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Isabel von Belles Leseinsel
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Mainz
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18 

Bewertungen


Insgesamt 465 Bewertungen
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  • Bewertung vom 18.09.2014
  •  
    sehr gut
  • Schatten der Vergangenheit

    Libyen in den Sechzigerjahren. Der junge Michele wächst als jüngster Sohn des mächtigen Salvatore Balistreri heran. Mit seinen drei Blutsbrüdern verbringt Mike die meiste Zeit und genießt das Privileg als Sohn eines Mannes aufzuwachsen, der über großen politischen Einfluss verfügt und als wichtigster Italiener Tripolis gilt. Doch die unbeschwerte Jugend ist vorbei als die Nachbarstochter ermordet wird und nach Mikes Meinung der falsche Mann dafür verurteilt wird. Nur wenige Jahre später, am Tag des Gaddafi-Militärputschs, stirbt seine geliebte Mutter. An einen Unfall mag der mittlerweile 18-jährige Mike nicht glauben. Viele Jahre später lebt Michele als Polizist in Rom, die Aufklärung seiner Fälle interessiert ihn nicht, viel lieber verbringt er seine Zeit mit schönen Frauen und dem Pokern. Doch dann wird in seinem Bezirk eine junge Austauschstudentin ermordet und die Spuren führen nach Libyen, tief zurück in Micheles Vergangenheit.

    Mit dem Einstieg in den zweiten Thriller um seinen Commissario Michele Balistreri macht es Roberto Constantini seinen Lesern etwas schwer, wenn man bereits von Anfang an eine spannungsgeladene, temporeiche Story erwartet. Denn die Geschichte beginnt Anfang der 60er Jahre in Libyen und man lernt einen selbstbewussten Schuljungen kennen, der am liebsten die Zeit mit seinen Freunden Achmed, Nico und Karim verbringt, wobei Mike durch seine privilegierte Herkunft der Kopf der Blutsbrüderbande ist. Die Zeit in Libyen und somit die Kinder- und Jugendzeit von Mike in Tripolis und Umgebung nimmt bald die Hälfte des Romans ein.

    Doch diese ausführliche, bildhafte, lebendige Darstellung des damaligen Lebens der Italiener in Libyen mit ihrer späteren Zwangsausreise kurz nach der Machtübernahme durch Gaddafi ist maßgeblich entscheidend für den weiteren Verlauf der Geschichte. Dieser Teil des Buches ist zwar selten spannend, aber Roberto Constantini versteht es hervorragend, einem das Leben in Libyen, das Machtgefüge der Regierung, die Einflüsse der Italiener im Land und die schleichenden Veränderungen durch die Machtübernahme von Gaddafi zu vermitteln. Und hilft somit schlussendlich auch, den Zynismus und die Frustration von Mike zu verstehen, welche er selbst Jahrzehnte später in Rom nicht ablegen kann und seinen Zynismus eher sogar kultiviert hat.

    Der eigentliche Thriller beginnt im Jahr 1982, dem Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft. Und auch schon der erste Band spielte anfangs in diesem Zeitraum, worauf ab und an auch Bezug genommen wird. So trifft man auf viele Altbekannte und kann nun das Verhalten von Michele besser nachvollziehen wie auch sein Zerwürfnis mit seinem Vater. Im zweiten Teil der Geschichte zieht der Autor die Spannung dann merklich an, der Fall um die die tote Austauschstudentin entwickelt sich mehr als komplex und Roberto Constantini vermittelt seinen Lesern sehr gut die politischen Machtverhältnisse in Italien und die Einflüsse der Mafia auf die Regierung wie auch das Leben in Rom an sich, Korruption ist gang und gäbe und ohne gute Kontakte tritt man auf der Stelle.

    Politisch wird es im zweiten Band der Trilogie, Michele tritt mit seiner Verbissenheit bald schon einigen hochrangigen Herren auf die Füße, die über beste politische Beziehungen bis in die höchsten Kreise verfügen. Und bald muss Commissario Michele Balistreri feststellen, dass die Saat des Bösen tief in der Vergangenheit gelegt wurde – in seiner eigenen Vergangenheit.

    Fazit: Ein Roman über das Leben in Libyen in den 60er Jahren sowie ein hochspannender Politthriller aus der italienischen Hauptstadt – ein fesselnder Mix.
Sund, Erik A. Narbenkind / Victoria Bergman Bd.2 EUR 12,99
  • Bewertung vom 14.09.2014
  •  
    sehr gut
  • „Bloß gut gewesen wäre …“

    Jeanette Kihlberg und ihr Kollege Jens Hurtig sind frustriert. Die Ermittlungen in der Mordserie um die illegal nach Stockholm eingereisten Jungen ist aus Kostengründen und mangels Erfolg auf Eis gelegt worden. Allerdings können sich die beiden Ermittler über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Ein bekannter Geschäftsmann ist auf grausame Weise getötet worden, alles weist auf einen Racheakt hin. Gleichzeitig ermitteln Jeanette und Jens jedoch heimlich in der Mordserie um die Jungen weiter und Jeanette bittet die Psychologin Sofia Zetterlund, ein Täterprofil zu erstellen. Währenddessen geschehen weitere Morde und auch diese sehen nach einem Racheakt aus. Während ihrer Ermittlungen stoßen Jens und Jeanette immer wieder auf Hinweise zu Victoria Bergmann. Doch diese scheint nicht auffindbar …



    Nach einer kurzen Szene knüpft das Autorenduo Erik Axl Sund mit dem zweiten Band direkt an den Vorgänger an und die Autoren behalten auch weiterhin ihren eher distanzierten, nüchternen Schreibstil bei. Allerdings legen Erik Axl Sund den Fokus im Verlauf der Geschichte immer mehr auf die Ermittlungen, wobei das Privatleben von Jeanette und Sofia dennoch viel Raum einnehmen.

    Die Geschichte um die offensichtlichen Rachemorde erzählen die Autoren wieder detailreich und eher gemächlich, die Spannung kommt wiederum mehr durch die Hintertür. Wer somit im zweiten Band endlich einen hochspannenden Psychothriller erhofft, wird wieder enttäuscht sein. Dennoch kommt im Verlauf der äußerst komplexen Story keine Langeweile auf.

    Hervorragend durchdacht entwickelt sich die Geschichte um Victoria Bergmann weiter und bald merken Jeanette und Jens, dass sie bisher gerade einmal die Spitze des Eisberges bei den Rachemorden erahnen können. Neben den aktuellen Ermittlungen wechseln Erik Axl Sund auch immer wieder in die Vergangenheit und man erfährt einiges über das Leben und Leiden von Victoria. Wie auch im ersten Band enden die Kapitel zumeist mit einem Cliffhanger und der Schluss des zweiten Bandes nimmt eine so unerwartete, überraschende Wendung an, welche das Warten auf Band 3 im November 2014 sehr lang werden lässt.

    So werden in Band 2 kaum offene Fragen beantwortet, sondern eher noch mehr aufgeworfen. Das Thema aus Band 1 bleibt auch im vorliegenden Buch sehr präsent und durch die weiterhin schnörkellose Erzählweise der Autoren gehen einem die grausamen Schilderungen wieder sehr unter die Haut.

    Neben der ausgefeilten, wendungsreichen Story, überzeugen aber auch wieder die authentisch agierenden Charaktere. Nach wie vor bleibt aber die Person Victoria Bergmann dem Leser ein Rätsel, aber auch die nicht gerade unkomplizierte Sofia Zetterlund bleibt in ihrem Verhalten schwer durchschaubar.

    Fazit: Wem Band 1 gefallen hat, wird vom Band 2 dieser ungewöhnlichen Trilogie nicht enttäuscht sein und sehnsüchtig auf die Auflösung in Band 3 warten.
Vilshöfer, Claudia Kalter Hauch EUR 8,99
  • Bewertung vom 12.09.2014
  •  
    ausgezeichnet
  • Auf hoher See

    Nach rund 20 Jahren trifft Skipper Martin auf seinen ehemaligen Schulkameraden Cornelius und unheilvolle Erinnerungen tauchen sofort wieder vor Martins Augen auf. Dennoch nimmt er aus Geldnot den Auftrag des Schönheitschirurgen an und heuert als Kapitän auf dessen Yacht zu einem Mittelmeertörn an. Doch kaum sieht Martin die junge Freundin von Cornelius, ahnt er nichts Gutes. Denn Nadja sieht der Frau, welche Martin und Cornelius einst begehrten zum Verwechseln ähnlich.

    Martin und Cornelius umgibt ein düsteres, tödliches Geheimnis. Das spürt der Leser praktisch von der ersten Seite an. Doch Claudia Vilshöfer legt geschickt immer nur ein paar Happen aus, was die Neugier nur noch mehr antreibt. Und auch die regelmäßigen Wechsel in Martins und Cornelius‘ Vergangenheit verraten lange Zeit kaum etwas von der herannahenden Katastrophe, der sich die jungen Männer damals ausgesetzt sahen. Klar ist nur, beide liebten eine junge Frau und diese lebt heute nicht mehr.

    Somit weiß man auch nicht, ob und vor allem bei wem noch unterschwelliger Hass oder Rachegefühle vorhanden sind. Und dann ist da auch noch Nadja, die wunderschöne Freundin von Cornelius, von der Martin kaum seine Augen abwenden kann, sosehr erinnert ihn Nadja an seine einst große Liebe. Schnell ist auch klar, dass Nadja nicht ganz mit offenen Karten spielt, irgendetwas verbirgt oder vorhat, doch nur was? Beste Voraussetzungen also für einen dreiwöchigen Mittelmeertörn, der eigentlich ja nur in einer Katastrophe enden kann.

    Klar, dass ist vorhersehbar, wäre ja sonst auch kein Psychothriller. Aber eigentlich ist dieses Wissen absolut nebensächlich, denn man weiß nicht, wer was geplant hat, wer das Opfer und wer der Täter ist. Und anfangs entwickelt sich der Törn auf der Luxus-Yacht absolut harmonisch, aber die spannungsgeladene Atmosphäre an Bord ist dennoch regelrecht greifbar. Mit jeder Seite wartet man darauf, wann endlich der Erste seine Maske fallen lässt.

    Die Charakterzeichnungen sind hervorragend. Claudia Vilshöfer gelingt es perfekt, ihre Leser nicht zu schnell hinter die Fassade ihrer drei Protagonisten blicken zu lassen. Obwohl der Psychopath an Bord recht schnell ausgemacht ist, bleiben alle Charaktere fast bis zum Schluss rätselhaft und undurchsichtig und lassen sich nicht in eine eindeutige Opfer- oder Täterrolle pressen. Perfekt für einen Psychothriller, perfekt wird aber auch die Story vermittelt, die Dramaturgie stimmt einfach.

    Der Psychothriller beginnt eher etwas gemächlich, man lernt Martin, Cornelius und Nadja ein wenig kennen und macht ein wenig Sightseeing an der Mittelmeerküste entlang, was jederzeit kurzweilig und unterhaltsam vermittelt wird. Fast unmerklich zieht aber Claudia Vilshöfer den Spannungsbogen an und bald schon liegen die Nerven des Lesers blank, so fesselnd und spannend erzählt die Autorin die Ereignisse an Bord. Zudem präsentiert die Autorin zum Ende ihrer schlüssig aufgebauten Geschichte dann noch die eine oder andere unerwartete Wendung, mit der man in der Form nicht gerechnet hätte.

    Fazit: Hier hält man wirklich einen Psychothriller in Händen. Bei der komplexen Story und den ausgefeilten Charakteren ist Nervenkitzel bis zur letzten Seiten garantiert.
Franz, Andreas; Holbe, Daniel Die Hyäne / Julia Durant Bd.15 EUR 9,99
  • Bewertung vom 10.09.2014
  •  
    sehr gut
  • Ein Serienmörder in Frankfurt?

    Ein lang vermisstes Mädchen wird tot aufgefunden, ein Teenager wird ermordet, ein Mädchen entführt. Ein Mörder, der ohne erkennbares Muster tötet und Kommissarin Julia Durant grausame Post schickt. Ein Serienkiller, der im Frankfurter Raum mordet? Die Kommissarin und ihr Team ermitteln auf Hochtouren.

    Als hätte Julia Durant privat nicht schon mehr als genug Probleme, sieht sie sich plötzlich einen Fall gegenüber, der sie an ihre Anfänge in Frankfurt erinnert. In ihrem 15. Fall müssen sich Julia Durant und ihr Team mit Stalken, Entführung und Morden beschäftigen und der Fall entwickelt sich äußerst verzwickt.

    Neben Julia hat aber auch Frank Hellmer mit massiven privaten Problemen zu kämpfen und so verfolgt man im Verlauf des Krimis nicht nur die Ermittlungen, welche lange Zeit keine heiße Spur zu bieten haben, sondern auch das Privatleben von Julia Durant und Frank Hellmer. So ist die Geschichte sehr ausgewogen zwischen dem perfiden Fall und dem privaten Umfeld der Kommissare aufgeteilt.

    Spannung ist praktisch von der ersten Seite vorhanden und Daniel Holbe gelingt es sehr gut, diese konstant zu halten und oft auch noch zu steigern. Der Krimi ist durchweg logisch aufgebaut und die Ermittlungen jederzeit nachvollziehbar. Fesselnd, atmosphärisch dicht und zumeist sehr temporeich erzählt Daniel Holbe den 15. Fall von Julia Durant, bei dem auch Emotionen nicht zu kurz kommen.

    Fazit: Spannender und packender Frankfurt-Krimi mit einer komplexen Story und glaubhaft agierenden Charakteren.
Bingham, Harry Totenspiel EUR 9,99
  • Bewertung vom 08.09.2014
  •  
    sehr gut
  • Fiona Griffiths zweiter Fall

    Im Gefrierfach einer gerade verstorbenen alten Dame wird zufällig das Bein einer jungen Frau gefunden, die seit Jahren vermisst wird. Bei der Suche nach weiteren Leichenteilen findet die Cardiffer Polizei nicht nur Leichenteile von Mary Langton, sondern auch von dem Wissenschaftler Ali el-Khalifi. DC Fiona Griffith vermutet hier einen Zusammenhang, obwohl die Todeszeitpunkte beider Toten mehrere Jahre auseinanderliegen. Da indirekt auch ihr Vater in die Fälle verwickelt sein könnte, ermittelt Fiona auf eigene Faust und gerät dabei in tödliche Gefahr.

    Mal in einer Gefriertruhe, dann in einem Ölfass oder auf einem Heuboden findet die Polizei von Cardiff Leichenteile. Wie perfide muss der Mörder sein und vor allem, warum ließ er sich so viele Jahre Zeit zwischen den beiden Morden, falls sie überhaupt von ein und demselben Mörder begangen wurden? Und wie passt der rätselhafte Selbstmord eines Gefängnisinsassen zu dem Fall? Fiona steht vor einer Fülle von Fragen, die ihr keine Ruhe mehr lassen. Da die Tote Mary Langton allerdings in einer Bar ihres Vaters gejobbt hatte, wird Fiona aus dem Fall mehr oder weniger herausgezogen und ermittelt mal wieder auf eigene Faust, jedoch mit voller Unterstützung ihrer Chefin. Und dann gibt es ja auch noch das Rätsel um ihre Kindheit, welches Fiona keine Ruhe lässt.

    Auch im 2. Band des komplexen Krimis aus Wales erzählt Fiona Griffith in ihrer eigenwilligen Art selbst die Geschichte. Mittlerweile kann man den Charme von Fiona nicht mehr unbedingt mit dem einer Kaktee vergleichen, die Beziehung zu Kollegen Buzz hat die junge Frau etwas weicher werden lassen. Problembehaftet, schwierig, gelegentlich recht kratzbürstig und eigenbrötlerisch ist sie jedoch weiterhin. Und auch ihre Ermittlungsmethoden haben sich nicht verändert, durch ihre Intelligenz und der Fähigkeit, auch einmal um die Ecke denken zu können, entdeckt Fiona wieder Zusammenhänge, die ihren Kollegen so nicht ersichtlich waren.

    Die Story entwickelt sich anfangs etwas langsam, fast gemächlich, aber dadurch nicht minder fesselnd. Von Anfang an wirft der Krimi viele Fragen auf, geht öfter einmal neue Wege und bleibt hierdurch durchweg wendungsreich. Und auch die Spannung lässt nicht lange auf sich warten und steigert sich im Verlauf kontinuierlich. Packend und unterhaltsam erzählt Harry Bingham seinen Krimi und bringt auch immer wieder einiges Wissenswertes und Interessantes rund um Wales und im Besonderen um Cardiff mit ein, sodass der Krimi durchweg atmosphärisch dicht erzählt wirkt.

    Fazit: Auch im 2. Band überzeugt Harry Bingham mit seiner eigenwilligen Protagonistin, einer spannenden wie komplexen Story und lebendig beschriebenen Charakteren.
Wucherer, Bernhard Die Säulen des Zorns EUR 14,99
  • Bewertung vom 03.09.2014
  •  
    sehr gut
  • Der Gliedermörder

    Staufen, nahe Immenstadt in den Jahren 1649/50. Der Dreißigjährige Krieg ist zu Ende und auch die Pest hat die Region wieder verlassen. Die Staufner sind auf rund 300 Bewohner zusammengeschrumpft. Um ihnen wieder etwas Mut für die Zukunft zu geben, erinnert sich der Reichsgraf Hugo von Königsegg an sein vor Jahren gegebenes Versprechen und stiftet den ledigen Burschen eine wertvolle Fahne mitsamt Umzug und Festmahl. Doch kaum ist die Stiftung bekannt, breitet sich Neid und Missgunst unter den jungen Männern aus. Die erste Leiche eines möglichen Fähnrichs lässt nicht lange auf sich warten. Der vermeintliche Mörder scheint in dem Schwarzfischer Jockel Mühlegg schnell gefunden. Doch trotz peinlicher Befragung beteuert Jockel im Immenstadt seine Unschuld.

    Im Jahr 1649 liegen die Äcker brach und das Land ist verödet. Entsprechender Pessimismus herrscht unter dem Volk, zumal der Winter vor der Tür steht und die Menschen nicht wissen, wie sie diesen mit den wenigen Lebensmitteln und dem Mangel an Brennholz überleben sollen. Auch bei der Familie des Kastellans Lodewig Dreyling von Wagrain wird der Gürtel in dieser Zeit enger geschnallt.

    Auch im dritten Band rund um die Familie Dreyling von Wagrain versteht es Bernhard Wucherer wieder perfekt, historische Fakten und Persönlichkeiten mit einer fiktiven Geschichte zu verknüpfen und beweist hierdurch wieder einmal, wie akribisch er seine Historischen Kriminalromane recherchiert.

    Die Geschichte um den Gliedermörder gestaltet sich äußerst interessant und fesselnd. Allerdings verliert sich Bernhard Wucherer öfter einmal zu sehr im Detail und wiederholt sich auch stellenweise, sodass bei dem rund 1.100 Seiten fassenden Schmöker ab und an Durchhaltevermögen angesagt ist.

    Auf der anderen Seite schafft aber gerade diese detailreich erzählte Geschichte eine atmosphärische Dichte und einen wunderbaren Einblick in das 17. Jahrhundert, spiegelt glaubwürdig und bildhaft das Leben der einfachen Bevölkerung im Allgäu nach dem Dreißigjährigen Krieg und der Pest wieder, den Aberglauben, der immer noch vorherrscht und erzählt ausführlich die Vorgänge bei der peinlichen Befragung.

    Die Charaktere sind wieder einmal detailreich und lebendig beschrieben, bleiben stellenweise recht undurchsichtig, was gerade bei der Suche nach dem Mörder von Vorteil ist und einige Personen überraschen oftmals in ihren Handlungen. Obwohl viele bekannte Figuren aus den beiden vorherigen Bänden mitwirken, werden auch diese, gerade was ihre Vergangenheit angeht, ausführlich beschrieben, sodass ein Lesen der ersten beiden Bände nicht notwendig ist. Allerdings verpasst man dadurch aber auch zwei hervorragende historische Romane.

    Fazit: Zwischenzeitlich verliert sich der Autor etwas zu sehr im Detail, dennoch überzeugt der Roman mit einer vielschichtigen Story und überzeugend beschriebenen Charakteren.
Drvenkar, Zoran STILL EUR 16,95
  • Bewertung vom 01.09.2014
  •  
    ausgezeichnet
  • Schnee

    Ein Mann ist auf der Suche nach seiner Tochter und nimmt dafür eine neue Identität an. Ein Mädchen schaut seit sechs Jahren still und reglos aus dem Fenster, ihre Erinnerungen sind tief in ihr verborgen. Vier Männer haben eine Mission und warten auf den Winter.

    Eine rätselhafte Kurzbeschreibung, die eigentlich kaum etwas über den Inhalt des neuesten Thrillers von Zoran Drvenkar aussagt und doch genug, um neugierig zu machen. Zudem versteht es der Autor bestens, im Verlauf immer mehr Fragen als Antworten aufkommen zu lassen und die Antworten erst ganz zum Schluss zu präsentieren.

    Zoran Drvenkar hat einen ungewöhnlichen, eigenwilligen Schreibstil, der einen fast sofort in seinen Bann zieht. Die äußerst komplexe, wohldurchdachte Geschichte erzählt der Autor aus drei verschiedenen Perspektiven: DU, ICH und SIE.

    DU, das ist eine junge Frau, welche seit sechs Jahren vollkommen reglos in ihrem Zimmer einer psychiatrischen Klinik sitzt und aus dem Fenster schaut. Auf was wartet sie, warum regt sie sich nicht, obwohl sie sich bewegen kann, warum starrt sie nur aus dem Fenster und warum schweigt sie beharrlich seit sechs Jahren?

    ICH, das ist ein Lehrer auf der Suche nach seiner Tochter. Doch wer er wirklich ist, weiß man nicht, denn ICH hat für die Suche nach seiner Tochter eine neue Identität angenommen. Doch eines weiß man gewiss, ICH sinnt auf Rache. Der ICH-Erzählstrang nimmt auch den meisten Raum in dem Thriller ein.

    SIE, dies sind vier geheimnisvolle Männer, fast ein Mythos, die im Winter auf die Jagd gehen, doch nach was oder wem?

    Eindringlich und überaus fesselnd erzählt Zoran Drvenkar seinen beklemmenden Thriller und dem Autor gelingt es dabei hervorragend, seine Leser ständig auf eine neue Fährte zu locken. Meint man stellenweise zu ahnen, um was es in den Thriller geht, nimmt dieser immer wieder neue Wendungen an, überrascht im Verlauf der Geschichte ständig. Durch seinen intensiven Schreibstil gelingt es Zoran Drvenkar zudem fantastisch, seinen Charakteren ein Gesicht und eine Geschichte zu geben, ohne dabei zu viel über sie zu verraten und somit den Leser ständig im Unklaren über ihre Absichten zu lassen.

    Fazit: Ein außergewöhnlicher, beklemmender wie intensiver Thriller, der durch die ausdrucksstarke Sprache des Autors bis zu letzten Seite überzeugt.
Gibert, Matthias P. Müllhalde EUR 11,99
  • Bewertung vom 27.08.2014
  •  
    ausgezeichnet
  • Im Sumpf des Verbrechens

    Auf der Suche nach seinem verschwundenen Motorroller taucht ein junger Mann in der Fulda. Doch statt seinen Roller zu finden, entdeckt er die Leiche von Dominik Rohrschach. Der Kasseler Immobilienentwickler stand mit seiner Firma vor dem Ruin und einigen seiner früheren Geschäftspartner kommt sein Tod nicht ungelegen. Die Kommissare Paul Lenz und Thilo Hain ermitteln im direkten Umfeld des Toten und stellen schnell fest, dass Dominik Rohrschach einige illegale Geschäfte am Laufen hatte. Als die Ermittler Hinweise auf einen Ansprechpartner bei den Stadtreinigern erhalten, nimmt der Fall eine dramatische Wendung.

    Dass hatte sich Björn Schadewald auch ein wenig anders vorgestellt, als er in der Fulda nach seinem heißgeliebten Motorroller sucht und anstelle seinem Roller die Wasserleiche von Dominik Rohrschach findet. Hauptkommissar Paul Lenz und sein Kollege und Freund Thilo Hain nehmen sofort die Ermittlungen auf und ihr erster Weg führt sie zur Gattin des Toten. Doch das Verhalten von Angelika Rohrschach ist mehr als seltsam und den Kommissaren ist schnell klar, dass Dominik Rohrschach eigentlich geplant hatte, sich ins Ausland abzusetzen. Doch da hatte ihm sein Mörder einen Strich durch die Rechnung gemacht.

    Nach einem Tipp von Frau Rohrschach begeben sich die Ermittler auf die Suche nach einem Mitarbeiter der Stadtreinigung und schnell müssen Lenz und Hain feststellen, dass sie hier in einem tiefen Morast von Intrigen und Korruption geraten sind. Es geht hierbei um ein ungenutztes Gelände mit dem einige Investoren großes geplant hatten, allerdings befindet sich hier auch eine riesige Menge an Sondermüll.

    Auch in seinem 13. Fall ermittelt Paul Lenz wieder zusammen mit seinem jungen Kollegen und Freund Thilo Hain. Die Stimmung des Krimis ist durch die flapsige, liebenswert ruppige Art der Beiden wieder recht heiter, trotz des Mordfalls und den Hintergründen, die zu dem Mord geführt haben. Die Story entwickelt sich absolut logisch fort, wird zunehmend hochspannend und immer fesselnder. Matthias P. Gibert versteht es wieder einmal hervorragend mit seinem einnehmenden, mit viel Lokalkolorit versehenen und lockeren Schreibstil seine Leser von Anfang bis Ende an seinen vielschichtigen Krimi zu binden.

    Fazit: Auch der 13. Fall von Paul Lenz überzeugt wieder mit authentischen Charakteren und einer hervorragend durchdachten und hochspannenden Story.
Chadwick, Elizabeth Das Lied der Königin EUR 9,99
  • Bewertung vom 20.08.2014
  •  
    ausgezeichnet
  • „Sie war eine Frau ihrer Zeit, aber was für eine Frau!“

    Aquitanien im 12. Jahrhundert: Die 13-jährige Alienor wächst mit dem Wissen auf, nach dem Tod ihres Vaters Erbin des reichen Herzogtums Aquitanien zu werden. Doch ihr geliebter Vater stirbt viel früher als erwartet und gerade zur Frau gereift, regiert nun Alienor über das Herzogtum. Der letzte Wunsch ihres Vaters war es, seine älteste Tochter mit dem Prinzen von Frankreich zu verheiraten. Die Ehe ist schnell arrangiert und kurze Zeit später heiraten Alienor und Louis. Doch ein weiterer Tod verändert ihr junges Leben einschneidend und Louis und Alienor werden zu König und Königin gekrönt. Alienor muss sich nun daran gewöhnen, Herrscherin des großen französischen Hofes zu sein. ….

    Ihre Zukunft hatte sich die entschlossene, hochgebildete Alienor etwas anders vorgestellt. Doch der frühe Tod ihres Vaters durchkreuzten ihre Pläne und bevor die 13-jährige es richtig verarbeitet hatte, war sie bereits mit dem fast gleichaltrigen Louis verheiratet. Ihrem geliebten Aquitanien musste sie für lange Zeit Lebewohl sagen und reiste mit Louis an den französischen Hof. Würdevoll und hartnäckig widersetzte sie sich den Attacken der Königinmutter, nutzte ihren Einfluss auf Louis und unterstützte den in einem Kloster aufgewachsenen und gottesfürchtigen jungen König in Regierungsgeschäften. Doch dies war dessen Mentor Abt Suger schnell ein Dorn im Auge und auch Bernhard von Clairvaux und der Templer Thierry de Galeran übten bald immer mehr Einfluss auf Louis aus, was das Königspaar immer mehr entzweite. Als Alienor und Louis das Kreuz nahmen, hoffte Alienor bereits auf die Annullierung ihrer Ehe mit dem ungeliebten König.

    Was ist nicht alles über sie geschrieben worden, der Herzogin von Aquitanien, die wahrscheinlich von 1124 bis 1204 lebte und Königin von Frankreich wie auch Königin von England war. Ebenso legendär ist ihr Sohn Richard I., der als Richard Löwenherz in die Geschichte einging. Elizabeth Chadwick erzählt das Leben von Alienor von Aquitanien in „Das Lied der Königin“ beginnend im Jahre 1137 bis zu ihrer Ankunft in England im Jahre 1154. Ihr weiteres Leben folgt in den Büchern „The Winter Crown“ und The Autumn Throne“.

    Elizabeth Chadwick schildert Alienor als eine Frau ihrer Zeit, die als Herrscherin und somit zum selbstständigen Denken erzogen wurde, ohne dabei jedoch die Möglichkeit hatte, ein eigenständiges Leben zu führen. Ihre Intelligenz, ihre Entschlossenheit und auch ihr Mut halfen ihr, stellenweise ihren Willen durchzusetzen. Doch selbst als Königin waren Alienor Grenzen gesetzt, sie hatte sich ihrem jähzornigen, gottesfürchtigen französischen Ehemann zu fügen und kämpfte dabei wie eine Löwin um ihr Herzogtum.

    Den ersten Band um das Leben von Alienor von Aquitanien schildert Elizabeth Chadwick mitreißend, farbenprächtig und fesselnd. Geschickt und hervorragend recherchiert verbindet die Autorin zudem historische Ereignisse und Persönlichkeiten mit fiktiven Geschehnissen und hat somit wieder einen lebendig erzählten Roman geschaffen, der bis zur letzten Seite überzeugen kann.

    Fazit: Opulent, farbenfroh und mitreißend präsentiert Elizabeth Chadwick die frühen Jahre der legendäre Herzogin von Aquitanien.
Gerwien, Michael Andechser Tod EUR 11,99
  • Bewertung vom 15.08.2014
  •  
    sehr gut
  • Ufosichtung in Machtlfing

    Es ist Walpurgisnacht und Exkommissar Max Raintaler feiert den Tanz in den Mai mit seinem Kumpel Franzi, dessen Frau Sandra und seiner Freundin Moni im beschaulichen Machtlfing. Während der Feier sieht Franzi plötzlich ein Ufo am Sternenhimmel und kurz darauf ist er verschwunden. In derselben Nacht passiert ein Unfall mit Fahrerflucht, bei dem der Machtlfinger Bruno zu Tode kommt. Oder war es gar kein Unfall? Franzi, der am nächsten Morgen wohlbehalten wieder auftaucht, bittet seinen Freund und Ex-Kollegen um Mithilfe bei den Ermittlungen. Doch kaum hat sich Max in Machtlfing ein wenig umgehört, gibt es schon die nächste Leiche.

    Eine Ufosichtung in der Walpurgisnacht? Der Münchner Ex-Kommissar Max Raintaler glaubt nicht recht daran, obwohl er auch so ein komisches Licht am Nachthimmel gesehen hat. Doch bei seinen Ermittlungen, die einmal mehr recht schwierig anlaufen, da kaum ein Verdächtiger aufzutreiben ist, wird Max ständig mit Ufos und angeblichen Außerirdischen konfrontiert. Sollte es tatsächlich Aliens geben, die bereits unerkannt auf der Erde leben, die Opfer scheinen davon überzeugt gewesen zu sein.

    Man muss diesen exzentrischen Exkommissar schon mögen, um die Krimis von Michael Gerwien gerne zu lesen. Der Münchner ermittelt auf recht eigenwillige Art und Weise und zwischendurch wird immer wieder ein Besuch in einem Gasthaus oder Biergarten eingeschoben, denn schließlich muss man sich ja entsprechend stärken für die Verbrecherjagd.

    Viel Spannung sollte man auch in diesem mittlerweile siebten Max-Raintaler-Krimi nicht erwarten, aber unterhaltsam ist „Andechser Tod“ wieder allemal. Und da Max grundsätzlich nun einmal eine grantige Frohnatur ist und immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat, gestaltet sich die komplette Story humorvoll und kurzweilig.

    Wie schon im letzten Band kommt auch dieses Mal die Auflösung wie vom Himmel gefallen und Kommissar Zufall spielt eine entscheidende Rolle. Zwar präsentiert Michael Gerwien wieder den einen oder anderen Verdächtigen, ein rechtes Motiv mag aber bei allen nicht so recht vorhanden sein, doch die Auflösung der Todesfälle ist schlussendlich wieder nachvollziehbar.

    Fazit: Auch der 7. Raintaler-Krimi überzeugt mit einer humorvollen Story sowie viel Lokalkolorit, bei dem die Spannung nicht unbedingt im Vordergrund steht.
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