Benutzername: linus63
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Bewertungen

Insgesamt 20 Bewertungen
12
Bewertung vom 18.04.2017
Spreewaldtod / Klaudia Wagner Bd.2
Dieckerhoff, Christiane

Spreewaldtod / Klaudia Wagner Bd.2


sehr gut

Ein rumänischer Erntehelfer wird tot in einem Fließ gefunden. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Gibt es einen ausländerfeindlichen Hintergrund? Klaudia Wagner übernimmt den Fall - und muss aufgrund eines personellen Engpasses ausgerechnet mit ihrem verhassten Kollegen Peter Demel zusammenarbeiten. Auch hier liegt Spannung in der Luft …

Das gut 330 starke Buch ist schnell und flüssig zu lesen, und Christiane Dieckerhoffs eingängiger Schreibstil zieht mich in Verbindung mit ihren anschaulichen Schilderungen schnell in das Geschehen hinein. Die Figuren sind anschaulich, die Geschichte realistisch, die Atmosphäre spürbar, doch was mir gerade zu Beginn des Buches missfällt, sind häufige Anspielungen auf Klaudias Zustand sowie ihre Gedanken und Reaktionen, die sich auf ein Ereignis im Frühjahr beziehen - da ich den ersten Band dieser Reihe nicht kenne, kann ich hiermit wenig anfangen und lediglich das ein oder andere im Laufe der Zeit erahnen.

Dennoch stelle ich fest, das mich genau das, was mich zu Anfang gestört hat, mich mit fortschreitender Geschichte immer mehr fesselt. Zwar ist das Verbrechen schlüssig und wird in dieser Geschichte vollständig abgeschlossen, doch es ist insgesamt recht ruhig und unspektakulär und mutiert zur Nebensache, während mich die Persönlichkeiten und das Geschehen rund um die Protagonisten bei der Polizei mehr und mehr in ihren Bann ziehen. Christiane Dieckerhoff versteht es, Figuren zu zeichnen und sie greifbar darzustellen, sie dabei aber etwas undurchsichtig zu lassen, was sie in gewisser Weise interessant macht. Gekonnt webt sie diese Aspekte in die Aufklärung des Mordes mit ein, klärt vergangene Dinge, stellt zeitgleich jedoch neue Sachverhalte in den Raum, die sicher in einem weiteren Band wieder aufgegriffen werden. Ebenso bleiben einige, für dieses Verbrechen nicht relevante Ereignisse offen, die im Zusammenhang betrachtet Ausgangspunkt für einen weiteren Kriminalfall darstellen könnten.

Fazit:
Unterm Strich hat mir „Spreewaldtod“ gut gefallen und mich so gefesselt, dass ich das Buch in einem Tag zu Ende gelesen habe. Nicht ganz überzeugen konnte mich das Verbrechen, was das Geschehen rund um die Ermittler jedoch weitestgehend wieder wettgemacht hat. Doch ich empfehle, den Vorgängerband „Spreewaldgrab“ zuerst zu lesen.

Bewertung vom 02.04.2017
Under Your Skin. Halt mich fest / Under your skin Bd.1
Cole, Scarlett

Under Your Skin. Halt mich fest / Under your skin Bd.1


sehr gut

Nach einer schrecklichen Misshandlung durch ihren Exfreund beginnt Harper Connelly ein neues Leben in Miami Beach. Um endgültig mit diesem Erlebnis abschließen zu können, möchte sie sich ihre Narben auf dem Rücken übertätowierten lassen. Trent Andrews ist ein begnadeter Tätowierer und scheint genau der Richtige für diese Aufgabe zu sein. Doch es kostet sie große Überwindung, diesen Schritt zu wagen …

Der gut 440 Seiten starke Roman lässt sich leicht und flüssig lesen, und zieht mich gleich zu Beginn in seinen Bann. Einfühlsam führt Scarlett Cole ihre beiden Protagonisten Harper und Trent ein, die mich faszinieren und schon schnell greifbar werden. Beide sind starke Charaktere - Harper, misshandelt, traumatisiert und unsicher, jedoch mutig und fest entschlossen, sich nicht von ihren Ängsten beherrschen zu lassen und Trent, ein begabter Tätowierer und Frauenheld, der aber gleichsam mit einer sensiblen Ader ausgestattet ist. Von ihrem ersten Zusammentreffen an spüren beide, dass zwischen ihnen eine besondere Chemie herrscht, doch ebenso wissen sie, dass der Weg zueinander nicht leicht sein wird - eine berührende Geschichte mit Potential, von der ich mir - vorweg genommen - jedoch etwas mehr Tiefe versprochen hatte.

Die Handlung verläuft recht vorhersehbar, behutsam nähern sich die beiden an. Der Leser erlebt das Geschehen abwechselnd aus Trents und Harpers Sicht, erhält so Einblicke in die jeweiligen Gefühle und Gedanken und ist damit nahe am Geschehen. Wie erwartet ergeben sich bis zum Happy-End viele Höhen und Tiefen, immer wieder stellt sich die Frage nach dem Vertrauen in den anderen, alles eingebettet in Romantik, Erotik und einen - eigentlich - spannenden Hintergrund zur Geschichte. Doch die in der Kurzbeschreibung angekündigten, geheimnisvollen SMS von Harpers Ex lassen lange auf sich warten, und die Handlung längt sich etwas in der Mitte des Buches. Erst auf den letzten 30 Seiten kommt es schließlich zum erwarteten Showdown, der dann zwar dramatisch, aber recht kurz und knapp abgehandelt wird.

Fazit:
"Under your Skin" ist eine berührende Liebesgeschichte mit greifbaren Protagonisten, die sich wunderbar mal zwischendurch wegschmökern lässt.

Bewertung vom 19.02.2017
Fast perfekte Heldinnen / Perfekte Heldinnen Bd.1
Bréau, Adèle

Fast perfekte Heldinnen / Perfekte Heldinnen Bd.1


gut

Die vier Freundinnen Mathilde, Alice, Lucie und Éva sind seit ihrer Jugend Freundinnen und haben sich auch später nicht aus den Augen verloren. Nun sind sie Ende dreißig, haben Familie, und verbringen nach wie vor jeden Sommer zusammen in der Provence. Zurück in Paris holt sie der Alltag schnell wieder ein - Trennung, Beziehungshölle, Kinderlosigkeit und die Geburt eines dritten Kindes bestimmen neben Beruf und häuslichen Verpflichtungen ihr Leben und erfordern Veränderungen. Was bringt die Zukunft?

Der Einstieg in „Fast perfekte Heldinnen“ gelingt leicht, der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen und die Protagonisten werden bald greifbar. Die Anzahl der handelnden Personen ist angenehm übersichtlich, zusätzlich gibt es zu Beginn des Buches eine Übersicht der „Besetzung“. Über knapp 340 Seiten begleitet man die vier Damen durch die Höhen und Tiefen ihres Alltagswahnsinns, der sich - vielleicht mit Ausnahme der jeweiligen Beziehungsproblematik - im Großen und Ganzen nur wenig von dem einer berufstätigen Frau mit Familie unterscheidet. In angenehmen Abständen wechselt man zwischen den Protagonistinnen hin und her, wobei jedes Kapitel von einer der Damen und ihrer speziellen Herausforderung handelt. Jede Einzelne hat eine Krise zu meistern, alle unterschiedlicher Art, die sie auf ihre eigene Weise annimmt und angeht, und sich dabei der Unterstützung der Freundinnen sicher sein kann. Stärken und Schwächen werden erkennbar, falsche und richtige Entscheidungen werden getroffen - und auch wenn es am Ende nicht für alle ein Happy-End gibt, ist doch eine positive Entwicklung bei jeder Einzelnen zu verzeichnen.

Die Protagonisten sind sympathisch und greifbar, ihre Handlungsweise ist häufig nachvollziehbar, dennoch hat mir etwas Tiefe bei den einzelnen Charakteren gefehlt. Die Handlung plätschert ohne nennenswerte Höhepunkte vor sich hin, hat mich aber trotzdem in gewisser Weise gefesselt - ich wollte wissen, wie sich die Dinge entwickeln und habe das Buch in wenigen Stunden zu Ende gelesen. Gut gefallen hat mir der Fokus auf die eigentlichen „Heldinnen den Alltags“ - nicht auf Personen, die sich durch einzelne besondere Verdienste aus der Masse hervorheben, sondern auf diejenigen, die täglich ihren Verpflichtungen nachkommen, den zeitaufwändigen Spagat zwischen Beruf und Familie meistern und sich den Herausforderungen des Lebens stellen.

Fazit:
„Fast perfekte Heldinnen“ ist ein leichter Frauenroman über die Höhen und Tiefen des Alltags zwischen Beruf, Familie und Beziehungsproblemen. Er ist in gewisser Weise fesselnd und bietet einige Stunden nette Unterhaltung, hat unterm Strich jedoch bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Insgesamt nicht schlecht - 3 Sterne

Bewertung vom 19.02.2017
Blinde Schatten (eBook, ePUB)
Martens, Anna

Blinde Schatten (eBook, ePUB)


gut

Die Goldschmiedin Johanna Gerke erwacht im Krankenhaus - schwer verletzt und ohne Erinnerung an die letzten Monate. Sie wurde überfallen und brutal zusammengeschlagen - doch von wem? Die Polizei schließt einen simplen Überfall aus. Während ihrer allmählichen körperlichen Genesung beginnt Johanna zu recherchieren und stellt erschüttert fest, dass sie ein völlig falsches Selbstbild hat. Viele Menschen hat sie verletzt und vor den Kopf gestoßen. Doch wer hasst sie so sehr, dass er sie umbringen will? Wann wird er es wieder versuchen?

Die Geschichte beginnt eingängig, ist von Anfang an spannend und kommt ohne massive Gewalt und viel Blutvergießen aus, was ich sehr mag. Auf der Suche nach dem möglichen Täter werden verschiedene Personen präsentiert, viele Möglichkeiten im Laufe der Handlung jedoch einfach nicht weiter verfolgt. Statt dessen stellt Johanna immer wieder unerklärliche Dinge fest, wie durch eine Psychologin vorhergesagt häufen sich ihre Panikattacken, die für mich als Leser nicht immer nachvollziehbar sind und ihre Glaubwürdigkeit wird zunehmend infrage gestellt. Das führt bei mir zu einer zunehmenden Distanz zu Handlung und Protagonistin, die Spannung flacht ab und das Buch fesselt mich nicht mehr. Kleinere Ungereimtheiten, eine nicht immer schlüssige Handlung und viele sehr oberflächlich abgehandelte Personen führten auch dazu, dass ich das Buch immer wieder mal zur Seite gelegt habe. Auch das Ende konnte mich letztendlich nicht überzeugen, obwohl das Tempo wieder etwas anzieht - die Auflösung wirkt konstruiert, und der Täter wird mehr oder weniger nur noch präsentiert.

Fazit:
Nach einem vielversprechenden, spannenden und fesselnden Start wurden meine daraufhin recht hohen Erwartungen an den weiteren Verlauf enttäuscht - Spannung flacht ab, die Handlung wird träge, die Protagonisten bleiben oberflächlich und das zweifellos vorhandene Potential der Geschichte wird leider nicht genutzt. „Blinde Schatten“ ist insgesamt nicht schlecht, konnte mich aber auch nicht ganz überzeugen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 27.12.2016
Im Wald / Oliver von Bodenstein Bd.8
Neuhaus, Nele

Im Wald / Oliver von Bodenstein Bd.8


sehr gut

Als im Ruppertshainer Wald ein Wohnwagen in Flammen aufgeht und aus den Trümmern eine Leiche geborgen wird, beginnt das K11 in Hofheim um Pia Sander und Oliver von Bodenstein zu ermitteln. Kurz darauf wird in Ruppertshain eine alte Frau in einem Hospiz ermordet - hängen die beiden Fälle zusammen? Für Oliver von Bodenstein hat dieser Fall eine besondere Bedeutung, denn er kennt nicht nur viele Ruppertshainer Einwohner aus seiner Kindheit, sondern erinnert sich auch an ein Verbrechen im Sommer 1972, das nie aufgeklärt wurde. Gibt es einen Zusammenhang?

Mit „Im Wald“ stellt Neue Neuhaus erneut unter Beweis, dass sie ihr Handwerk versteht. Mit ihrem flüssigen Schreibstil und anschaulichen Schilderungen zieht sie mich schnell in die Geschichte hinein. Es beginnt zunächst mit einem einfachen Verbrechen, dass jedoch bald eine weitaus größere Dimension annimmt, als zu erwarten war und weckt dabei Erinnerungen in Bodenstein, die er längst vergessen hatte. In verschiedenen Handlungssträngen, die sich in angenehmen Abständen abwechseln und den Leser mit geschickt gesetzten Cliffhangern an das Buch fesseln, dehnt sich der Fall immer weiter aus. Mit einer schier unüberschaubaren Anzahl von Personen entsteht so eine überaus komplexe, aber bis ins Detail durchdachte und am Ende nachvollziehbare und schlüssige Geschichte. Das Besondere dabei ist Bodensteins persönliche Verstrickung in diesen Fall, da er die Ruppertshainer Einwohner größtenteils kennt, und aus seiner Erinnerung heraus Details beitragen kann, die ihm „normale“ Zeugen verschwiegen hätten.

Doch so sehr ich den Hut vor dieser beeindruckenden Geschichte ziehe, war es mir am Ende doch etwas zu viel. Ein paar Verwirrungen weniger hätten mir besser gefallen, durch viele Details und einige ausführlich beschriebene, nicht wirklich relevante Begebenheiten wird das Geschehen stellenweise langatmig und verliert an Spannung. Trotz der Übersicht der Ruppertshainer Einwohner zu Beginn des Buches habe ich - auch durch ihre vielfältigen Beziehungen untereinander - zwischendurch immer mal wieder den Überblick über die Personen verloren. Darüber hinaus trüben kleinere Ungereimtheiten innerhalb der Geschichte den aber trotz allem immer noch positiven Gesamteindruck des Buches, das mich unterm Strich einige Stunden gut unterhalten hat.

Fazit:
„Im Wald“ ist ein sehr komplexer Krimi mit einer äußerst raffiniert konstruierten Handlung, was sich erst im Laufe der Lektüre in vollem Umfang zeigt. Die ausführlichen und detaillierten Schilderungen fand ich jedoch stellenweise langatmig, die außergewöhnlich große Anzahl der handelnden Personen und ihre Beziehungen untereinander zum Teil verwirrend - manchmal ist weniger einfach mehr. Trotz dieser Kritikpunkte ist „Im Wald“ solide Krimikost, die ich gerne gelesen habe.

2 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.12.2016
Mooresschwärze: Thriller
Shepherd, Catherine

Mooresschwärze: Thriller


gut

In einer Moorlandschaft bei Köln wird eine Frauenleiche gefunden, auf dem Bauch hat sie ein Tattoo. Auf dem Weg in die Gerichtsmedizin verschwindet sie. Auf der Suche nach der Leiche findet die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz eine weitere Leiche mit Tattoo - ein Serientäter? Zusammen mit Kriminalkommissar Florian Kessler beginnt sie zu ermitteln ...

Mein erstes Buch dieser Autorin beginnt fesselnd und spannend, der Schreibstil ist anschaulich und flüssig zu lesen und weckt zusammen mit der Kurzbeschreibung der Geschichte hohe Erwartungen an den weiteren Verlauf. Das Verbrechen selbst hat einen interessanten Hintergrund, der sich jedoch erst zum Ende hin wirklich offenbart und dann recht kurz abgehandelt wird. Die Geschichte verläuft in zwei Handlungssträngen, zwischen denen in angenehmen Abständen hin und her gewechselt wird, doch die mich als Leser schon früh erahnen lassen, wie sich die Handlung entwickeln und enden wird. Dabei flacht die Spannung zusehends ab, die Ermittlung verläuft sehr einfach und gradlinig, und wird mir zu häufig durch die „Intuition" der Ermittler bestimmt. Auch das schlüssige und nachvollziehbare Gesamtbild kann schließlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Täter am Ende mehr oder weniger nur noch präsentiert wird.

Die Protagonisten Julia Schwarz und Florian Kessler sind interessante Persönlichkeiten, die mir auf Anhieb sympathisch sind und sich als Duo in dieser Ermittlung nicht nur gut ergänzen, sondern auch darauf warten lassen, sich persönlich etwas näher zu kommen. Wie in aktuellen Thrillern momentan sehr beliebt, wird auch Julias Verhalten durch ein früheres traumatisches Ereignis bestimmt, das zwar immer wieder zur Sprache kommt, letztendlich aber nicht wirklich behandelt wird. Ebenso stagniert die persönliche Komponente der Protagonisten, sodass sie bis zum Ende leider doch recht oberflächlich bleiben.

Fazit:
Protagonisten, Hintergrund und ein gelungener Einstieg in die Geschichte versprechen viel Potential, das Catherine Shepherd für meine Begriffe jedoch leider nicht ausschöpft. So hat mich „Mooresschwärze" ein paar Stunden gut unterhalten, aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Doch Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden …

Bewertung vom 15.09.2016
Lügenmauer / Emma Vaughan Bd.1
Bierach, Barbara

Lügenmauer / Emma Vaughan Bd.1


gut

In Sligo wird Reverend Dean Charles Fitzpatrick, ein hochrangiges protestantisches Kirchenmitglied, ermordet aufgefunden. Die Hintergründe sind völlig unklar. Inspector Emma Vaughan ermittelt ...

Die Handlung spielt in drei Zeitebenen, verläuft klar und übersichtlich und ermöglicht dem Leser einen guten Einstieg. Mit einer überschaubaren Anzahl Protagonisten und einer anfangs völlig offenen Ermittlung in alle Richtungen erhält der Leser zunächst einen Eindruck des Countys Sligo, der Landschaft, seiner Einwohner und der irischen Mentalität, die stark durch die politische Situation, den kirchlichen Einfluss und die IRA geprägt ist. Obwohl in den verschiedenen Zeitsträngen größtenteils unterschiedliche Protagonisten agieren, sind für den Leser die Zusammenhänge, und damit leider auch Motiv und Täter früh erkennbar, was die insgesamt schlüssige Geschichte recht vorhersehbar macht und ihr die Spannung nimmt. So verläuft die Handlung recht schleppend, jedoch gespickt mit interessanten geschichtlichen und politischen Ereignissen und Hintergründen, die gekonnt in das Geschehen eingebaut sind. Anschauliche Landschaftsbeschreibungen vervollständigen das Bild, wobei ich eine spürbare Atmosphäre vermisse.

Mit Emma Vaughan betritt eine weitere Ermittlerin die Krimibühne, die einerseits sympathisch ist, meiner Meinung nach aber mit einer etwas übertriebenen Problematik ausgestattet wurde, die in dieser Fülle ins Unglaubwürdige abdriftet. Allein ihre Religionszugehörigkeit, ihre Rolle als geschiedene und alleinerziehende Mutter, sowie ihre berufliche Tätigkeit in einer männerbesetzten Domäne im immer noch sehr religiös geprägten Umfeld bieten eine außergewöhnliche, interessante und speziell für diese Krimireihe charakteristische Thematik - zusätzliche Tablettenabhängigkeit, Sorgerechtsproblematik und der immer wieder im Raum stehende, gewalttätige Exmann überfrachten ihre Person. Die weiteren Protagonisten bleiben leider etwas blass und im Hintergrund.

Das Buch hat mich etwas enttäuscht – der Plot bietet viel Potential, das meiner Meinung nach leider nur teilweise genutzt wurde. Doch auch wenn ich eine fesselnde Handlung und Spannung im vorliegenden Verbrechen vermisst habe, bleiben auf jeden Fall ein Eindruck der irischen Mentalität, sowie ein Einblick in die kirchlichen und politischen Einflüsse in Irland positiv haften.

Bewertung vom 15.09.2016
Fuchskind / Gesine Cordes Bd.2
Wieners, Annette

Fuchskind / Gesine Cordes Bd.2


sehr gut

Die Krimiserie um die Friedhofsgärtnerin Gesine Cordes kannte ich bisher noch nicht - ich bin sehr angetan und konnte auch ohne Kenntnis des ersten Bandes dieser Geschichte problemlos folgen. Annette Wieners' Schreibstil ist gut zu lesen, sie schreibt anschaulich und sehr bildhaft, setzt damit das Kopfkino in Gang und lässt mich gleich in die Handlung eintauchen. Der Kriminalroman hat eine gewisse Grundspannung, einen eher ruhigen Verlauf, ist aber dennoch durchgehend fesselnd und nimmt zum Ende hin Fahrt auf. Er wartet mit einer unerwarteten Handlung und einigen überraschenden Wendungen auf, wobei ich das große Ganze im Rückblick - obwohl alles sehr schlüssig ist - doch ein wenig konstruiert finde. Die Protagonisten sind realistisch und greifbar gezeichnet und mir größtenteils sympathisch. Fast alle sind mit einem tragischen privaten Hintergrund versehen, der immer wieder durchblitzt und ihr Verhalten und ihre Handlungsweise nachhaltig prägt, jedoch ohne dass es melodramatisch wird. Die Kombination aus heutiger Friedhofsgärtnerin und ehemaliger Kriminalermittlerin finde ich in Gesine Cordes gelungen umgesetzt, und zugleich eine plausible Basis, sie in den Ermittlungen ein wenig mitmischen zu lassen. Dadurch fließt auch ein wenig Privates in die Handlung mit ein, das mich fast ebenso fesselt, wie die Klärung des Verbrechens.

Von Beginn an beeindruckt mich die besondere und absolut stimmige Atmosphäre, die zwar meist nur unterschwellig, aber trotzdem durchgehend präsent ist. Sie ist ein wenig düster und melancholisch, was vom nebligen Novemberwetter auf dem Friedhof über die Vergangenheit der Protagonisten bis hin zu den Verbrechen, dem ausgesetzten, kranken Baby und der nackten Frauenleiche, widergespiegelt wird. Gleichzeitig ist sie aber auch häufig liebevoll und fürsorglich, wenn die handelnden Personen bei Problemen und in ihrer Trauer einander beistehen und sich kümmern.

„Fuchskind“ besticht durch eine außergewöhnliche Hauptfigur und eine fesselnde und ungewöhnliche Handlung, insbesondere jedoch durch eine ganz eigene Atmosphäre, die während des ganzen Buches spürbar ist. Mir hat es gut gefallen - ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Band.

Bewertung vom 15.09.2016
sweet & salty
Martens, Andrea; Kirchherr, Jo

sweet & salty


ausgezeichnet

Seitdem wir dieses Buch haben, hat „Sweet & Salty“ bei uns eine neue Bedeutung. Es ist nicht mehr nur die Bezeichnung zweier gegensätzlicher Geschmacksrichtungen, sondern umfasst nun eine ganze Rubrik ungewöhnlicher und außergewöhnlicher Rezepte. Auf knapp 140 Seiten präsentieren Andrea Martens und Jo Kirchherr die verschiedensten Gerichte, die sich wegen ihrer Kombination aus einer süßen und salzigen Komponente grundsätzlich zu jeder Mahlzeit eignen.

Beim ersten Durchblättern dieses völlig anders, sehr aufwändig, aber auch sehr liebevoll gestalteten Kochbuches voller appetitanregender Gerichte und Bilder hatte ich trotz allem bei fast jedem Rezept irgendwelche Bedenken und bat meine Familie, die ersten Rezepte auszuwählen. Vorweg genommen - die Resultate waren überraschend lecker, und meine Vorbehalte lösten sich vollkommen in Luft auf. Von Smoothies über Brot und Brotaufstriche, Waffeln, Pancakes und Omelettes bis hin zu Gerichten aus dem Ofen sind hier einige sehr kreative, und zum Teil wirklich „abgefahrene“ Kombinationen zu finden. Einzelne vegane und/oder laktosefreie Rezepte sind enthalten und besonders gekennzeichnet.

Die Zutaten sind fast alle in gut sortieren Lebensmittelläden erhältlich, wobei ich bei manchem erst in Erfahrung bringen musste, worum es sich eigentlich handelt. Nicht ganz praktisch ist, dass einige außergewöhnliche Zutaten nur in kleinen Mengen benötigt werden (z.B. genau 12 Honig-Salz-Mandeln oder 3 EL Lavendelblüten), und der Rest erst einmal übrig ist. Die angegebenen Zeitangaben passen im Großen und Ganzen. Man sollte beachten, dass die Portionen auf Frühstück ausgelegt sind - als Hauptmahlzeit benötigen wir eine größere Menge.

Die Rezepte sind klar beschrieben und einfach umzusetzen. Abgesehen von Waffeleisen, Toaster und Muffinform sind keine besonderen Hilfsmittel erforderlich und auch der (anschließende Reinigungs-) Aufwand hält sich in Grenzen. Meine absolute Geschmacksüberraschung war die Chorizomarmelade, dicht gefolgt von Streuseln mit Karamellbonbons auf Toastmuffins, wobei ich das gebackene Ei im Muffin gewöhnungsbedürftig fand. Trotz anfänglicher Skepsis war mein Mann völlig begeistert von den Waffeltacos mit Merguez und Mangosalsa – obwohl er sonst keine Avocados mag, fand er sie in dieser Zusammenstellung überaus lecker. Inzwischen haben wir einige Rezepte probiert und waren unterm Strich sehr positiv überrascht – diese Geschmacksergebnisse und -erlebnisse hatten wir so wirklich nicht erwartet.


„Sweet & Salty“ ist ein tolles Buch, das uns die Vielfalt ungewöhnlicher, doch wirklich leckerer Essenskompositionen nochmals ins Bewusstsein gerufen hat. Es regt nicht nur zum Nachkochen an, sondern ermuntert uns, beim Kochen selbst noch mutiger und kreativer zu werden.

Bewertung vom 29.03.2016
Endgültig
Pflüger, Andreas

Endgültig


ausgezeichnet

Jenny Aaron war Spitzenagentin einer international operierenden Eliteeinheit in Berlin, doch seit einem verpatzten Einsatz in Barcelona ist sie blind. Gequält von eigenen Schuldgefühlen, gepaart mit einer Erinnerungslücke zu den dortigen Ereignissen, hat sie sich mit dem ihr eigenen Ehrgeiz und ihrem überaus hohen Anspruch an Perfektion ein Leben nach Barcelona aufgebaut und arbeitet nun als Fallanalytikerin und Vernehmungsspezialistin beim BKA in Wiesbaden. Körperlich und an der Waffe topfit, versteht sie es auch, das Verborgene zu erfühlen und dem Schall von Lügen zu lauschen. Als in der JVA Tegel eine Psychologin ermordet wird, wird Aaron angefordert - der Tatverdächtige will ausschließlich mit ihr sprechen. Das erste Zusammentreffen mit ihrer früheren Einheit steht an - und mit einem alten Widersacher, der offensichtlich eine Verbindung zu den Ereignissen in Barcelona hat ...

Vorweg genommen: "Endgültig" hat Sogwirkung - Andreas Pflügers brillanter Plot in Verbindung mit seiner präzisen Darstellung und seinem anschaulichen, intensiven, und stellenweise etwas eigenwilligen Schreibstil ziehen mich von Beginn an völlig in die Geschichte hinein. Sie startet mit dem missglückten Einsatz in Barcelona, sodass ich von Anfang an ein Bild von Aaron im Einsatz vor Augen habe und mit einer recht hohen Erwartungshaltung in das aktuelle Geschehen einsteige. Dass diese Vorgeschichte gleichzeitig Basis für die jetzigen Ereignisse ist, zeichnet sich erst im Laufe des Buches ab, als nach und nach immer weitere Informationen hinzukommen, die am Ende ein schlüssiges, sehr komplexes und unerwartetes Gesamtbild ergeben.

Anfangs fesseln mich insbesondere Aarons beeindruckende Art und Weise, mit ihrer Blindheit ihr Leben anzugehen und ihre beruflichen Anforderungen mehr als nur zu meistern. Die Vielfalt und Menge der nicht visuellen Sinneseindrücke, die ich als Sehende normalerweise ignoriere und die Andreas Pflüger stellenweise auf mich einstürzen lässt, schaffen eine unglaublich dichte Atmosphäre, die mich vereinzelt das Buch kurz zur Seite legen und tief durchatmen lässt. Fließend und fast unbemerkt geht das Augenmerk auf den zweiten herausragenden Aspekt dieses Thrillers über - ihre Auseinandersetzung mit einem ebenbürtigen Gegner, der wie sie selbst dem Bushido folgt, dem Weg des Kriegers. Beide Kontrahenten haben dabei nicht das vorrangige Ziel zu überleben, sondern vor ihrem Tod Antworten auf offene, sie persönlich quälende Fragen zu finden. Actionreiche, teilweise jedoch leider sehr realitätsferne Szenen, körperliche und verbale Auseinandersetzungen, sowie immer wieder unerwartete Wendungen, parallel zu den nicht weniger fesselnden, fieberhaften Ermittlungen der Eliteeinheit sorgen für ein rasantes Tempo und ein durchgehend hohes Spannungsniveau.

"Endgültig" ist ein packender Thriller, der sich insbesondere durch seine blinde Top-Ermittlerin, aber auch einer überaus fesselnden, spannenden und unvorhersehbaren Handlung auszeichnet. Empfehlenswert!

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