Benutzername: gaby2707
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Insgesamt 212 Bewertungen
Bewertung vom 28.03.2017
Schlachtsaison
Schröfl, Andreas

Schlachtsaison


ausgezeichnet

„Schlachtsaison“ ist für mich der erste Krimi, den ich von Andreas Schröfl gelesen habe. Nachdem mich das Buch so begeistert zurück gelassen hat, werde ich sehr bald auch die ersten beiden Fälle von Ferdl Sanktjohanser lesen.

Worum geht es?
In München scheint ein Massenmörder während der Faschingszeit auf den Spuren von Jack the Ripper unterwegs zu sein. Mehrere Frauen sterben nach genau dem gleichen Vorbild wie die kanonischen Fünf. Als auch Susi, die Freundin von Stanktus´ Schwester Anna dem Verbrecher zum Opfer fällt und sie ihren Bruder um Hilfe bittet, kann der natürlich nicht nein sagen. Was allerdings seiner schwangeren Freundin Kathi zuerst gar nicht gefällt. Zusammen mit seinem Spezl Kommissar „Bichä“ Bichlmaier macht sich der Sanktus, Bierbrauer, Ex-Polizist, Schankkellner und derzeit Stadtführer in München auf, den Mörder zu ermitteln.

Schon von der ersten Seite an hat mich Andreas Schröfl mit seinem Schreibstil, seinem Spannungsaufbau und auch seinem ganz speziellen Humor gefangen. Vor allem aber auch die vielschichtigen, ausgesprochen detailliert ausgefeilten Protagonisten haben mich begeistert. Allen voran Fredl Sanktjohanser und seine Kathi. Ich liebe den bayerischen Dialekt und davon bekomme ich hier mehr als genug. Aber auch den Wiener Dialekt und Wortwitz habe ich hier sehr genossen. Nicht zu vergessen das schwäbeln, den Franken und sogar ein ganz klein wenig sächsisch habe ich lesen dürfen.

Mich hat es begeistert mein München mit den Protagonisten zu durchwandern und immer genau zu wissen, wer sich gerade wo aufhält. Mein Kopfkino hatte viel zu tun.

Die Spannung kommt in diesem Regionalkrimi nicht zu kurz – ganz im Gegenteil. War ich mir bei ca. der Hälfte des Lesestoffes sicher den Mörder zu kennen, wurde ich eines besseren belehrt. Gerade zum Schluss hin geht es Schlag auf Schlag, so dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Super gemacht – großes Kino.
In kleinen Absätzen, kenntlich gemacht durch die kursive Schrift, werden im Herbst 1888 die kanonischen Fünf (Frauenmorde) von Jack the Ripper erklärt.

Ich finde es toll, dass mir hier mal wieder ein Krimi vorgesetzt wurde, der alles beinhaltet, was ich persönlich an einem Regionalkrimi liebe: Spannung ab der ersten Seite; ganz viel Lokalkolorit; immer wieder Szenen, bei denen sich meine Mundwinkel nach oben ziehen; eine Geschichte, die mich richtig gefangen nimmt.

Ich hoffe ganz stark, dass ich bald weitere spannende Geschichten von Andreas Schröfl zu lesen bekomme.

Bewertung vom 23.03.2017
Meer Liebe auf Sylt
Thesenfitz, Claudia

Meer Liebe auf Sylt


ausgezeichnet

Mein Lieblingszitat aus der Geschichte auf S. 186:
Kleinen Kindern gibt man Wurzeln und großen schenkt man Flügel.

Will Marcus sie verlassen? Hat er eine Andere? Um das heraus zu finden, reist Alexandra Reinhardt ihrem Mann nach New York nach. Auf die 2-jährige Tochter Emma sollen in der Zeit die beiden Omas aufpassen. Auch Schwester Jana wird mit ins Boot geholt. Die kleine Emma schafft es immer wieder, die drei richtig auf Trab zu halten.

Unterhaltung und Witz wird schon durch die Unterschiedlichkeit der beiden Omas garantiert: Henrietta, Chefredakteurin einer großen Frauenzeitschrift, die absolute Karrierefrau und immer topmodisch gestylt. Ulla, Esotherikerin aus vollem Herzen , unrasiert von Kopf bis Fuß und eine Anhängerin des Nachzbadens. Meine Mundwinkel sind fast ständig nach oben gezogen, wenn ich von dem immer wieder erschrockenen Gesichtsausdruck von Henriette lese und beide in meinem Kopfkino durchs Bild huschen. Der kleinen Emma dagegen sind diese Äußerlichkeiten wurscht. Sie liebt ihre beiden Omas ohne wenn und aber.

Mir gefallen die feinsinnigen Gespräche, die die beiden Frauen führen, wie sie sich gaaaanz langsam annähern und jeder der anderen ihren Raum gibt. Ihre Muster und Gesetze, in denen beide leben, fangen an sich zu lockern bzw. aufzulösen.

Und das alles spielt vor der wunderschönen Kulisse der Insel Sylt. Bei den Beschreibungen bekommt man Lust auf Sommerurlaub. Sylt steht ab sofort auch auf meiner „will ich noch hin“-Liste.

Sympathische Charaktäre, eine wunderschöne Sommerkulisse, eine insgesamt humorvolle Geschichte und eine wunderbare Wandlung und Annäherung zweier Frauen – ich hatte ein paar ausgesprochen schöne Lesestunden.

Bewertung vom 21.03.2017
Das Erbe von Carreg Cottage
Wilken, Constanze

Das Erbe von Carreg Cottage


ausgezeichnet

Die 35-jährige Lilian Gray, genannt Lili hat ihr Cafe in Greenock, Schottland aufgeben müssen und steht vor dem Nichts. Als ihr der Brief eines Anwalts aus Nordwales in Haus flattert, der ihr eine erhebliche Erbschaft verspricht, macht sie sich mit ihrem Border Terrier Fizz auf den Weg nach Aberdaron. Sie erfährt, dass ein nur dem Anwalt Bekannter ihr ein kleines Pilgercottage und eine Menge Geld für die Renovierung vererbt hat. Sie muss ihr Erbe sofort antreten und das Cottage bewirtschaften. In einem Jahr soll sie erfahren, wer ihr Gönner ist. Voller Tatendrang macht sich Lili, die für Schreibtischarbeit absolut nicht gemacht ist, sondern am liebsten in der Erde buddelt und Kräuter, Pflanzen, Blumen und Bäume setzt, ans Werk. Hier, wo sie sich gleich wohl, geborgen und zuhause fühlt, hat aber jemand etwas gegen ihre Anwesenheit. Bevor sie ihr neues Zuhause beziehen kann, wird es von Unbekannten verwüstet...

In ihrem neuen Roman entführt mich Constanze Wilken nach Nordwales auf die Halbinsel Llyn. Hier begleite ich Lili nicht nur im Hier und Jetzt, sondern ich mache auch Bekanntschaft mit Lileas, die in der Zeit nach 614 als Tochter eines Druiden und seiner Familie aufwächst. Ihr Vater gibt ihr seine Kenntnisse weiter, bis die Familie außer Lileas, die flüchten kann, ausgelöscht wird. Sie tauscht ihren Namen in Meara und verlässt ihre Heimat Richtung Süden. Mit ihren besonderen Kräften lebt sie einsam als Heilerin und würdige Nachfolgerin ihres Vaters und hilft denen, die sie darum bitten.

Dass die Hauptpersonen sowohl aus der Gegenwart als auch aus der Vergangenheit zu Anfang der Geschichte aufgeschrieben sind, hat mir ein paar Mal sehr geholfen. Lileas und Lili habe ich beide sofort in mein Herz geschlossen. Beide haben ihre Stärken und Eigenheiten, sind zwei ganz aussergewöhnliche Frauen. Lägen nicht hunderte von Jahren zwischen ihnen, könnten sie Schwestern sein.

Mit ihrem einfühlsamen und doch prägnanten Schreibstil hat mich Constanze Wilken sofort in den Bann der walisischen Landschaft und ihrer Bewohner gezogen. Beim Lesen habe ich die salzige Luft in der Nase, höre die Wellen an die Felsen schlagen und sehe die schroffe Landschaft mit ihren kleinen Ortschaften vor mir. Sie hat es geschafft, dass ich einen weiteren Landstrich auf meine „möchte ich noch sehen“-Liste gesetzt habe.

Ich war gefangen in einer Geschichte aus Gegenwart und Vergangenheit, durfte lesen, wie sich eine Liebe anbahnt, eine andere leider entzweit wurde und hatte wunderbar unterhaltsame Lesestunden. Und ich freue mich auf eine Fortsetzung der Geschichte mit Lili.

Bewertung vom 21.03.2017
Die Montez-Juwelen
Vöhringer, Sabine

Die Montez-Juwelen


ausgezeichnet

Nach einer Auszeit ist Hauptkommissar Tom Perlinger wieder in seiner Heimatstadt München gelandet. Am Abend nimmt er kurz an einer Präsentation der legendären Montez-Juwelen bei einem Juwelier in der Hofstatt teil. Tags darauf wird in der Früh im Fischbrunnen am Marienplatz ein junger Mann tot aufgefunden. Ihn hatte Perlinger am Abend ebenfalls auf der Vernissage gesehen. Noch nicht im Dienst, der erst am Montag beginnt, nimmt Tom die Ermittlungen trotzdem schon auf, weil sein Halbbruder Max verdächtigt wird…

Bei den Ermittlungen zu den Montez-Juwelen nimmt mich Sabine Vöhringer mit in die Altstadt von München mit ihren kleinen Gassen, dem Marienplatz und der Sendlinger Straße. Hier bin ich zuhause und freue mich immer wieder, wenn ich die Wege, die hier z.B. Tom Perlinger geht, direkt vor meinem inneren Auge mit spazieren kann. Toll auch die Ansicht der Innenstadt auf der Innenseite von Vorder- und Rückseite des Buches.

Zuerst fühlte ich mich von den vielen Personen, die hier angesiedelt sind, etwas überfordert. Doch da vor Beginn der Geschichte ein Blatt die Personen mit ihren Zugehörigkeiten beschreibt und ich immer mal wieder nachschlagen konnte, hatte sich das schnell gelegt. Da ich auch schon mal z.B. im Hackerhaus war, hatte ich bei einigen Personen direkt ein konkretes Bild vor Augen. Interessante Charaktäre, bei denen ich meine Sympathien schnell vergeben habe, wie z.B. Kommissar Tom Perlinger, der mit seinem Sixpack, seinem Charme und seiner Zuverlässigkeit sofort bei mir punkten konnte, sorgen für Kopfkino. Ich hoffe, dass ich bald mehr von ihm und Kollegin Jessica lesen werde. Kommissar Mayrhofer kann ruhig versetzt werden.

Es geht in der Geschichte nicht nur um die Montez-Juwelen, sondern auch um die Familiengeschichte und -fehde zweier Brauhausbesitzer und den Kampf um Macht und Ansehen in der Münchner Gesellschaft. Interessant zu lesen, wie sich hier Vergangenheit und Gegenwart verweben und nichts in Vergessenheit gerät

Anfangs hat mir die Spannung etwas gefehlt. Doch da die Geschichte insgesamt so interessant ist und am Ende noch mal richtig Fahrt aufnimmt, hat mich das absolut versöhnt.
Wer Krimis Lokalkolorit mag, eine interessante Geschichte mit Blick in die Vergangenheit lesen will und sich spannend unterhalten lassen will – hier sind sie genau richtig.

Bewertung vom 20.03.2017
Voll von der Rolle
Minck, Lotte

Voll von der Rolle


sehr gut

Die Neueröffnungvon Kropkas Klümpchenbude steht an. Loretta Luchs streicht was sie kann, damit Franks neues Büdchen in neuem Glanz erstrahlt. Die Freude ist etwas getrübt, als am nächsten Morgen ein großer knallpinkfarbener Fleck auf einer der beiden Seitenwände prangt. Aber Loretta macht das Beste draus und lässt ihrer kreativen Ader freien Lauf – immer unter Beobachtung von 3 Opas, die auf einer Bank am Büdchen ihren Tag verbringen – tagein – tagaus. Dass eine Jugendbande in der Gegend ihr Unwesen treibt, weiß sie da noch nicht. Als Loretta sprichwörtlich über einen der Jungs stolpert, der sich mit seinem Skateboard das Genick gebrochen hat, kommt ihre Spürnase wieder zum Vorschein und sie lässt es sich nicht nehmen, zusammen mit ihrem Freund Erwin zu „ermitteln“. Was ihrem Freund Pascal überhaupt nicht passt und schon herrscht Zoff im Hause Luchs.

Wie die Genrebezeichnung schon sagt, handelt es sich bei den Geschichten um Loretta und ihren Freundeskreis um eine kriminalistische Komödie.
Da ich bisher bei allen Fällen, in denen Loretta ihre Nase drin hatte, mit ermittelt habe, bin ich sehr schnell wieder im Ruhrpott angekommen. Ich liebe es, wenn Frank mit seinem Ruhrpottslang alles genau auf den Kopf trifft, Doris ihre Kochkünste allen zur Verfügung stellt. Einige meiner anderen Freunde habe ich diesmal hier vermisst. Dafür habe ich JuppZwo, Steiger und Locke, die drei Oppas von der Bank kennengelernt, und einen Journalisten mit seiner Fotografin, die sehr gut in die Clique um Loretta passen würden.

Die Geschichte an sich birgt einen krininalistischen Hintergrund, über den man sehr gut diskutieren kann: Jugendbanden, die nach Mafiamanier glauben, sie könnten die kleinen Einzelhändler abzocken. Hier greift Loretta ein, was hier und da sehr übertrieben wird. Mir wäre der Einsatz der starken Männer um Loretta lieber gewesen. Auch die Spannung lässt in diesem Fall für mich großen Spielraum nach oben. Die Auflösung hat mich dann etwas betroffen gemacht.

Auch wenn mir diese Geschichte mit ihrer unvergleichlichen Protagonisten, der Situationskomik, den lockeren Sprüchen und ihrem Lokalkolorit diesmal nicht ganz so gut unterhalten hat, bin ich beim nächsten Fall, den Hornbrillengirl Loretta und Minipli-Man Erwin lösen wollen, wieder mit dabei.

Bewertung vom 17.03.2017
Blutorangen
Boos, Verena

Blutorangen


sehr gut

Maria Teresa Molins, genannt Maite, hat es geschafft. Sie hat sich gegen ihren strengen Vater durchgesetzt, verlässt ihre Heimatstadt Valencia und studiert nun in München. Hier lernt sie Carlos kennen, einen spanischstämmigen jungen Mann und verliebt sich in ihn. Bei seinem Großvater Antonio, der sich in München eine neue Existenz aufgebaut hat, stößt sie auf ein Foto eines jungen Mannes in deutscher Uniform. Eine solche Uniform trägt ihr Vater auf einem Foto, dass sie zufällig einmal bei sich zuhause gesehen hat. Nun stellt sie Fragen und beginnt nachzuforschen. Alte Wunden reißen auf und ein totgeschwiegenes Kapitel ihrer Vorfahren kommt immer mehr ans Licht.

Dies ist kein Roman, den man mal schnell zwischendurch liest. Durch die drei Zeitzonen, durch die er mich führt, brauche ich meine ganze Aufmerksamkeit um dem äußerst interessanten Geschehen folgen zu können. Spannung baut sich auf und hält mich gefangen, nachdem ich die Familienzugehörigkeiten verinnerlicht hatte, bis ich die letzte Seite erreicht und zusammen mit Maite ihr Leben bzw. ihre Vergangenheit und die ihrer Familie aufgearbeitet habe.

In einer eindrucksvollen, berührenden, bildhaften und sehr lebendigen, hier und da aber auch abgehackten Sprache, was meinen Lesefluss manchmal aus dem Tritt gebracht hat, nimmt mich Verena Boos mit in die Aera Francos und dem spanischen Bürgerkrieg. Mir war bis jetzt nicht bekannt, dass spanische Männer auch im deutschen Krieg gegen Russland dabei waren. Für mich war es sehr interessant zu lesen, wie sich der Bogen der Geschichte von Spanien, wo er schließlich auch wieder endet, über Frankreich nach Deutschland, weiter nach Russland zieht.

Die Personen finde ich gut beschrieben. Vor allem Maites Vater Francisco und Carlos Opa Antonio, dessen Schicksal mich tief berührt hat, kann ich mir sehr gut vorstellen. Bei der Vielzahl an Personen hätte ich mir hier zu Beginn der Geschichte einen Stammbaum gewünscht, an dem man die Zugehörigkeiten immer mal wieder nachsehen kann.

Dieses Buch und diese Geschichte wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Bewertung vom 11.03.2017
Das Brombeerzimmer
Töpfer, Anne

Das Brombeerzimmer


sehr gut

Nora Kluge ist 29, lebt mit ihrem Labrador Watson in Oberhausen am Rande des Ruhrgebietes, hat Ökotrophologie studiert, und hat vor einem Jahr ihren Mann Julian, den sie über alles geliebt hat und heute schmerzlich vermisst, durch eine Herzmuskelentzündung verloren. Als sie beginnt, seine Sachen wegzuräumen, findet sie einen Brief von Julians Großtante Klara und ein Rezept für Brombeermarmelade. Sie beschließt, die alte Dame, die in einem kleinen Dorf in der Vorpommerschen Boddenlandschaft lebt, zu besuchen. Zwischen den beiden Frauen und einer jungen Nachbarin entwickelt sich rasch eine wunderbare Freundschaft. Aber Nora stößt auch auf ein Familiengeheimnis, dass die Öffnung zwischen Ost und West überdauert hat und nun gelüftet werden soll...

Anne Töpfer hat mich mit ihrem einfühlsamen und liebevollen Schreibstil sofort gefangen genommen. Ich habe Nora sofort als Freundin für ein paar Lesestunden angenommen, kann ihre Trauer und ihren Schmerz gut nachvollziehen. Daher fand ich es sehr schön, zu lesen, wie sie in dem kleinen Ort in Vorpommern langsam wieder in ihr eigenes Leben zurück findet. Wie ihr dabei ihre Freundin Katharina und auch Mandy, die sie hier kennenlernt, zur Seite stehen, fand ich sehr gut beschrieben.
Toll finde ich auch den Weg von Nora zu Klara, die sich zuerst als spröde sturköpfige alte Dame gibt, dann aber immer mehr auftaut. Was auch an der gemeinsamen Begeisterung für selbstgemachte Marmeladen und Liköre liegt. Bei den Beschreibungen der leckeren Marmeladevariationen läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Bestimmt werde ich das ein oder andere Rezept, das hier angeboten wird, ausprobieren.

Von der Auflösung des Familiengeheimnisses aus der Nachkriegszeit hatte ich mir etwas mehr versprochen. Das kam mir hier etwas zu kurz.

Das Brombeerzimmer ist eine gefühlvolle, zauberhafte Geschichte für ein paar entspannte Lesestunden.

Bewertung vom 11.03.2017
Tod am Deich. Ostfrieslandkrimi
Busch, Ulrike

Tod am Deich. Ostfrieslandkrimi


ausgezeichnet

Um fit zu sein für den Antrittsbesuch der neuen Kollegin Fenna Stern macht sich KHK Tammo Anders mit seinem Fahrrad und Hund Buddy auf zu einer Runde auf dem Deich. Von einem Jogger aus dem Gleichgewicht gebracht, stürzt Tammo und verheddert sich in den Fängen einer Wasserleiche im Entwässerungsgraben hinter dem Deich in Greetsiel. So stolpert Fenna gleich an ihrem ersten Tag in ihren ersten Fall in Greetsiel.

Mit „Tod am Deich“ steige ich ein in eine Krimireihe um Kriminalhauptkommissar Tammo Anders und der Profilerin Fenna Stern. Von Anbeginn knistert es zwischen den Beiden ohne dass es aufdringlich erscheint. Ich hoffe, bald mehr von dem sympathischen Ermittlerpaar lesen zu dürfen.
Wachtmeister Pötzschke, den ich auch sehr sympathisch finde, bringt mit seiner Art Ruhe auf die Polizeiwache.
Durch die norddeutschen Vor- und Zunamen, die zusammen mit den Orts- und Landschaftsbeschreibungen den Lokalkolorit ausmachen, bin ich direkt in Ostfriesland bzw. dem malerischen Ort Greetsiel angekommen.
Gelungene, aussagekräftige Dialoge, ein Spannungsbogen der sich stetig aufbaut und sich gut halten kann, haben mich das Buch in einem Rutsch durch lesen lassen. Bei der ein oder anderen Beschreibung – z.B. sein Verhalten ließ die Nackenhaare Handstand machen – habe ich auch mal schmunzeln müssen. Oder wenn ich mir Onkel Fridos Rentnergang vorgestellt habe. Auch das gehört für mich zu einem guten Krimi dazu.
Die Geschichte hat mich fesseln können, für mich war ein Täter schnell zur Stelle, aber auch schnell wieder verworfen.

Tod am Deich hat mich bestens unterhalten, ist spannend mit wiederkehrenden Wendungen, die ich so nicht erwartet hatte und ich hatte Einblick in eine Familiengeschichte, die die Vergangenheit nicht bewältigen konnte. Ich freue mich auf die Fortsetzung!

Bewertung vom 07.03.2017
Schickimicki
Radermacher, Ulrich

Schickimicki


sehr gut

Petra Malterer, 39, Münchner Society Lady, verheiratet mit ihrem viel älteren Mann Franz, 2 Kinder, wird nach einem Besuch in der Nobel-Disco P1 mit einem Loch in der Brust in der Isar gefunden. Tage später findet man im Denninger Weiher die Leiche von Saskia Engels, ebenfalls sehr wohlhabend und gutaussehend, wohnhaft in Grünwald. Hat die Kripo es hier mit einem Serienmörder zu tun? Einige Gemeinsamkeiten weisen darauf hin. Viel Arbeit für Hauptkommissar Alois Schön und Kommissarin Natascha Frey.

Hauptkommissar Alois Schön und Natascha Frey, die ich schon in „Saukerl“ kennen gelernt habe, harmonieren trotz oder vielleicht gerade wegen des großen Altersunterschiedes als Team sehr gut miteinander. Zeugen suchen und vernehmen, in alle Richtungen ermitteln, spekulieren und Beweise zusammen führen – ich bin hautnah bei den Ermittlungsarbeiten dabei.
Ulrich Radermacher kommt ohne große Action aus und auch Blut fließt nur sehr wenig, was meinem Lesegeschmack sehr entgegen kommt. Der Krimi ist spannend aufgebaut und doch von der eher leisen Sorte.

Was mir hier etwas gefehlt hat, ist das typische Münchner Schickimicki-Flair mit seinen vielen In-Lokalen, Geschäften, wo die Promis zum shoppen gehen. Ich hätte mir mehr Dialekt gewünscht, mehr Kabbeleien unter den Kommissaren, etwas mehr Witz und Humor. Hier bekomme ich einfach für meinen Geschmack zu viel Polizeiarbeit, zu wenig Schickimicki.

Gut gefallen haben mir auch diesmal die privaten Einblicke in das Leben der beiden Kommissare.

Ich konnte mit ermitteln, war bei den Recherchearbeiten der Kripo mittendrin und habe bis zur Auflösung nicht an ein solches Ende gedacht. Ich hoffe, ich werde bald einen neuen Fall von Schön und Frey mit ermitteln dürfen.

Bewertung vom 05.03.2017
Unorthodox
Feldman, Deborah

Unorthodox


ausgezeichnet

New York, Brooklyn, Williamsburg – hier wächst die kleine Devoiri bei ihren ultraorthodoxen Großeltern Bubby und Zeidi in der chassidischen Satmar Gemeinde auf. Die religiösen Extremisten führen ein abgeschirmtes Leben nach strengen Regeln und Vorschriften, denen sich die kleine Devoiri schon bald versucht zu widersetzen. Sie fühlt sich unverstanden, in ihr steckt soviel Wissensdurst und Neugier, was sie versucht mit dem Lesen von verbotenen Büchern zu kompensieren. Ihre Männerwelt besteht aus stillen, blassen Männern mit schwarzen langen Mänteln, schwarzen Hüten und gekringelten Schläfenlöckchen. Ehen werden arrangiert.

Es ist ein langer und steiniger Weg, bis aus Devoiri Deborah Feldman wird, die heute mit ihrem Sohn in Berlin lebt. Aber sie hat es geschafft und sich aus den Fängen einer religiösen Vereinigung befreit, die auch heute noch ihren ganz eigenen Weg geht und man dort der Ansicht ist, nur dieser Weg sei der richtige.

Ein Buch, dessen wahre Geschichte noch lange in mir nachwirken wird.