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Bewertungen

Insgesamt 4 Bewertungen
Henn, Carsten S. Birne sucht Helene EUR 14,95
  • Bewertung vom 05.10.2010
  • *****
    ausgezeichnet
  • Birne sucht Helene ... nur dass in diesem Buch die Birne eigentlich Paolo Birnbaum heißt und die Helene Eli bzw. mit vollem Namen Elisabeth. Eli ist etwas naiv und hat ein Chaos-Gen. Sie ist Buchhändlerin, hat einen schwulen besten Freund und lebt in Köln - wo auch sonst? Beim Straßenverkehrsamt arbeitet Paul, er meldet des öfteren Elis neue gebrauchte Autos an, und langsam verliebt er sich in sie. Dumm nur, dass Eli denkt, er sei schwul ... ein leidenschaftlicher Kuss lässt Pauls Hormone tanzen, Eli hingegen merkt nichts. Die beiden kommen zunächst nicht zusammen, Paul sucht aber weiterhin nach Mrs. Right. Um die Frauen beeindrucken zu können, besucht er Kochkurse und entwickelt sich zum Hobbykoch, dessen Ratschläge überall gefragt sind. Eli und Paul treffen sich ab und zu, Paul kocht für sie, das Abendessen gerät zum Desaster, man geht wieder auseinander, läuft sich erneut über den Weg ...Und irgendwann nach vielen Irrungen und Wirrungen merken Eli und Paul, dass sie füreinander bestimmt sind.

    Dies war ein herrlich romantisches Buch, eine wirklich schöne Liebeskomödie, die ich mir auch gut verfilmt vorstellen könnte. Eine nette Idee war es, die Kapitel als Gänge zu bezeichnen, und wirklich lustig waren Pauls Kontaktanzeigen, mit deren Hilfe man Pauls Liebesleben gut verfolgen konnte. Auch so musste ich öfters herzlich lachen ... Als Dreingabe waren noch ein paar Rezepte beigefügt, mit denen Paul versuchte, seine Liebe zu umgarnen, und natürlich das ultimative Rezept zu "Birne Helene". Es gab noch so viele Details, die einfach nur schön und auch originell waren ... die Schafe, die auf Pfiffe Formationen bilden; die Geierschildkröte; der Kampfkater R2D2; die besten Freunde Pauls ... mir hat alles gut gefallen, und ich hoffe, dass Herr Henn noch mehr solcher Bücher schreiben kann.
Läckberg, Camilla Engel aus Eis EUR 19,95
  • Bewertung vom 05.10.2010
  • ****
    sehr gut
  • Diesmal ist es also ein Geheimnis aus der Vergangenheit von Ericas Mutter, um das sich das 5. Buch der schwedischen Erfolgsautorin dreht. Erica und ihr Mann Patrik wohnen mit Tochter Maya in Ericas altem Elternhaus. Beim Stöbern auf dem Dachboden findet Erica in einem alten Koffer ein paar Sachen ihrer verstorbenen Mutter: Tagebücher, ein Babyhemdchen mit Blutflecken daran und einen Orden aus dem 2. Weltkrieg. Diesen bringt sie zu Erik Frankel, einem pensionierten Geschichtslehrer, um mehr über dessen Herkunft zu erfahren. Vielleicht gibt es in den Tagebüchern einen Hinweis, warum die Mutter, Elsy, so gefühlskalt gegenüber ihren Töchtern Erica und Anna war. Erica hat sehr darunter gelitten, vielleicht noch mehr als Anna, denn sie hat immer versucht, Anna die fehlende Mutterliebe zu ersetzen. Die Tagebücher bringen ein anderes Bild von Elsy ans Licht: ein fröhliches junges Mädchen war sie, das mit seinen Freunden Frans, Britta und Erik ein relativ glückliches und unbeschwertes Leben führte, so wie man es zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs führen konnte.

    Da schreckt ein Mord Erica und Patrik auf: der alte Geschichtslehrer Erik Frankel wurde ermordet. Patrik ist eigentlich im Erziehungsurlaub, aber hier kann er nicht anders: er muss ermitteln. Auch Erica hilft mit, denn es zeigt sich, dass der Mord mit Vorfällen aus der Vergangenheit ihrer Mutter zu tun hat. Auch Britta wird getötet, bevor Erica sie weiter zu ihrer Mutter befragen kann. Als dann weitere Tagebücher von Elsy auftauchen, liest man eine fast unglaubliche Lösung der ganzen Geschichte...

    Mir haben die Krimihandlung und die Auflösung sehr gut gefallen, ebenso die Bezüge zum Rechtsextremismus im heutigen Schweden. Sehr gut waren die Einschübe über die Zeit des Widerstands während des Zweiten Weltkriegs und das Schicksal Axels, Erik Frankels Bruder. Das ist mir richtig unter die Haut gegangen. Wirklich lustig - fast ein running gag - war wieder Mellberg, der auf den Hund kommt, sich verliebt und sogar Geburtshelfer sein darf. Die neue Kollegin Paula und ihre Lebensgefährtin sind sympathisch gezeichnet, das alles war rund. Nicht so rund hingegen war das Familienleben Ericas und Patriks, das mir etwas zu viel Raum in der Geschichte einnahm. Damit meine ich nicht die Geschehnisse um Ericas Mutter, sondern das ewige Gezänk um Kinderbetreuung und volle Windeln. Damit wird das Buch nur unnötig aufgebläht und langweilig, zumal sicherlich nicht alle Leser auch die vorhergehenden vier Bände gelesen haben und manches gar nicht einordnen können. Der wichtigste Hinweis - das blutbefleckte Babyhemdchen - wird gar nicht richtig zur Kenntnis genommen: als Polizist hätte ich das Hemdchen kriminaltechnisch untersuchen lassen. Insgesamt in meinen Augen ein etwas schwächerer Band der Reihe, deshalb gibt es auch nicht die volle Anzahl an Sternen.
Flynn, Gillian Finstere Orte EUR 16,95
  • 1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 19.03.2010
  • *****
    ausgezeichnet
  • Um es vorweg zu nehmen: dieses Buch ist eines der besten, die ich seit langem gelesen habe! Worum geht es?

    Libby Day musste als Siebenjährige mit anhören, wie fast ihre ganze Familie umgebracht worden ist. Als Täter wurde Bruder Ben verhaftet, er ist seitdem im Gefängnis und Libby hat keinen Kontakt mehr zu ihm. Sie lebt ein armseliges Leben, hat kaum soziale Kontakte und die Geschehnisse trotz psychologischer Hilfe nicht verkraftet. Nun ist sie auch noch pleite: vorher hat sie von Spenden wohlmeinender Mitbürger gelebt, doch das Geld ist aufgebraucht. Da kommt das Angebot des "Kill-Clubs" gerade recht: dieser Club hat es sich zur Aufgabe gemacht, Verbrechen zu überprüfen und zu Unrecht Verurteilten zu helfen. Ein Teil der Mitglieder des Clubs hält Ben für unschuldig und bietet Libby Geld dafür, dass sie zu ihm geht und ihn befragt und auch so versucht, sich neu zu erinnern, denn Ben wurde hauptsächlich wegen ihrer Aussage verurteilt. Jetzt muss sich Libby endlich ihrer Vergangenheit stellen und findet tatsächlich Erstaunliches heraus...

    In Rückblenden erfährt der Leser, wie es wirklich war, sowohl aus Bens Sicht als auch aus Mutter Pattys Sicht: die armseligen finanziellen Verhältnisse, dieses Von-der-Hand-in-den-Mund-leben, der drogen-, alkohol- und spielsüchtige Exmann, der immer auf der Suche nach Geld ist und das Familienleben noch mehr verkompliziert, die chronische Überforderung Pattys (heute würde man wahrscheinlich Burn-Out-Syndrom sagen, aber das gab es in den 80ern noch nicht), die Kinder, die wegen der abgetragenen Kleidung und der kostenlosen Schulspeisung gehänselt wurden. Ben ist Patty bereits entglitten, er hat sich ungute Freunde gesucht. Nun droht auch noch die Zwangsräumung und damit die Obdachlosigkeit - Patty ist verzweifelt und greift zum letzten Strohhalm.

    Die Geschichte ist sehr spannend aufgebaut mit den Sprüngen zwischen der Jetztzeit und der Tatzeit und dem für mich doch etwas überraschenden Schluss. Auf jeden Fall ist dies ein Buch, das sich zu lesen lohnt!
Parkin, Gaile Kuchen backen in Kigali EUR 16,90
  • Bewertung vom 14.08.2009
  • *****
    ausgezeichnet
  • Quietschebunt kommt das Cover daher, pink und gold dominieren. Genauso quietschebunt sind die Kuchen, die Angel in Kundenauftrag backt. Damit verdient sie etwas zum Lebensunterhalt dazu, müssen sie und ihr Mann sich doch um die fünf Enkelkinder kümmern, da deren Eltern bereits tot sind: die Schwiegertochter starb an AIDS, der Sohn war ebenfalls infiziert, wurde aber erschossen, die Tochter war infiziert und brachte sich selber um, nachdem sie von ihrer Krankheit erfahren hatte. Angel ist in der Nachbarschaft geachtet, alle kommen mit ihren Sorgen und Nöten zu ihr, und allen steht sie mit Rat und Tat zur Seite. Sie (und damit auch der Leser) erfährt von ihren Mitmenschen alles über ihr Leben: vom Genozid in Ruanda, von Bestechung, von AIDS und der Verdrängung aus den Köpfen der Menschen, von Straßenkindern, unehelichen Kindern, Prostituierten, die mit ihrer Arbeit das Überleben der Familie sichern, von weiblicher Genitalverstümmelung und vielem mehr. Jeder Kuchen steht für eine neue Geschichte, so dass das Buch eigentlich aus vielen kleinen Episoden besteht.

    Angel ist der Engel im wörtlichen Sinn: sie stiftet Ehen, hilft allen, so gut sie es kann, und wenn sie nur zuhört oder aus Resten eine warme Mahlzeit für die Straßenkinder zaubert. Trotz der Armut, die überall herrscht, findet man in diesem Buch eine Lebensfreude, die ansteckt.Das Buch lenkt den Blick auf Afrika, ohne belehrend zu sein, zeigt z.B. die Gräueltaten des Genozids auf, die sonst so nicht mehr in den Köpfen präsent wären.

    Für mich war es sehr gut lesbar, ein paar Setzfehler könnten bei der nächsten Auflage bereinigt werden. Allerdings hätte ich gerne eine Karte gehabt, denn im Urlaub hatte ich natürlich keinen Atlas dabei, um die Orte, in denen das Buch spielt, nachschlagen zu können.