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Isabel von Belles Leseinsel
Wohnort:
Mainz
Über mich:
Mehr Rezensionen von mir gibt es unter: http://bellexrsleseinsel.blogspot.com/
Danksagungen:
74 (erhaltene)
Rang:
14 

Bewertungen


Insgesamt 326 Bewertungen
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Schier, Petra Das Haus in der Löwengasse EUR 8,99
  • Bewertung vom 18.05.2013
  • ****
    sehr gut
  • Eine junge Frau geht ihren Weg

    Die 23-jährige Pauline Schmitz ist Waise und seit dem Tod ihres Onkels, einem Badearzt aus Bad Bertrich, mittellos. Als Gouvernante findet die junge Frau jedoch schnell Anstellung bei einer gutbetuchten Familie in Bonn. Doch als der Hausherr sie massiv bedrängt und Pauline sich diesen Nachstellungen zur Wehr setzt, steht sie unvermittelt auf der Straße. Ihr Weg führt sie nach Köln, in der Domstadt ist ihr das Glück hold und Pauline kann bei der Kaufmannsfamilie Stein als Dienstmagd arbeiten. Dort wird auch der Fabrikant Julius Reuther auf sie aufmerksam und erkennt schnell, dass Pauline äußerst gebildet ist. Der Fabrikant nimmt sie als Gouvernante für seine beiden Kinder Ricarda und Peter in seine Dienste. Doch der Textilfabrikant hat durch schlecht beratene Spekulationsgeschäfte ein massives Geldproblem. Um seine Fabrik nicht zu verlieren, müsste er die junge Frieda Oppenheim heiraten, allerdings liebt Julius Pauline, wobei er sich deren Gefühle selbst nicht sicher ist.

    Herz oder Verstand? Vor diesem Problem stehen der bisher äußerst erfolgreiche Fabrikant Julius Reuther wie auch die junge Pauline. Wie Beide sich letztendlich entscheiden werden, ist einem als Leser eigentlich von Anfang an klar, aber der Weg ist schließlich das Ziel. Und diesen Weg beschreibt Petra Schier äußerst unterhaltsam und amüsant und gibt zudem ihren Lesern einen anschaulichen Einblick in das gesellschaftliche Leben der Wohlhabenden und Reichen in Köln des 19. Jahrhunderts.

    Die Geschichte verläuft in bekannten Bahnen. Petra Schier gelingt es aber wirklich sehr gut, ihre Leser mit ihren Protagonisten mitleiden und mitfreuen zu lassen und man taucht regelrecht in das erlebnisreiche Leben von Pauline ein. Praktisch von der ersten Seite hat man die energische, liebenswerte, herrlich ehrliche und direkte Pauline vor Augen, die sich durch die unterschiedlichsten Widrigkeiten nicht unterkriegen lässt und aus Liebe zu Julius nur selbstlos an ihn und sein Unternehmen denkt. Eine wirklich bemerkenswerte junge Frau, die man sofort in ihr Herz schließt und welche Petra Schier authentisch agieren lässt.

    Aber auch Julius Reuther ist kein Mann nach Schema F, dessen Gefühlsleben und Gedanken einem durch einen weiteren Erzählstrang näher gebracht werden. Nach außen hin wirkt der Fabrikant unterkühlt, ja fast schon hartherzig und ziemlich eigenbrötlerisch. Julius verfügt aber auch über einen wunderbaren Humor, welchen er viel zu selten zeigt. Das gesellschaftliche Leben interessiert ihn herzlich wenig und er nimmt daran nur teil, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt. Von Paulines direkter Art und sich trotz seiner Kratzbürstigkeit nicht von ihm einschüchtern zu lassen, ist Julius fasziniert und er verliebt sich fast augenblicklich in die junge Frau. Doch der Fabrikant weiß um die Geschehnisse in Bonn und hat Pauline versprochen, ihr niemals zu nahe zu treten und als Ehrenmann hält er sich hieran. Was zu einigen Missverständnissen zwischen ihm und Pauline führt.

    Der Schreibstil von Petra Schier ist durchweg sehr warmherzig, lebendig, bildhaft und unterhaltsam. Und wenn man meint, dass die Beziehung zwischen Pauline und Julius in Versuchung gerät, ins Kitschige abzudriften, bringt die Autorin einem immer wieder mit den herrlich spitzfindigen Wortgefechten ihrer Protagonisten zum Schmunzeln. Wobei diese Debatten zumeist Pauline gewinnt und Julius öfters äußerst verblüfft zurücklässt.

    Fazit: Ein kurzweiliger wie auch gefühlvoller Liebesroman vor der Kulisse des biederen 19. Jahrhunderts, der mit seinen starken Charakteren bis zum Schluss überzeugt.
Kibler, Michael Engelsblut EUR 12,99
  • Bewertung vom 13.05.2013
  • ****
    sehr gut
  • Ein vermeintlicher Suizid und ein rätselhafter Doppelmord

    Nachts werden Margot Hesgart und ihr Kollege Steffen Horndeich an einen Tatort gerufen. Eine junge Frau hat sich auf die Gleise gesetzt und vom herannahenden Zug überfahren lassen. Kurz darauf der nächste Einsatz für die beiden Kommissare: Ein vermögendes Ehepaar wird erstochen in ihrem Haus aufgefunden, offensichtlich Raubmord. Hesgart und Horndeich ermitteln in alle Richtungen, eine beweiskräftige Spur lässt sich jedoch einfach nicht finden. Dann wird bei der Obduktion festgestellt, dass die junge Frau keineswegs Selbstmord begangen hat, sondern ebenfalls erstochen wurde.

    Der Tatort des Raubmordes wirft für die Ermittler viele Fragen auf, die sich für die Kommissare lange nicht erklären lassen. Da gestaltet sich der offensichtliche Selbstmord der jungen Frau schon einfacher und ist von Margot Hesgart und Steffen Horndeich auch schnell zu den Akten gelegt. Doch dann entdeckt Hinrichs neue Assistentin eine tödliche Stichwunde bei der jungen Frau, die Kommissare nehmen die Ermittlungen in dem Fall wieder auf und stellen bald einige Zusammenhänge zu dem Doppelmord her. Was sich allerdings wirklich hinter diesen drei Morden verbirgt und somit das Thema des Buches, das offenbart Michael Kibler seinen Lesern erst nach einiger Zeit.

    Als wenn die Mordfälle nicht schon kompliziert genug wären, gestaltet sich das Privatleben von Margot Hesgart auch noch alles andere als einfach. Während ihr Kollege Horndeich sein junges Familienglück in vollen Zügen genießt, hat die Kommissarin mit einigen Problemen zu kämpfen. Ihr Mann befindet sich immer noch wegen seiner Forschungen im amerikanischen Darmstadt zusammen mit Margots Vater. Die Kontakte sind eher sporadisch und dann kündigt sich auch noch Nick aus den Staaten an, der in Wiesbaden einen Vortrag halten soll. Die Gefühle zu dem amerikanischen Detektiv sind bei der Kommissarin immer noch recht zwiespältig und dann ist da auch noch der ständige Ärger mit Doro, der Tochter ihres Mannes. Margot drohen die privaten Probleme immer mehr über den Kopf zu wachsen.

    Mit viel Lokalkolorit erzählt Michael Kibler seinen mittlerweile sechsten Band um sein Ermittlerteam Hesgart/Horndeich und wie man es in der Vergangenheit gewohnt ist, findet das Privatleben der beiden Ermittler neben dem Kriminalfall wieder gebührend Raum. Die Story entwickelt sich von Anfang an ziemlich verzwickt und rätselhaft, zudem ist lange Zeit nicht abzusehen, in welche Richtung sich der Darmstadt-Krimi entwickeln wird. So bleiben auch Motiv und Täter im Dunkeln und Rätselraten ist angesagt. Und der unterhaltsame, fesselnde Schreibstil von Michael Kibler wie auch die komplexe, wendungsreiche Story sorgen dafür, dass man bis zur letzten Seite beste Krimiunterhaltung geboten bekommt, gepaart mit einem gesellschaftlich wie politisch aktuellem Thema, welches der Autor gewohnt intensiv recherchiert hat.

    Fazit: Auch der sechste Band der Darmstädter Kommissare überzeugt wieder mit einer spannenden Story, sowie mit viel Lokalkolorit und lebendig beschriebenen Charakteren.
Feldhausen, Marion Friedensengel EUR 8,99
  • Bewertung vom 13.05.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • Der 2. Fall für Alvermann & sein Team

    Anfangs erzählt Marion Feldhausen in ihrem 2. Krimi um ihren Protagonisten Eric Alvermann zwei ganz unterschiedliche Geschichten. Zunächst ist man noch bei der Genesungsphase von Alvermann dabei und erhält bereits einen kleinen Einblick in die aktuellen Ermittlungen seines Teams. Zum anderen verfolgt man die Aktivitäten von David van Treek, den seine Recherchen nach Kolumbien führen. Dies erzählt die Autorin äußerst temporeich und diesen rasanten Schreibstil hält Marion Feldhausen auch bei als Eric Alvermann wieder seinen Dienst antritt und sich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in die Arbeit stürzt.

    Während die Ermittlungen in Deutschland zunächst nicht so recht vorankommen, da mutmaßliche Zeugen massiv eingeschüchtert werden und ihre Aussagen zurückziehen, überschlagen sich in Kolumbien bald die Ereignisse. Während David in Kolumbien recherchiert, erfährt der ambitionierte Journalist auch immer mehr über die unmenschlichen Verhältnisse im Land. So werden beispielsweise junge Männer auf offener Straße entführt, in Uniformen der Rebellen gesteckt und anschließend hingerichtet, um so eine Kopfgeldprämie zu kassieren, welche es pro getöteten Rebellen gibt. Aber nicht nur Mütter trauern um ihre Söhne und müssen hilflos das Gebaren des Militärs hinnehmen, auch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Journalisten leben äußerst gefährlich und sind schier machtlos gegenüber der Willkür des Regimes.

    Marion Feldhausen präsentiert ihren Lesern einen äußerst vielschichtigen, fundiert recherchierten Krimi, der immer wieder neue Wendungen nimmt, hierdurch ständig überrascht und zudem sehr spannend erzählt ist. Mit der Zeit treten immer mehr Verbindungen zwischen Davids Recherchen und den Ermittlungen der Polizei auf und die vielen losen Fäden verknüpfen sich nach und nach schlüssig zu einer höchst fesselnden Geschichte.

    Neben der Ermittlungsarbeit von Alvermann und seinem Team kommt auch deren Privatleben nicht zu kurz. Zwar liegt der Schwerpunkt klar auf der Krimihandlung, aber dennoch gewährt die Autorin einem immer mal wieder kleine Einblicke in das Privatleben des Akkordeon spielenden und sehr sympathischen Kriminalkommissars wie auch in das von Alvermanns Kollegen Mansur, der erfolgreich seine Alkoholsucht besiegt hat und frisch verliebt ist. Diese Verliebtheit hat aber zum Glück keine Auswirkungen auf seinen herrlich trockenen Humor, der immer wieder aufblitzt und dem Leser so unterhaltsame Schlagabtausche mit Alvermann beschert.

    Als kleines Manko empfand ich beim ersten Band „Himmelskinder“ noch die Beschreibungen der Charaktere, die mir ein wenig blass vorkamen. Dies ist im vorliegenden Krimi überhaupt nicht mehr der Fall. Gerade Alvermann und sein Team agieren lebendig, überzeugend und sind facettenreich beschrieben. Und die kleinen wie liebenswerten Kabbeleien im Team lockern immer mal wieder etwas die beklemmende Stimmung auf, welche gerade der Teil in Kolumbien mit seinen erschreckenden und eindringlichen Beschreibungen hervorruft. Aber nicht nur das Team um Alvermann, Meissner und Mansur sind detailreich beschrieben, auch alle weiteren Akteure überzeugen jederzeit in ihren Handlungen und bleiben – wo notwendig – auch einmal schwer einschätzbar.

    Fazit: Ein hochbrisanter, eindringlicher wie auch äußerst spannender, temporeicher Krimi, welcher geschickt die Themen Schutzgelderpressung und Waffenhandel verknüpft.
Winterberg, Liv Sehet die Sünder EUR 14,90
  • Bewertung vom 10.05.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • Rätselhafte Vorkommnisse in einem kleinen Dorf in der Bretagne

    Liv Winterberg hat ihren historischen Roman, dem man problemlos als Kriminalroman bezeichnen kann, in drei Handlungsstränge aufgeteilt. Zum einen ist man bei den aktuellen Geschehnissen rund um den Bischofspalast in Nantes dabei und erhält hierdurch auch einen sehr guten Einblick in die politischen Geschehnisse der damaligen Zeit, welche die Autorin verständlich und kurzweilig vermittelt. Weiterhin verfolgt man das Leben der Schlossbewohner von Troyenne, hier vor allem von Baron Amédé von Troyenne und seiner Gattin Bérénice sowie deren Schwester Francine, ist aber auch in das Alltagsleben der Dienerschaft mit eingebunden.

    Der Schwerpunkt der Geschichte liegt jedoch bei dem Alltagsleben der Bewohnern von Saint Mourelles und wie diese mit dem Verschwinden mehrerer Dorfbewohner umgehen. Im Vordergrund stehen bei diesem Handlungsstrang zumeist die Aktivitäten von Catheline und Mathis. Diese drei Handlungsstränge wechseln in regelmäßigen Abständen und so erhält man nach und nach einen hervorragenden Überblick über alle Beteiligten, die von Liv Winterberg lebendig und facettenreich beschrieben werden. So sind Verwechslungen der Charaktere schnell ausgeschlossen, zudem ist dem Roman ein Personenverzeichnis angehängt. Durch diese wechselnden Perspektiven wirkt die Geschichte absolut rund und ist durch den farbenprächtigen, fesselnden und bildhaften Schreibstil von Liv Winterberg zudem atmosphärisch dicht umgesetzt.

    Natürlich heizt sich die Stimmung des Dorfes mit der Zeit immer mehr auf, je mehr Bewohner spurlos verschwinden. Es werden Verdächtigungen ausgesprochen, heidnische Rituale zur Hilfe gerufen, das Böse wird im Dorf vermutet, die Stimmung droht jeden Moment zu kippen und kann selbst vom umsichtig agierenden Dorfpfarrer kaum noch gezügelt werden. Dann werden Spuren gefunden, die eindeutig zum Schloss führen und die Dorfgemeinschaft rückt wieder näher zueinander. Doch Mathis mag hieran nicht glauben, dass irgendwer vom Schloss mit den Morden und dem Verschwinden der Dorfbewohner in Verbindung stehen könnte. Eher schon glaubt Mathis an marodierende Söldner, die seit einiger Zeit durch die Gegend ziehen. Ganz anders dagegen Catheline, sie ist fest davon überzeugt, dass der Mörder im Schloss zu finden ist.

    Doch wer sollte dies sein? Amédé de Troyenne ist ein mildtätiger, freundlicher Baron, der für seine Dorfbewohner immer ein offenes Ohr hat. Der Schlosspfarrer Bertrand ist äußerst freundlich, äußerst gutaussehend und mit seinem freundlichen Wesen der Liebling der weiblichen Schlossbewohner. Und abgesehen davon, dass er Alchemie betreibt, was im 15. Jahrhundert nicht unbedingt verboten war, unverdächtig und immer hilfsbereit. Einzig der Hauptmann des Schlosses ist ein ungehobelter, brutaler Klotz, aber dies wäre für die komplexe, äußerst gut durchdachte Geschichte dann doch viel zu offensichtlich. Und die Dorfbewohner? Sie sind alles brave Bauern, Tagelöhner und Handwerker, die nur ihrer Arbeit nachgehen, zwar ganz gern mal ein wenig Klatsch und Tratsch verbreiten, aber ansonsten das Herz auf dem rechten Fleck tragen.

    So bleibt es lange ein Rätsel, wer nun die Morde begangen haben mag und vor allem, aus welchem Beweggrund. Gerade diesen liefert Liv Winterberg erst ganz zum Schluss und dies ist dann auch nachvollziehbar beschrieben. Bis dahin allerdings führt die Autorin ihre Leser mit einer vielschichtigen und äußerst unterhaltsamen sowie sehr spannenden Geschichte immer wieder auf falsche Fährten.

    Fazit: Ein farbenprächtiger wie auch spannender Historischer Roman, der mit seiner komplexen und fundiert recherchierten Story sowie mit seinen lebendig beschriebenen Charakteren absolut überzeugt.
Masterman, Becky Der stille Sammler / Brigid Quinn Bd.1 EUR 18,00
  • Bewertung vom 08.05.2013
  • ****
    sehr gut
  • Quid pro Quo

    Während der Dienstzeit der Ex-FBI-Agentin Brigid Quinn gab es einen Fall, den sie nie lösen konnte. Nun scheint der Route-66-Killer endlich gefasst zu sein. Die Pensionärin Brigid wird zu dem Fall hinzugezogen, doch als sie auf Floyd Lynch trifft, der die Beamten zum Fundort einer Leiche in der Wüste Arizonas führt, kommen Brigid erste Zweifel. Und auch die FBI-Agentin Laura Colemann, die nun in dem Fall ermittelt, entdeckt einige Ungereimtheiten. Allerdings sind die beiden Frauen die Einzigen, die Zweifel hegen, die Vorgesetzten möchten hiervon nichts hören und wollen den Fall endlich abschließen. So ermitteln Brigid und Laura auf eigene Faust und plötzlich verschwindet Laura spurlos.

    Becky Masterman startet ihr Thriller-Debüt mit einem äußerst spannenden Prolog, um diesen dann genau an der spannendsten Stelle abrupt enden zu lassen und einem erst einmal ihre Protagonistin vorzustellen. Seit einiger Zeit pensioniert, lebt Brigid zusammen mit ihrem Ehemann Carlo in der Wüste Arizonas und genießt das beschauliche, in ruhigen Bahnen verlaufende Leben. Hat sie doch in der Vergangenheit als Undercover-Agentin so etwas nie erlebt. Selbst ans Kochen traut sie sich mittlerweile heran, auch wenn ihr nicht ganz klar ist, für was man Backpulver verwendet. Doch die Idylle wird je gestört als Max, der County-Sherriff, dieses Mal nicht zum Pokerspielen vorbeikommt, sondern Brigid erzählt, dass das FBI den Route-66-Killer gefasst hat und Brigid um Mithilfe bittet. Von diesem Zeitpunkt an befindet sich Bridget in einem persönlichen Alptraum.

    Die Autorin lässt ihre Protagonistin Brigid Quinn selbst die Geschichte erzählen und so lernt man eine sehr sympathische wie eigenwillige 59-jährige kennen, die ihrem Mann bis heute kaum etwas von ihrer Arbeit beim FBI erzählt hat und einfach nur ihre Liebe zu Carlo genießen möchte. Allerdings gewährt uns die Autorin bereits hier einen kleinen Einblick in die berufliche Vergangenheit von Brigid und man merkt schnell, dass hier einiges im Argen liegt, mit dem die ehemalige FBI-Agentin bis heute zu kämpfen hat. Um was es sich hier genau handelt, erfährt man im Verlauf des Thrillers.

    Jedoch dauert der erste Einblick in das Leben von Bridget nicht lange und plötzlich befindet man sich mitten in einem äußerst spannenden wie auch fesselnden Thriller, der immer wieder neue Wendungen nimmt und einen auf falsche Fährten führt. Und da der Thriller aus der Perspektive von Brigid erzählt wird, ist man immer auf ihrem Ermittlungsstand und weiß somit auch nicht, ob es sich bei Floyd Lynch nun um den Route-66-Killer handelt. Doch genauso wie Brigid und Laura kommen einem selbst als Leser immer mehr Zweifel an seinem Geständnis. Allerdings fragt man sich auch, woher Lynch so viele Details über die Morde an den jungen Frauen weiß, die bewusst vom FBI zurückgehalten wurden und somit nur der Mörder kennen kann?

    Fazit: Ein zumeist hochspannender Thriller mit einer vielschichtig, unvorhersehbaren Story und einer recht eigenwilligen Protagonistin.
Thomas, Alex Engelspakt EUR 9,99
  • Bewertung vom 07.05.2013
  • ****
    sehr gut
  • Gefallene Engel

    Schwerverletzt kämpft sich Kardinal Ciban mitten in der Nacht zur Wohnung der Nonne Catherine Bell und bricht blutüberströmt in ihrem Flur zusammen. Am nächsten Morgen wird in einer kleinen römischen Kirche die Leiche des Wissenschaftlers Alan Scrimgeour entdeckt. Beide hatten sich in dieser Kirche getroffen, da Scrimgeour neue Hinweise zum rätselhaften Todesfall seiner Frau entdeckt hatte, welche die Schwester von Ciban war. Für die Polizei deutet vieles auf den Kardinal als Tatverdächtigen hin, doch daran mag Catherine nicht glauben und beginnt nun selbst zu ermitteln. Noch ahnt sie nicht, dass sie es mit einem mächtigen wie gefährlichen Gegner aufnehmen muss.

    Ein Kardinal, der im Koma liegt und sich zu den Vorfällen nicht äußern kann. Ein Cambridge-Professor, der heimlich mit der Schwester des Kardinals verheiratet war. Ein kleiner Junge, der als Versuchsobjekt in einem Labor gefangen gehalten wird. Viele Rätsel und Fragen, die der 2. Fall von Schwester Catherine Bell aufwirft, der mystische, parapsychologische Züge enthält.

    Die Story entwickelt sich von Anfang sehr komplex und lebt durch ihre Mystik und den mysteriösen Geschehnissen. Hierdurch ist auch praktisch die Spannung von Anfang an vorhanden, die sich im Verlauf des Kirchenthrillers immer mehr steigert. Hinzu kommt der sehr einnehmende, fesselnde und unterhaltsame Schreibstil von Alex Thomas, welcher zusätzlich dafür sorgt, dass der Thriller durchweg atmosphärisch dicht und fesselnd erzählt wirkt.

    Da der Thriller rund um den Vatikan spielt und die Protagonistin selbst Nonne ist, ist natürlich auch das Thema des Buches ein kirchliches, eine Verschwörungstheorie, welche Catherine versucht aufzudecken. Hierbei geht es um einen geheimen Orden, bei dem sich selbst Experten kaum sicher sind, ob dieser überhaupt je existiert hat. Und obwohl es ja reichlich Kirchenthriller mit den tollsten Verschwörungstheorien gibt, wirkt „Engelspakt“ erfrischend anders, was hauptsächlich an der etwas eigenwilligen Protagonistin liegt. Zudem vermittelt das Autorenpaar Alex Thomas die kirchlichen Hintergründe fundiert recherchiert, gut verständlich und äußerst interessant. Und auch einen kleinen Einblick in das Leben des Vatikans erhält man hierbei.

    Catherine Bell ist eine Nonne, wie man sie sich eigentlich überhaupt nicht vorstellt: Jung, rebellisch, eigenwillig, äußerst neugierig und mutig. Schwester Catherine lebt nicht in einem Orden, sondern arbeitet für die Glaubenskongregation und schreibt nebenbei kritische, religiöse Sachbücher. Zudem ist sie hochintelligent und verfügt über eine ganz besondere Gabe, an der das Lux Domini sehr interessiert sind und welche Catherine nach Möglichkeit geheim hält. Wie auch ihre Gefühle zu Kardinal Ciban.

    Fazit: „Engelspakt“ ist ein Kirchenthriller mit einer komplexen, interessanten sowie spannenden Story mit einer äußerst eigenwilligen Protagonistin.
  • Bewertung vom 03.05.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • Gelungener Abschluss der Hebammen-Saga


    Zusammen mit Graf Dietrich von Weißenfels kehrt Thomas von Christiansdorf im Jahr 1191 aus dem Heiligen Land zurück. Doch eine Erholung von der strapaziösen Reise ist ihnen nicht vergönnt, denn Dietrichs Bruder, Markgraf Albrecht, rüstet bereits seine Truppen zum Angriff auf Burg Weißenfels. Aus der Not heraus geht Dietrich ein Bündnis mit dem Landgrafen von Thüringen ein und damit die Verlobung mit dessen Tochter Jutta. Allerdings liebt Dietrich seit langem Marthes Tochter Clara und hat ihr bereits einen Heiratsantrag gemacht, obwohl dies aus Standesgründen eigentlich undenkbar ist. …

    Thomas hat seine Empfindungen im Heiligen Land gelassen, innerlich wie tot kehrt er in die Mark Meißen zurück, den Tod seines besten Freundes Roland bis heute nicht verwunden wie auch die Schrecken des Kreuzzuges. Dietrich hat die Gräueltaten des Kreuzzuges ebenfalls noch vor Augen, Trost findet er bei Clara, doch ihre Liebe steht unter keinem guten Stern. Währenddessen leben Marthe und Lukas nach wie vor im Exil auf der Wartburg in Eisenach, als sie allerdings von dem bevorstehenden Angriff auf Burg Weißenfels erfahren, eilen sie Dietrich zur Hilfe.

    Gewohnt lebendig, prall und farbenprächtig erzählt Sabine Ebert auch den fünften und letzten Band ihrer Hebammen-Saga und die Autorin schöpft bei diesem Teil wirklich aus dem Vollen. Ein Ereignis reiht sich an das Andere, sodass die Story sich sehr rasant, unterhaltsam und stellenweise auch hochspannend präsentiert. Im Vordergrund steht der Bruderkrieg zwischen Dietrich und Albrecht und somit das zukünftige Schicksal der Stadt Freiberg wie der Mark Meißen. Hierdurch gibt es einige Schlachtenkämpfe, Intrigen werden gesponnen, Bündnisse geschlossen und Verrat ist an der Tagesordnung. Mittendrin Marthe und ihre Familie, die treu auf der Seite von Graf Dietrich von Weißenfels stehen und alles versuchen, dass dieser den Bruderkrieg gewinnt.

    Großteils wird die Geschichte aus der Perspektive von Marthe und ihrer Familie erzählt, aber auch Albrechts Intrigenspiele um die Macht in der Mark Meißen kommen hierbei nicht zu kurz, wie auch die Geschehnisse in der Stadt Freiberg. Durch die regelmäßigen Perspektivwechsel wirkt die Geschichte rund und atmosphärisch dicht, zudem ist man hierdurch meist über die einzelnen Aktivitäten der Mitwirkenden informiert. Und wenn man sich auch in etwa vorstellen kann, wie die Geschichte schlussendlich ausgeht, überrascht Sabine Ebert einen doch ein ums andere Mal.

    Zudem verbindet die Autorin wieder gut historische Fakten und Persönlichkeiten mit ihrer fiktiven Geschichte und ihr Hintergrundwissen über das 12. Jahrhundert vermittelt Sabine Ebert unterhaltsam und kurzweilig. Auch erhält man wieder einen guten Überblick über die politischen Geschehnisse, Intrigen und Machtspiele der Adligen wie auch über die Ereignisse rund um Heinrich VI., der seit dem Tod von Friedrich I. „Barbarossa“ Kaiser des Römisch-Deutschen-Reiches ist.

    Auch die Charaktere sind bis in die kleinste Nebenrolle sehr gut herausgearbeitet. Alte Bekannte entwickeln sich den Geschehnissen entsprechend weiter, neue Figuren nehmen schnell Konturen an und von der ein oder anderen liebgewonnen Figur muss man sich leider auch im Verlauf der Geschichte trennen.

    Fazit: Gelungener Abschluss der Hebammen-Saga, welche Sabine Ebert temporeich und äußerst unterhaltsam erzählt.
Wucherer, Bernhard Der Peststurm EUR 12,99
  • Bewertung vom 30.04.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • Die Pestilenz wütet in Staufen

    Während Allerortens die Folgen des Dreißigjährigen Krieges zu spüren sind, blieb Staufen bisher noch vor marodierenden Soldaten verschont. Allerdings nicht vor der Pest, die Staufen im Jahr 1635 bald fest im Griff hat. Doch die Dorfbewohner werden nicht nur Opfer des Schwarzen Todes, auch der Totengräber des Ortes hat mit der Familie des Kastellans Ulrich Dreyling von Wagrain noch eine Rechnung offen und auch Neid und Missgunst kursieren im Ort und richten sich bald gegen die jüdische Familie Bomberg.

    Für das allgemeine Verständnis und einem schnelleren Zurechtfinden in der komplexen Geschichte ist es empfehlenswert, zuerst den ersten Band „Die Pestspur“ zu lesen, da Bernhard Wucherer direkt an das Ende des ersten Teils anknüpft und einem ansonsten viele Zusammenhänge nicht sofort verständlich sind.

    Am Galgenbihl baumeln noch die letzten Überreste des ehemaligen Medicus Heinrich Schwarz, der aus lauter Geldgier mehrere Staufener Bürger in den Tod geschickt hatte. Doch für die Menschen in Staufen verläuft das Leben nun endlich wieder in geregelten Bahnen, vom Schrecken des vergangenen Jahres hat man sich weitgehend erholt, erste Händler erscheinen zum Markttag in Staufen und der Krieg ist noch fern, da schlägt die echte Pestilenz in Staufen zu. Für den skrupellosen Totengräber Ruland Berging ein lohnendes Geschäft, welches er weidlich auszunutzen versteht. Dabei vergisst er allerdings nicht, dass die Söhne des Kastellans sterben müssen. Hatten doch Diederich und Lodewig im vergangenen Jahr ein verhängnisvolles Gespräch zwischen ihm und dem Medicus Schwarz belauscht. Ulrich Dreyling von Wagrain wie auch seine Familie ahnen nichts von der drohenden Gefahr durch den gerissenen Totengräber.

    Man sollte meinen, die Staufener hätten aus ihren Fehlern durch das Wüten der falschen Pest im letzten Winter gelernt, doch als nun der Schwarze Tod über das Dorf herfällt, sind schnell alle guten Vorsätze vergessen. Sehr eindringlich und ungeschönt beschreibt Bernhard Wucherer, wie die Dorfbewohner bald immer mehr verrohen. Der Aberglaube nimmt wieder Oberhand, schnell sind Schuldige für die Pest ausgemacht, Lebensmittel und Feuerholz werden immer knapper und bald schon stapeln sich die Pesttoten auf den Gassen. Der Hilfstotengräber Fabio kommt mit seiner Arbeit kaum noch hinterher, das Spital platzt bald schon aus allen Nähten und auf Anordnung bleiben der Kastellan und seine Familie vorwiegend im Schloss. Doch wäre dies nicht alles schon schlimm genug, geschieht auch noch ein Mord, der für einen Unfall gehalten wird.

    Sehr abwechslungsreich erzählt der Autor seine Geschichte, den Schreibstil immer seinen Figuren angepasst, mal etwas derb und rau, dann wieder geschliffen und höflich. Und durch seinen bildhaften, farbenprächtigen Erzählstil gelingt es Bernhard Wucherer zudem problemlos eine atmosphärische Dichte aufzubauen, sodass man Staufen, das Schloss wie auch die Dorf- und Schlossbewohner schnell vor Augen hat. Zudem verwendet der Autor immer wieder Begrifflichkeiten aus der damaligen Zeit und lässt wie nebenbei noch eine Fülle von Informationen über das Leben von Bauern und Adligen im 17. Jahrhundert im Allgäu mit einfließen.

    Gestaltet sich die Geschichte anfangs abwechslungsreich und unterhaltsam, so entwickelt sie sich im Verlauf immer mehr zu einem äußerst rasanten, fesselenden und zum Schluss hin sogar hochspannenden Kriminalroman, der es einem fast unmöglich macht, das Buch aus der Hand zu legen. Und der Schluss lässt sogar hoffen, dass es möglicherweise noch einen dritten Band geben könnte.

    Fazit: Ein äußerst unterhaltsamer und zunehmend immer spannender werdender Roman, der durch fundiertes Hintergrundwissen, einer packenden Erzählweise und hervorragend beschriebenen Charakteren absolut überzeugt.
Padgett, Abigail Blue EUR 14,95
  • Bewertung vom 29.04.2013
  • ****
    sehr gut
  • Ein rätselhafter Mord

    Die Sozialpsychologin Blue McCarron lebt zusammen mit ihrer Hündin Bronté in einem verlassenen Motel in der Wüste Kaliforniens. Ihr Arbeitsalltag konzentriert sich auf die Beratung von Geschäftsleuten in einem Einkaufszentrum und dem Unterricht von jungen Straftäterinnen. Umso überraschter ist Blue, als sie vom Bruder einer älteren Dame gebeten wird, in einem Mordfall zu ermitteln. Dan Crandall hatte Blue’s Buch gelesen und ist fest davon überzeugt, dass Blue seiner Schwester Muffin helfen kann. Durch ein kleines Erdbeben gab es einen Stromausfall in der Region und dabei sind in einer Kühlhaus-Firma alle Gefriertruhen aufgetaut. Eine davon gehört Muffin und in deren Gefriertruhe wurde die Leiche eines Mannes gefunden. Muffin behauptet, dass es sich um einen Einbrecher handelt, den sie vor fünf Jahren in ihrer Garage erschlagen und anschließend in ihrer Truhe „entsorgt“ hätte. Dieser skurrile Fall interessiert Blue und schon bald nimmt der Fall persönliche Züge an.

    Abigail Padgett lässt es in ihrem ersten Krimi um ihre Heldin Emily „Blue“ McCarron verhalten angehen und so lernt man erst einmal die etwas eigenwillige Sozialpsychologin kennen, die in der selbst auferlegten Einsamkeit der Wüste lebt. Man verfolgt hierdurch auch Blue’s stellenweise doch recht ausführliche Gedankengänge über Ähnlichkeiten im Verhalten zwischen Menschen und Affen, worüber sie ein Buch geschrieben hat, was sich teilweise äußerst interessant, oft aber auch etwas langwierig gestaltet. Und auch ihre große Liebe Misha Deland, die vor 2 Jahren von einem Tag auf den anderen spurlos verschwand, worüber Blue bis heute nicht hinwegkommt, wird ausführlich beleuchtet, wie auch ihre zwiespältigen Gefühle ihrem Zwillingsbruder David gegenüber, der gerade eine Gefängnisstrafe verbüßt. Dies alles hilft einem die sympathische, ein wenig exzentrische Sozialpsychologin gut kennenzulernen, teilweise ermüden diese Ausschweifungen aber auch und man fragt sich bald immer öfter, wann es denn nun endlich losgeht mit dem Krimi.

    Dies geschieht, als der etwas ungeschliffene wie liebenswerte Dan Crandall auf der Bildfläche erscheint und Blue engagieren möchte. Die Merkwürdigkeiten an dem Fall wecken Blue’s Interesse und so beginnt sie zügig mit den Ermittlungen, besucht die ältere Dame im Gefängnis und merkt schnell, dass Muffin einen Mord gestanden hat, den sie eigentlich gar nicht begangen haben kann.

    Die ausschweifenden Monologe von Blue lassen mit der Zeit immer mehr nach bzw. beziehen sich später fast ausschließlich auf den Kriminalfall, sodass endlich auch die Spannung stetig zunimmt und Abigail Padgett versteht es sehr gut, diese dann kontinuierlich zu steigern. Zudem entwickelt sich die Story immer komplexer und rätselhafter, wirkt sehr gut durchdacht und schlüssig umgesetzt. Hierdurch verzeiht man der Autorin dann auch schnell die anfänglich ausschweifenden Monologe ihrer Protagonistin.

    Ein Plus ist auch der lockere, lebendige und fesselnde Schreibstil der Autorin, der einen recht schnell in seinen Bann zieht. Und auch wenn Blue Sozialpsychologin ist und sich somit auf Statistiken verlässt, welche ihr in diesem Fall weiterhelfen, bleibt aber ihre Intuition nicht außen vor und so verlässt sich Blue regelmäßig auf ihr Bauchgefühl, was manchmal ziemlich gefährlich für sie wird. Was mir auch ausgesprochen gut gefallen hat sind die Informationen über das Leben in der Kalifornischen Wüste, die Abigail Padgett immer wieder mit einfließen lässt.

    Fazit: Hier wird eindeutig Durchhalten belohnt. Die Spannung baut sich bei Blue’s erstem Fall recht langsam auf und die anfänglichen Monologe der Protagonistin sind schon ziemlich ausschweifend, aber dann nimmt die Story recht schnell Fahrt auf und entwickelt sich zu einem äußerst komplexen, fesselnden und rätselhaften Krimi.
Beil, Brigitte Ein Brief aus England EUR 8,99
  • Bewertung vom 26.04.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • Sich der Vergangenheit stellen ….

    … dies muss sich die erfolgreiche Geschäftsfrau Sigrid, als eines Tage ein Brief aus England bei ihr in München eintrifft, den ihre 27-jährige Tochter Judith versehentlich liest. In dem Brief wird Sigrid darüber informiert, dass ihre Mutter Linda in Manchester gestorben sei und nun ihr Erbe geregelt werden müsste. Das Problem ist, dass Sigrid gegenüber ihrer Tochter Judith immer behauptet hat, dass Linda bereits vor vielen Jahren gestorben sei. Reiner Selbstschutz von Sigrid, die als ungeliebtes Kind und Opfer des Krieges ein Leben in unterschiedlichen Kinderheimen und Internaten verbringen musste. Nun muss Sigrid sich der Vergangenheit stellen und Judith die Wahrheit über deren Großeltern erzählen, welche Judith nie kennenlernen durfte und schon lange für tot hielt.

    Ihren äußerst gefühlvollen Roman beginnt Brigitte Beil mit der Beerdigung von Sigrids Vater Gustav Macksiepen, welcher sie zusammen mit ihrer Tochter Judith beiwohnt und lässt die Geschichte auch mit der Beerdigung enden. Denn dieses Ereignis ist für Sigrid Anlass, auf die Geschehnisse der letzten Zeit zurückzublicken. Und so erfährt man – zumeist aus Sicht der erfolgreichen Geschäftsfrau – was seit dem Erhalt des Briefes aus England bis zur Beerdigung ihres Vaters geschehen ist.

    Bei der Vergangenheitsbewältigung erhält Sigrid Hilfe von ihrem ehemaligen Kindermädchen Karola, die bereits kurz vor der Geburt von Sigrid Anfang des 2. Weltkrieges in das Haus Macksiepen in München zog. Karola kennt die Lebensgeschichte von Sigrid, hat deren Kindheit und Jugend in Kinderheimen und Internaten während der Nachkriegszeit immer von der Ferne aus verfolgt und Karola ist es auch, die Sigrid dazu bringt, sich endlich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.

    Dies gestaltet sich jedoch äußerst schwierig, da Siegrid nie das Gefühl von Wärme, Geborgenheit, Liebe oder Heimat kennenlernen durfte. So fühlt sich die Geschäftsfrau wie eingefroren, lässt keine Nähe zu, auch nicht gegenüber ihrer Tochter. Entsprechend unterkühlt ist das Verhältnis der Beiden zueinander und erlebt mit dem Brief aus England seinen Höhepunkt.

    Ist eine Annäherung oder gar Versöhnung von Sigrid und Judith überhaupt noch möglich, wird Judith ihrer Mutter die Lügen der Vergangenheit verzeihen, und vor allem, wird sie verstehen, warum ihre Mutter dies getan hat? Man mag es bei der Gefühlskälte, welche zwischen den beiden Frauen besteht, kaum glauben. Und man fragt sich auch immer wieder, was Schreckliches geschehen sein muss, dass Sigrid heute so wenig Einfühlungsvermögen anderen Menschen gegenüber zeigt.

    Brigitte Beil erzählt ihren Roman sehr warmherzig, bildhaft, tiefsinnig, fesselnd und emotional. Zumeist in der Ich-Form geschrieben lernt man durch diese Erzählweise immer besser die innere Zerrissenheit und auch Empfindungslosigkeit von Sigrid kennen und wie sie darunter leidet, kann ihre Interessens- und Herzlosigkeit gegenüber anderer Menschen nach und nach verstehen und somit ihren Schutzwall gegenüber Gefühlen und warum sie um ihre Kindheit und Jugend solch ein Lügenkonstrukt gestrickt hat. Besonders verständlich wird dies, als man den Handlungsstrang zu Karola liest, als diese Sigrid und Judith aus den Kriegsjahren erzählt, wie sie als Kindermädchen Sigrids Eltern kennengelernt hatte und was sie heute über diese denkt.

    Fazit: Ein gefühlvoller, bedrückender, trauriger, aber auch hoffnungsvoller Roman über eine Frau, die durch einen Brief aus England gezwungen wird, sich endlich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.
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