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Insel

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Insgesamt 219 Bewertungen
Bewertung vom 23.04.2024
Bedrohliche Provence / Commissaire Leclerc Bd.10
Lagrange, Pierre

Bedrohliche Provence / Commissaire Leclerc Bd.10


weniger gut

Ich mag die Reihe mit Albin Leclerc sehr und habe mich bisher immer gut unterhalten gefühlt. Dieses Mal gab es zwar auch die gewohnten "Zutaten" wie Mops, Albin , seine Familie, seinen Stammplatz im Café, die ehemaligen Kollegen und einen Fall, aber mich konnte dieser Krimi insgesamt eher nicht packen. Um beim Vergleich mit einem Rezept für ein Gericht zu bleiben, auch wenn alle Zutaten dabei sind, kann die Qualität durch die Zubereitung leiden - "ohne Liebe gekocht". Für mich war der Krimi in sich nicht stimmig und dies aus mehreren Gründen. Die hauptamtlichen Ermittler wurden als eher unfähig in ihrer Arbeit dargestellt und Albin eher als Superman. In anderen Krimis hat sich Albin zumindestens den Anschein als Helfer gegeben, in diesem scheinen die Rollen getauscht worden zu sein. Auch der Klappentext hat mich gewundert, denn ich hatte erwartet, das Mios Tyson und seine "Kinder" mehr Erwähnung finden würden. Ich habe überhaupt die Liebe zu Details vermisst und mir fehlte es an Intensität des Erzählten, denn es wirkte auf mich manchmal "oberflächlich". Eigentlich ein sehr bewegender Hintergrund des Falls, der im Krimi mir zu lapidar abgehandelt wurde, worauf der Autor vielleicht kritisch hinweisen wollte, ging in "Actionszenen" des Endes verloren. Insgesamt ein schwacher Teil, dessen Inhalt ich wohl rasch vergessen werde, wogegen mir der erste Teil noch heute als Highlight in Erinnerung ist. Zwei Sterne

Bewertung vom 17.04.2024
BiBiBiber hat da mal 'ne Frage. Sind Dinos wirklich alle tot?
Meimberg, Marie;Nguyen-Kim, Mai Thi

BiBiBiber hat da mal 'ne Frage. Sind Dinos wirklich alle tot?


sehr gut

Ein Buch nicht nur über Dinos, sondern Evolution und Klimakatastrophe
Das Buch hat ein Format von ca. 24,5 x ca. 27cm und einen rauhen Hardcovereinband sowie angerauhte dickere Papierseiten - also eine klasse Ausstattung, insbesondere da es als ein Nachschlagewerk häufiger in die Hand genommen wird.

Das Autorinnenduo und ihre zahlreichen Unterstützer haben ein beeindruckendes Sachbuch mit vielen humorvollen 'Elementen in Text und Illustrationen geschaffen.Eigentlich ging ich davon aus, dass ich nun ganz viel über Dinosaurier erfahren würde, was definitiv so ist, aber es ging um viel mehr, denn es geht auch um die Erde an sich, die Evolution , die Menschen und ihren Einfluss auf die Erde bzw. auch das Leben darauf und das Klima. Also sehr vielfältig und auch wenn die Autorinnen es versuchen anschaulich, humorvoll und vereinfacht darzustellen, ist die Thematik sehr komplex. Jeder Leser/in wird hier etwas neues erfahren und nicht jeder wird alles sofort verstehen. Die Illustrationen sind gigantisch und kommen durch die Seitengröße gut zur Geltung. An manchen Stellen haben sie die Kinder jedoch fast überfordert, wenn besonders viel zu sehen war und sie gar nicht wussten, wo sie zuerst hinschauen sollten, aber es hat sie motiviert am nächsten Tag noch mal genauer hinzuschauen - wunderbar! Zugegebenermaßen hat die Kinder mit dem Menschen-Verwandschafts- Klettergerüst so ihre Schwierigkeiten, was vielleicht aber auch daran liegt, dass die lebende und ihnen bekannte Verwandtschaft überschaubar ist.

Die Wortkreationen mit den vielen Bindestrichen "Riesen-Himmel- Stein-Katastrophe , Komplette-Kacka-Strophe, Plötzlich-ist-alles-anders-Welt, Pupsmaschinen-Pups-Wolke fand die Grundschülerin schwer zu lesen, obwohl sie irgendwann sich auf die Bindestrichbegriffe konzentriert hat. Ganz unverständlich für die junge Leserin war die Tatsache, dass manche Worte nur in Großbuchstaben geschrieben wurden. An manchen Stellen hätte ich mir das entsprechende Fachvokabular gewünscht.

Thematisch war dieses Buch eine Wucht, aber mir als Erwachsene waren die Verniedlichungen häufig zu viel und ältere Kinder finden diese sicherlich auch eher "babymäßig". Dieses Buch eignet sich zum Anschauen, Vorlesen und Selberlesen, letzteres nur wenn das Kind schon sehr fit im Lesen ist..

4 Sterne

Bewertung vom 14.04.2024
Das andere Tal
Howard, Scott Alexander

Das andere Tal


ausgezeichnet

Odile ist 16 Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einer Stadt im Tal, das ein besonderer Ort ist, denn dieser existiert zeitversetzt 20 Jahre später exakt gleich noch mal. Menschen können die Grenze nur in Ausnahmefällen überschreiten. Odile geht noch zur Schule und muss nun einen Beruf ergreifen. Sie soll laut Willen ihrer Mutter sich für das Conseil bewerben, dass ist das Amt welches darüber entscheidet, wer die Grenzen überschreiten darf.
Ich lasse mich gerne mal auf Experimente, was Bücher betrifft, ein und die Bücher aus Diogenes Verlag sind meist ein Garant für interessante Lektüre.
Dieses Mal bin ich völlig überrascht worden, denn der Autor hat es geschafft mich zu begeistern, obwohl er es mir mit seinen Protagonisten, die nicht unbedingt Sympathieträger waren bis auf Ausnahmen und ich zudem das gesamte Buch eine Distanz zu ihnen behielt, nicht leicht gemacht. Ich bin zu Odile ins Tal gereist und über die Zeit selber wurde nicht gesprochen.... es gab Autos, kein Internet und die Prügelstrafe. Was mich jedoch fasziniert hat und zugleich auch abgestoßen hat, war das System, in dem die Figuren lebten, denn es herrschte "Zucht und Ordnung" und außer der ersten Schwärmerei /Verliebtsein gab es fast nur negative Gefühle oder es wurden gar keine gezeigt. Odile und ihre Prüfungen, die sie für eine Ausbildung als Conseil zu bestehen hatte, hatten es in sich und ließen mich sehr nachdenklich zurück. Der Roman hat Zeitsprünge, die heftig waren, aber das ganze Ausmaß an Bestimmung durch das System aufzeigten.
Es definitiv kein leicht zu lesender Roman, aber ein Roman, der mich zum Nachdenken anregte. Die sprachlichen Bilder, die der Autor hinaufbeschwört sind wundervoll und zeigen oft eine gewisse Leichtigkeit, ganz im Gegensatz zum Inhalt, was ich überaus gelungen halte. Der Roman deprimierte mich inhaltlich über viele Seite, denn er schilderte für mich viele grauenvolle und trostlose Szenen, dann wiederherum zeigte er den Mut und die Willenstärke einzelner Protagonisten.
Ein ganz besonderer Roman, der fünf Sterne verdient hat.

Bewertung vom 12.04.2024
Sommerhaus am See
Poissant, David James

Sommerhaus am See


gut

Geheimnisse einer höchst fragilen Familie
Der Roman wirkt durch den Titel "Sommerhaus am See" und dem Cover auf mich durch ersteres positiv und durch zweites nostalgisch/melancholisch. Der Roman erzählt von den drei Tagen, an denen die Familie Starling, die Eltern und ihre erwachsenen Söhne mit Partner bzw. Ehefrau im Sommerhaus am See verbringen. Der Klappentext verrät schon, dass die Eltern den Kindern mitteilen, dass sie das Domizil verkaufen wollen, was diese völlig überrascht. Als dann auch noch ein Junge vor ihren Augen im See ertrinkt, bricht die Fassade der Familie zusammen. Stück für Stück erfahre ich alle Lügen oder Geheimnisse und jeder der sechs Personen lässt mich in sein Innerstes schauen.
Mich der Roman in manchen Bereichen sehr berührt, andere Bereiche haben mich fassungslos gemacht, manches wütend....Die Protagonisten waren mir nur in winzigen Teilbereichen "nah", was gleichzeitig für mich den Reiz eines Beobachters mitbrachte. Es gibt sehr viele Themen, ob es um Tod, Trauer, Schuldzuweisung, Verdrängung, Rache, Sucht, Mitleid, Selbstzweifel, finanzielle Ängste, Selbstmitleid, Betrug, Glaube, Lügen, Krankheit und Liebe geht. Der Schreibstil ist großartig, denn der Autor hat es geschafft mich zu fesseln, aber mir waren es zu viele Themen und Ich hätte mir mehr Dialoge gewünscht. Es ist ein Roman, der definitiv nicht ein schöner Sommertag ist, sondern einen in eher depressive Stimmung versetzen kann. Drei Sterne

Bewertung vom 11.04.2024
Orkantief / Himmel und Holle ermitteln Bd.2
Bergstedt, Susanne

Orkantief / Himmel und Holle ermitteln Bd.2


ausgezeichnet

Telse Himmel und Wanda Holle sind Freundinnen und lernen auf einer Fährfahrt zwei gerade frisch vermählte Männer kennen. Als Telse erzählt, dass sie gerne verwunschene, verlassene Orte fotografiert, erzählt ihr Morton, dass er ein altes Gutshaus kennnen würde, was ihren Wünschen entsprechen würde. Es gehört seinem Schwager, der es verkaufen möchte, aber aufgrund der Auflagen sich kein Käufer gefunden hat. Mortens Neffe ist dort vor drei Jahren verschwunden und zwei Wochen später verlor sich auch die Spur seiner Schwester. Keiner weiß, was passiert ist . Telse fotografiert das Anwesen und ist begeistert. Kurze Zeit später legt ein Sturm die mumifizierte Leiche eines Kindes frei. Weil der ermittelnde Kommissar und Nachbar eher wenig Elan zeigt, was die Ermittlungen und insbesondere die Suche nach der verschwundenen Mutter betrifft, zeigt, nehmen die beiden Freundinnen die Ermittlungen auf.

Ich liebe den Schreibstil der Autorin, die überaus prägnante und sympathische Figuren mit Telse und Wanda geschaffen hat, sowie ich stets die Umgebung vor Augen habe und der Fall sich auf eine ganz andere Art entwickelt, als ich geahnt habe. Ich mag die Gesellschaftskritik, die die Autorin auch in diesem Krimi zeigt - ich habe auch schon einen anderen von ihr gelesen - und mag die Mischung aus Spannung, ernsten Themen und Humor.

Fünf Sterne und sehr gerne würde ich bald wieder etwas von Telse und Wanda lesen.

Bewertung vom 11.04.2024
Potsdamer Intrigen
Heinze, Carla M.

Potsdamer Intrigen


sehr gut

Für mich war es der zweite Fall mit Maik von Lilienthal, so dass ich durch mein Vorwissen über die Protagonisten, denke, dass ich einen kleinen Vorteil gegenüber Neueinsteigern habe. Trotzdem fiel es mir schwer den Überblick über die vielen Protagonisten und ihre Beziehungen untereinander zu behalten, da wäre für mich ein Personenregister hilfreich gewesen, da es auch noch zahlreiche neue Figuren gibt. Der Fall/Fälle an sich haben mich gefesselt und ich habe sehr mitgerätselt über Täter/in und Motiv. Den Showdown am Ende habe ich weder falltechnisch noch privat am Ende kommen sehen, was mir gut gefallen hat. Tief berührt haben mich die menschlichen Schicksale einiger Protagonisten. So sehr ich Enne, Maiks Mutter, und pensionierte Fallanalytikerin, mag, so fand ich es ein wenig befremdlich, dass ihre Ermittlungen bzw. die Ergebnisse nicht ein wenig " stiller" und weniger offensichtlich an das Ermittlungsteam weitergetragen wurden. Ich hätte mir von Maik da mal ein "Machtwort" gewünscht und ich hoffe, dass in der Realität nicht so lasch mit Vorschriften umgegangen wird.

Insgesamt vier Sterne

Bewertung vom 09.04.2024
Der Tunnelbauer
Nielsen, Maja

Der Tunnelbauer


ausgezeichnet

Dieses Buch hat mich absolut in seinen Bann gezogen, denn ich habe nie zuvor einen Roman aus der Perspektive eines Tunnelbauers/Fluchthelfers gelesen. Den besonderen Reiz des Romans machen der authentische Hintergrund aus, sowie das die Protagonisten für mich alle sehr authentisch herüberkamen und ich mir die beschriebenen Situationen sehr gut vorstellen konnte bzw. das Gefühl hatte, das ich dabei bin.

Der Roman beginnt mit dem Leben von Achim in Ostberlin, der gerade sein Abitur in der Tasche hat, einen Studienplatz in Cottbus als Bauingenieur sicher hat. Verliebt ist er außerdem, doch der Urlaub mit der Clique an der Ostsee endet ganz anders als erwartet und zudem wird die Mauer gebaut. Achim beschließt aus der DDR zu flüchten und lässt Freunde und Familie zurück. In West-Berlin wird er seinerseits zum Fluchthelfer bzw. Tunnelbauer mit der Hoffnung seine großel Liebe Chris wiederzusehen.

Das Buch schildert in kurzen Kapiteln Ereignisse aus dem Leben von Achim aber auch von Chris, seiner Liebe, im Osten. Ich habe nie zuvor so hautnahe Schilderungen der Fluchtbeschreibungen, das Leben unter Bespitzelung und welchen Schikanen die Menschen ansonsten ausgesetzt waren, zu lesen bekommen. Ich habe die Angst gespürt und gleichzeitig aber auch die große Stärke und Ausdauer, die die Protagonisten gezeigt haben. Besonders gefiel mir auch, dass der Roman an keiner Stelle irgendwie reißerisch aufgemacht war, sondern es teilweise fast tagebuchmäßig oder überaus "sachlich" geschildert wurde, obwohl die Nerven blank lagen.

Mir gefiel außerdem im Anhang die "Chronik der Berliner Mauer" , die Erklärungen zu Begriffen und Personen sowie die Tipps für zusätzliche Informationen. Dieses Buch ist ein "Juwel2 und ich kann es nur jedem empfehlen, der sich mit dem Stück Zeitgeschichte beschäftigen möchte. Es eignet sich in meinen Augen hervorragen als Unterrichstlektüre, insbesondere da es zusätzliches Material als Download gibt. Auf meinem Plan steht auf jeden Fall nun ein Besuch in Berlin. Für einen großartigen Roman - wohlverdiente 5 Sterne!

Bewertung vom 25.03.2024
Frühling, Sommer, Herbst und du
Krohn, Henriette

Frühling, Sommer, Herbst und du


gut

Nach der Kurzbeschreibung des Romans war ich überrascht von Verlauf der Story. Der erwähnte Liebeskummer und die Existenzängste von Maya waren ganz anders als ich erwartet habe, denn von Existenzängsten habe ich wenig gespürt....eher von Unzufriedenheit mit der jetzigen Situation und Unsicherheit der eigenen Person. Maya tat mir leid und ich war froh, dass sie auf ihren Bruder und die Cousine bauen konnte. Mayas Jugendliebe Alex ... gleichzeitig der beste Freund des Bruders....wird von seiner Verlobten abserviert. Auf einer gemeinsamen Reise zum Ferienhaus bzw. damaligem Zuhause der Großmutter von Antonio und Maya und dort in Spanien passiert einiges, wobei insbesondere Maya viel verarbeitet, was in der Vergangenheit passiert ist. Für witzige Einlagen sorgt die kleine Mathilda, die Nichte von Maya und Tochter ihres Bruders, ebenso wie die Greta, die unkonventionelle Cousine. Der Roman behandelt sehr viele Themen, alle auf ihre Art interessant, aber sie werden meist nur abgeschnitten. Hier wäre weniger mehr gewesen... Gerne habe ich die Szenen gelesen, die sich mit der Kunst und dem Nähen beschäftigten.

Leider blieben aufgrund der Vielzahl der Themen und Personen, letztere oft ein wenig blass.

Gefallen hat mir das offene Ende....drei Sterne

Bewertung vom 19.03.2024
Gussie
Wortberg, Christoph

Gussie


ausgezeichnet

Sehr empfehlenswerter Roman über die "starke" Ehefrau von Konrad Adenauer
Das Buch ist mir zunächst durch das schöne, stilvolle Cover aufgefallen. In dem Roman "Gussie" steht die zweite Frau von Konrad Adenauer, Auguste, die sich Gussie, nennen ließ, im Mittelpunkt der Handlung, denn es geht um ihr Leben. Der Autor hat im Nachwort geschrieben, dass er viel über Gussie recherchiert hat, um sich ein umfassendes Bild von ihr zu machen. In meinen Augen sehr geschickt hat er ihr Leben für mich als Leser lebendig gemacht, in dem er Gussie quasi selber, als sie schon sterbenskrank im Krankenhaus liegt, in ihre Erinnerungen eintauchen lässt und den Leser mit ihr. Jedem Kapitel stellt er einen kurzen Ausschnitt aus einem Brief, den Gussie bekam oder geschrieben hat, zuvor und so bringt der Autor ein Stück Authentizität in die Geschichte. Es werden Ausschnitte aus Gussies Kindheit erzählt, so dass ich ein Gefühl dafür bekomme, wie wissbegierig Gussie gewesen ist und wie fortschrittlich der Vater sie erzogen hat. Trotzdem hat Gussie nicht studieren dürfen und die Heirat mit dem 19 Jahre älteren Konrad Adenauer, der zudem Katholik und Vater dreier Kinder war, haben ihre Eltern kritisch gesehen. Ich erfahre einiges über den Alltag mit Konrad und seine zugeknöpfte Art, jedoch nimmt er Gussies Hilfe auch häufig bei seiner Arbeit an. Gussie selber wird mir im Roman immer vertrauter, was für eine starke, intelligente und zugleich empathische Frau. Ein großer Zeitraum ist dem Nationalsozialismus gewidmet, da dieser das Familienleben, aber auch Gussie sehr belastet hat.
Ich mochte es sehr, obwohl mir das in anderen Romanen oft nicht gefallen hat, dass nicht alles chronologisch erzählt wird, sondern zwischendurch immer weitere Teile - zeitlich aus der Reihe fallend - eingefügt wurden.
Beispielhaft für die teilweise philosophisch, weisen Sätze im Roman, die ich genial eingebaut fand....
" Das ganze Leben ist ein Versuch,..... Voller Irrtümer und Überraschungen. Ohne Anspruch auf Glück und ohne Schutz vor dem Unglück......"
Fünf Sterne von mir für diesen wunderbaren Roman über Gussie, die eine starke Frau gewesen ist.

Bewertung vom 13.03.2024
Das Schweigen des Wassers
Tägder, Susanne

Das Schweigen des Wassers


ausgezeichnet

Als Hauptkommissar Groth nach Jahren in Hamburg Anfang der 90ziger nach Mauerfall zurück in den Osten in seine Heimatstadt geschickt wird, schleppt er einen Rucksack privater und beruflicher Probleme mit sich. Noch nicht richtig eingezogen und eingerichtet in seiner neuen Wohnung bekommt er es auf seiner Dienstelle mit einem Mann namens Eck zu tun, der bei ihm auftaucht und ihm mitteilt, dass er sich verfolgt glaubt und sein Boot verschwunden ist. Kurze Zeit später wird die Leiche des Mannes im Wasser aufgefunden. Als sein Vorgesetzter den Fall gerne als natürlichen Tod verbuchen möchte, kommen Groth immer mehr Zweifel und er beginnt zu ermitteln. Hilfe bekommt er von ungeahnter Stelle....
Mir hat der leise, teils melancholisch wirkende Schreibstil gut gefallen und ich mag Groth, dem erst nach und nach im Krimi aufgeht, wer es gut mit ihm meint. Der sich nicht von Vorgesetzten und anderen Personen, die Macht ausüben, von seinem Weg abbringen lässt. Groth steht für mich für Menschlichkeit. Ich fand es sehr interessant zu lesen, wie Polizeiarbeit sich gestaltet und was der Mauerfall mit den "treuen" Staatsdienern angestellt hat. Wer als Krimi eher etwas flottes, lockeres und sehr spannendes mag, der ist mit diesem Kriminalroman fehl am Platze. Wer aber Kriminalromane mag, die langsam erzählt werden, feinsinnig, philosophisch, nachdenklich und dessen Protagonisten eher unauffällig sind, aber wunderbar skizziert werden, der liegt hier richtig.
Ich würde gerne noch mehr von Groth lesen.
Fünf Sterne