnapped / Kick Lannigan Bd.1


sehr gut

Überzeugender Start einer neuen Thriller-Reihe

Kick Lannigan bekommt überraschend Besuch von dem rätselhaften John Bishop. Dieser fordert sie auf, ihm bei der Suche nach einem kleinen Jungen zu helfen, der wenige Tage zuvor entführt wurde. Die 21-jährige ist irritiert, sicherte ihm aber ihre Hilfe zu. Doch um den kleinen Adrian zu finden, muss die kampfsporterprobte junge Frau sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen: Kick wurde mit 6 Jahren gekidnapped und fünf Jahre gefangen gehalten, bis sie aus den Fängen von Pädophilen befreit werden konnte. Die Suche nach dem kleinen Jungen wird für Kick und John zu einem lebensgefährlichen Unterfangen.

Ein kleines Mädchen weiß genau, was sie unternehmen muss, wenn die Polizei eines Tages vor der Tür erscheinen würde. Ihr Vater Mel hat sie genauestens instruiert. Und tatsächlich, eines Tages steht das FBI vor der Tür und Beth muss sich entscheiden. Hört sie auf ihren Vater oder macht sie das, um was der nette FBI-Agent die 11-jährige bittet.

Nach diesem beklemmenden Prolog wechselt Chelsea Cain zu ihrer eigenwilligen jungen Protagonistin. Und einem als Leser ist schnell klar, dass die kleine Beth aus dem Prolog die 21-jährige Kick Lannigan ist. Kick lebt mit Hund Monster in einem Wohnblock, unter ihr wohnt ihr bester und einziger Freund James, ein Computergenie. Kicks Entführung und ihre Rettung ging durch die Medien quer durch die USA, die Videos, welche von Kick in ihrer Gefangenschaft gedreht wurden, sind in Pädophilen-Kreisen als Beth-Movies berühmt.

Kick hat ihre Vergangenheit relativ gut verarbeitet, doch als der rätselhafte John Bishop, der scheinbar über Unmengen von Geld verfügt und sich auf die Suche nach vermissten Kindern spezialisiert hat, muss Kick sich ihrer Vergangenheit stellen. Denn es deutet einiges darauf hin, dass der kleine Adrian von jemanden entführt wurde, der über die Hintergründe von Kicks Entführung bestens informiert ist. Eine gnadenlose wie hochspannende Jagd beginnt.

Chelsea Cain hat bereits bei ihren Gretchen-Thrillern bewiesen, dass sie es bestens versteht, ihre Geschichten hochspannend zu erzählen und gleichzeitig ihre Charaktere lebendig und detailreich zu beschreiben. So entwickelt sich auch der erste Band der Kick-Lannigan-Reihe von Anfang fesselnd, die Spannung baut sich kontinuierlich auf und die Story wird recht vielschichtig und unvorhersehbar erzählt.

Die Identität des Entführers verrät Chelsea Cain ihren Lesern erst am Ende. Die ganze Zeit jagen Kick und John einem Phantom hinterher, der kaum eine Spur hinterlässt. Und wie man es von der Autorin gewohnt ist, sind einige Szenen durchaus recht brutal beschrieben, wobei Chelsea Cain jedoch auf die Misshandlungen, welche Kick in ihrer Kindheit erleiden musste, kaum eingeht und die unbeschreiblichen Grausamkeiten nur andeutet.

Fazit: Spannender Start einer neuen Thriller-Reihe, mit einer sehr eigenwilligen, sympathischen Protagonistin.