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Benutzername: Isabel von Belles Leseinsel
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Bewertungen

Insgesamt 580 Bewertungen
Bewertung vom 08.02.2016
Jagdrevier / Embla Nyström Bd.1
Tursten, Helene

Jagdrevier / Embla Nyström Bd.1


gut

Die Jagd beginnt

Es ist Spätsommer in Schweden. Nahe Göteborg trifft sich eine Jagdgruppe zur Elchjagd. Dieser gehört auch die Polizeibeamtin Embla Nyström an. Man kennt sich über Jahre hinweg, ist ein eingespieltes Team. Doch dieses Mal soll alles anders werden. Während Embla von dem Neuzugang Peter schlichtweg begeistert ist, verschwinden zwei Mitglieder der Jagdgruppe spurlos. Einer wird tot aufgefunden, der andere bleibt verschwunden. Embla und ihr Team aus Göteborg nehmen die Ermittlungen auf und bald schon muss sich Embla die Frage stellen, wie gut sie die Mitglieder der Jagdgruppe nun wirklich kennt.

Helene Tursten lässt es im ersten Band ihrer neuen Krimiserie geruhsam angehen und stellt ihren Lesern erst einmal die Protagonistin Embla Nyström und deren Leidenschaft fürs Boxen wie auch für die Elchjagd vor. Und mit einem Boxkampf und dem anschließenden Sieg für Embla beginnt auch der Krimi. Embla hat sich für die Elchjagd extra 2 Wochen frei genommen und fährt nach dem gewonnenen Boxkampf mit ihrem „Veteran“, einem in die Jahre gekommenen Auto, zu ihrem Onkel Nisse, bei dem sie während der Jagdzeit wohnt.

Die Autorin selbst ist entweder begeisterte Jägerin oder aber hat für ihren Roman akribisch recherchiert und dieses Wissen vermittelt sie ihren Lesern im Verlauf des Krimis. Meist fließt dies nebenbei mit ein, oftmals ist es aber auch einfach ein wenig zu viel des Guten und nimmt die Spannung aus dem eh schon recht ruhig erzählten Krimi fast gänzlich. Nicht das der Roman jetzt langatmig wäre, nein, Helene Tursten versteht es gekonnt zu erzählen, doch für einen Krimi reicht dies nicht aus. Zumal mangels vieler Beteiligter und durchaus recht offensichtlich gelegten Spuren schnell ein Verdächtiger ausgemacht ist. Auch ist das Motiv seiner Taten jetzt nicht gerade neu und in dieser oder ähnlicher Form hat man dies schon zuhauf gelesen.

Ein großes Plus des Krimis sind die Charakterzeichnungen. Helene Tursten versteht es einfach allen Mitwirkenden ein Gesicht zu geben, sie lebendig und überzeugend zu beschreiben. Allen voran ihre sympathische Protagonistin Embla, die keine Überfrau ist, ihre Schwächen, aber auch ihre Stärken hat und jederzeit nachvollziehbar agiert.

Fazit: Dem Krimi fehlt es zwar an Spannung, dennoch ein vielversprechender Start mit einer sympathischen, überzeugend agierenden Protagonistin.

Bewertung vom 29.01.2016
Und draußen stirbt ein Vogel
Thiesler, Sabine

Und draußen stirbt ein Vogel


ausgezeichnet

Ich wünschte, ich wäre hier

Er verfolgt sie zu jeder ihrer Lesungen, kennt alle ihre Bücher auswendig und ist voller Hass auf sie, doch die Autorin Rina Kramer ahnt hiervon nichts. Nach der letzten Lesung zu ihrem neuen Buch zieht sich Rina in ihr Haus in der Toskana zurück, ein Anwesen sehr abgelegen auf einem Berg. Nur ihr 11-jähriger Sohn Fabian leistet ihr Gesellschaft. Mit der beschaulichen Idylle ist es jedoch schnell vorbei, als der Stalker Manuel die Adresse von Rinas Anwesen herausfindet, dorthin reist und sich als vermeintlicher Feriengast ihr Vertrauen erschleicht.

Es ist die letzte Lesung, danach geht es direkt in die Toskana. Zusammen mit ihrem Ehemann reist Rina nach Hause, voller Vorfreude auf ihren Sohn, der ein Internat besucht und die Sommerferien bei ihr verbringen wird. Rinas Ehemann ist Filmregisseur, gedanklich beim nächsten Dreh und eigentlich schon auf den Sprung nach Paris. So lernt er auch nicht mehr den neuen Feriengast kennen, der eines Tages am Tor klingelt und dem Rina kurzentschlossen das kleine Gartenhäuschen auf dem Anwesen vermietet. Ohne dabei zu ahnen, dass sie einen Psychopathen auf ihr Grundstück geladen hat.

Manuel, ein verkappter Autor, hasst Rina von ganzem Herzen und hat nur ein Ziel, die Autorin zu vernichten. Hierfür geht er konsequent und unbarmherzig vor und bald schon müssen Fabian und Rina feststellen, dass der so freundliche Feriengast irgendwie doch recht seltsam ist. Doch bis sich die Lage zuspitzt, lässt Sabine Thiesler ihre Leser erst einmal ein wenig zappeln.

Im Gegensatz zu Rina weiß man von Anfang an, dass die Autorin sich hier einen Todfeind ins Haus geladen hat, der absolut unberechenbar ist und während Rina dem Psychopathen noch vollkommen ahnungslos gegenübertritt, rechnet man praktisch auf jeder Seite damit, dass Manuel nun zur Tat schreitet. Dies fördert sehr die Spannung, welche die Autorin bis zum Schluss auf sehr hohem Niveau hält. Und zum Ende hin zieht Sabine Thiesler dann noch das Tempo ziemlich rasant an und die Ereignisse überschlagen sich regelrecht.

Gelungen sind neben der komplexen, undurchsichtigen, wendungsreichen Story, die von der ersten Seite äußerst packend erzählt ist, auch die vielschichtig angelegten Charaktere. Erst so nach und nach offenbart sich der Grund für den Hass, welchen Manuel für Rina empfindet. Dies erfährt der Leser durch regelmäßig eingeschobene Rückblenden, die in der Jugendzeit von Manuel beginnen. Aber auch Rina oder auch der Pfarrer, der eine kleine aber entscheidende Nebenrolle spielt, agieren facettenreich, überraschen und sind lebendig und überzeugend beschrieben.

Fazit: Ein ruhiger, aber äußerst spannend erzählter Psychothriller

Bewertung vom 21.01.2016
Wo du auch bist
Smithwick, Fleur

Wo du auch bist


ausgezeichnet

Mein imaginärer Freund Sam

Bei einem tragischen Autounfall verliert die junge Fotografin Alice ihren besten Freund, sie selbst wird schwer verletzt. Als sie aus dem Koma aufwacht, ist ihr imaginärer Freund Sam aus Kindertagen wieder an ihrer Seite. Ist Alice anfangs noch hocherfreut über das Wiedersehen, ändert sich dies schleichend als Sam immer mehr von ihr fordert. Als Alice sich auch noch mit ihrer Jugendliebe Jonathan öfter trifft bahnt sich eine Katastrophe an.

Fleur Smithwick lässt es in ihrem Debütroman, den man nicht unbedingt als psychologischen Thriller bezeichnen kann, etwas ruhig angehen und beginnt mit der Hochzeit von Alices Vater. Auf der Heimfahrt ereignet sich dann der tragische Verkehrsunfall, dem ihr bester Freund zum Opfer fällt. Als Alice Wochen später aus dem Koma erwacht, ist Sam an ihrer Seite. Außer Alice kann ihn niemand sehen, für die junge Frau ist Sam jedoch absolut real – sie kann ihn sehen, hören und anfassen. Die Freude über das Wiedersehen ist riesengroß, braucht Alice doch gerade jetzt einen Schulter zum Anlehnen und ausweinen, jemand der sie tröstet und wieder aufbaut. Sam ist rund um die Uhr für Alice da, hilft ihr, unterstützt sie, tröstet sie, doch er fordert auch die volle Aufmerksamkeit von Alice und wird mit der Zeit immer besitzergreifender.

Alice kämpft sich zurück ins Leben, fängt wieder an zu arbeiten, doch die Konflikte mit Sam nehmen zu, hinzu kommend die Probleme mit ihrer Familie und ihrem Umfeld, die durchaus wissen, dass Sam wieder da ist und Alice dringend zu einer psychiatrischen Behandlung raten. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass Sam in Alice Leben aufgetaucht ist? Das erfährt der Leser durch immer wieder eingeschobene Rückblenden, die in Alice frühester Kindheit beginnen und ein Leben zeigen, dass man keinen kleinen Mädchen wünscht. Somit wird schnell verständlich, warum Alice sich ihren imaginären Freund geschaffen hat. Doch wie wird man diesen wieder los, wenn er beginnt, immer mehr zu fordern, einem regelrecht die Luft zum Atmen nimmt und man befürchten muss, dass die Menschen, die man liebt, nicht mehr sicher vor ihm sein können?

Warmherzig, mitreißend, gefühlvoll und fast durchweg sehr unterhaltsam erzählt Fleur Smithwick ihren Roman, der durchaus auch spannende Momente zu bieten hat, aber so gut wie keine Thrillermerkmale aufweist. Neben der packenden Geschichte, die einige überraschende Wendungen präsentiert und bis zum Schluss schwer vorhersehbar bleibt, sind der Autorin auch die Charaktere gut gelungen. Gerade Sam und seine Beweggründe, die zu seinem Handeln führen, sind nachvollziehbar beschrieben wie auch der Charakter von Alice. Man lernt eine einsame, introvertierte junge Frau kennen, die es von klein auf gewohnt ist, sich selbst überlassen zu sein und nur wenig Freunde zu haben. Aber Alice ist auch eine Kämpferin, was sie im Verlauf der Geschichte mehr als einmal unter Beweis stellen muss.

Fazit: Ein bewegender, warmherzig erzählter Roman über einen imaginären Freund, der immer mehr das Leben der Protagonistin beeinflusst.

Bewertung vom 05.01.2016
Eisige Glut
Brown, Sandra

Eisige Glut


sehr gut

Er wird nicht ruhen

Reporter Dawson Scott ist gerade aus Afghanistan zurückgekehrt und hat eigentlich überhaupt kein Interesse daran über einen Mordfall zu berichten, auch wenn die Details noch so grausam zu sein scheinen. Doch sein Patenonkel und FBI-Agent Gary Headley überzeugt ihn davon, dass es sich lohnt über den Fall zu berichten, denn der Ermordete soll der Sohn eines Terroristenehepaares sein, welches Headley schon seit Jahrzehnten erfolglos jagt. Dawson trifft im Gerichtssaal auf Amelia Nolan, der Witwe des Ermordeten und sein Interesse an dem Fall ist geweckt. Bei seinen Recherchen deckt Dawson Informationen auf, die sich als lebensgefährlich für alle Beteiligten herausstellen sollen.

Seit Dawson aus Afghanistan zurückgekehrt ist plagen ihn Alpträume und Schlaflosigkeit, was er mit Tabletten und Alkohol versucht in den Griff zu kriegen. Da kommt der Anruf seines Patenonkels mehr aus unpassend, als dieser ihn bittet, über einen Mordfall zu berichten. Ein Mann soll seinen Ehefrau und deren Liebhaber getötet und anschließend an seine Hunde verfüttert haben. Das Brisante an dem grausamen Fall: Bei dem Liebhaber handelt es sich um Jeremy Wesson, der laut Überprüfung seiner DNA der Sohn eines Terroristenpaares sein soll, den Agent Headley bereits seit mehr als 40 Jahren erfolglos sucht. Nur seinem Patenonkel zuliebe macht sich Dawson auf den Weg in den Gerichtssaal in dem er prompt auf die attraktive Witwe von Jeremy Wesson trifft.

Mit „Eisiger Glut“ hält man einen Thriller in der Hand, der anfangs noch nicht einmal die Grundzüge eines Krimis zeigt. Doch das stört in keiner Weise, da Sandra Brown es bestens versteht, ihr Leser von der ersten Seite an zu unterhalten. So bizarr der Mordfall ist, so rätselhaft entwickelt sich die Geschichte, wobei man natürlich von Anfang ganz genau weiß, wohin die Beziehung zwischen Amelia und Dawson führen wird. Natürlich geht dies ohne scheinbar unüberwindbaren Hindernissen und Problemen nicht vonstatten und somit ist mal wieder der Weg das Ziel. Die Beziehung zwischen Dawson und Amelia steht während des gesamten Romans klar im Mittelpunkt, die Thrillerhandlung ist eher Nebenschauplatz und schnell ist auch klar, was bzw. wer hinter den merkwürdigen Vorkommnissen steckt, die im Umfeld von Amelia geschehen.

Doch so vorhersehbar die Entwicklung der Story ist, Sandra Brown ist es dennoch gelungen, den einen oder anderen Überraschungseffekt einzubauen, der es wirklich in sich hat. Die Geschichte gestaltet sich durchweg sehr unterhaltsam und packend, auch dank der beiden wirklich sehr sympathischen Protagonisten, die ihre Ecken und Kanten haben. Allerdings darf man hier in Sachen Problembewältigung nichts Tiefsinniges erwarten. So wird Dawsons posttraumatische Belastungsstörung, welche er mit Pillen und Alkohol versucht in den Griff zu bekommen doch recht lapidar abgetan und gilt eigentlich mehr oder weniger nur als Alibifunktion, da sie zur Vergangenheit von Jeremy und somit zur Story passt.

Fazit: Ein Thriller ist etwas anderes, aber Sandra Brown versteht es dennoch bestens, ihre Leser von der ersten Seite an hervorragend zu unterhalten.

Bewertung vom 31.12.2015
Während du stirbst
Cohen, Tammy

Während du stirbst


sehr gut

Bis zum zwölften Tag

Beim Weihnachtsshoppen trifft Jessica Gold auf den äußerst attraktiven Dominic Lacey, der sie mit Komplimenten überschüttet und scheinbar spontan in seine Wohnung irgendwo in London einlädt. Doch der Traum von einem Mann wandelt sich mit der Ankunft im Loft zu einem Alptraum. Der Unternehmer lässt Jessica angekettet in einer Hundehütte übernachten und jeden Tag überreicht er ihr ein Geschenk. 12 Stück sollen es bis zum Schluss sein, jeden Tag eines und damit verbunden jedes Mal eine äußerst perfide Geschichte. Jessica ahnt bald, dass sie den 13. Tag nicht mehr erleben wird.

„Es kann gut sein, dass ich schon tot bin, wenn Sie das hier zu Ende gelesen haben. …“ - So beginnt der erste Teil des Psychothrillers und man ahnt, dass man hier keine leichte Kost in Händen hält. Jessica ist gefangen in einem Loft über den Dächern Londons, ohne Chance, sich selbst befreien zu können. Sie ist 29 Jahre alt und hat mit ihrem Leben abgeschlossen, schwer verletzt schreibt sie die Erlebnisse der vergangenen Tage auf und beginnt mit dem ersten Zusammentreffen von ihr und Dominic in einem Café in der Oxford Street.

Dominic ist ein äußerst launischer Mensch, seine Stimmungsschwankungen bekommt Jessica schmerzvoll in den nächsten Tagen zu spüren und er ist ein absoluter Machtmensch, der die bedingungslose Kontrolle über einen Menschen haben muss. Mit jedem Geschenk, welches er Jessica überreicht, ist auch ein Geschehnis aus Dominics Vergangenheit verbunden, welches er Jessica bereitwillig erzählt. So lernt man nach und nach einen psychisch gestörten Menschen kennen, der unfähig ist, eine normale Beziehung zu einem anderen Menschen einzugehen und dem Tod in seinem Leben schon mehrmals begegnet ist.

Neben den Geschehnissen rund um Jessica, welche in der Ich-Form geschrieben sind, wird die Geschichte zudem aus dem Blickwinkel von Kim erzählt, die als Detective arbeitet, auf den Fall angesetzt ist und die Gratwanderung zwischen Beruf und Familie hinzukommen versucht. Kim verbeißt sich regelrecht in den Fall, ist sie doch davon überzeugt, dass der Freund von Jessica irgendetwas verschweigt. Doch das Augenmerk des Psychothrillers liegt klar bei den schrecklichen Erlebnissen, welchen Jessica ausgesetzt ist.

Der Verlauf der Story gestaltet sich packend, durchweg spannend und äußerst wendungsreich. Hier sind Tammy Cohen wirklich einige sehr überraschende und vor allem absolut unvorhersehbare Wendungen eingefallen. Auch wenn man sich dann ganz am Ende schon denken kann, auf was die Geschehnisse schlussendlich hinauslaufen sollten.

Fazit: Spannende, äußerst wendungsreiche Story mit überzeugend wie undurchsichtig agierenden Protagonisten.

Bewertung vom 30.12.2015
Nirgends wirst du sicher sein / Detective Rafferty Bd.1
Bush, Nancy

Nirgends wirst du sicher sein / Detective Rafferty Bd.1


sehr gut

Spannender Auftakt der Trilogie

Mit sechs Jahren hat Liv Dugan ihre Mutter erhängt in der Küche gefunden. Heute, rund 20 Jahre später, entgeht Liv nur knapp einem Massaker an ihrem Arbeitsplatz. An diesem Tag wurde ihr auch ein Päckchen von ihrer toten Mutter zugestellt. Besteht hier ein Zusammenhang, zumal Liv nie an den Suizid ihrer Mutter geglaubt hat? Die junge Frau flieht in Panik von ihrem Arbeitsplatz und genau in die Arme des Undercover-Detectives Auggie Rafferty. Auggie ist der einzige Mensch, der ihr glaubt, dass ein perfider Killer hinter ihr her ist. Gemeinsam folgen sie der Fährte des Mörders.

Bevor die eigentliche Geschichte beginnt, führt Nancy Bush ihre Leser erst einmal rund 20 Jahre in die Vergangenheit zum 6. Geburtstag von Liv zurück, den das Mädchen vergnügt mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder feiert und der mit dem Tod der Mutter endet. Die schrecklichen Bilder verfolgen Liv bis heute. Zurückgezogen lebt sie in einem kleinen Appartement, hat kaum Kontakt zur Außenwelt, geschweige denn Freunde. Nur bei ihrer Arbeit als Buchhalterin in einer IT-Firma fühlt sie sich wohl. Bis hier ein Killer ein Massaker veranstaltet, dem Liv nur durch puren Zufall entgeht. Fortan nimmt ihr geregeltes Leben eine vollkommen neue Wendung an und zusammen mit Auggie Rafferty begibt sie sich auf die gefährliche Suche nach dem Mörder. Dabei ahnt sie jedoch lange nicht, dass Auggie Detective ist, der Leser ist hierüber bereits durch die Kurzbeschreibung informiert.

Neben den Geschehnissen rund um Liv und Auggie, die nach und nach zueinanderfinden, lernt man auch die Polizisten des Polizeidepartments von Laurelton kennen. September und ihre Kollegin Gretchen sind auf den Fall angesetzt, doch die Detectives entdecken keine tatrelevanten Spuren, die Überlebenden sind so schwer verletzt, dass sie keine Aussage machen können und Liv bleibt unauffindbar. Diese versucht derweil mehr über die Vergangenheit und somit über ihre Familie herauszufinden, in der festen Überzeugung, dass hier der Schlüssel zu den Ereignissen zu finden ist.

Die Story entwickelt sich recht komplex und spannend, zumal mit der Zeit noch ein weiterer Mordfall hinzukommt, den das Polizeidepartment voll in Anspruch nimmt. Ob dieser aber in irgendeinem Zusammenhang mit dem Übergriff auf die IT-Firma steht, bleibt offen. Dies wird wohl in einem der nächsten beiden Bände gelüftet.

Die Charakterzeichnungen sind gelungen. Glaubhaft vermittelt Nancy Bush das Gefühlschaos, in welches Liv zwangsweise hineinkatapultiert wird. Auch ihre Ängste und Alpträume schildert die Autorin glaubhaft. Natürlich darf die Liebe auch nicht fehlen und diese kommt daher in Form des edlen Ritters und Beschützers Auggie Rafferty. Zumindest bezeichnet September „Nine“ Rafferty gerne so ihren Zwillingsbruder Auggie, der ganz offensichtlich eine Schwäche für hilfsbedürftige Frauen hat, auch wenn der Detective nach außen hin gerne das Raubein gibt.

Fazit: Gelungener Auftakt einer vielversprechenden Reihe, die ausreichend Spannung bietet und mit einer unvorhersehbaren Story und sympathischen Protagonisten überzeugt.

Bewertung vom 22.12.2015
Kalter Zorn / Kiran Mendelsohn Bd.2
Albrecht, Ilja

Kalter Zorn / Kiran Mendelsohn Bd.2


ausgezeichnet

Grenzenlos

Der Mord an einer amerikanischen Austauschschülerin ruft das BKA auf den Plan. Fallanalytiker Kiran Mendelsohn und Kommissar Bolko Blohm ermitteln mit ihrem Team in dem Fall, an dem auch das FBI Interesse hat. Schnell stellen die Ermittler fest, dass der Modus Operandi mit zwei Mordfällen in den USA übereinstimmt. Kurzerhand reist Kiran in die USA, doch kaum hat er dort mit dem FBI die Ermittlungen aufgenommen, geht das Morden in Deutschland weiter.

Ilja Albrecht hält sich im zweiten Fall des sympathischen Fallanalytikers Kiran Mendelssohn nicht mit langen Vorgeplänkel auf und führt seine Leser ziemlich zügig zum Schauplatz des ersten Mordes. Und dieser Tatort ist wirklich nichts für schwache Nerven, denn der Mörder scheint eiskalt und äußerst strukturiert vorzugehen. Durch die Nationalität des Opfers wird sogleich das FBI hinzugezogen, was für Kiran auch bedeutet, sich mit Geschehnissen aus seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, der Täter hinterlässt am Tatort keine verwertbaren Spuren, zudem finden die Kommissare keinen Ansatz für ihre Ermittlungen, da die Wahl des Täters bei seinen Opfern scheinbar wahllos ist. Auch Kirans Reise in die USA hilft nicht recht weiter. Doch dann nimmt der Mörder Kontakt mit dem Ermittlerteam auf.

Temporeich, schnörkellos, wohldurchdacht und zumeist hochspannend erzählt Ilja Albrecht seinen Thriller und legt dabei den Fokus klar auf die Ermittlungen, welche der Autor rasant vorantreibt und seinen Protagonisten kaum Zeit zum Durchatmen lässt. Dennoch kommt auch der private Part nicht zu kurz, wodurch man wieder einiges über den sehr sympathischen Fallanalytiker kennenlernt. Aber auch die weiteren Mitwirkenden nehmen schnell Konturen an und werden detailreich beschrieben, sodass man sich gut ein Bild von ihnen machen kann.

Zwar sind auch dem Mörder die eine oder andere kurze Szene in dem packenden Thriller gewidmet, was einem aber keineswegs bei dessen Identität, geschweige denn bei dessen Motiv weiterhilft.

Fazit: Hochspannend und wendungsreich erzählt … mit “Kalter Zorn” erwartet einem beste Thrillerunterhaltung.

Bewertung vom 17.12.2015
Blut und Seide
Spang, Marita

Blut und Seide


ausgezeichnet

Der Löwe von Kreuznach

Marita Spang beginnt ihren farbenprächtigen Roman im Jahr 1259, als Graf Johann von Sponheim auf der Suche nach der Familie seines besten Freunds Raimund von Montfort diesen, dessen Frau und sein Gefolge dahingemetzelt von Wegelagerern auffindet. Nur durch Zufall konnte deren kleiner Sohn überleben. Simon entwickelt sich zu einem tapferen, ehrenhaften jungen Mann, der schon frühzeitig seine Ritterweihe erhält. Doch das Glück ist dem jungen Ritter nicht hold. Muss er doch miterleben, wie seine große Liebe Christina den ungehobelten, gefühllosen und brutalen Heinrich von Sponheim versprochen wird. Doch weder sein Ziehvater noch Graf Eberhard von Katzenelnbogen, bei dem Simon seine Ausbildung vollendet und der Vater von Christina ist, können dem verzweifelten Paar helfen.

Marita Spang hat sich von dem Kreuznacher Metzgerssohn Michel zu dieser Geschichte inspirieren lassen, dem in der Altstadt von Bad Kreuznach eine Skulptur gewidmet ist. Dieser Metzgerssohn hatte im Jahr 1279 in der Schlacht von Sprendlingen seinen Herrn, dem Grafen von Sponheim, das Leben gerettet. Um diese Geschehnisse herum hat die Autorin eine Geschichte gestaltet, welche dermaßen bildhaft, lebendig, packend und unterhaltsam erzählt ist, dass man kaum fähig ist, das Buch aus der Hand zu legen. Michel selbst hat hier die Rolle des Knappen und besten Freundes von Simon von Montfort inne und begleitet den oftmals recht ungestümen Ritter bei seinen Reisen und Kämpfen.

Eng an die damaligen Geschehnisse gehalten, historische Persönlichkeiten perfekt mit eingebunden und hervorragend recherchiert, beschreibt Marita Spang das Leben im Hochmittelalter und dabei schildert die Autorin zudem sehr eindringlich und überzeugend gerade die Rolle der Frau zu dieser Zeit. Schonungslos erzählt Marita Spang dieses vollkommen rechtlose Leben, in dem die Frauen einzig der Gnade ihres Vaters, Ehemanns oder sogar Bruders ausgeliefert waren. Der Macht und des Geldes willen wurden sie verheiratet, die eigenen Gefühle spielten hier keine Rolle und wenn dem Ehemann danach der Sinn stand, konnte dieser seine Frau nach Lust und Laune straffrei aufs Brutalste züchtigen. Aber neben der Rolle der Frau ist auch die Fehde ein weiterer Themenschwerpunkt der Geschichte, was die Autorin ebenfalls äußerst eindringlich und oft auch auf recht grausame und hierdurch realistische Weise schildert.

Neben der jederzeit fesselnden Geschichte, die einem die politischen Machtverhältnisse und Ränkespiele, den Alltag einer Grafenfamilie wie auch das Leben eines Bauern oder einfachen Bürgers näherbringt, sind auch die Charakterzeichnungen mehr als gelungen. Mit Simon, Christina, Michel, Heinrich oder auch dem Grafen von Sponheim und dem Mainzer Kurfürsten hat Marita Spang bis in die kleinste Nebenrolle Charaktere geschaffen, die jederzeit überzeugen, Ecken und Kanten haben, Gefühle zeigen und Fehler machen, zum Teil undurchschaubar, durchtrieben und hinterhältig agieren und immer wieder überraschen können. Und wäre dies nicht schon für einen perfekten Roman genug, rundet Marita Spang dieses noch mit ihrem der damaligen Zeit angepassten Schreibstil ab, der einem mithilfe der farbenprächtigen Erzählungen problemlos ins 13. Jahrhundert entführt.

Fazit: Einfach perfekt … packende, bestens recherchierte, jederzeit unterhaltsam und mitreißend erzählte Geschichte.

Bewertung vom 09.12.2015
Schatten der Schuld
Johann, Petra

Schatten der Schuld


ausgezeichnet

Im Schutz des Drachen

Als Kommissarin Charlotte Rumor von ihrem Chef aus dem Urlaub geholt und zu einem Tatort gebeten wird, ist ihr klar, dass etwas Außergewöhnliches geschehen sein muss. Und so ist es auch: Nach drei Jahren hat der sogenannte Axtmörder wieder zugeschlagen. Damals wurden drei Frauen auf brutalste Weise ermordet. Es gab zwar einen Verdächtigen, doch die Morde konnten ihm nie nachgewiesen werden. Jetzt scheint er wieder zugeschlagen zu haben und die Spuren führen die Ermittler zwangsläufig wieder zurück zu den Geschehnissen von vor drei Jahren, die für viele Beteiligten dramatisch endeten.

Petra Johann beginnt mit dem Auffinden der unbekannten Frauenleiche im Aachener Stadtwald und bevor die Ermittlungen richtig beginnen, entführt die Autorin ihre Leser erst einmal drei Jahre zurück zu den Ereignissen rund um den ersten Mord, dem schon bald ein zweiter folgen sollte. Der Verdacht fiel schnell auf einen renommierten Kinderarzt, der beide Opfer gut kannte. Allerdings konnte ihm weder ein Motiv noch die Taten selbst nachgewiesen werden.

Dem Leser selbst ist schnell klar, dass nicht nur die bis heute ungelösten Mordfälle des Serienmörders die Ermittler erheblich belasten, sondern dass im Umfeld der Ermittlungen damals etwas ganz Entscheidendes geschehen sein muss, dass Charlie wie auch ihren Chef Frank Quirin stark beeinflusst hat. Und durch den Rückblick lernt man auch Charlies Partner und besten Freund Mick Harting kennen. Ein eigensinniger, lebhafter, unkonventioneller Kommissar, der gerne seine eigenen Wege geht und das genaue Gegenteil der resoluten, kontrollierten, sachlichen Charlie ist. Die beiden bilden das perfekte Ermittlerteam, ergänzen sich hervorragend, doch warum ist Mick bei dem aktuellen Fall nicht mehr dabei und scheint zudem komplett aus Charlies Privatleben verschwunden zu sein? Diese Fragen stellt man sich schnell, doch Petra Johann lässt sich Zeit, dieses Rätsel zu lösen, welches unweigerlich mit der Aufklärung der vergangenen wie dem heutigen Fall zu tun hat.

Die Charakterzeichnungen sind mehr als gelungen. Petra Johan hat eigenwillige, lebendige, glaubhafte Charaktere geschaffen, die Ecken und Kanten haben, ihre Geheimnisse und ihre Fehler. Und dies bezieht sich nicht nur auf die Protagonisten des packenden Kriminalromans, sondern betrifft alle Mitwirkenden bis in die kleinste Nebenrolle.

Neben den hervorragend gezeichneten Charakteren überzeugt aber auch die äußerst vielschichtig und zu jederzeit fesselnden Story, die einen praktisch von der ersten Seite in ihren Bann zieht. Im Verlauf der Geschehnisse präsentiert Petra Johann ihren Lesern den einen oder anderen Verdächtigen, legt neue Fährten aus oder kleinste Nebensächlichkeiten eröffnen einem plötzlich einen völlig neuen Blickwinkel. Was dazu führt, dass man bis zum Schluss am Rätseln ist, wer denn nun der Axtmörder ist und aus welchen Gründen er mordet. Petra Johann versteht es geschickt, die Spannung des Krimis bis zum Schluss hoch zu halten.

Fazit: Wohldurchdachter, komplexer und jederzeit packend und spannend erzählter Krimi mit glaubhaft agierenden Charakteren.

Bewertung vom 30.11.2015
Milchsblut
Weiss, Clara

Milchsblut


sehr gut

Die heilige Katharina

Elvira und ihre Familie leben seit Generationen schon in einem abgeschiedenen Bergdorf. In dem Weiler wohnen nur wenige Menschen, jeder kennt jeden. Doch mit dem ruhigen Leben ist es eines Tages Ende November vorbei als Elvira ihre Freundin Resi besuchen will und diese nicht antrifft. Dafür entdeckt sie auf dem Nachbarhof einen Toten, grausam ermordet und auf einem Wagenrad fest gebunden. Und wäre dies nicht genug, findet Elvira kurz darauf die Wenzel-Schwestern ermordet im Kuhstall. Elvira stellt zwischen den Morden eine Verbindung zu einer Heiligenerzählung her. Doch bevor sie dies näher überprüfen kann, wird das kleine Dorf eingeschneit und zu allem Übel fällt auch noch der Strom aus. Das Dorf ist komplett von der Außenwelt abgeschnitten und der Mörder ist noch lange nicht fertig.

Es ist ein ruhiges Leben in dem kleinen Bergdorf, das nur noch wenige Einwohner beherbergt. Die Menschen gehen ihren täglichen Aufgaben auf den Höfen nach, die Häuser stehen für jeden offen. Es ist eine friedliche Idylle, vollkommen ohne Hektik, die Menschen leben im Einklang mit der Natur. So auch die Landwirtin Elvira, die mit Vater, Ehemann und dem jüngsten Sohn den Hof betreibt. Neben der Landwirtschaft vermietet Elvira auch noch zwei Ferienwohnungen auf ihrem Bauernhof und so gastiert gerade ein Feriengast bei ihnen.

Clara Weiß lässt sich Zeit, ihren Krimi zu erzählen und bringt einem erst einmal das Landleben näher. Hierdurch baut die Autorin eine atmosphärische Dichte auf und schnell legt sich eine düstere Stimmung über die Geschichte. So hat man den kleinen Weiler regelrecht vor Augen und vor allem, später die riesigen Schneemassen und die trüben, schneereichen Tage, denen die immer weniger werdenden Dorfbewohner ausgesetzt sind. Immer beklemmender wird die Stimmung des Buches, je länger das Dorf eingeschneit und der Mörder offensichtlich ganz in der Nähe ist.

Wer der Mörder ist oder welches Motiv dieser verfolgt, dass verrät Clara Weiß ihren Lesern erst ganz zum Schluss. Und selbst mithilfe des Ausschlussverfahrens hat man Probleme, den Mörder frühzeitig zu identifizieren. Es weisen einfach keine Spuren zu ihm, die wenigen Bewohner des Dorfes scheinen alle kein Motiv zu haben. Und eines ist sehr früh klar: der Mörder tötet seine Opfer nach einer ganz bestimmten Heiligensage, warum dies so ist, bleibt allerdings auch lange im Dunkeln.

So baut sich die Spannung zwar langsam, dafür aber kontinuierlich auf. Dreh- und Angelpunkt der packenden Geschichte ist die Landwirtin Elvira, Mitte Fünfzig, eher introvertiert geht sie Menschen gerne aus dem Weg. Nur im Notfall fährt sie mit Sohn Matthias einmal runter in die Stadt, Menschenansammlungen und sei es nur im Gasthaus sind ihr äußerst unangenehm. Und obwohl sich Elvira am liebsten aus allem heraushält und sich lieber zurückziehen würde, lassen sie die Morde nicht zur Ruhe kommen. Zumal sie immer diejenige ist, welche die Toten als erstes entdeckt.

Fazit: Rätselhafte Morde in einem einsamen Bergdorf, dass komplett von der Außenwelt abgeschnitten ist – atmosphärisch dicht und packend umgesetzt.