Benutzername: Bibliomarie
Danksagungen: 7 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 212 Bewertungen
Bewertung vom 23.07.2017
Und Marx stand still in Darwins Garten
Jerger, Ilona

Und Marx stand still in Darwins Garten


ausgezeichnet

Zwei Männer, deren Werke das Denken unserer Zeit maßgeblich beeinflusst haben – Charles Darwin und Karl Marx. Sie waren Zeitgenossen, haben sich zwar nie getroffen, scheinen aber jeweils das Werk des Anderen gekannt und geschätzt zu haben.
Der Autorin Elena Jerger ist gelungen mit der Kunstfigur des Arztes Dr. Beckett eine Verbindung zwischen den beiden Geistesgrößen zu knüpfen. Beide Männer sind am Ende ihres Lebens angekommen und immer mehr machen ihnen Krankheiten – erstaunlicherweise sehr ähnliche – zu schaffen. Dazu kommt auch immer das Gefühl, noch nicht alles erreicht zu haben, ein unvollendetes Werk zurückzulassen und auch manchmal Zweifel am Erreichten und an ihren Erkenntnissen.
Ich finde die Idee der Autorin genial, beide Männer quasi ein Zwiegespräch mit Dr. Beckett als Mittler führen zu lassen. Obwohl sie wenig gemeinsam hatten, verbindet sie die Wahrheitssuche, oft verbunden mit einem schmerzhaften Bruch der Konventionen. Besonders nahe kommt mir das Buch durch die Aktualität. Wie zu Beginn der Erkenntnisse Darwins wird heute wieder seine Abstammungslehre diskutiert und von fundamentalistischen Gruppierungen und Regimes geleugnet.
Der Roman ist eine faszinierende Mischung aus Literatur, Sachbuch und Lebensbeschreibung, fesselnd geschrieben, mit vielen kleinen Einschüben, die die Exzentrik der beiden Protagonisten ins Blickfeld rücken. Unterhaltsam, amüsant – eine stilvolle Erzählweise, die man sonst fast nur bei englischen Autoren vermutet. Für mich ist das Buch eine echte Entdeckung und ein Lesehöhepunkt.

Bewertung vom 21.07.2017
Schritte im Dunkeln (eBook, ePUB)
Heyer, Georgette

Schritte im Dunkeln (eBook, ePUB)


sehr gut

Die Geschwister Celia, Margaret und Peter haben ein altes Landhaus geerbt. Die „Priory“ hat die besten Tage hinter sich, jahrzehntelang war das Haus unbewohnt. Aber seinem Charme sind sie sofort verfallen, lediglich Charles Malcolm, der Ehemann von Celia äußert Bedenken, als sie dort einziehen wollen. Das Haus hat im Dorf keinen guten Ruf, es soll dort spuken, ein geheimnisvoller schwarzer Mönch wird immer mal wieder gesehen. Daran scheiterten auch alle Versuche, das Haus zu vermieten. Aber die Vier lassen sich von solchem Gerede nicht abschrecken, als moderne, aufgeklärte Menschen geben sie nichts auf den Aberglauben der Dörfler.
Allerdings wird auch ihnen bald klar, dass es im Haus nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Sie hören Schritte, beobachten nachts im Park herumschleichende Gestalten. Als auch noch ein Bild von der Wand fällt und ein verstecktes Kämmerchen mit einem Skelett freigibt, wollen sie dem Geheimnis des Hauses auf die Spur kommen. Sie sind sich sicher, dass dahinter ganz reale Machenschaften stecken.
Geheimnisvolle Fremde, ein liebenswert trotteliger Dorfbobby, eine schrecklich neugierige Pfarrersfrau, der unvermeidliche Kolonialoffizier im Ruhestand und ein jovialer Wirt runden das Ensemble ab. Die Geschwister samt Ehemann sind begierig auf das Abenteuer und wirkten auf mich ein wenig wie Enid Blytons Protagonisten im Erwachsenenalter .
„Schritte im Dunkeln“ von Georgette Heyer kann man fast als den Urahn der englischen Landhauskrimis bezeichnen. 1932 zum ersten Mal erschienen, ist er nun neu aufgelegt worden. Aber ähnlich wie die ewig frischen Agatha Christies Krimis, ist der Krimi auch heute noch unterhaltsam.
An den Sprachstil, der für unseren heutigen Sprachgebrauch manchmal etwas umständlich und auf wohltuende Weise altmodisch klingt, hat man sich schnell gewöhnt. Ich war sogar amüsiert, wenn es ganz selbstverständlich ist, dass man zum Telefonieren ins Postamt oder den örtlichen Pub geht, dass das heiße Wasser für ein Bad im Boiler erhitzt wird und grade mal für eine Person reicht oder dass das Fehlen einer Heizung nicht als Manko gilt. Die kleine Liebesgeschichte am Rande ist zeitgemäß sehr keusch. „Schritte im Dunkeln“ ist ein Krimi, der „very british“ und „very oldfashioned“ daherkommt und dabei sehr unterhaltsam ist.

Bewertung vom 17.07.2017
Dunkels Gesetz
Heuchert, Sven

Dunkels Gesetz


weniger gut

Die Handlung ist kurz erzählt: Achim, Tankstellenbesitzer und skrupelloser Kleinkrimineller will das schnelle Geld im Drogenhandel verdienen. Er dient seine Geschäftsidee Falco an, der überall mitmischt, wo es um krumme Dinger geht. Richard Dunkel, Ex-Söldner, desillusioniert und abgebrannt, stolpert bei einem Securityjob über das Drogenversteck und setzt ungewollt eine Spirale von Gewalt in Gang.
Heuchert bedient sich einer knappen, harten, oft auch gewollt platzierter Gossensprache um das Milieu zu beschreiben und um die Härte seines Krimis zu betonen. Die Sätze sind kurz und lakonisch. Das Tempo wird hochgehalten. Trotzdem wollte sich bei mir keine rechte Spannung einstellen. Der Kurzkrimi war mir zu vorhersehbar, zu sehr auf Wirkung kalkuliert. Seine Typen aus dem Milieu waren sehr klischeehaft gestaltet, eindimensionale Charaktere, die mich überhaupt nicht berührten.
Ja, als Drehbuch für einen Fernsehfilm, für eine Folge einer Vorabendserie könnte ich mir das gut vorstellen, aber als Kriminalroman, der ein Kopfkino in Gang setzen sollte, reichte mir das nicht aus.
Schade, es war wirklich nicht mein Buch.

Bewertung vom 16.07.2017
Libori-Lüge
Vogt, Ludgera

Libori-Lüge


ausgezeichnet

Keine gute Zeit für Kommissar Bela Aßmann, seit seine Frau ihn verlassen hat. Die Tatsache, dass sie nun mit einer Frau zusammenlebt, hat sein Selbstwertgefühl ganz schön angekratzt, so sucht er öfters Trost im Alkohol. Der morgendliche Anruf seines Kollegen Dominic Gehrke trifft ihn besonders schwer. Der Einsatz führt zu einer Frauenleiche, die aufgespießt in den Zweigen eines Strauches hängt. Ein Sprung oder Sturz aus großer Höhe, Unfall – Suizid oder gar Mord? Aber warum sollte die Krankenpflegerin Louisa in den Tod springen, alle Bekannte und Kollegen waren über ihr Liebesglück informiert, denn Freund Benni sollte gerade von einem längeren Auslandsaufenthalt zurückkommen.
Ludgera Vogt hat ihren ersten Kriminalroman veröffentlicht und das Debüt ist gelungen. Sie legt einen Regionalkrimi vor, der alles hat, was ich mir von diesem Genre erhoffe.
Die Schauplätze sind kenntnisreich beschrieben, es gelingt ihr Paderborn und die Bedeutung der Liborikirmes auch Ortsfremden nahe zu bringen. Mit Gehrke und Aßmann hat sie außerdem ein Kollegengespann auf den Weg gebracht, von dem ich gern noch mehr lesen möchte. Die Figuren sind gut gestaltet, sie kommen auch ohne die inzwischen schon klischeehaften Beziehungsquerelen aus.
Die Spannung ist durchgehend hoch, was sicher auch an den eingestreuten Kapiteln liegt, die die Einsamkeit und die Vernachlässigung eines Kindes beschreibt, man rätselt natürlich mit, wie dieser Handlungsstrang mit dem aktuellen Fall verbunden wird.
Die Sprache hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, die kleinen Episoden um die entwischten Rennmäuse von Aßmann lockern den Krimi auf, ohne dass es aufgesetzt oder gewollt witzig wirkt. Ich finde die Mischung ganz einfach gelungen und das Buch hat mir sehr großen Spaß gemacht.
Ganz nebenbei ein Lob an den Emons Verlag, der wieder ein gutes Händchen für gelungene Regionalkrimis beweist.
Auf neue Fälle mit dem Ermittlerduo bin ich schon sehr gespannt.

Bewertung vom 15.07.2017
Auch Killer haben Karies
Archan, Isabella

Auch Killer haben Karies


ausgezeichnet

„Auch Killer haben Karies“ ist der zweite Kriminalfall in den die Zahnärztin Dr. Leocardia Kardiff stolpert. Schon bei ihrem ersten Auftritt konnte sie entscheidend bei der Aufklärung mithelfen und zwischen ihr und dem Kommissar Jakob Zimmer begann es heftig zu knistern. Leider sind sie in darauf folgenden sechs Dates noch nicht weiter gekommen. Jetzt soll es ein gemütlicher Brunch werden , doch ausgerechnet beim Milchkaffee stürzt genau gegenüber eine Frau aus dem Fenster.

Leo und Jakob eilen zum Unglücksort und müssen feststellen, dass die attraktive Frau ein Mann war und dass es sich um Mord handelt. Zwar verbietet sich die Polizei eine weitere „Hilfe“ von Leo, aber was kann sie dafür, wenn sie in den nächsten Tagen vier neue Patienten bekommt, die alle Zeugen des Unglücks waren. Und es scheint, dass auf dem Zahnarztstuhl alle sehr viel mehr preisgeben, als bei der polizeilichen Vernehmung. Da kann es nicht ausbleiben, dass Leo wieder eine maßgebliche Rolle spielt. Aus Leos Perspektive ist auch der Hauptteil der Handlung geschrieben und ihr „Kopfkino“ hält auch den Leser in Atem. In einigen Szenen lernen wir auch den Mörder und seine Gedankenwelt kennen, was das Rätselraten noch spannender macht.

Dieser Köln Krimi punktet mit einer Vielzahl von skurrilen Typen, ist reich an Wortwitz und Ironie. Grade Leo, die als Zahnärztin kompetent und sicher agiert, ist im Privatleben eher schusselig und chaotisch. Da bleiben auch Reibereien mit Jakob Zimmer nicht aus, man kann nur hoffen, dass es noch zu einem weiteren Date kommt. Die Zahl der Verdächtigen ist überschaubar, aber es gibt immer wieder eine geschickte Wendung, die mich überraschte und die die Spannung hoch hält.

Ich finde es einen gelungenen, locker und flott geschriebenen Krimi mit viel Humor, genau was ich mir von einem unterhaltsamen Regionalkrimi erwarte. Genau richtig für Sommer- und Urlaubstage.

Ebenso gelungen finde ich das Cover, viele kleine Backenzähnchen bilden die Silhouette eines Zahns und als Blickfang ein kleiner grüner Zahn. Da ist dem Verlag eine gute Umsetzung gelungen.

Bewertung vom 13.07.2017
Mordsacker
Moeller, Cathrin

Mordsacker


sehr gut

Klara Himmel lebt mit ihrem Mann Paul im Nirgendwo in Mecklenburg. Hier sagen sich Fuchs und Hase tatsächlich Gute Nacht. Die Beiden sind nicht ganz freiwillig hier. Paul war als verdeckt ermittelnder Polizist ganz nah an der Lösung eines Falles, als Klara, schusselig wie sie ist und von Eifersucht getrieben, seine Deckung auffliegen lässt. Für Beide bedeutet das eine neue Identität, Klara vermisst ihren kleinen Ruhm als Schauspielerin ganz besonders, wo doch die Leute im Dorf so stur sind und sie vor Langweile fast umkommt.

Aber nur fast – als der Schweinemäster Schönkamp im Gülletank erstickt, ihr Mann Paul nörgelnd und krank im Bett liegt, beginnt sie zu ermitteln. Denn dass der Todesfall als Unfall angesehen wird, liegt sicher nur an Pauls fieberbedingtem Fehlurteil. Schließlich war eine ihrer erfolgreicheren Rollen ja die einer TV Kommissarin.

Mordsacker sagt schon im Titel zu welchem Genre das Buch gehört. Es ist ein Landkrimi und der Leser fühlt sich sauwohl zwischen Klischees von tratschenden Bäuerinnen, Dorfschönen und eitlen Gockeln und dem unvermeidlichen Tortenbackwettbewerb. Witzig und überzeichnet geschildert, immer mit einer großen Portion Selbstironie darf Klara in der Ich – Perspektive von ihren Ermittlungen berichten, denn eins macht sie gleich klar, sie schreckt vor keinem Einsatz zurück, auch wenn sie selbst fast in den Focus der Revierkollegin ihres Mannes gerät.

Der Krimi liest sich flott und unterhaltsam, die Slapstick Elemente, die als Running Gag um Klaras Begegnung mit einer Warnbake den Roman durchziehen, haben mich köstlich amüsiert. Dass zu guter Letzt auch noch eine Prise Eifersucht zur Gesundung von Paul beiträgt, zeigt dass Klara das Landleben nicht mehr ganz so langweilig findet.

Bewertung vom 11.07.2017
Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt
Kalfar, Jaroslav

Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt


sehr gut

Als eine seltsame Wolke im All sichtbar wird, besinnt sich die tschechische Nation auf ihre Größe. Ein Tscheche soll mit dem schnell gebauten Raumschiff „Jan Hus“ dieses Phänomen erforschen und zum Ruhm der Nation beitragen. Jakub Procházka, ein junger Astrophysiker ist für diese Mission ausgewählt. Anfangs erfüllt er noch brav seine Pflichten, testet allerlei technisches Gerät, das Sponsoren zur Verfügung gestellt haben und wartet auf den wöchentlichen Videochat mit seiner Frau. Doch immer mehr Technik fällt aus, seine Frau hat ihn verlassen und er selbst überlässt sich seiner Verzweiflung, seiner Einsamkeit und seinen Phantasien. Oder sollte das Wesen, das nun seine Einsamkeit teilt und mit ihm über Gott und die Welt diskutiert etwa real sein?
Der junge amerikanische Autor Jaroslav Kalfar, der aus Tschechien stammt, nimmt den Leser mit auf eine schwindelerregende Reise ins All. Er sprüht vor Einfällen, lässt seinen Protagnisten wie im Fieberwahn über Philosophie, Gott und die Politik sinnieren. Erinnert sich an seine Kindheit, an den Vater, der ein willfähriger Parteigenosse war, an die liebevollen Großeltern und an seine Jugend, während die „Jan Hus“ durchs All saust. Die Absurdität seiner Mission und seiner Situation ist mit hintergründigem Witz geschildert, die Geschichte hat genau so viel Tempo wie die Raumfähre und immer wenn ich dachte, mehr geht nicht, verblüfft und fesselt eine neue Wendung. Selbstreflexion, politische und geschichtliche Rückblenden, Liebesleben, Kindheitserinnerungen, Raumfahrt – kaum ein Thema lässt der Autor aus und das ergibt eine wirbelnde Geschichte, in der ich mich manchmal fast verloren hätte.
Ein tolles Debüt, das wohltuend vom Mainstream abweicht und mich sehr neugierig auf die Entwicklung des Autors macht.
Übrigens finde ich das Cover außerordentlich gut gelungen.

Bewertung vom 10.07.2017
Havelgift
Wiersch, Jean

Havelgift


sehr gut

Brandenburg, einige Jahre nach der Wende: Jo Barrus hat seinen Beruf als Kriminalkommissar an den Nagel gehängt und arbeitet als Privatdetektiv. Eigentlich mehr schlecht als recht. Würde ihn nicht seine gute Freundin Hildi und seine Nichte unterstützen, käme er kaum über die Runden.
Da bekommt der einen Auftrag von einer ehemaligen Schulkameradin Eva Mahler, die als Ärztin in einer Klinik Karriere gemacht hat. Ein junger Krankenpfleger ist verschwunden, er war ihr Lover und sie scheut natürlich den Gang zur Polizei. Barrus kommt zu spät. Der junge Mann ist vergiftet worden, mit einem Gift, an dem auch Eva Mahlers Klinik forscht.
Ein spannender Krimi, der mich besonders fasziniert hat, weil seine Handlung Mitte der 90iger Jahre spielt. Die Wende ist noch nicht so lange her, es gibt jede Menge gebrochene Biografien – Jo Barrus selbst ist ein Beispiel dafür – die blühenden Landschaften sind noch ausgeblieben. Barrus Ermittlungen führen ihm allzu deutlich vor Augen, dass noch viele Abrechnungen offen sind. Auch er kommt in den Focus des Mörders.
Der Autor legt ein hohes Tempo vor, die Ereignisse überschlagen sich fast und es gibt kaum eine Seite in der die Spannung nachlässt, was an den Perspektivwechseln – auch der Mörder kommt zu Wort – und Nebensträngen liegt. Barrus und seine widerborstige Nichte Berit finde ich besonders gelungen dargestellt. Figuren, die das Leben schon gezeichnet hat und die gerade deshalb so glaubwürdig und sympathisch sind.

Bewertung vom 06.07.2017
Elsässer Versuchungen / Major Jules Gabin Bd.3
Laurent, Jean Jacques

Elsässer Versuchungen / Major Jules Gabin Bd.3


sehr gut

Jules Gabin hat sich mit seinem dritten Fall im Elsass eingelebt. Er hat eine neue Beziehung mit der taffen Staatsanwältin Joanna, die ab und an für einen beruflichen Interessenskonflikt sorgt. Zwar war die Trennung von seiner bisherigen Partnerin Lilou nicht ganz konfliktfrei verlaufen, aber er ist froh über die Lösung.

Da macht ihm ein ganz pikanter Fall zu schaffen. Ein Toter wurde am französischen Ufer des Rheins angespült und ausgerechnet in Rebenheim hat der Deutsche die letzten Tage verbracht. Offiziell darf er gar nicht ermitteln, da die Police nationale für den Fall zuständig ist und nicht die Gendarmerie, aber Reibereien zwischen den Dienststellen Strasbourg und Colmar führen dazu, dass sein Vorgesetzter ihn inoffiziell auf den Fall ansetzt. Und ausgerechnet jetzt ist Rebenheim in Aufruhr, Frédéric Rocca, der berühmte Schauspieler, will zurück an Ort seiner Kindheit ziehen.

Der dritte Band um Major Jules Gabin hat mir bisher am besten gefallen. Es ist die ausgewogene Mischung aus Urlaubsfeeling, französischem Savoir Vivre und Spannung, die dieses Mal stimmt. Das Elsass und seine manchmal recht urig-knurrig dargestellten Bewohner geben einen schönen Hintergrund ab. Natürlich dürfen auch die Ausflüge in Gastronomie und die Küchenkunst nicht fehlen, da der Südfranzose Dupin inzwischen die Elsässer Küche schätzen gelernt hat. Die Ermittlungen um den Todesfall, der sich schnell als Mord herausstellt, ist spannend und gut aufgebaut. Auch den Plot finde ich originell.

Ein gelungener Urlaubskrimi.

Bewertung vom 04.07.2017
Endstation Nordsee
Dick, Ilka

Endstation Nordsee


ausgezeichnet

Aenne lebt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter auf Amrum. Sie führt ein harmonisches Leben und könnte sich nie vorstellen, woanders zu leben. Ihre heile Welt bekommt jäh einen Sprung als ihr Vater erschossen in den Dünen aufgefunden wird.
Aenne und ihr Vater waren eine Einheit, zu ihm hat sie immer aufgesehen, er war ihr Fels. Das Verhältnis zur Mutter blieb immer etwas distanziert und unterkühlt. Dieser Mord reißt ihr den Boden unter den Füßen weg, sie kann sich nicht vorstellen, wer ihren Vater gehasst haben könnte.
Endstation Nordsee ist ein ganz besonderer Krimi. Er kommt fast ganz ohne Ermittlerarbeit und Spurensuche aus. Das Buch ist eher ein Psychogramm der handelnden Personen und die sind wunderbar feinsinnig und lebensecht gezeichnet. Allein die Beschreibung von Aennes Verzweiflung und ihr Umgang mit der Trauer haben mich tief berührt und lange nicht losgelassen. Wie sich langsam die Wahrheit enthüllt und Aenne sich der Realität stellt, ist ausgezeichnet beschrieben. Natürlich ist es auch ein spannendes Buch, aber für mich ging die Faszination an diesem Krimi stärker von den Personen und ihrer Geschichte aus.
Nebenbei ist der Schauplatz Amrum auch kenntnisreich beschreiben, man kann sich in Gedanken bestens in die Schauplätze hineinversetzen und mit Aenne die Bohlenwege entlang über die Dünen spazieren.