Benutzername: Bibliomarie


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Insgesamt 160 Bewertungen
Bewertung vom 28.03.2017
Der Tote im fremden Mantel / Pieter Posthumus Bd.3
Bolt, Britta

Der Tote im fremden Mantel / Pieter Posthumus Bd.3


sehr gut

Pieter Posthumus vom städtischen Amsterdamer „Büro der einsamen Toten“ nimmt seine Aufgabe sehr ernst. Ob Obdachlose, Junkies oder vereinsamte Alte, er versucht Angehörige zu finden, den Nachlass zu regeln und vor allem den Toten eine würdevolle Bestattung zu geben. Schon öfters ist er bei seinen „Klienten“ auf Ungereimtheiten gestoßen und das lässt ihn dann nicht ruhen, bis er das Geheimnis gelüftet hat.
So auch bei Frans Kemp, er hat sich eine Überdosis verpasst, doch woher hatte er das ganze Geld? Dazu einen edlen Kaschmirmantel von Armani, in dessen Seitentasche noch eine Visitenkarte steckt, wenigstens sind damit die Beerdigungskosten gedeckt, denkt PP, doch schon bald interessiert sich die Polizei für den Mantel. Es findet eine große internationale Umwelttagung statt, begleitet von Demos und Ausschreitungen diverser Gruppierungen. Ein Tagungsteilnehmer wird halb tot unter einer Brücke gefunden, ihm gehörte der Mantel. Haben die beiden etwas miteinander zu tun?
Das Amsterdamer Viertel De Wallen, nicht ganz bürgerlich, aber auch noch nicht zum Rotlichtbezirk gehörend, ist der Lebensumkreis von Pieter. Dort in der Nähe hat er seine Wohnung und sein Stammlokal, der Dolle Hond, der seiner Freundin Anna gehört. Dort steckt er seine Fühler aus und hat bald Indizien, die ihn auch zurück in seine Vergangenheit als Aktivist und Hausbesetzer führen.
Die Amsterdam-Krimis vom Autorenduo Britta Bolt sind ruhig und abgeklärt. Auch dieses Buch kommt ganz ohne Action- und reißerische Szenen aus, ihre Spannung beziehen aus einer genauen Kenntnis der menschlichen Natur und ihrer Abgründe. Dazu kommt die Atmosphäre der Stadt, die so lebendig beschrieben ist, dass ich als Leser mich wie selbstverständlich durch die Straßen und Grachten bewege. Pieter ist ein Ermittler eher wider Willen, ihn treibt sein Gerechtigkeitssinn an und damit wird er zu einer sympathischen, toll charakterisierten Hauptfigur. Alle Protagonisten des Buches – manche kennt man schon aus den Vorgängerbüchern – sind so lebensnah gezeichnet. Die Handlung ist realistisch und politisch aktuell, Umweltschutz in den Händen von Konzernen oder großen Lobbyverbänden ist eine zweischneidige Sache, der Kampf dagegen kann, wie engagiert auch immer, leicht ins Gegenteil verkehren.
Das Finale ist überraschend temporeich und ich habe den neuen Fall von Pieter Posthumus wieder sehr gern gelesen, wobei allerdings keine Kenntnis der Vorgängerbände nötig ist, um sich schnell im Kosmos des Ermittlers zurechtzufinden.

Bewertung vom 27.03.2017
Durch Nacht und Wind
Lehnberg, Stefan

Durch Nacht und Wind


ausgezeichnet

Diese Detektivgeschichte um die zwei deutschen Geistesgrößen führt ins Jahr 1797. Goethe erhält vom Fürstenhaus den Auftrag, sich um den als Gast im Schloss Belvedere weilenden abergläubischen Großherzog zu kümmern. Dieser besitzt einen sehr wertvollen Smaragdring, der mit einem Fluch beladen scheint, der den Tod des jeweiligen Besitzers vorhersagt. Goethe lässt sich vom Freund Schiller begleiten, der die folgenden Ereignisse dann als Ich-Erzähler beschreibt. Das erinnert nicht von ungefähr an das berühmte Gespann Holmes und Watson.
Der naturwissenschaftlich denkende Goethe hält einen Fluch für ausgeschlossen, aber aus Zorn über den recht unhöflichen Empfang des Großherzogs, bestätigt er ihn in seinem Glauben. Doch dann stirbt der Herzog einen unnatürlichen, sehr geheimnisvollen Tod und der Ring zieht eine Spur von Todesfällen nach sich.
Die beiden Detektive wider Willen stürzen sich in die Spurensuche und gehen dabei auch recht unkonventionelle Wege um ihren geheimnisvollen Gegner zu entlarven.
Eine leise Ironie und viele Anspielungen auf die Zeit durchzieht diese amüsante Geschichte. Ganz im Stil der Zeit ist der Sprachduktus mit vielen fast vergessenen Vokabeln. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Wenn sich Goethe nur noch sehr dunkel an seine eigenen Verse erinnert, die hier als Spur gelegt wurden, oder sich Schiller mehr als einmal über die Dünkel seines Freundes ärgert, fand ich die Anspielungen auf die Werke und die Biografie der Dichter sehr amüsant.
Das Buch ist nicht nur eine Hommage an Conan Doyle, sondern auch eine Hommage an den so beliebten Schauerroman des 18. Jahrhunderts. Wenn es über Geheimtüren, dunklen Verliesen und gefährliche Verfolgungsjagden per Kutsche oder Montgolfiere zur Lösung des Rätsel um den verfluchten Ring führt, macht auch der Leser eine kleine Zeitreise.
Ich habe mich mit dieser Geschichte bestens unterhalten und mochte die altertümelnde Sprache genauso, wie mir die schöne Ausstattung mit den Scherenschnitten und der Titelgestaltung gefallen haben.

Bewertung vom 25.03.2017
Voll von der Rolle
Minck, Lotte

Voll von der Rolle


sehr gut

Ein neues Abenteuer für Loretta Luchs. Frank hat sich einen Kindheitstraum erfüllt und ein Büdchen übernommen. Als „Kropkas Klümpchenbude“ wird sie schnell ein Treffpunkt. Leider scheint Frank nicht ganz so glücklich damit zu sein und als Loretta mal stundenweise aushilft, merkt sie auch warum. Eine jugendliche Skater-Gang sucht das Büdchen regelmäßig heim und bedient sich an Zigaretten, Magazinen und Drinks ohne zu Bezahlen. Frank hat Angst vor den Drohungen der Kids und hält still. Aber das ist nichts für Loretta. Sie lässt sich doch nicht die Schneid von ein paar Halbwüchsigen abkaufen.
Als dann eines Morgens Loretta über den Anführer der Bande im wahrsten Sinn des Wortes stolpert – er liegt tot im Park gleich vor dem Büdchen – ist der berühmte Spürsinn gefragt.
Die Stärke von Lotte Minck ist die Ruhrpott Atmosphäre und ihre Fans lieben die unverwechselbaren Gestalten ihrer Bücher. Allen voran natürlich Loretta, aber auch Erwin, der pensionierte Polizist oder eben Frank, der kampfsporterfahrene Büdchenbesitzer. Die Sprache macht allein einen großen Teil der Unterhaltung aus. Wenn die Nachbarn die vierte oder fünfte falsch ausgesprochene Variation des Namens Keanu bringen, findet man Kevin schon ganz urdeutsch. Den rauen Charme des Ruhrgebiets wurde wieder sehr schön eingefangen. Der Unterhaltungswert ist auch in diesem, mittlerweile 8. Band der Reihe, sehr hoch. Ein bisschen habe ich den Rest der Freunde um Loretta vermisst, aber mit dem „infernalischen Rentnertrio“ ist eine echte Bereicherung dazugekommen. Ich würde mich freuen, auch im nächsten Band ihren Kommentaren zu lauschen.
Der Kriminalfall hat mich dagegen dieses Mal etwas enttäuscht. Ich fand es nicht immer logisch und mir fehlte dabei das Tempo und die Spannung. Zu vorhersehbar war der Ablauf, auch wenn die Auflösung noch eine Überraschung bot.

Bewertung vom 24.03.2017
Heftiges Umarmen im Eingangsbereich der Pension verboten
Sánchez, Mamen

Heftiges Umarmen im Eingangsbereich der Pension verboten


sehr gut

Cecilia steht vor den Trümmern ihrer gescheiterten Ehe. Nach Monaten der depressiven Lähmung beschließt sie, das alte Haus ihrer Großeltern zu ihrem neuen Wohnsitz zu machen. Das Haus stand jahrelang leer und sie fühlt sich fast schuldig, ihr Erbe so lange vernachlässigt zu haben. Sie beschließt aus diesem Haus ein Heim für sich selbst und eine kleine Pension für Studentinnen der nahegelegenen Universität zu machen.
Damit beginnt ein neuer Abschnitt in ihrem Leben, nicht nur die ständigen Streitigkeiten mit dem Bauunternehmer bringen Aufregung in ihr Leben, auch der illegale Migrant Justice, der sich im Garten verborgen hat, stellen eine Herausforderung dar. Gegen alle Einwände von Andrés Leal, dem Bauunternehmer, setzt Cecilia durch, dass er Justice beschäftigt und schon bald bekommen die täglichen Streitereien zwischen Cecilia und Andrés eine neuen – gar nicht erwarteten Ton.
Auch mit den drei jungen Frauen, die das Heim Cecilias teilen, kommen neue Herausforderungen auf sie zu. Es gibt Geheimnisse, die lange verborgen waren, ein eingemauertes Schmuckkästchen, das bei der Renovierung gefunden wird, betrifft auch ganz unmittelbar Cecilias Familie.
Eine wirklich herzerwärmende Geschichte, die man einfach nur mit einem Lächeln lesen kann. Wie sich aus den zufällig zusammen gekommenen Personen eine neue Wahlfamilie bildet, die miteinander Freude und Leid teilen, kann man nicht ungerührt lesen. Dabei sind die Geschichten manchmal komisch, manchmal tragisch, aber immer ganz großes Kino. Die einzelnen Charaktere sind mir ganz schnell ans Herz gewachsen, auch grade dann, wenn ihre Schwächen beschrieben wurden.
Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz, was Cecilia nicht mehr für möglich gehalten hätte, das Glück findet wieder Platz im alten Haus am Ufer des Manzanares. Wenn es einen Kritikpunkt gibt, dann die Häufung der Zufälle und der übertrieben dramatisch beschriebenen Begebenheiten im letzten Teil des Buches. Da mussten die diversen Schicksale und Handlungsfäden zu schnell verknüpft werden, was mir persönlich das Lesevergnügen etwas geschmälert hat.
Aber ich kann verstehen, dass viele Leserinnen die Bücher von Mamen Sánchez verschlingen und ich gespannt auf weitere Romane der Autorin.

Bewertung vom 21.03.2017
Lost in Fuseta / Leander Lost Bd.1
Ribeiro, Gil

Lost in Fuseta / Leander Lost Bd.1


ausgezeichnet

Auszug Verlagstext: »Lasst uns die Besten austauschen« – so stand es in der Broschüre der europäischen Polizeibehörde Europol. Auf Wunsch seines Chefs hat sich Leander Lost, Kriminalkommissar aus Hamburg, für das Austauschprogramm beworben – und so landet er für ein Jahr bei der Polícia Judiciária an der Algarve. Doch schon bald gibt der merkwürdig gekleidete Lost seinen portugiesischen Kollegen aus dem Küstenstädtchen Fuseta Rätsel auf: Warum spricht er schon nach drei Wochen Sprachkurs fließend Portugiesisch – und versteht dennoch keinen ihrer Witze? Warum starrt er die Menschen so komisch an – und ist dennoch von so rührend altmodischer Höflichkeit?
Auf der schwierigen Suche nach dem Mörder eines Privatdetektivs, der mit seinem Boot auf einer vorgelagerten Atlantikinsel gestrandet ist, kommt das portugiesisch-deutsche Ermittlertrio um Sub-Inspektorin Graciana Rosado, ihren Kollegen Carlos Esteves und Leander Lost nicht nur den schmutzigen Geschäften eines Unternehmens auf die Spur, das die Wasserversorgung an der Algarve übernommen hat.

Wieder ein Krimi, der in einer schönen mediterranen Landschaft angesiedelt ist, wieder aus der Feder eines deutschen Autors. Wer jetzt denkt, das kennt man schon, der irrt sich!

Dieser Krimi macht von der ersten Seite an Laune, nicht nur durch den deutschen Kommissar Leander Lost, der so ganz anders ist, als man erwarten könnte. Seine Besonderheit – eine Form des Asperger Syndroms verstört seine portugiesischen Kollegen genauso, wie seine deutsche Korrektheit. Das Aufeinanderprallen zweier Kulturen ist witzig und kenntnisreich geschrieben. Nie werden einfach nur Vorurteile zitiert, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten ergänzen sich einfach.

Witzige Dialoge und vor allem eine liebevolle Charakterisierung der Protagonisten haben mir an diesem Krimi sofort gefallen. Man spürt, dass der Autor nicht nur die Gegend kennt, die er beschreibt, er schätzt auch die Menschen und ihren Lebensstil. Das gibt eine Authentizität, die dieses Buch hervorhebt.
Die Handlung ist wirklich spannend und brennend aktuell, Wirtschaftsinteressen, Korruption auf dem Rücken der Einwohner und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen sind die Hintergründe des Buches und es hat mich gefesselt der Spurensuche des ungleichen Teams zu folgen. Ich konnte den Roman – einmal angefangen – nicht mehr aus der Hand legen.

Das Buch ist der Auftakt einer neuen Reihe, das Debüt ist jedenfalls hervorragend gelungen und lässt mich ungeduldig auf die Fortsetzung warten.

Bewertung vom 20.03.2017
Mord in Schönbrunn / Sarah Pauli Bd.6
Maxian, Beate

Mord in Schönbrunn / Sarah Pauli Bd.6


sehr gut

Verlagsinfo: In Schönbrunn wird ein grausiger Fund gemacht: Im Park des Schlosses liegt die Leiche einer Frau, liebevoll zwischen Grablichtern aufgebahrt. Der blasse Körper ist in ein Brautkleid gehüllt, das dunkle Haar mit Rosen geschmückt, die Lippen rot geschminkt – wie Schneewittchen. Wie sich herausstellt, ist die Ermordete keine andere als die vor fünf Jahren verschwundene Ex-Verlobte des prominenten Wiener Hoteliers Felix Beermann, der in wenigen Tagen seine neue Liebe heiraten will.

Auch die Journalistin Sarah Pauli, die für eine Sonderausgabe des Wiener Boten gerade über Hochzeitsbräuche recherchiert, fasziniert der Fall. Als ihr kurz darauf ein Strauß roter Rosen geschickt wird, glaubt sie zunächst an einen heimlichen Verehrer. Doch dann entdeckt sie, dass sich hinter den Blumen eine geheimnisvolle Verbindung zum Mord in Schönbrunn verbirgt. Sie beginnt zu ermitteln und stößt dabei auf weitere mysteriöse Spuren, die sie in gefährliche Nähe zum Täter bringen…..


Die Wien- Krimis der Autorin Beate Maxian haben auch in Deutschland eine wachsende Fangemeinde. Das liegt sicher an der pfiffigen „Ermittlerin“ Sarah Pauli. Sie ist Journalistin und betreut in ihrer Zeitung eine wöchentliche Rubrik, die sich mit Symbolen, Aberglauben und alte Bräuchen beschäftigt. Aber immer wieder stolpert sie bei den Recherchen auch über Mordfälle, bei denen sie zum Ärger des Kommissar Stein das Ermitteln nicht lassen kann.
An den Krimis gefällt mir der lockere Stil, der die Bücher so kurzweilig und unterhaltsam machen. Pauli ist eine taffe Journalistin, die sich nicht einschüchtern lässt und auch private Komplikationen in Kauf nimmt, wenn sie erst mal eine Spur gewittert hat. Ein Glück, dass der Herausgeber der Zeitung auch gleichzeitig ihr fester Freund ist, so kann sie öfters mal Grenzen überschreiten.


Eine wichtige Rolle nimmt der Schauplatz ihrer Krimis ein, Wien ist quasi die Hauptperson der Krimis und es gefällt mir, wie man mit dem Buch die Stadt kennenlernt. Das ist charmant und immer auch mit dem gewissen „Wiener Schmäh“. Ganz nebenbei kann man sein Wissen über überliefertes Brauchtum und alten Aberglauben auffrischen.

Bewertung vom 20.03.2017
Das Brombeerzimmer
Töpfer, Anne

Das Brombeerzimmer


gut

Viel zu früh hat Nora ihren Mann verloren, statt des erhofften gemeinsamen Lebens, steht sie nach wenigen Ehejahren als Witwe allein da und weiß kaum, wie sie mit ihrer Trauer und ihrem Schmerz umgehen kann. Sie hat noch nicht mal die Kraft den Schreibtisch ihres Mannes aufzuräumen, statt-dessen flüchtet sie sich in ihre Arbeit und in das sonntägliche Ritual des Marmeladekochens.

Doch dann findet sie zufällig einen Brief einer alten Verwandten ihres Mannes mit einem ganz besonderen Rezept und sie beschließt spontan, diese Großtante aufzusuchen. Damit bringt sie fast die ganze Familie ihres Mannes gegen sich auf, denn es scheint eine alte Fehde und ein altes Familiengeheimnis zu geben.Diese Reise nach Vorpommern wird sich als Wendepunkt ihres Lebens herausstellen.

In dieser Geschichte geht es um große Gefühle, Liebe, Trauer und Vertrauen. Das ist emotional erzählt. Besonders einfühlsam wird die Trauer Noras geschildert, ihre Flash Backs, die immer wieder eine Tränenflut auslösen können, ihr langsames Wiederauftauchen in die Welt. Dabei spielt Freundschaft eine große Rolle. Ihre beste Freundin ist eine Stütze, immer für sie da, ohne zu fragen oder zu zögern. Auch die neu auftauchenden Frauenfiguren finden sofort in Freundschaft zusammen.

Das ist alles schön erzählt und trotzdem hat mich das Buch nicht richtig gepackt. Mir war das zu glatt, zu vorhersehbar. Es fehlte an keiner Zutat, wie bösen Nachbarn, liebevolle Hunde, attraktiven Singles usw, die zu diesem Genre gehören. Ich hätte nicht für jede Romanfigur ein passendes Happy End in 2-Wochenfrist gebraucht und ich fand manche Nebenhandlung dann doch sehr belanglos.

Ein Highlight dieses besonders hübsch gestalten Buches sind die Marmeladen- und Likörrezepte, alle machen Lust auf’s Ausprobieren und Nachkochen. Diesen süßen Verführungen kann man sich einfach nicht entziehen. Ganz sicher werde ich das ausprobieren und schon dafür hat sich das Buch gelohnt.

Bewertung vom 18.03.2017
Retour / Luc Verlain Bd.1
Oetker, Alexander

Retour / Luc Verlain Bd.1


sehr gut

Verlagstext: Luc Verlain ist überzeugter Junggeselle und ein umtriebiger Lebemann. Der Leiter der Pariser Mordkommission liebt das pulsierende Leben in der Hauptstadt, gutes Essen und seine unverbindlichen Affären. Doch als sein Vater schwer erkrankt, kehrt Luc in seine Heimat an der französischen Atlantikküste zurück, wo nicht nur seine Vergangenheit auf ihn wartet, sondern auch eine Frau, die so ganz anders ist als die eitlen Pariserinnen. Und schon kurz nach seiner Ankunft ermittelt Luc in seinem ersten Mordfall: Am Strand liegt ein totes Mädchen…..

Der Auftakt zu einer neuen Reihe um einen französischen Kommissar in der Provinz liest sich wirklich überraschend frisch und ideenreich. Der Krimi ist spannend geschrieben und was mir auch sehr gefiel, aktuell und engagiert. Als ein Verdächtiger durch fremdenfeindliche Vorurteile und rechte Front Nationalanhänger bedroht wird, reagiert Verlain entschlossen und bezieht sofort Position.
Luc Verlain vermittelt viel französisches Savoir-Vivre und natürlich darf der Leser mit ihm die kulinarischen Spezialitäten Aquitaniens kennenlernen. Das gute Leben mit Wein, besonderen Restaurants und natürlich auch schönen Frauen kommt bei Monsieur le Commissaire nicht zu kurz. Für einen Krimileser, der mehr Action erwartet, könnten die Ausflüge ins Private vielleicht zu viel sein, aber Fans von Cosy-Krimis werden sich bestens dabei unterhalten.
Besonders spürt man die Liebe des Autors zu dieser Landschaft am Atlantik, man kann sich bei den Beschreibungen der Küste und der Stadt Bordeaux den Urlaubsgefühlen nicht entziehen. Sicher trägt dazu auch die liebevolle Ausstattung mit den Landkarten in der Umschlagsklappe bei.
Die Figuren sind mir manchmal ein wenig zu klischeehaft geraten, das Profil der einzelnen Protagonisten könnte etwas geschärfter sein. Dann wird sicher auch die Ermittlungsarbeit realistischer werden, ohne dass der Unterhaltungsfaktor zu kurz kommt.
Das ist ein idealer Urlaubskrimi, den ich mit großen Vergnügen gelesen habe und nach diesem Auftakt bin ich sehr gespannt, wie sie die Reihe entwickelt.

Bewertung vom 17.03.2017
Mopsnacht (eBook, ePUB)
Richter, Martina

Mopsnacht (eBook, ePUB)


sehr gut

Der clevere Mops Holmes kommt einfach nicht zur Ruhe. Auch dieses Mal ist wieder sein kriminalistisches Talent gefragt. Es wäre ja alles recht einfach, wenn diese Menschen nur auf ihn hören würden, aber eingeschränkt in ihren Sinnen, verstehen sie kein Hündisch.
Frauchen hat sich einen Traum erfüllt und eine alte Scheune ersteigert, damit sie ihre Menagerie noch um ein Pferd erweitern kann. Natürlich hat Holmes sie dabei beraten und so kommt sie nicht nur mit Cooper zurück, sondern hat auch noch Collino dabei, den sie kurzerhand vorm Pferdemetzger gerettet hat. Aber in dieser Scheune gibt es ein dunkles Geheimnis, unter altem Stroh wird eine mumifizierte Säuglingsleiche entdeckt und wie gruselig: auf dem Balken darüber sind die Worte eingeritzt – Marlene Schuster – und genau so heißt Holmes Frauchen. Die Namensgleichheit ist ja kein Zufall, Frauchen Marlene ist viel tiefer von der Geschichte betroffen, als sie ahnt.
Wäre Holmes nicht so abgelenkt gewesen, Frau Distel, eine neue Nachbarin mit abscheulichen Angewohnheiten, ist das Frauchen von Bena Hula, einer sehr kapriziösen Mopsdame, wäre er vielleicht schon früher auf die entscheidenden Spuren gestoßen. So aber lässt er sich den Kopf verdrehen und tapst in die Liebesfalle.
Wie immer ist bei Martina Richters Mopskrimis der Unterhaltungsfaktor sehr hoch. Dabei gefällt mir, dass die Geschichten nie ins Alberne abgleiten. Wenn man erstmal akzeptiert, dass Holmes ein Hund mit detektivischem Spürsinn ist – und dass Möpse etwas Besonderes sind – weiß man nicht erst seit Loriot, macht dieser Krimi mit seinen Ausflügen in die Vergangenheit viel Spaß. Natürlich kommen auch die menschlichen Verwicklungen nicht zu kurz, denn es sind ja immer die Menschen, den anderen etwas antun, wie Holmes weiß. Dem Charme dieses Krimis kann man sich nur schwer entziehen und dazu muss man nicht mal ein ausgesprochener Mopsfan sein. Auch der vierte Band hat nichts von der Frische seiner Vorgänger verloren, die Handlungsideen der Autorin sind schier unerschöpflich.
Eine amüsanter, locker zu lesender Krimi, der aus einer ungewöhnlichen Perspektive erzählt wird. Ein Muss für Fans von Martina Richter und eine Empfehlung für Leser, die Spaß an witzigen Krimis haben.

Bewertung vom 15.03.2017
Mörderische Insel
Taylor, Marsali

Mörderische Insel


sehr gut

Cass Lynch, eine leidenschaftliche Seglerin, lebt auf ihrem Boot, das im Hafen von Brae auf den Shetland Inseln liegt. Natürlich entgeht ihr nichts, was sich Hafen und an der Küste abspielt. Als zwei Luxusboote im Hafen anlegen, kann sie es nicht lassen, das seltsame Verhalten der beiden Paare zu beobachten und ihr seltsames heimliches Verschwinden. Als dann einer ihrer Segelschüler ums Leben kommt, will sie nicht an einen Unfall glauben und beginnt zu auf eigene Faust zu schnüffeln. Dabei begibt sie sich in große Gefahr. Gut, dass sie den zuständigen Kriminalbeamten vom schottischen Festland kennt, denn die Sache beginnt größere Kreise zu ziehen.
Bei diesem Krimi hat mir von Anfang an alles gefallen. Die raue Landschaft der Shetlands, wind- und sturmumtost, ist ein toller Hintergrund. Man erfährt sehr viel über der Geschichte der Inseln, über die frühere Armut und das raue Leben der Fischer , das inzwischen einem durch die Ölförderung entstandenem Wohlstand gewichen ist. Aber die Ölvorkommen sind nicht unendlich und diese ökonomische Delle ist auch in Brae zu spüren. Gut fand ich auch die Fußnoten, die bestimmte Ausdrücke oder Dialekte erklären. Dadurch war ich noch mehr mitten im Geschehen. Cass ist sympathisch und ihre Segelleidenschaft ist richtig ansteckend. Obwohl sie aus einer wohlhabenden Familie stammt, zieht sie ein ungebundenes Leben an Bord ihres kleinen Seglers vor. Das wirkt sicher deshalb so authentisch, weil die Autorin selbst segelt und ihre Törns sicher das Vorbild für Cass‘ Fahrten waren.
Die Handlung beginnt verhalten und steigert sich dann zunehmend. Bald führen die Beobachtungen von Cass und dem Hafenmeister Magnie, einer urig gezeichneten Nebenfigur, zu einem verwickelten Krimi und Familiendrama, in das Cass tiefer hineingezogen wird, als ihr lieb ist. Die Charakterisierung der Insulaner und die gelungene Landschaftsbeschreibung geben dem Krimi noch ein ganz besonderes Flair.
Ein klassischer, typisch englischer Krimi mit einer großartigen Landschaft und einer stimmigen Atmosphäre. Überzeugend!