Benutzername: Bibliomarie
Danksagungen: 5 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 199 Bewertungen
Bewertung vom 14.06.2017
Dem Kroisleitner sein Vater
Schult, Martin

Dem Kroisleitner sein Vater


gut

Der Krimi beginnt sehr turbulent. Die Vorstellung der Personen erinnerten mich stark an die guten alten Rowohlt Krimis, bei denen die Charaktere mit geheimnisvollen Sätzen eingeführt werden. Die drei Erzählstränge führen von Londons Welt der Popmusik, ins hektische Berlin zu einem Ermittler, der vom Verfolger zum Verfolgten wird und ins beschauliche St. Margarethen in der Steiermark, wo Intrigen und Geheimnisse das Dorf seit 70 Jahren im Griff haben und spalten.
Die Erzählweise ist bisweilen hektisch und - wie ich finde - etwas gewollt kryptisch, einschließlich allerlei apokalyptischer Plagen die das Dorf heimsuchen. Die Sprache ist lakonisch und passt ganz gut zu den Figuren, ob typisch berlinerisch oder steirisch. Der Krimi versucht ganz anders zu sein, als die typischen Regionalkrimis, manchmal denke ich, der Autor hat da ganz bewusst das Genre auf die Spitze getrieben.
Ich habe den Krimi, wenn man die Geschichte so einordnen will, gern gelesen und mich stellenweise auch prächtig amüsiert. Mit den Figuren ist dem Autor ein Reigen kauziger, mal mehr oder weniger liebenswerter oder gar verabscheuungswürdiger Charaktere gelungen. Ganz zum Schluss, wenn Frassek über das Erlebte und Überlebte sinniert, kommt ihm ein Hollywoodfilm oder gar eine Oper in den Sinn, die einer aufschreiben sollte. Eine komische Oper könnte ganz gut passen, mit überzeichneten Helden und Heldinnen die ihre Soloparts haben, Gefahren überstehen und Geheimnisse lösen müssen und einem großen Finale zum Schluss.
Kein Allerweltskrimi, aber wer sich darauf einlassen möchte, kann sich gut unterhalten.

Bewertung vom 12.06.2017
Der Drachen-Klau
Bernard, Carine

Der Drachen-Klau


gut

Molly Preston auf Mallorca. Aber ihr Freund Charles Muller recherchiert für seinen Roman und so hat sie mehr Zeit allein, als ihr lieb ist. Beim Wandern auf der kleinen unbewohnten Insel La Dragonera ist sie unachtsam und löst einen kleinen Steinschlag aus, dabei verletzt sie einen Wanderer. Der stellt sich als deutscher Aussteiger vor, der hier im Naturschutzgebiet wilden Rosmarin sammelt um sein berühmtes Rosmarinöl herzustellen. Aber ist dieser Gabriel wirklich so harmlos? Bald stellt sich heraus, dass Gabriel mehr als nur Rosmarin anbaut und trocknet. Das passt ganz gut zu Charles Thema, der über Drogenhandel schreiben will. Und eh Molly noch recht begreift, auf was sie da gestoßen ist, hat sie plötzlich die Polizei und einige Verfolger im Nacken.
Wie immer verbindet der Roman eine spannende Unterhaltung mit genauer Ortskenntnis, auch wenn in diesem Buch das Geo Caching nicht mehr die Hauptrolle spielt. Grade die Landschaftsbeschreibungen machen ganz besonders Laune. Sie lassen den Leser in die Atmosphäre Mallorcas eintauchen, sowohl in Touristenhotspots, wie auch in einsame, wilde Landschaften. Wie immer könnte man den Krimi fast schon als Reiseführer benutzen, aber auch die Krimispannung kommt nie zu kurz. Ich finde, dass die Krimis im besten Sinne fast schon „Old School“ sind. Der kluge, realistische Handlungsaufbau - Molly braucht keine Superkräfte und keine haarsträubenden Zufälle um Spuren zu entdecken und zu ermitteln - machen für mich auch das Lesevergnügen aus. Dazu kommt die Hauptfigur, Molly ist rundum sympathisch geschildert, eine geerdete Ermittlerin, die klug und manchmal auch verwegen ist. Auch die anderen Figuren sind allesamt gut gezeichnet.
Ich finde „ Der Drachen-Klau“ ist ein amüsanter Urlaubskrimi, der nicht nur ins Reisegepäck von Mallorca Reisenden passt.

Bewertung vom 09.06.2017
Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen
Waxman, Abbi

Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen


gut

Lilian, eine junge Mutter von zwei niedlichen Töchtern ist Illustratorin von Kinder-und Schulbüchern. Seit 4 Jahren verwitwet, steckt sie noch mitten in der Trauerphase. Sie ist noch nicht bereit für einen Neubeginn, auch wenn ihre Schwester und Freundinnen ihr liebevoll zur Seite stehen.
Da bucht ihre Chefin einen Gartenbaukurs für sie. Der Kursleiter stammt aus einer berühmten niederländischen Gärtnerfamilie und die Verlagsleiterin erhofft sich durch Lilians Einsatz einen großen Auftrag für eine Pflanzenenzyklopädie.6 Wochen lang jeden Samstag treffen sich die Kursteilnehmer um aus einem Stück Brachland einen lebendigen Blumen-und Gemüsegarten zu gestalten. Dass Edward Bloem ein ganz besonderer Mann ist, bemerkt Lilian sehr rasch und plötzlich scheint ihr Leben aus den Fugen zu geraten.
Ein liebevoll gestaltetes Cover macht so richtig Lust auf das Buch,ein zarter Kranz aus Gänseblümchen zum Herz gewunden, dazwischen pastellfarbene Streublümchen. Auch die Inhaltsbeschreibung überzeugte mich.
Doch leider hat die Geschichte das Versprechen nicht ganz eingelöst. Ich fand die holprige Übersetzung zunehmend nervig, reichlich derbe Ausdrücke und Szenen passten ebenfalls nicht zur Geschichte. Ich weiß nicht, ob das allein an der Übersetzung lag, aber die Handlung war für mich einfach nicht rund. Die Gartengeschichte war unrealistisch, (wo kann 6 Wochen nach dem Umgraben des Rasens bereits üppig geerntet werden?) wer auf eine Liebesgeschichte hoffte, wird sich mit den Exkursen zum Gemüsebau langweilen, wer gern über Gärten liest, ist von der naiven, oberflächlichen Darstellung enttäuscht.
Sehr schön fand ich die den Kapiteln vorgestellten Gartenratschläge, (Wie man grüne Bohnen zieht – wie man Gurken anbaut – usw)
Ein Highlight waren für mich die treffenden Dialoge aus Kindermund. Die Töchter Clare und Annabel waren mir die liebsten Protagonisten und sorgten dafür, dass das Buch für mich nicht ganz enttäuschend war. So bleibt das ein netter, ganz flott zu lesender Roman, der aber nicht im Gedächtnis bleibt. Ich denke, die Geschichte hätte mehr Potential gehabt, aber vielleicht gelingt das der Autorin mit dem nächsten Buch.

Bewertung vom 05.06.2017
Madame le Commissaire und der Tod des Polizeichefs / Kommissarin Isabelle Bonnet Bd.3
Martin, Pierre

Madame le Commissaire und der Tod des Polizeichefs / Kommissarin Isabelle Bonnet Bd.3


sehr gut

Das ist der dritte Band aus der Isabelle Bonnet Serie. Ich habe noch keinen der früheren Bände gelesen, habe das auch überhaupt nicht als Manko empfunden. Das Buch ist völlig unabhängig von den Vorgängern zu lesen.
Isabelle, die hochdekorierte Polizistin aus Paris, die sich nach einem diffizilen und gefährlichen Auftrag als einfache Kommissarin in ihre Heimatstadt in der Provence versetzen ließ, nimmt langsam Abstand und finde allmählich zum ruhigen Lebensgefühl zurück. Sie überprüft alte ungelöste Kriminalfälle, manche bringt sie sogar zur Aufklärung. Allerdings gibt es da immer wieder Spezialaufträge aus Paris. So soll sie den Selbstmord des Polizeichefs prüfen. Sie macht sich natürlich keine Freunde unter den Polizeikollegen mit ihren Fragen und ihren besonderen Befugnissen. Gut, dass ihr etwas konfuser, aber blitzgescheiter Assistent Apollinaire zu ihr steht.
Isabelle findet den Selbstmord viel zu glatt und diverse Winzigkeiten, die niemand beachtet, ergeben im Zusammenhang ein ganz anderes Bild. Dass Isabelle damit nicht nur dem Nachfolger auf die Füße tritt, versteht sich von selbst. Südfrankreich ist schon längst in Kartelle aufgeteilt, die Russen für das Sexgeschäft, die korsischen Banden für die Drogen.
Der Krimi ist wirklich spannend, der Handlungsort Provence passt ausgezeichnet und gibt einen stimmungsvollen Hintergrund ab in der genau richtigen Dosierung. Isabelle als Ermittlerin ist eine faszinierende Person, charmant und gutaussehend, aber auch hart und zielgerichtet. Ihr Privatleben ist noch etwas chaotisch, ist immer eine unterhaltende Nebenhandlung, nimmt aber nicht zu viel Raum ein. Die Krimihandlung bleibt immer im Vordergrund. Obwohl ich schon bald einen Verdacht hatte, der sich letztendlich auch bestätigte, hat die Spannung nie nachgelassen. Dafür gibt es einfach zu viele geschickte Wendungen und Haken. Das ist ausgesprochen flüssig und unterhaltsam erzählt, die Cote d’ Azur mit ihren Nobelorten wird genau so lebendig, wie die provenzalische Kleinstadt, mit dem etwas verschlafenen Charme. Ein idealer Urlaubskrimi, der Lust auf weitere Bände macht.

Bewertung vom 04.06.2017
Vermählung
Sittenfeld, Curtis

Vermählung


gut

Wer Stolz und Vorurteil von Jane Austen kennt, wird sich in „Vermählung“ sofort zurechtfinden. Die Autorin hat nicht nur die Namen übernommen, auch die Charaktere der Familie Bennet und aller Nebenfiguren finden sich eins zu eins wieder. Natürlich sind wir inzwischen im 21. Jahrhundert angekommen und so ist die stille Jane Yogalehrerin und Liz verdient ihr Geld als Journalistin. Während Kitty und Lydia albern ihren Hobbys nachgehen und es sich im Hotel Eltern gemütlich gemacht haben. Aber was heißt schon gemütlich: Mr Bennet ist ziemlich faul und desinteressiert, macht sich nur ab und an mit zynisch-resignierten Sprüchen bemerkbar und Mrs Bennet pflegt ihr Image als Charity-Lady, wobei sie nur ein Interesse kennt, nämlich ihre eigene Person. Kein Wunder, dass das Haus immer mehr verfällt und verwahrlost. Auch Cousin Willy hat eine passende Wandlung zum Computer Nerd mit Inselbegabung erfahren.
Nach dem Herzinfarkt des Vaters kommen auch Jane und Liz wieder ins Elternhaus zurück, nur um zu merken, dass die Dinge noch schlimmer stehen, als gedacht. Da Mr Bennet eine Krankenversicherung als überflüssig betrachtete, sind ihm die Schulden nun über den Kopf gewachsen und es bleibt nichts als eine reiche Heirat für die Töchter.
Die Autorin hat eine Menge gelungener Einfälle, so ersetzt sie den schwatzhaften englischen Landadel durch das nicht minder neugierige Publikum einer Reality-Soap in der Mr. Bingley den Bachelor gibt. Sein TV Erfolg wird von Schwester Caroline gemanagt, die Jane nicht an der Seite ihres Bruders sehen will. Liz muss sich mit dem arroganten Darcy herumschlagen, der eine Kapazität in der Neurochirurgie ist. Das alles ist ganz unterhaltsam und einige Ideen sind auch sehr gelungen. Allerdings fehlte mir der feine Witz, den Jane Austen so vortrefflich beherrschte. Hier ist alles etwas gröber aufgetragen, ganz besonders die Dialoge – gerade zwischen Kitty und Lydia sind deutlich derber. Das Buch hatte für meinen Geschmack auch deutliche Längen, etwas straffer und pointierter hätte es mir besser gefallen. Aber trotzdem hat mich das Buch gut unterhalten und gerade durch den Zeitenwechsel amüsiert.
Es ist ein Zeichen für einen Klassiker, dass er für jede Generation wieder neu entdeckt werden kann und dass er viele Interpretationen aushält. Umso mehr strahlt das Original und wenn die Leserinnen von „Vermählung“ später zu Jane Austen greifen, verspreche ich ihnen ein besonderes Lesevergnügen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.05.2017
Das Leben fällt, wohin es will
Hülsmann, Petra

Das Leben fällt, wohin es will


ausgezeichnet

Dem alljährigen Frühlingsfest in der Reederei ihres Vaters sieht Marie immer mit Grausen entgegen. Schon seit sie als Jugendliche rebellierte ist der Kontakt zu Familie nur noch sehr gezwungen. Marie taumelt eher ziellos durchs Leben, schlägt sich mit Kellnerinnen-Jobs durch, obwohl ihr Studium ihr andere Möglichkeiten böte. Aber sie möchte sich nicht festlegen, Unverbindlichkeit – auch in Liebesdingen ist ihr Lebensmotto. Genau wie den übrigen Bewohnern ihrer WG.
Aber dieses Jahr scheint alles anders zu werden. Ihre ältere Schwester bittet sie um Hilfe. Sie ist an Krebs erkrankt und braucht Unterstützung während der Chemotherapie. Nicht nur im Haus mit den beiden kleinen Kindern, auch in der Reederei soll Marie Christines Platz übernehmen.
Das kann überhaupt nicht gutgehen, da Daniel, die rechte Hand ihres Vaters, schon lange ein Dorn in Maries Augen ist.
Ich bin eigentlich kein ausgesprochener Fan von Liebesromanen, aber die Autorin Petra Hülsmann hat mich schon einmal überzeugt. Sie schreibt ganz einfach gelungene und ungezwungene Unterhaltung. Witzig, mit viel Situationskomik, spritzig und charmant. Aber auch die ernsten Seiten kommen nie zu kurz und wirken dabei nie aufgesetzt. Man kann den Prozess des Erwachsenwerdens bei Marie nachvollziehen und in ihrer Kratzbürstigkeit ist sie mir sofort ans Herz gewachsen. Christine ist der ideale Gegenpart; wie sie mit ihrer Krankheit umgeht, lässt sicher keine Leserin kalt. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen und habe mich sofort in die Figuren einfühlen können. Auch die Nebenfiguren sind wieder gelungen ausgedacht und charakterisiert.
Bis zum Happy End ist der Roman Unterhaltung pur und ich habe die letzte Seite wirklich mit Bedauern umgeschlagen.

4 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 29.05.2017
Aussicht auf Mord
Stanzl, Werner

Aussicht auf Mord


ausgezeichnet

Montaningenieur Carlo Bennuti und sein Gehilfe Dragan versuchen in einem Steinbruch eine ergiebige Marmorader auszusprengen, da findet Dragan zwischen den Steinbrocken einige Münzen. Offensichtlich Goldmünzen und sofort leuchtet die Gier aus seinen Augen. Da macht Carlo Bennuti den größten Fehler seines Lebens, statt die Münzen an sich zu nehmen und den Fund zu melden, lässt er seinen Schützling den Fund behalten.
Damit setzt sich eine Kette von Ereignissen in Gang, die Commissario Bruno Vossi viel Kopfzerbrechen bereiten und die auch das organisierte Verbrechen anzieht.
Der Schauplatz des Krimis ist schon die halbe Miete. Triest – im Dreieck der Länder Österreich, Italien und Kroatien gelegen, atmet die Atmosphäre von vergangener Habsburger Pracht, italienischem Adriaflair und den kargen Felsen des Karsts. Diese Stimmung fängt der Autor wunderbar ein, man bekommt sofort Lust, dort hinzureisen und auf den Spuren von Vossi zu wandeln. Vossi ist eine eindrucksvolle Persönlichkeit, sehr der Landschaft verbunden, mit allen Sinnen Genießer und weckte damit auch bei Appetit auf die Gegend und ihre Spezialitäten.
Aber das ist nur eine Seite des Buches. Die andere ist der sehr stimmig ausgedachte Plot. Vor allem mit der vielschichtigen Beschreibung seiner Figuren hat Werner Stanzl eine Reihe sehr eindrucksvoller Charaktere erschaffen, die absolut lebensecht agieren und der Handlungen fast schicksalshaft unausweichlich scheinen. Dadurch wird der Krimi spannend, realistisch und aktuell. Viele temporeiche Wendungen bis zum verblüffenden Ende, das Vossi souverän löst und gestaltet, machen den Krimi von der ersten bis zur letzten Seite lesenswert.
Mir hat die historische Fußnote um den Habsburger Kaiser Maximilian von Mexico sehr gut gefallen, dessen legendärer Goldschatz die Fantasie anheizt und die ausgezeichnet in die Triester Stimmung passt.
Ich würde gern mehr von Commissario Vossi und seinem Team lesen und möchte den Krimi allen Italien-Fans empfehlen.

Bewertung vom 28.05.2017
Die Schnitzel-Jagd
Bernard, Carine

Die Schnitzel-Jagd


sehr gut

Molly Preston arbeitet als Ermittlerin in einer EU-Behörde, die auch mit Computerkriminalität befasst ist. Nach Wien fliegt sie aber in halboffizieller Mission. Ein alter Freund ihres Chefs, aus wilden Hackertagen, hat um Rat gefragt. Er leitet nun in seiner Freizeit einen Computer Club für junge Leute und ein Mitglied, Karl Buchinger hat ihm von einem Rätsel erzählt, das ihm viel Geld einbringen könnte. Nun ist Karl tot, ein Unfall wie die Polizei glaubt, aber für Markus Wilhelm ist die Sache nicht ganz so klar.
Molly beginnt nun mit Markus in der Geocaching Szene zu ermitteln und kommen bald einem geheimnisvollen „Stifter“ auf die Spur.
Dieser Krimi ist wirklich zugeschnitten auf Fans der GPS Schnitzeljagd. Spannend, aber auch witzig und vor allem charmant. Wie mit Molly und Markus eine typische Deutsche und ein Wiener mit altmodischem Schmäh und Charme aufeinander treffen, macht viel Spaß beim Lesen. Zwischen den Zeilen ist es auch ein hervorragender Wien Führer, nicht nur zu den Schönheiten der Stadt, sondern auch zu den kulinarischen und kulturellen Besonderheiten. Wenn Markus Molly in einem Kaffeehaus die österreichischen Kaffeesorten erklärt – sie als Banause wollte nur einfach eine Tasse Kaffee bestellen – sollte man aufmerksam lesen, es erleichtert beim nächsten Wien Besuch ganz sicher die Bestellung.
Aber Schritt für Schritt dringen die beiden Schnitzeljäger tiefer in die Materie vor und scheinen kurz vor der Aufklärung zu stehen, aber da geht alles schief…
Mir hat dieser Wien-Krimi gut gefallen, flott und locker geschrieben, merkt man, dass die Autorin beide Welten gut kennt. Als gebürtige Niederösterreicherin kann sie mit dem Dialekt spielen und da sie schon lange in Deutschland lebt, weiß sie eben auch wie „Piefkes“ ticken. Die Schnitzeljagd ist spannend aufgebaut und auch wenn man nicht ganz so tief in der Computer- und Hacker- Szene zu Hause ist, kann man die Handlung gut verfolgen. Ich habe es mehr als Rätsel- denn als Ermittlerkrimi gelesen und bin damit sehr gut gefahren.
Es war mein erster Roman mit Molly Preston und nur den gewählten Namen für diese Figur fand ich nicht so passend – da assoziierte ich gleich einen etwas altmodischen Krimi in Agatha Christie Manier und das ist dieser Krimi ganz sicher nicht.

Bewertung vom 26.05.2017
Fabelhafte Mrs. Bridge
Connell, Evan S.

Fabelhafte Mrs. Bridge


sehr gut

1959 erschien Evan S. Connells Roman „Fabelhafte Mrs Bridge“ zum ersten Mal. Seine Titelfigur ist ein Paradebeispiel für eine Frau aus der oberen Mittelschicht im Kansas der 30iger und 40iger Jahre.
Schon von der High School an ist Indias Lebensweg vorgezeichnet: Frühe Heirat mit einem ordentlichen, aufstrebenden Rechtsanwalt, zwei Kinder, ein schönes Haus in der Vorstadt, eine farbige Hilfe im Haus fürs Grobe. Dass es dann drei Kinder wurden, weil man gerne einen Sohn wollte, ist nur eine kleine Abweichung in Mrs Bridges Lebensplan. Ihr Vorname „India“ scheint das einzige irritierend Außergewöhnliche in ihrem Leben zu sein, dass sie sich gestattet.
Die Handlung ist kein durchgehender Roman, es sind kleine bis kleinste Abschnitte, die wie mit dem Brennglas Episoden aus dem völlig sinnentleerten Leben der Hausfrau und Mutter beschreiben. Man spürt, wie India Bridge manchmal etwas vermisst, aber nie gestattet sie sich, diesem Gefühl auf den Grund zu gehen. Von der jungen Frau, die sich Liebe erhoffte, bis zur arrivierten, ältlichen Country Club Matrone begleitet Connell dieses Leben.
Das letzte Kapitel scheint mir wie ein Sinnbild des kompletten Lebens der Mrs Bridge. Inzwischen Witwe, versucht sie den Wagen aus Garage zu bugsieren und als sie den Motor abwürgt, bleibt sie in ihrem Auto gefangen. Es gibt kein Vor und kein Zurück und die Wagentüren kann sie in der engen Garageneinfahrt zwischen Mauer und Zwischenwand nicht öffnen. Resigniert und still bleibt sie sitzen.
Die geschliffene Sprache, die noch in kleinsten Andeutungen die Gesellschaft seziert, die feine, hintergründige Ironie seiner Beobachtungen machen mit den Reiz dieser Wiederentdeckung aus.

Bewertung vom 23.05.2017
Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge
Hogan, Ruth

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge


sehr gut

Mr. Peardew ist ein fast zwanghafter Sammler verlorenen Gegenstände. Egal wie trivial sie sein mögen - ein gelbes Haargummi, ein blauer Mantelknopf, ein Puzzleteil – er hebt sie auf und katalogisiert sie um irgendwann den Besitzer wieder zurückzugeben. Auch eine Keksdose findet er, der Inhalt ein graues körniges Pulver, könnte es Asche sein?
Peardew selbst leidet sein ganzes Leben an einem Verlust, am Tag als seine Verlobte starb, verlor er ihr Medaillon und seine Hingabe an Fundstücke resultiert aus seinem Verlust. Aber sie inspirieren ihn auch zu kleinen, anfangs heiteren Geschichten, die ihm als Schriftsteller zu Erfolg und Vermögen verhelfen. Er lebt in einem wunderschönen Haus, umsorgt von seiner liebevollen Haushälterin und Assistentin, der vom Leben enttäuschten Laura. Sie soll nach seinem Tod seine Aufgabe vollenden.
Ein Fundstück findet sich nicht in seiner Sammlung, Eunice die grade zu einem Bewerbungsgespräch unterwegs ist, findet ein kleines Schmuckstück auf der Straße und steckt es ein. Es scheint ihr Glück zu bringen, sie bekommt die Stelle in einem kleinen Verlagshaus und ihr Chef Bomber wird ihr Freund fürs Leben. Es wird eine fast symbiotische Beziehung, auch wenn Eunices bald erkennt, dass Bombers Liebe eine andere ist, als sich Eunice erhoffte.
Eine liebevoll, sehr anrührende Erzählung, mit vielen kleinen Geschichten in der Geschichte und Nebenhandlungen, die gleich ahnen lassen, dass sich alle Stränge miteinander verknüpfen werden. Es ist, trotz vieler kleiner komischer Anekdoten ein wehmütiger, fast sentimentaler Stil, den ich gern gelesen habe, trotz der kleinen Längen und Wiederholungen. Der Roman ist eines der Bücher, die man gern an einem regnerischen Tag mit einer Tasse Tee genießt und bei dem man auch mit einem Lächeln ein Tränchen wegwischt und man sich eingesteht, dass es manchmal auch ein wenig kitschig sein darf.
Dem List Verlag ist dem zarten Cover und der schönen Gestaltung des Buches ein passender Rahmen für das Buch gelungen.