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Isabel von Belles Leseinsel
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Mainz
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Mehr Rezensionen von mir gibt es unter: http://bellexrsleseinsel.blogspot.com/
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24 

Bewertungen


Insgesamt 497 Bewertungen
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Deaver, Jeffery Blinder Feind EUR 9,99
  • Bewertung vom 20.02.2015
  •  
    sehr gut
  • Die Oktoberliste

    Eben noch war das Leben der New Yorker Büroleiterin Gabriela McKenzie in Ordnung, da erfährt die Mutter der 6-jährigen Sarah, dass ihr Boss Gelder veruntreut und der skrupellose Gangster Joseph ihre Tochter entführt hat. Fünfhunderttausend Dollar und die sogenannte Oktoberliste soll Gabriela ihm beschaffen, dann lässt er ihre Tochter wieder frei. Unerwartete Hilfe erhält Gabriela von dem charismatischen Daniel Reardon und ehe es sich die verzweifelte Mutter versieht, befindet sie sich zusammen mit Daniel auf der Flucht.

    Ein Thriller, der mit dem Ende beginnt und somit die Auflösung an den Anfang stellt, kann das funktionieren? Es kann und sogar sehr gut, obwohl ich bei den ersten 60 Seiten oft in Versuchung war, das Buch vorzeitig zu beenden. Schuld daran ist, dass man schon etwas braucht, um sich mit der ungewohnten Erzählweise anzufreunden wie auch, die Zusammenhänge der Geschichte zu verstehen.

    Aber irgendwann packt einen der Roman und Jeffery Deaver gelingt es sehr gut, zwar das Ende des Thrillers zu verraten, aber gleichzeitig so viele unbeantwortete Fragen aufzuwerfen, dass sich die Spannung sehr schnell auf einem hohen Niveau befindet und sich kontinuierlich noch steigert. Hinzu kommt, dass es der Autor wieder einmal perfekt versteht, solch unerwartete Wendungen einzufügen, dass man immer wieder überrascht wird. Vor allem, was das Ende oder eigentlich der Anfang der Geschichte angeht.

    Sobald man die Beziehungen der einzelnen Mitwirkenden zueinander verstanden hat, nehmen auch die Protagonisten Gabriela und Daniel sowie weitere Personen sehr schnell Konturen an und die rasant erzählte Geschichte und der fesselnde Schreibstil von Jeffery Deaver sorgen wieder einmal für hervorragende Thriller-Unterhaltung.

    Fazit: Ein Thriller, der mit dem Ende beginnt und mit dem Anfang endet … nach kurzen Startschwierigkeiten wieder einmal ein perfekt erzählter Deaver.
Marcus, Martha S. Kaffeeklatsch mit Goldfisch EUR 8,99
  • Bewertung vom 18.02.2015
  •  
    sehr gut
  • Porzellanhochzeit mit Hindernissen

    Antonia ist stolze Besitzerin einer eigenen Apotheke und steckt mitten in den Vorbereitungen zum Fest anlässlich ihrer Porzellanhochzeit. Doch Unterstützung in der Familie für die stressigen Vorbereitungen erhält sie eher wenig. Ehemann Monty ist mehr mit dem Hochwasser beschäftigt, dass Jeetzeburg zu überschwemmen droht, Tochter Mickie trifft sich lieber mit ihrem neuen Freund, der als Auto einen Leichenwagen fährt, nur ihr Jüngster unterstützt sie ein wenig. Irgendwie hat Antonia das Gefühl, dass ihr Leben immer mehr aus den Fugen gerät und sie, die gerne alles unter Kontrolle hat, hier nicht mehr gegensteuern kann.

    Der Romantitel suggeriert einen witzigen Roman, dem ist aber nur bedingt so, auch wenn er durchweg schon eine heitere Note hat. Martha Sophie Marcus greift hier ein ernsteres Thema auf, von dem in den letzten Jahren leider viele Bürger betroffen waren: Die Überflutung ihrer Stadt und die daraus resultierenden existenzbedrohenden Folgen.

    Zwar ist die Protagonistin des Romans die 42-jährige Apothekerin Antonia, aber in weiteren Erzählsträngen erlebt man die Ereignisse dieses Sommers auch aus der Perspektive der PTA Carolin, die bei Antonia angestellt ist und ein Riesenproblem mit Männern hat. Sobald ihr ein Man gleichen Alters begegnet, nimmt ihr Gesicht die Farbe von Brombeeren an, sie fängt an zu stottern und verflucht sich gleichzeitig selbst für ihr schüchternes Verhalten. Dann ist da noch die schöne, selbstsichere Helen, beste Freundin von Antonia, die es bestens versteht, den schönen Schein des idyllischen Familienlebens nach außen zu tragen. Hinzu kommt Petra, die sich mit ihren sechs Kindern mit Hängen und Würgen über Wasser halten kann und jeden Cent dreimal umdrehen muss, bevor sie ihn ausgeben kann.

    Warmherzig und lebendig erzählt die Autorin ihren Roman, verleiht ihren Frauen im Roman sehr schnell ein Profil und schildert deren Probleme nachvollziehbar und glaubwürdig. Und auch die Geschichte selbst gestaltet sich durchweg sehr unterhaltsam, oft ein wenig nachdenklich, oft aber auch durchaus in einem heiteren Ton und ist dabei jederzeit sehr kurzweilig angelegt.

    Fazit: Ein Roman, der die Hochwasserkatastrophen an der Elbe zum Thema hat und dies an Einzelschicksalen einfühlsam und kurzweilig erzählt.
Fey, Stephanie Die Zerrissenen / Carina Kyreleis Bd.3 EUR 9,99
  • Bewertung vom 11.02.2015
  •  
    sehr gut
  • Ich bin immer in deiner Nähe

    Auf Drängen ihres Vaters, Kriminalhauptkommissar Matte Kyreleis, obduziert die Münchner Rechtsmedizinerin Carina Kyreleis den Ex-Kollegen ihres Vaters, der erhängt in einer Gefängniszelle in der JVA Stadelheim aufgefunden wurde. Matte Kyreleis ist fest davon überzeugt, dass Kurt Krallinger ermordet wurde und Carina soll die Beweise finden, bevor das BKA die Leiche konfisziert. Matte vermutet einen Zusammenhang zu den Selbstmorden von RAF-Terroristen, welche einige Ungereimtheiten aufzeigten, die nie restlos geklärt wurden. Zur selben Zeit geht in der Gerichtsmedizin ein seltsamer Anruf ein. Auf dem Münchner Waldfriedhof wurde in einer Gruft eine Leiche gefunden, die da nicht hingehört. Carinas Können als Gesichtskonstrukteurin ist hier gefragt. Und als hätte Carina mit den beiden Fällen nicht genug um die Ohren, scheint es neue Spuren von ihrer leiblichen Mutter zu geben.

    Das Carina ihren Vater während einer Obduktion vor die Tür setzt, kam auch noch nicht vor. Doch dieses Mal ist Matte emotional so in den Fall involviert, dass er Spuren sehen will, wo keine sind. Ob der Tod von Kurt Krallinger wirklich ein Selbstmord war, müssen die toxikologischen Ergebnisse abschließend klären. Doch das ist nicht der einzige Selbstmord, mit dem Carina im verregneten Münchner Sommer zu tun bekommt. Neue Spuren im Fall Iris Erlacher tauchen auf, der leiblichen Mutter von Carina. Und dann ist da noch der Fund der Leiche auf dem Waldfriedhof, die definitiv in einem falschen Grab liegt.

    Geschickt verbindet Stephanie Fey das derzeit aufwühlende Privatleben von Carina mit den Ermittlungen im Fall Krallinger und dem rätselhaften Leichenfund. Gerade der Tod des Ex-Kollegen ihres Vaters steht in Verbindung mit den Taten der RAF und die Autorin geht hier gezielt auf die Geschehnisse des GSG9-Einsatzes im Sommer 1993 in Bad Kleinen ein. Aber auch die Operation Sommerregen, eine verdeckte Operation des BND in Afghanistan in den 1980er Jahren kommt zur Sprache. Und dass der Geschichte wieder eine akribische Recherchearbeit der Autorin zugrunde liegt, merkt man auch im dritten Band der Elster-Reihe sehr deutlich.

    Neben den Geschehnissen rund um Carina gibt es in dem packenden Thriller noch zwei weitere Handlungsstränge, die nicht minder fesselnd sind und von der Autorin äußerst eindringlich beschrieben werden, wobei sich die Autorin hier auch mit dem Thema Nekrophilie befasst.

    Somit ist der Thriller mehr als abwechslungsreich gestaltet und von Stephanie Fey fesselnd erzählt. Spannungstreibend sind zudem die stellenweise sehr ungewöhnlichen Wechsel der Erzählstränge, die zusätzlich noch die Neugier steigern und natürlich meist an den interessantesten Stellen gesetzt sind.

    Fazit: Auch der 3. Band de Elster-Reihe ist wieder äußerst komplex, spannend und abwechslungsreich erzählt.
Simon, Teresa Die Frauen der Rosenvilla EUR 9,99
  • 1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 08.02.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • Eine Schatulle voller Geheimnisse

    Dresden im Frühjahr 2013: Anna Kepler betreibt in der Stadt an der Elbe zwei gutgehende Schokoladengeschäfte. Von ihrem Großvater hat sie nicht nur die Liebe zur Schokolade geerbt, sondern auch die Rosenvilla, die etwas außerhalb Dresdens liegt. Mit viel Liebe hat sie die Villa renovieren lassen und um dem Namen ihres neuen Heims alle Ehre zu machen, lässt sie von einem Bekannten den ehemaligen Rosengarten wieder aufleben. Beim Setzen der Rosenstöcke finden Anna und Jan eine alte Schatulle. Diese enthält neben einigen Gegenständen auch viele vollbeschriebene Seiten. Ganz offensichtlich Teile mehrerer Tagebücher. Zusammen mit ihrer Freundin, der Bibliothekarin Hanka versucht Anna, Ordnung in das Wirrwarr der Aufzeichnungen zu bekommen und stößt dabei auf ein schreckliches Familiengeheimnis.

    Anna könnte es nicht besser gehen. Nachdem ihre erste Chocolaterie in der Altstadt bestens läuft, hat sie jetzt in der Neustadt eine zweite Schokolust eröffnet. Mit viel Liebe und noch mehr Leidenschaft kreiert die junge Frau immer wieder neue, raffinierte Pralinen. Die Renovierungen an der Rosenvilla sind abgeschlossen und nur noch der großflächige Garten muss mit alten Rosenzüchtungen bepflanzt werden. Doch der Fund der alten Schatulle stellt ihr Leben fortan auf den Kopf, immer tiefer dringt sie in die Aufzeichnungen ein, die von Frauen verfasst wurden, die vor ihr in der Rosenvilla gelebt hatten.

    Nachdem Teresa Simon ihren Lesern mir ihrer wunderbaren, warmherzigen und einnehmenden Erzählweise ihre Protagonistin Anna näher gebracht hat und man eine äußerst neugierige, zielstrebige junge Frau kennenlernt, wechselt die Autorin von da an regelmäßige die Handlungsstränge. Dabei entführt die Autorin ihre Leser in die Vergangenheit und man lernt das Schicksal dreier Frauen kennen, die vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum 2. Weltkrieg lebten. Und deren Entscheidungen sich bis in die heutige Zeit auswirken soll.

    Helene, Emma und Charlotte sind neben Anna die weiteren Protagonistinnen der äußerst unterhaltsamen, berührenden und bestens recherchierten Geschichte. Teresa Simon gelingt es mühelos, ihren vier Frauen ein Profil zu geben, sodass man sich mühelos in allen Erzählsträngen und Zeitebenen zurechtfindet. Alle vier Frauen haben einen starken Willen, doch während Anna ihr Leben so führen kann, wie sie es möchte, waren Helena, Emma und teilweise auch Charlotte Opfer ihrer Zeit und mussten sich den gesellschaftlichen Zwängen beugen. Neben den hervorragenden Charakterzeichnungen bis in die kleinste Nebenrolle gelingt es der Autorin zudem mühelos, Dresden in der heutigen wie auch zur damaligen Zeit bildhaft und so atmosphärisch dicht zu beschreiben, dass man die Stadt an der Elbe während des gesamten Romans mühelos vor Augen hat.

    Die Geschichte entwickelt sich äußerst rätselhaft, durch die Tagebucheintragungen erfährt man immer nur bruchstückhaft, wie sich das Leben von Helene, Emma und Charlotte entwickelte und weiß dennoch ganz genau, dass irgendetwas Schreckliches geschehen sein muss. Doch um was es sich hierbei handelt, erfährt Anna und somit auch der Leser erst am Ende dieses fesselnden Romans.

    Fazit: Ein Roman voller Gefühl und Rätsel, der das schicksalhafte Leben der Frauen der Rosenvilla über 100 Jahre hinweg erzählt.
Parris, Stephanie Frevel / Giordano Bruno Bd.2 EUR 9,99
  • Bewertung vom 06.02.2015
  •  
    sehr gut
  • Die große Konjunktion

    England im Jahre 1583: Im protestantischen Königreich von Elisabeth I. brodelt es. Immer mehr Anhänger von Maria Stuart vereinigen sich und planen den Sturz der Königin. Als im direkten Umfeld der Monarchin ein grausamer Mord geschieht, der auf eine katholische Täterschaft schließen lässt, bittet Sir Francis Walsingham den Philosophen Giordano Bruno um Mithilfe bei der Aufklärung. Währenddessen scheint die Stimmung unter der Bevölkerung immer mehr zu kippen. Von der großen Konstellation ist die Rede und vom Ende der Welt, der Thron von Königin Elisabeth I. wackelt und ihr 25-jähriges Thronjubiläum steht kurz bevor.

    Im Jahr 1576 floh der Mönch Giordano Bruno vor der Inquisition aus dem Kloster, in dem er die letzten 11 Jahre seines Lebens verbracht hatte. Während seiner Flucht bildete Bruno sich weiter, gilt schon bald als Philosoph und schließt Freundschaft mit Sir Philip Sidney. Mit ihm zusammen reiste er im Jahr 1583 nach Oxford. Im Auftrag von Sir Walsingham sollte er am Lincoln-College verbotene Machenschaften der Papisten aufdecken. Ein halbes Jahr ist seit den Vorfällen in Oxford vergangen und Bruno muss nun wieder im Auftrag von Sir Walsingham als verdeckter Ermittler agieren.

    Zurzeit genießt Bruno die Gastfreundschaft des französischen Botschafters und spioniert in Walshinghams-Auftrag dessen Beziehungen zu hochrangigen englischen Adligen aus. Sir Howard, die Frau des Botschafters wie einige weitere Adlige machen sich den Gerüchten um die große Konjunktion und den Prophezeiungen zum Ende der Welt zunutze, um diese als das Ende der protestantischen Religion auszulegen und somit ein vereintes, friedliches katholisches Europa einzuläuten. Zusätzlich befasst sich Bruno mit dem grausamen Mord an der jungen Hofdame, dessen Spuren eindeutig auf ein Komplott gegen die Königin hinweisen. Über die Hofdame Abigail erhält Bruno wichtige Informationen, doch ihm fehlen jegliche Hinweise auf den Mörder wie auch Beweise ob der Mittäterschaft der Maria-Stuart-Anhänger. Wäre dies nicht schon genug, versucht der Philosoph und Querdenker noch seinem Freund John Dee dem Einfluss des Hochstaplers Ned Kelley zu entziehen, damit Dee seine Gunst bei der Königin nicht verliert.

    Stephanie Parris hat einen äußerst vielschichtigen Roman geschaffen, dem eine akribische Recherchearbeit zugrunde gelegen haben muss. Äußerst detailreich schildert sie die Vorkommnisse im Spätherbst 1583, was ihren Lesern eine Menge an Konzentration abverlangt. Dafür wird man jedoch mit einem komplexen und packenden Roman belohnt, der von der Autorin atmosphärisch dicht umgesetzt ist.

    Der Roman strotzt vor Intrigen und religiösen Verschwörungen, wodurch man schwerlich seine Probleme hat, bei der verzwickten Geschichte Motiv und Täter der Morde wie auch die vielen unterschiedlichen Beweggründe der Anhänger von Maria Stuart herauszufinden. Erschwerend kommt hierbei noch dazu, dass die Autorin viele ihrer Charaktere so undurchsichtig darstellt, dass deren Motivation ob der Beteiligung zum Komplott lange Zeit im Dunklen verborgen bleiben. Und obwohl man weiß, dass es niemals zur Amtsenthebung von Elisabeth I. kam, gelingt es der Autorin dennoch sehr gut, die Begebenheiten der damaligen Zeit spannend wiederzugeben. Geschickt verbindet Stephanie Parris hierbei wieder einmal Fiktion mit wahren Geschehnisse und historischen Persönlichkeiten.

    Fazit: Ein komplexer, packender Roman, der mit einer detailreichen, atmosphärischen dichten Geschichte überzeugt.
  • Bewertung vom 30.01.2015
  •  
    sehr gut
  • Alles getürkt?

    Eigentlich hatte Kommissar Zeki Demirbilek vor, den Rat seines Arztes anzunehmen und sich für ein paar Tage krank zu melden. Doch dann kommt ihm ein Doppelmord bei einer Bauchtanzshow in die Quere. Zwei Bauchtänzerinnen sind ermordet worden, doch es ist nicht ersichtlich, ob hier ein oder möglicherweise sogar mehrere Täter am Werk waren. Kommissar Pascha und sein Team haben schnell einige Verdächtige ausgemacht, doch so einfach gestaltet sich der Fall dann doch nicht.

    Su Turhans charismatischer Ermittler mit Migrationshintergrund treibt die Sehnsucht nach seiner Ex-Frau Selma um. Jetzt, wo seine Kollegin und zukünftige Schwiegertochter Jale schwanger ist, würde er Selma gerne wieder in München sehen. Doch diese scheint ein glückliches Leben in Istanbul zu führen. Der rätselhafte Fall der beiden toten Bauchtänzerinnen hält ihn zwar vom Grübeln etwas ab, aber da ist auch noch die Jugendliche Elfin, die ihm Sorgen bereitet. Und eine neue Chefin hat Zeki auch noch vor die Nase gesetzt bekommen, die droht, sein Sonderdezernat Migra zu schließen.

    Somit hat Zeki mehr als genug um die Ohren und Su Turhan gelingt es wieder einmal perfekt, dass die Ermittlungsarbeit und das Privatleben von Zeki Demirbilek sich gut die Waage halten. Bei den Ermittlungen haben Zeki und sein Team schnell einige Verdächtige ausgemacht, doch haben sie es bei dem einen auch mit einem Meister der Lügengeschichten zu tun. Hier die Wahrheit herauszufiltern wird zur Schwerstaufgabe. Die Krimihandlung strotzt jetzt nicht gerade vor hochspannenden Szenen, doch Su Turhan gelingt es sehr gut, mit einer komplexen, schlüssigen Handlung, die mit viel Lokalkolorit versehen ist, das Spannungspotential durchweg auf hohem Niveau zu halten.

    Hinzu kommt, dass es der Autor wunderbar versteht, die türkische Mentalität mit der bayerischen Lebensart zu kombinieren. So lernt man einen äußerst gastfreundlichen, hilfsbereiten Zeki Demirbilek kennen, der Schweinebraten und Weißbier liebt und es dabei bestens versteht, seine türkische Seite mit Moschee-Besuchen, Kahve und Cay zu pflegen. Geflucht wird bei Zeki auf Bayerisch genauso wie auf Deutsch und seine Familie geht ihm über alles. Dabei zeigt der Macho auch immer wieder seine weiche, liebenswerte Seite. So kümmert er sich um seine beiden Kolleginnen Isabel und Jale fast wie ein Vater, schreckt aber auch nicht davor zurück, sie ordentlich herumzukommandieren und Arbeit zu delegieren. Und für seine Streitlust ist Kommissar Pascha nicht nur beim Sonderdezernat Migra berüchtigt.

    Fazit: Kommissar Pascha zum Dritten … atmosphärisch, unterhaltsam, spannend und fesselnd erzählt.
Kidd, Sue Monk Die Erfindung der Flügel EUR 19,99
  • Bewertung vom 26.01.2015
  •  
    ausgezeichnet
  • Der Story Quilt

    Sarah Grimké wächst als Tochter eines Plantagenbesitzers Anfang des 19. Jahrhunderts in Charleston/South Carolina auf. Das Mädchen entdeckt schon früh die Welt der Bücher für sich und ihr größter Wunsch ist es, einmal Anwältin zu werden. Unmöglich für eine Frau der damaligen Zeit. Entsetzt reagiert Sarah, als sie zu ihrem elften Geburtstag die um ein Jahr jüngere Sklavin Hetty „Handful“ als Geschenk erhält. Für Sarah ist es nicht vorstellbar, einen Menschen zu besitzen. Um Handful wenigstens etwas an Freiheit zu schenken, bringt sie ihr das Lesen bei. Doch dieses Vergehen bleibt nicht lange verborgen und wird schwer geahndet. Doch Sarah kämpft weiter, weiß sie doch, dass noch eine ganz besondere Aufgabe in ihrem Leben auf sie wartet.

    Sue Monk Kidd erzählt in ihrem wundervollen Roman die Lebensgeschichte der Grimké-Schwestern Sarah (1792 – 1873) und Angelina (1803 – 1879). Sie waren die ersten Frauen in den Vereinigten Staaten, die sich öffentlich für die Abschaffung der Sklaverei einsetzten. Sie erhielten viel Aufmerksamkeit und Unterstützung, aber auch Häme und Anfeindungen.

    Eindringlich, warmherzig und absolut mitreißend schildert die Autorin den Kampf von Sarah und später auch ihrer Schwester Angelina gegen die Sklaverei. Ist Sarah eher die ruhige, besonnene junge Frau, die lieber im Verborgenen und mithilfe von Briefen und Pamphleten rebelliert, ist Angelina die offensivere der beiden Schwestern. Nina tritt beherzt auf, ist mutiger und lehnt sich ständig gegen Ungerechtigkeiten auf und zieht so ihre ältere Schwester mit. Beide Frauen ergänzen sich hervorragend. Aber da ist auch noch Handful. Geprägt durch ihre selbstbewusste, eigensinnige Mutter lehnt auch die Sklavin sich immer wieder gegen ihre Besitzer auf, hält sich nicht immer an Regeln und riskiert bewusst, erwischt und entsprechend bestraft zu werden.

    Man lernt in dem packenden Roman beide Seiten kennen. Durch Sarah das Leben der Plantagenbesitzer, für die Sklavenhaltung das Selbstverständlichste der Welt ist wie auch den vorherbestimmten Lebensweg von Frauen ihrer Zeit. Selbständiges Denken oder gar einen Beruf erlernen war verpönt und verboten, die Frau hatte gut auszusehen, ihrem Mann zu Diensten zu sein und die Kinder großzuziehen. Für Sarah wie auch Angelina unvorstellbar. Ebenso eindringlich, hervorragend recherchiert und warmherzig schildert Sue Monk Kidd das ärmliche, fremdbestimmte Leben der Sklaven, die machtlos der Willkür ihrer Besitzer ausgeliefert und jeden Rechten beraubt waren.

    Die Autorin orientiert sich zwar eng an der Biografie der Grimké-Schwestern, doch fiktive Elemente finden sich immer wieder in dem Roman, dies ist einfach der Dramaturgie geschuldet. So hatte Sarah anfangs zwar eine Sklavin namens Hetty, doch über diese ist sehr wenig bis gar nichts bekannt. Die schleichenden Veränderungen in Charleston, die vermehrte stille Rebellion der Sklaven und die immer lauter werdenden Stimmen aus dem Norden bezüglich der Abschaffung der Sklaverei fängt die Autorin ebenso gut ein wie auch die Zweifel und Ängste, die sich Sarah wie auch Handful ausgesetzt sehen. Denn eines verbindet die beiden so unterschiedlichen Frauen: Sie sind Gefangene ihrer Zeit, doch beiden gelingt es, ihre von der Gesellschaft auferlegten Fesseln zu sprengen.

    Fazit: Die Geschichte starker Frauen, die sich gegen die gesellschaftlichen Zwänge ihrer Zeit zur Wehr setzen.
Pfennig, Grete Das Rätsel des Afghans (eBook, ePUB) EUR 3,99
  • Bewertung vom 15.01.2015
  •  
    sehr gut
  • Die letzte Offenbarung Mohammeds

    „… Dereinst wird ein Hirte den Teppich bringen.
    Er stammt von Mohammed selbst und
    wird euch den Weg weisen zum Paradies,
    den Heiden zum Höllenfeuer und
    den Ketzern zum Untergang. …“

    Anwältin Grete Pfennig wird von ihrer Kanzlei beauftragt, den Fall des Teppichgaleristen Eschenbach zu übernehmen. Dieser glaubt, dass ihm jemand nach dem Leben trachtet, seine Ehefrau dagegen will ihn gegen seinen Willen in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen. Der Grund hierfür sind Eschenbachs irrwitzige Ufo-Theorien, mit denen er die erfolgreiche Galerie in den Ruin treibt. Im Iran hatte Eschenbach einen alten Afghan ersteigert und meint in seinem Muster ein Ufo entdeckt zu haben, was die prähistorische Anwesenheit Außerirdischer auf der Erde beweisen würde. Eine islamitische Sekte hingegen sieht in dem Teppich etwas ganz anderes. Sie ist überzeugt, dass in dem jahrhundertealten Afghan eine geheime Sure verborgen ist, die letzte Offenbarung des Propheten Mohammeds. Grete engagiert den Detektiv Frederick Molban mit der Hintergrundrecherche und ehe es sich die Beiden versehen, stecken sie mitten in einem Entführungsfall und müssen einen möglichen Glaubenskrieg verhindern.

    Ein Schäfer findet in Alamut in einer Felsspalte einen uralten Teppich. Eine islamistische Sekte glaubt daraufhin, dass die Legende um die letzte Offenbarung des Mohammeds nun in Erfüllung geht und versucht alles, in den Besitz dieses Teppichs zu gelangen. Doch der Teppichhändler Eschenbach hat diesen bereits auf einem Basar in Teheran erstanden. Dank der guten Vernetzung gelingt es der Sekte, Eschenbachs Galerie aufzuspüren und den Teppich samt Teppichhändler in ihren Besitz zu bringen.

    Die couragierte wie eigenwillige Anwältin Grete Pfennig und der Philosoph, Yogalehrer und Detektiv Frederick Molban, der von allen nur F. genannt wird und gerne mal zur Nervenberuhigung einen Joint raucht, begeben sich auf Spurensuche. Und diese gestaltet sich wahrlich nicht einfach oder gar ungefährlich. Eschenbach bleibt wie vom Erdboden verschwunden, doch ihre hartnäckigen Ermittlungen, die auch des Öfteren recht unkonventionelle Wege einschlagen, bringt sie auf die Spur der radikalen Sekte. Deren Anführer, Scheich Tabrizi, glaubt fanatisch an die letzte Offenbarung des Mohammed und legt dafür bewusst einige Hinweise aus der Sure zu seinen Gunsten aus.

    Die Geschichte entwickelt sich recht tempo- und ereignisreich und neben den Ermittlungen des originellen Ermittlerduos Grete und F. verfolgt man zudem die Geschehnisse rund um den jungen Rahim, der in die Fänge der Sekte gerät und dem Sohn von Scheich Tabrizi. Hamid kann den fatalistischen Vorstellungen seines Vaters nicht folgen, doch fehlt ihm der Mut, sich gegen den brutalen Scheich aufzulehnen.

    Die Geschichte wirkt von Anfang bis Ende gut recherchiert und durchdacht, auch wenn sie anfangs ein wenig fantastisch anmutet in Bezug auf Außerirdische und der letzten Offenbarung. Der Schreibstil ist durchweg einnehmend, packend und oft auch recht humoristisch. Gerade die Passagen, welche Grete selbst zu Wort kommen lassen und sie sich über das Verhalten ihres Partners F. auslässt, sind äußerst unterhaltsam. Dies lockert die kurzweilige Story immer mal wieder ein wenig auf, ohne dass dabei die Spannung auf der Strecke bleibt. Diese hält sich während des gesamten Thrillers auf einem relativ hohen Niveau. So fantastisch die Story anfangs daherkommt, so schlüssig und interessant entwickelt sie sich weiter und zum Schluss bleiben in dem vielschichtigen Thriller keine Fragen mehr offen.

    Fazit: Eine komplexe und spannend erzählte Story über einen rätselhaften Afghan, auf dessen Suche sich ein äußerst sympathisches Ermittlerpaar begibt.
Semple, Maria Wo steckst du, Bernadette? EUR 9,99
  • Bewertung vom 12.01.2015
  •  
    sehr gut
  • Spurlos verschwunden

    Stararchitektin Bernadette Fox wohnt mit Ehemann Elgie Branch und Tochter Bee in Seattle in einem etwas heruntergekommenen Haus, welches früher ein Mädchenerziehungsheim war. Wobei Geld im Hause Fox/Branch keine Rolle spielt, da Elgie ein richtig großes Tier bei Microsoft ist. Bernadette hat mit der Geburt ihrer Tochter den Beruf an den Nagel gehängt und kümmert sich um die 15-jährige Bee, geht Menschen nach Möglichkeit strikt aus dem Weg und managt ansonsten den Haushalt. Wobei sie dies gern ihrer indischen Assistentin überlässt und via Internet diese mit Hotelbuchungen, Tischreservierung etc. beauftragt. Und so organisiert Manjula nun auch die Familienreise in die Antarktis. Doch kurz vor Reisebeginn ist Bernadette plötzlich spurlos verschwunden.

    Bernadette ist absolut chaotisch, kann stundenlange Tiraden über Fünffachkreuzungen halten, geht Menschen und besonders den Eltern von Bees Schule grundsätzlich aus dem Weg und nimmt ansonsten kein Blatt vor den Mund. Herrlich unkonventionell ist diese Frau Anfang 50, selbstsicher und in Krisensituationen der ruhende Pol, aber mit Menschen an sich hat sie ernsthafte Probleme und ist lieber für sich allein. Irgendwie schon ein wenig schrullig. So ist es auch kein Wunder, das Bernadette in ihrer Straße und ganz besonders in Bees Schule absolut unbeliebt ist. Na ja, ein wenig Neid ist bei den Eltern bestimmt auch vorhanden, denn Bernadette und Elgie können sich scheinbar alles leisten und wohnen trotzdem in einem Haus, dass nur noch durch die Brombeerranken zusammengehalten wird. Bee liebt es und fühlt sich wie Dornröschen, Elgie erträgt es eher mit stoischer Ruhe, wenn mal wieder das Wasser durch das Dach tröpfelt und Bernadette kümmert sich um Schadensbegrenzung.

    Maria Semple erzählt ihren äußerst humorvollen und zumeist sehr unterhaltsamen Roman in verschiedenen Erzählweisen. Mal kommt Bernadette selbst zu Wort, dann wieder Bee, ein anderes Mal verfolgt man die Geschehnisse rund um die liebenswerte Bernadette mithilfe von Mails, Faxen, Briefen und kleinen Notizen, welche Nachbarn, Bekannte oder Arbeitskollegen von Elgie schreiben oder aber auch Bernadette selbst. So erhält man ein äußerst vielschichtiges Bild von der chaotischen Architektin, was einen aber in Bezug auf ihr plötzliches Verschwinden dennoch absolut im Dunkeln stehen lässt.

    Ab der Mitte des Buches wird die Geschichte regelrecht turbulent, die Ereignisse überschlagen sich, binnen Minuten verändern sich gegenwärtige Situationen im Buch in völlig andere … Chaos pur und Bernadette mittendrin bzw. spurlos verschwunden und man selbst als Leser fiebert und rätselt einfach nur noch mit.

    Es ist eine ungewöhnliche Erzählweise, die Maria Semple für ihren Roman gewählt hat, aber sie passt perfekt zu der Geschichte. Allerdings war mir dann doch der eine oder andere Bericht etwas zu langatmig, da hätte ich mir schon ein paar Kürzungen gewünscht. Aber im Großen und Ganzen überzeugt die Geschichte bis zur letzten Seite und die Charakterzeichnungen, besonders von Bernadette, sind absolut gelungen, wunderbar menschlich beschrieben, irgendwie auch ein wenig überdreht. Eben wie das ganze Buch: ein wenig schräg, aber absolut liebenswert.

    Fazit: Keine Spur von Bernadette … Eine Frau, die ihren Weg auf recht eigenwillige Art geht … einfach wunderbar erzählt.
Müller, Ray Tote Hose EUR 8,99
  • Bewertung vom 06.01.2015
  •  
    sehr gut
  • Der Lederhosen-Kommissar

    Da kommt die Leiche im Starnberger See dem Kommissar doch gerade recht, sitzt Anton Biersack doch seinem Blind Date, der Waldfee Hildegard gegenüber und hat keine Ahnung, wie er unbescholten aus dieser Nummer wieder herauskommen soll. So verlässt er, dem Handy sei Dank, fluchtartig das Treffen mit der Holden und fährt schnurstracks zum Tatort. Dort wurde ein Schwarzer in Lederhosen, ohne Papiere und ohne Fingerkuppen aufgefunden. Eine Identifizierung ist schier unmöglich. Niemand scheint den Toten gekannt zu haben, alle Spuren laufen ins Leere. Als dann jedoch ein stadtbekannter Schönheitschirurg am helllichten Tag in seiner Praxis von einer Unbekannten erschossen ist, nimmt der Fall um den Toten im Starnberger See eine überraschende Wendung.

    Warum nur hat er kein geheimes Zeichen mit seinem Kollegen ausgemacht? Diese Frage stellt sich Kommissar Biersack, als er bei seinem Rendezvous mit der Internetbekanntschaft Waldfee auf die esoterisch angehauchte, resolute Hildegard trifft, die ihn vollkommen einschüchtert. Doch dann kommt ihm zum Glück sein Handy zur Hilfe und Hals über Kopf verlässt Biersack das Restaurant und lässt Hildegard etwas verstört zurück.

    Der Anblick, den sich den Ermittlern am Fundort der Leiche bietet, ist allerdings schon etwas seltsam. Dort liegt ein farbiger Mann mit Lederhosen bekleidet. Die Todesursache ist nicht ersichtlich, aber eine große Wunde ziert dessen Rücken. Biersack und sein Team ermitteln in alle Richtungen, doch welcher Spur sollen sie folgen, wenn sie noch nicht einmal die Identität, geschweige denn die Nationalität des Toten kennen? So gerät auch der Tote vom See erst einmal in den Hintergrund als kurze Zeit später ein Schönheitschirurg in seiner Praxis erschossen wird. Doch schon bald stellt Biersack einige Zusammenhänge zwischen dem Schönheitschirurgen und dem Unbekannten her.

    Mit viel Münchner Flair, einem herrlichen Wortwitz, dementsprechend locker und unterhaltsam erzählt Ray Müller seinen Kriminalroman um den Münchner Hauptkommissar Anton Maria Biersack. Dieser ist ein gestandener Mann Mitte 50, der das gute Essen zu genießen versteht, eher bedächtig und überlegt einen Fall angeht und gerne auch mal ein wenig eigenbrötlerisch wird, wenn er einen Verdacht hegt. Seine Kollegen bekommen dann meist nur noch das Ergebnis präsentiert. Was Biersack allerdings nach seiner Scheidung fehlt, ist eine Frau an seiner Seite. Tja, da wäre ja die Waldfee, sein Blind Date, dass er so Hals über Kopf hat sitzen lassen. Doch der Biersack ist ein Herzensguter und schnell plagt ihn das schlechte Gewissen.

    Die Krimihandlung entwickelt sich gemächlich, dabei aber keineswegs langatmig. Eher schon wirken die Ermittlungen realistisch und vor allem nachvollziehbar. Da kann dem Kommissar schon mal ein Fehler unterlaufen oder Biersack vergisst etwas, Spuren führen ins Leere oder Verdächtige entpuppen sich als unschuldig. Es bleibt spannend bis zum Schluss, denn auch wenn man ab der Mitte des Buches die Zusammenhänge ahnt, den Täter präsentiert einem Ray Müller erst zum Schluss.

    Fazit: Ein spannender, atmosphärisch dicht erzählter Krimi mit viel Münchner Flair und einem herrlich sympathischen Hauptkommissar.
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