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Isabel von Belles Leseinsel
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Mainz
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Mehr Rezensionen von mir gibt es unter: http://bellexrsleseinsel.blogspot.com/
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24 

Bewertungen


Insgesamt 533 Bewertungen
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Hammesfahr, Petra An einem Tag im November EUR 19,99
  • Bewertung vom 29.05.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • Was geschah mit Emilie?

    An einem Tag im November verschwindet die fünfjährige Emilie Brenner spurlos. Die Vermisstenanzeige wird von den Eltern erst Stunden später aufgegeben, die Suche der Polizei verläuft ergebnislos. Kommissar Arno Klinkhammer nimmt die Ermittlungen auf und erfährt so nach und nach Dinge, die bereits vor Monaten begannen und unweigerlich zur Katastrophe führen mussten.

    Ein Ehepaar ist auf der Rückfahrt von Freunden. Sie sind viel zu spät losgefahren, dann noch in einen Stau geraten. Es ist mitten in der Nacht, als sie endlich ihre Ortschaft sehen, nur noch eine scharfe Kurve. Doch diese nimmt der Ehemann zu schnell und kann nicht mehr reagieren, als etwas von den Scheinwerfern erfasst wird.

    Nach diesem sehr beklemmenden Prolog beginnt Petra Hammesfahr mit der eigentlichen Geschichte. Diese erzählt die Autorin mithilfe von Zeitsprüngen und einer Fülle von Beteiligten. Deren Charakterbeschreibungen sind jedoch so gut gelungen, dass man diese Vielzahl an Mitwirkenden und auch deren Schicksale, auf welche die Autorin stellenweise verstärkt eingeht, gut auseinanderhalten kann.

    Regelmäßig wechselt Petra Hammesfahr zwischen den aktuellen Geschehnissen rund um die verzweifelte Suche nach Emilie und den Ereignissen, die sich Monate zuvor rund um die Neubausiedlung „Garten“ abgespielt haben.

    Petra Hammesfahr greift hier ebenfalls einiges an Themen auf. Es geht um Mobbing an Schulen, um gewaltbereite Jugendliche, um Misshandlung, um Diebstahl, um psychisch gestörte junge Erwachsene, um Vernachlässigung von Kindern berufstätiger Eltern, um Verrat und um einiges mehr.

    Nach und nach erhält man einen Überblick über die Geschehnisse im Vorfeld des Verschwindens von Emilie. Doch dieser hilft einem nicht wirklich weiter, um festzustellen, was mit Emilie geschehen ist. Klar ist nur, dass Anne mit Emilie an dem Samstag allein zu Hause war, es stark geregnet hatte und Anne ihrer Tochter deswegen verboten hatte, ihr neues Fahrrad draußen zu benutzen. Emilie spielt friedlich im Wohnzimmer und Anne schläft ein. Als sie wieder aufwacht, ist Emilie verschwunden. Petra Hammesfahr gelingt es hervorragend, immer wieder Zweifel zu schüren, ob dem Schicksal von Emilie. Und bei der Fülle der Akteure ist lange nicht ersichtlich, wer möglicherweise und aus welchen Beweggründen Emilie etwas angetan haben könnte.

    Petra Hammesfahr erzählt ihren Roman sehr feinfühlig, die Autorin geht sehr gut gelungen auf die Gefühlswelt der verschiedenen Akteure ein, erschafft durchweg eine äußerst beklemmende Atmosphäre und schildert das Geschehnis, welches der schlimmste Alptraum für Eltern nur sein kann, mitreißend und äußerst eindringlich. Und trotzt des eher ruhigem, nachdenklichen Schreibstils gelingt es Petra Hammesfahr problemlos, die Spannung kontinuierlich zu steigern und eine Auflösung zu präsentieren, die durchaus so nicht zu erwarten ist.

    Fazit: Beklemmende, komplexe Story, bei der eine Aneinanderreihung von Zufällen zur Katastrophe führen … eindringlich erzählt.
Pala, Ivo Gift - Der Tod kommt lautlos EUR 9,99
  • Bewertung vom 26.05.2015
  •  
    sehr gut
  • Projekt „GIFT“

    Bei der GTAZ (Gemeinsames Terrorrissmusabwehrzentrum der BRD) herrscht Alarmstufe Rot. Der Leiter der GTAZ ist spurlos verschwunden, Patrizia Hardt übernimmt die kommissarische Leitung und versucht mit ihrem Team alles in ihrer Macht stehende zu tun, um ihren Chef aufzuspüren. Die Entführer melden sich auch bald zu Wort und drohen mit eine erneuten Gefahr für die BRD. Auf ostdeutschen Boden schlummern noch aus Zeiten des Kalten Krieges versteckte Depots mit Giftstoffen und biologischen Waffen und die Terroristen sind im Begriff, die Schläfer zu wecken. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

    Doch bevor Ivo Pala mit der eigentlichen Geschichte beginnt, erzählt der erste Prolog ein Geschehen aus dem Jahr 1979, ohne hierbei jedoch zu viel zu verraten. Weiter geht es gleich mit dem zweiten Prolog, der einen ins heutige Macao führt, wo ein hochrangiger FSB-Agent hochbrisante Informationen verkaufen möchte. Um wen es sich bei dem Käufer handeln soll, erfährt man recht schnell, doch zu der Weitergabe der Informationen wird es nicht kommen. Die Terroristen sind schneller.

    Das Verschwinden von Böllling ruft Patrizia Hardt und Gernot Löw von der nationalen Terrorabwehr auf den Plan und als kurz darauf eine Videosequenz die GTAZ erreicht, herrscht Alarmstufe Rot. Bundeskanzler Wagner wird eingeschaltet. Die Bundesregierung muss ihr gesamtes politisches Geschick einsetzen, um einen Dritten Weltkrieg zu verhindern. Die Russen wie auch die Amerikaner spielen in dem Thriller eine tragende Rolle.

    Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, warten die Terroristen nicht lange und aktivieren den ersten Schläfer. Milzbrandsporen werden auf einem NATO-Stützpunkt nahe der polnischen Grenze freigesetzt, doch es schlummern noch weitere biologische Waffen in den Depots: Ebola, Lassa-Fieber wie auch die Beulenpest. Und keiner weiß, wo die Depots und die Schläfer sich befinden. Doch was sind die wahren Ziele der Terroristen? Dies erfährt man erst ganz zum Schluss des mitreißenden und äußerst kurzweilig erzählten Thrillers.

    Entsprechend wie schon bei „H2O – Das Sterben beginnt“ wechselt Ivo Pala relativ häufig die Handlungsstränge, die Ereignisse überschlagen sich stellenweise, entsprechend rasant wird die Story erzählt wie auch durchaus realitätsnah.

    Die Story entwickelt sich sehr abwechslungsreich, gut durchdacht und komplex. Bei der Füllmenge an handelnden Personen gelingt es Ivo Pala zumeist sehr gut, diese detailreich zu beschreiben und deren Gefühlswelt überzeugend zu schildern.

    Fazit: Hochspannender Politthriller, packend und unvorhersehbar erzählt.
Mancini, Claudio M. Il Bastardo EUR 9,99
  • Bewertung vom 25.05.2015
  •  
    sehr gut
  • Das Geschäft mit dem Müll

    In einem kleinen sizilianischen Bergdorf werden auf dem Marktplatz die Söhne des italienischen Umweltministers Messoni, sowie die Söhne zweier ortsansässiger Mafiabosse und ein kleines Mädchen erschossen. Der Mafiajäger Alessandro Valverde von der italienischen Spezialeinheit DIA übernimmt den Fall und ist schnell davon überzeugt, dass hier ein Auftragsmord vollstreckt wurde. Erste Spuren deuten darauf hin, dass das Motiv im Drogengeschäft zu finden ist, doch bald schon muss Valverde feststellen, dass es hier um etwas viel brisanteres geht: Die illegale Verklappung von hoch toxischem Müll.

    Ein Auftragsmörder bereitet sich auf seinen nächsten Einsatz vor. Mit dieser eher ruhigen, aber sehr interessanten, eindringlichen Sequenz beginnt der in Deutschland lebende Sizilianer und Sohn eines Mafia-Paten Claudio M. Mancini seinen neuesten Thriller. Doch schon bald ist man bei dem Anschlag auf dem Marktplatz eines kleinen Bergdorfes dabei und verfolgt eine wüste Schießerei. Bei diesem Auftragsmord kommt auch die kleine Carla ums Leben, die Tochter der Journalistin Gianna Corodino. Fortan entwickelt sich die Story zumeist temporeich und fesselnd. Zudem ist auch lange Zeit nicht ersichtlich, wer von den vier jungen Italienern die eigentliche Zielperson des Auftragsmörders war.

    Comandante Valverde von der DIA übernimmt die Ermittlungen und stößt schon bald auf massive Schwierigkeiten. Seine Vorgesetzten wollen den Tod der beiden Ministersöhne aus den Ermittlungen heraushalten, was für Valverde ein Unding ist. Ihn interessiert nur die Wahrheit, persönliche Interessen oder die Angst vor beruflichen Repressalien kümmern ihn nicht, ganz im Gegensatz zu seinen Vorgesetzen. Diese versuchen alles, die Morde an den Ministersöhnen auf kleiner Flamme halten. Aber auch als die Spur immer mehr in Richtung illegaler Giftmüllentsorgung geht, trifft Valverde ständig auf eine Wand des Schweigens. Doch hiervon lässt sich der geradlinigen Comandante nicht abschrecken.

    Claudio M. Mancini bringt in seinem aktuellen Mafia-Thriller wieder sein Wissen über die Machenschaften der Mafia mit ein und schildert diese äußerst interessant und mitreißend. Deren Einflüsse reichen bis in die höchsten Regierungskreise, ihre Geschäfte sind vielfältig und Zeugen werden kontinuierlich mundtot gemacht.

    Es handelt sich hierbei zwar um eine fiktive Geschichte, doch der Autor hat diese nah an der Wirklichkeit angelegt und schildert die wahren Machenschaften der Mafia, wodurch der Thriller atmosphärisch dicht erzählt wirkt. Die Story entwickelt sich von Anfang an komplex und wendungsreich. Erst so nach und nach deckt Claudio M. Mancini die Machenschaften und Ziele der Täter auf und schönt hierbei auch nichts.

    Fazit: Brisant, spannend, wendungsreich – ein Mafia-Thriller der wohldurchdacht und packend erzählt wird.
Levy, Marc Mit jedem neuen Tag EUR 19,99
  • Bewertung vom 25.05.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • Eine zweite Chance?

    Es ist der 09. Juli 2012 und wie jeden Tag joggt der New York Times Journalist Andrew Stilman durch New York. Plötzlich spürt er einen stechenden Schmerz in der Lendengegend und bricht zusammen. Als Andrew wieder aufwacht, ist es der 09. Mai 2012. Ganze zwei Monate zurück in der Zeit, was ihm die Möglichkeit gibt, den größten Fehler seines Lebens wieder gutzumachen.

    Jemand bereitet sich auf einen Mordanschlag vor, alles ist genauestens geplant, sodass am Tag X nichts schiefgehen kann. Nach diesem rasanten Einstieg kehrt Marc Levy mit seinem Roman, den man stellenweise bedenkenlos als Krimi bezeichnen kann, zum 11. Mai 2011 zurück. So nach und nach erfährt man einiges über seinen Protagonisten Andrew Stilman und verfolgt in Zeitsprüngen sein Leben bis zum 09.07.2012.

    Andrew ist mittlerweile ein sehr erfolgreicher Journalist und arbeitet gerade an einer Story über die Argentinische Militärdiktatur (1976 – 1983). Nicht nur beruflich scheint alles perfekt zu laufen, auch privat hat der eingefleischte Junggeselle sein Glück gefunden. Doch dann trifft er kurz vor seiner Hochzeit in einer Bar eine geheimnisvolle Frau, in die er sich auf den ersten Blick verliebt.

    Marc Levy erzählt die Geschichte von Andrew, die fast wie ein Märchen anmutet, gewohnt einnehmend, packend, ein wenig tiefsinnig und äußerst unterhaltsam. Nach seinem Überfall versucht Andrew alles, um seinen Mörder zu finden, wofür er Unterstützung benötigt. Doch wie bringt man seinem besten Freund Simon bei, dass man eigentlich tot ist? Die Dialoge zwischen Andrew und Simon verlaufen zumeist äußerst amüsant und stecken voller Spitzfindigkeit.

    Die Geschichte entwickelt sich äußerst rätselhaft, denn es kommen nach genauerem Überlegen für Andrew einige Menschen in Frage, die durchaus ein Interesse an seinem Tod hätten. Seine letzte Reportage über China würde einen Grund liefern, aber auch seine derzeitigen Recherchen über die Gräueltaten des Militärregimes in Argentinien. Diese Recherchen führen ihn auch wieder zurück nach Buenos Aires und Marc Levy schildert die grauenhaften Gewalttaten der Militärdiktatur, denen Andrew auf der Spur ist, sehr eindringlich.

    Die Story entwickelt sich äußerst wendungsreich, unvorhersehbar und durchweg sehr unterhaltsam. Und mit der Zeit wird aus der anfänglichen Liebesgeschichte ein richtig spannender Krimi, wobei aber die Gefühlswelt von Andrew und auch seiner Jugendliebe Valerie niemals zu kurz kommen. So ist mit „Mit jedem neuen Tag“ Marc Levy wieder ein Roman gelungen, der seine Leser von der ersten Seite an fesselt und bis zum Schluss überrascht – und das nicht zu knapp.

    Fazit: Perfekte Unterhaltung – wendungsreiche, packende, spannende, gefühlvolle Story mit facettenreich beschriebenen Charakteren.
Kanitz, Brigitte Fahr zur Hölle, Schatz! EUR 8,99
  • Bewertung vom 18.05.2015
  •  
    sehr gut
  • Das Gespenst aus der Mühlengasse

    Es hätte nicht schlimmer kommen können. Da hat Svea Amore ihre Altbauwohnung gerade neu renoviert, flutet ihr Nachbar diese und Svea muss kurzfristig wieder zu ihren Eltern ziehen. Immer noch nicht so richtig über die Trennung von Ex-Verlobten Martin hinweg, stehen der jungen Frau turbulente Zeiten in ihrem Elternhaus bevor. Oma Lina hat ständig einen neuen Lover, die Zwillinge Sönke und Nils gebärden sich nach wie vor wie Derwische, Papa Klaas scheint fremd zu gehen und Mama Rieke ertränkt ihren Kummer in reichlich Prosecco. Beim Stöbern im Antiquariat ihres Nachbarn entdeckt Svea ein Buch, mit dessen Hilfe sich Wünsche erfüllen lassen. Doch die vermeintliche Rettung für alle Probleme endet im Chaos.

    Es ist wirklich zum Haare raufen. Endlich hat Svea sich durchgerungen und mit knapp 30 Jahren ihr Elternhaus verlassen, scheint so einigermaßen über die Trennung von Martin hinweg zu sein und hat die letzten Ersparnisse in die Renovierung ihre kleinen Altbauwohnung gesteckt, da hat ihr unheimlicher wie farbloser Nachbar Alexander König nichts Besseres zu tun, als ihre Wohnung zu fluten. Diese ist fortan unbewohnbar, Svea muss sich mit ihrem komischen Nachbar wegen der Kostenübernahme auseinandersetzen und das Chaos in ihrem Elternhaus lässt sie auch nicht zur Ruhe kommen.

    Da kommt ihr das alte Familienbuch der Familie König genau richtig. Allerdings sollte man aufpassen, was man sich wünscht. Denn als Svea erfährt, dass ihr Vater Klaas fremdgeht, wünscht sie ihn dahin wo der Pfeffer wächst. Dumm nur, dass dies irgendwo in Indien ist und Klaas Amore plötzlich nicht mehr erreichbar ist. Das wird aber nicht der letzte Wunsch sein, der gründlich in die Hose geht.

    Äußerst witzig und unterhaltsam erzählt Brigitte Kanitz das Schlamassel, in welches Svea ungewollt gerät. Nicht nur, dass ihre Wünsche irgendwie zumeist aus dem Ruder laufen, als ihre Familie erfährt, dass Svea Wünsche erfüllen kann, wächst deren Forderungskatalog natürlich ins Unermessliche.

    Svea erzählt ihre aberwitzige Geschichte selbst und hierdurch lernt man eine doch recht bodenständige, ein wenig schusselige Anwaltsfachangestellte kennen, die immer noch davon träumt, dass Martin seine Liebe zu ihr neu entdeckt, sie fortan nicht mehr langweilig findet und die Tussi aus Hamburg ganz schnell wieder vergisst. Die Chancen hierzu stehen zwar eher schlecht, doch die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Merkwürdig ist allerdings, dass Martin plötzlich so großes Interesse daran zeigt, in ihre geflutete Wohnung zu gelangen.

    Die Geschichte entwickelt sich zwar schon ein wenig vorhersehbar, dafür aber sehr kurzweilig, wendungsreich und amüsant. Locker, leicht erzählt Brigitte Kanitz die Story und hat neben der sympathischen Svea weitere lebendig gezeichnete Charaktere geschaffen, die herrlich schräge Macken haben, ohne dass dies jetzt zu überzogen dargestellt wird.

    Fazit: Wenn Wünsche in Erfüllung gehen … unterhaltsamer, witziger Roman, der sehr kurzweilig erzählt wird.
Bolton, Sharon Ihr Blut so rein / Lacey Flint Bd.3 EUR 14,99
  • Bewertung vom 17.05.2015
  •  
    sehr gut
  • Die verlorenen Jungs

    In London sind binnen kürzester Zeit fünf Jungen verschwunden, vier wurden bereits tot aufgefunden. Den Kindern wurde die Kehle durchgeschnitten und anschließend ihre Leichen am Themseufer abgelegt. Der 11-jährige Barney interessiert sich ebenfalls für die Morde und entdeckt etwas, was ihn nach weiteren Spuren suchen lässt. DC Lacey Flint dagegen hat nach dem Cambridge-Fall ihren Dienst noch nicht wieder angetreten und müsste sich demnach nicht mit den Mordfällen beschäftigen, doch Barney Roberts wohnt direkt neben ihr und zieht sie nach und nach in den Fall hinein.

    Sharon Bolton beginnt ihren 3. Lacey-Flint-Roman mit dem jungen Barney und der eigensinnige Elfjährige bleibt auch der Dreh- und Angelpunkt des Thrillers. Barney lebt mit seinem Vater allein in unmittelbarer Nachbarschaft von Lacey, setzt immer wieder Suchanzeigen nach seiner Mutter in regionale Zeitungen und verbringt seine Freizeit mit seinen Freunden. Der leidenschaftliche Skater ist aber dennoch eher ein Einzelgänger, sehr in sich gekehrt und beobachtet genau seine Umgebung.

    Immer mal wieder lässt Sharon Bolton kurze Szenen mit einfließen, bei denen man Therapiestunden verfolgt. Hier erzählt jemand einem Psychiater über seine unbändige Sucht nach Blut. Um wen es sich bei dem Patienten handelt und in welcher Beziehung er oder sie zu den Morden steht, erfährt man allerdings erst ganz zum Schluss.

    Lacey Flint und Mark Joesebury spielen lange Zeit eher eine Nebenrolle. Die Ermittlungen leitet DI Dana Tulloch. Doch Tulloch und ihr Team tappen regelrecht im Dunkeln, es lassen sich keine tatrelevanten Spuren finden. Allerdings erregt schon bald die Seite eines sozialen Netzwerkes das Interesse der Ermittler, da hier jemand postet, der definitiv über Hintergrundwissen zu den Morden verfügen muss.

    Die Story beginnt eher ruhig und diese Erzählweise setzt sich eigentlich über das ganze Buch hin fort. Erst zum Ende nimmt die Story ordentlich Fahrt auf und wird hochspanend. Allerdings muss man bis zu dem schlüssigen, rasanten Ende nicht auf Spannung verzichten, diese lauert praktisch durchweg im Hintergrund. Der Thriller entwickelt sich wendungsreich, vielschichtig und durchweg sehr fesselnd. An überzeugenden Tatverdächtigen mangelt es in dem Thriller ebenfalls nicht, wodurch bis zum Schluss des Thrillers Rätselraten groß geschrieben wird.

    Fazit: Auch der 3. Band überzeugt mit einer wohldurchdachten, fesselnden Story und überzeugend agierenden Charaktere mit Tiefgang.
Beil, Brigitte So friedlich, das Meer EUR 9,99
  • Bewertung vom 13.05.2015
  •  
    sehr gut
  • Schön geschmeidig bleiben

    Als Camilla Costa mit Mitte Zwanzig bei einer Werbeagentur beginnt, wird ihr Chef schnell auf sie aufmerksam und ehe es sich Camilla versieht, hat sie mit Paolo eine heiße Affäre. Doch so schnell sie seine Gespielin wurde, so schnell serviert Paolo die junge Frau auch wieder ab. Scheinbar schadlos geht Camilla aus der Trennung heraus, zumal ihre Mutter und deren Freundinnen der Meinung sind, dass dies eine ganz alltägliche Sache wäre, die jede Frau mal erleben sollte. Kurz nach Beendigung ihrer Affäre lernt Camilla ihre große Liebe Gianni kennen. Heirat und Kinder folgen in kurzen Abständen, alles könnte so schön sein und ist es auch, bis Camilla durch Zufall Paolo wiedersieht.

    Camilla, aus deren Sicht man die Geschichte verfolgt, bezeichnet sich selbst als spröde. Mit Männern hat sie eher wenig am Hut und konzentriert sich mehr auf ihre Arbeit in der Werbeagentur, die ihr viel Spaß macht. Sie lebt noch zu Hause bei ihren Eltern in Vicenza, genießt das Leben in der kleinen Stadt und verbringt ihre Zeit mit ihren Freundinnen. Bei Problemen wendet sie sich an ihre steinige Freundin Nicoletta, eine Statue, die im nahen Park steht. Als ihr Chef Paolo sie immer öfter mit zu Kunden nimmt und sie anschließend noch zum Essen aufführt, denkt sich Camilla erst einmal nichts dabei. Sie geht davon aus, dass Paolo dies mit jedem neuen Mitarbeiter macht. Doch weit gefehlt, Camilla passt perfekt in das Beuteschema des Casanovas und ehe es sich die junge Frau versieht, steckt sie mitten in einer leidenschaftlichen Affäre.

    Locker, leicht, manchmal ein wenig tiefsinnig und hervorragend das italienische Flair einfangend, erzählt Brigitte Beil ihre Geschichte rund um ihre eigenwillige Protagonistin. Zumeist kurzweilig erzählt, spielt diese über mehrere Jahre hinweg und spiegelt sehr gut das Auf und Ab im Leben von Camilla wieder.

    Durch die Erfahrungen, welche Camilla im Verlauf dieser Jahre erleben muss und zumeist sind die unangenehmen Erlebnisse selbstverschuldet, lässt Camilla reifen. Diesen Wandel von der lebenslustigen, frechen jungen Frau zu jemanden, die ihren eigenen Gefühlen nicht mehr über den Weg traut und Gefahr läuft sich zu einer verbitternden Frau zu wandeln, schildert Brigitte Beil sehr überzeugend. Aber wer denkt, dies ist ein melancholisches, trauriges Buch, das eine depressive Stimmung verbreitet, der täuscht sich. Die Geschichte lädt oft zum Schmunzeln ein und auch, wenn man sich den Verlauf der Story und auch das Ende schon früh denken kann, ist es sehr unterhaltsam, die für Camilla so aufregenden wie aufwühlenden Jahre mitzuerleben.

    Fazit: Eine junge Frau geht ihren Weg, der ungewollt, aber selbstverschuldet sich ziemlich steinig gestaltet …. unterhaltsam mit viel italienischem Flair erzählt.
Keyes, Marian Mittelgroßes Superglück EUR 14,99
  • Bewertung vom 12.05.2015
  •  
    sehr gut
  • Gezwinkerte Gespräche

    Die 37-jährige Stella Sweeney lebt mit Ehemann und zwei halbwüchsigen Kindern in Dublin. Die Kosmetikerin führt ein recht durchschnittliches Leben bis eines Tages eine rätselhafte Lähmung sie befällt. Plötzlich von Kopf bis Fuß unbeweglich, landet sie auf der Intensivstation und ist gefangen im eigenen Körper. Endlose Wochen im Krankenhaus liegen hinter ihr als der Neurologe Mannix Taylor die Möglichkeit entdeckt, dass Stella sich mithilfe von Augenzwinkern endlich wieder verständigen kann. Nach Monaten geht die Lähmung langsam wieder zurück und Stella kämpft sich zurück ins Leben. Ein Leben allerdings, dass komplett anders verläuft als vor ihrer Krankheit und plötzlich findet sich Stella in New York wieder.

    Marian Keyes lässt ihre Protagonistin Stella selbst ihre Geschichte erzählen und so lernt man recht schnell eine sympathische wie eher durchschnittliche und wenig ehrgeizige Mittdreißigerin kennen, die gerade aus New York zurückgekehrt ist, vor den Scherben ihres Lebens steht und verzweifelt versucht, ein Buch zu schreiben. Natürlich stellt sich sofort die Frage, was hier passiert ist.

    Und das erzählt Stella einem so nach und nach, ohne dabei jedoch entscheidende Details ihres Lebens nach der Krankheit zu verraten. Das weckt die Neugier und der lockere Schreibstil der Autorin tut sein Übriges, um einen an den Roman zu fesseln. Zudem ist der Erzählstil gespickt vor einem herrlich trockenen Humor, der oftmals auch recht zynisch ist und sehr gut das Gefühlschaos wiedergibt, welchem Stella ununterbrochen ausgesetzt ist.

    Die Geschichte entwickelt sich gut durchdacht, kurzweilig, unterhaltsam, wenig überzogen und überrascht immer mal wieder mit unvorhersehbaren Wendungen. Besonders gelungen sind die Beschreibungen über die Gefühlswelt von Stella. Gerade die Szenen im Krankenhaus, als Stella feststellen muss, dass sie sich absolut nicht mehr bewegen und nicht mehr verständigen kann. Ihre Glückgefühle als sie durch Mannix die Möglichkeit zur Kommunikation erhält oder ihr Unglaube darüber, wie sie plötzlich in das Interesse der Medien rückt und ihr Leben von einem Tag auf den anderen komplett auf den Kopf gestellt wird.

    Fazit: Unterhaltsamer, trauriger wie witziger Roman, der zeigt, wie nah Glück und Unglück beieinander liegen.
Williams, Beatriz Das geheime Leben der Violet Grant EUR 14,99
  • Bewertung vom 11.05.2015
  •  
    sehr gut
  • Ein rätselhafter Koffer

    Manhattan im Jahr 1964: Vivian Schuyler hat sich ihren Traum erfüllt und arbeitet als Journalistin beim „Metropolitan“. Dafür nimmt sie auch in Kauf, ihrem bisher glamourösen Upperclass-Leben den Rücken zu kehren. Als ihr ein rätselhafter Koffer zugestellt wird, ist ihre Neugier geweckt. Vor allem, als sie entdeckt, dass der Koffer ihrer Großtante Violet gehörte, deren Existenz in ihrer Familie vehement vertuscht wird. Die junge Physikerin Violet ist im Jahr 1914 mit dem Physiker Walter Grant verheiratet. Die Ehe ist aber eher eine Zweckgemeinschaft, durch welche Violet die Möglichkeit erhält, ihren Forschungen nachzugehen. Doch dann taucht eines Tages völlig unerwartet Professor Grants ehemaliger Student Lionel bei Violet im Labor auf.

    An einem Samstag im Oktober 1964 verändert sich das Leben von Vivian dramatisch. Nicht nur, dass sie bei der Abholung ihres Pakets den äußerst attraktiven Dr. Paul kennenlernt, auch der Koffer mit Habseligkeiten ihrer Großtante Violet stellt ihr Leben komplett auf den Kopf. Und ist Vivian eh eine ziemlich neugierige Person, ist sie nun kaum noch zu bremsen, als ihre Familie ihr so rein gar nichts über ihre Großtante erzählen will. Aber die kesse, wortgewandte Vivian lässt sich davon nicht abschrecken. Ganz im Gegenteil.

    Beatriz Williams lässt ihre äußerst sympathische, freche Vivian ihre Geschichte selbst erzählen und so lernt man eine kecke junge Frau kennen, die kein Blatt vor den Mund nimmt und mit einem gesunden Selbstvertrauen durchs Leben stiefelt. Ganz anders ist da Violet Grant. Die junge Physikerin ist eher introvertiert, lebt für ihre Forschungen, ist an Partys so gar nicht interessiert und emotional eher zurückhaltend.

    Die Erzählstränge wechseln regelmäßig und während man bei Vivian eigentlich ständig am Schmunzeln ist, dieser locker, leicht erzählt wird, wirkt die Geschichte von Violet anfangs fast schon distanziert und zurückhaltend. So dauert es auch eine Zeitlang bis man sich ein Bild von Violet machen kann. Allerdings entwickelt sich dieser Handlungsstrang mit der Zeit wesentlich packender als der von Vivian.

    Somit bietet der Roman viele verschiedene Stimmungen: mal spritzig, humorvoll, dann wieder fast schon eher bedrückend und stellenweise dramatisch. Die Story entwickelt sich bei Vivian teilweise vorhersehbar, wobei Violets Geschichte viele überraschende Wendungen bietet und sich zum Ende hin auch regelrecht spannend präsentiert.

    Fazit: Eine Familiengeschichte über zwei starke Frauen – unterhaltsam, witzig und packend erzählt.
Zevin, Gabrielle Die Widerspenstigkeit des Glücks EUR 12,99
  • Bewertung vom 11.05.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • "Kein Mensch ist eine Insel; jedes Buch ist eine Welt“

    Island Books ist auf Alice Island die einzige Buchhandlung und wird von dem Witwer A.J. Fikry geführt. Die Verlagsvertreterin Amelia von Knightley Books fährt zum ersten Mal auf die Insel, um A.J. den Herbstkatalog zu präsentieren. Der Empfang und die anschließende Besprechung gestalten sich eher frostig, doch die optimistische Mittdreißigerin lässt sich von der uncharmanten Art des Buchladeninhabers nicht verschrecken. Kurz nachdem Amelia abgereist ist, entdeckt A.J. in seinem Laden ein kleines Mädchen. Die 25-monatige Maya hat nur einen kleinen Zettel dabei, auf dem die Mutter des Mädchens A.J. bittet, sich um Maya zu kümmern. A.J. bringt es nicht übers Herz, Maya in eine Pflegefamilie zu geben und ehe er es sich versieht, verändert das aufgeschlossene Mädchen den Griesgram.

    A.J. lebt für seine Bücher, liest am liebsten Short Stories und seine Ansprüche an Literatur sind extrem hoch. Umso schwerer fällt es Amy bei ihrem ersten Besuch, dem so uncharmanten Buchhändler, die Neuerscheinungen ihres Verlags schmackhaft zu machen. Aber Amy ist kein Mensch, die lange Trübsal bläst und glaubt an das Gute im Menschen. A.J. versteckt sein gutes Herz halt nur ein wenig besser als andere. Und wirklich, kaum taucht Maya auf, wandelt sich A.J. nach und nach zu einem fürsorglichen Vater, der seine Zurückgezogenheit immer mehr aufgibt. Wunderbar und absolut überzeugend beschreibt Gabrielle Zevin diesen Wandel.

    Locker, mit einer herrlichen Leichtigkeit und anrührend, ohne jemals kitschig zu werden, erzählt die Autorin ihren bezaubernden Roman. Den Kapiteln vorangestellt steht immer die Überschrift einer Short Story, welche A.J. für Maya kurz rezensiert. Überhaupt spielen Bücher eine bedeutend Rolle in diesem wunderschönen Roman. Sei es durch die erwähnten Short Stories verschiedenster Autoren, auch immer wieder wird auf ein Buch hingewiesen oder ein Akteur mit einer Buchfigur verglichen.

    Die Geschichte spielt über mehrere Jahre. Man erlebt das Aufwachsen von Maya, entdeckt mit ihr ihre Liebe zu Büchern und auch bei A.J. passiert so einiges. Dies alles erzählt Gabrielle Zevin mit viel Warmherzigkeit, von der ersten Seite an äußerst fesselnd, wendungsreich und überraschend. Ihre Charakterzeichnungen sind wunderbar lebendig, sympathisch und sehr eigenwillig. Gerade ihr schroffer, egozentrischer Einzelgänger A.J., der sich so nach und nach zu einem Menschen wandelt, der sich plötzlich für andere interessiert, Freundschaften schließt und ein verantwortungsvoller, liebevoller Vater von Maya wird, ist Gabrielle Zevin hervorragend gelungen.

    Fazit: Für Bücherfans ist dieser wundervolle, liebenswerte und ergreifende Roman ein absolutes Muss.
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