Benutzername: marakkaram
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Bewertungen

Insgesamt 213 Bewertungen
Bewertung vom 25.06.2017
Der Geschmack der Leidenschaft / Château de Mérival Bd.1
Briac, Julie

Der Geschmack der Leidenschaft / Château de Mérival Bd.1


gut

Sie nickte verhalten. "Danke. Ja, die Gegend ist wunderschön, der Strand, der Wald, die Weingüter. Die Menschen scheinen etwas schwierig."

Die Londonerin Cora hat grade ihren Job verloren und macht beim Abschiedsabend der Redaktion (eine Weinprobe) bei einem Gewinnspiel mit. Ein paar Wochen später flattert ihr ein Brief ins Haus, der bescheinigt, dass sie ein Stück Land auf einem Weingut in Frankreich gewonnen hat. Mit dabei ein Flugticket und die Einladung für 2 Wochen.
Dort angekommen merkt sie relativ schnell, dass etwas nicht stimmt, denn dieses Land benötigt der Nachbar für sein geplantes Freizeitressort....

~ * ~ * ~

Ein Spontankauf. Ich habe es im Laden liegen sehen und es hat mich alles sofort angesprochen: die Aufmachung, der Titel und der Klappentext. Musste ich haben1
Erst zuhause habe ich bemerkt, dass es der Auftakt einer Triologie ist. Hmm, naja auch egal. Denn erwartet habe ich eine schöne Familiengeschichte mit Frankreich- und Weinbergflair und einer kleinen Liebesgeschichte.
Leider fehlt es vor allem an Flair.
Die Geschichte bleibt oberflächlich in allen Segmenten. Im letzten Drittel gibt es eine ganz kleine Einführung in die Weinlese und Kelterei, aber so minimal, dass ich es fast gar nicht so nennen mag. Es wird weder das Land beschrieben, noch groß über die Reben gesprochen, das Essen etc. Da fehlt mir so Einiges. Ich hatte nicht wirklich etwas vor Augen, geschweige denn in der Nase beim Lesen.

Dahingegen sind die Figuren eigentlich ganz gut ausgearbeitet. Hier hatte ich sowohl den leicht schmierigen Frauenheld als auch die Nudisten sehr bildhaft vor Augen und musste so manches Mal schmunzeln. Und auch die Gegenspieler waren greifbar und auf den Punkt. Gefehlt hat es mir nur ein wenig an Cora. Sie bleibt zu schwammig und irgendwie nichtssagend langweilig.

An sich ist die Geschichte schön, nett und flüssig geschrieben, konnte mich aber emotional nicht so wirklich mitreissen. Da hätte ich mir mehr Flair und Tiefe gewünscht.
Und obwohl ich glaube, dass der zweite Teil überzeugender wird, denke ich nicht, dass ich ihn mir kaufen werden - dafür wurde zu wenig Neugier in mir geweckt - leihen schon eher.

Fazit: Ein nettes Buch für Zwischendurch. Es hat mich teilweise ein wenig an Darringham Hall erinnert, das mir persönlich aber um Längen besser gefallen hat.

Bewertung vom 15.06.2017
Bruderlüge / Martin Benner Bd.2
Ohlsson, Kristina

Bruderlüge / Martin Benner Bd.2


gut

Solider Thriller
...aber nicht so überzeugend wie Schwesterherz.

"Also manchmal hat Sara komische Sachen gesagt. Ich meine, zum Beispiel Satan - ob es den wirklich gibt?"

Seit Luzifer Benner direkt kontaktiert hat, holen ihn grausame Alpträume aus der Vergangenheit ein. Nacht für Nacht wird er lebendig begraben und kann nichts dagegen tun. Ja, er kann es sich nicht einmal von der Seele reden, denn es gibt nur 2 Menschen, die sein Geheimnis kennen und davon ist einer bereits tot....

Tagsüber setzt Benner alles daran um Mio zu finden. Dabei muss er extrem auf der Hut sein, denn wer immer ihm zwei Mordfälle anhängen wollte, hat das Spiel noch lange nicht aufgegeben....

* * * * * * * * * * * * * * * * * *
Wen Schwesterherz begeistert hat, der hat einfach eine enorm hohe Erwartungshaltung an diese Fortsetzung. Ich bin so jemand und muss leider sagen, dass sie nicht ganz erfüllt wurde.

Das hatte für mich zwei Gründe, zum einen war ein wenig die Luft raus (das Geheimnis um Mio hat mich jetzt nicht so gefesselt, wie Saras Geschichte), zum anderen konnten mich die Twists, diese überraschenden Wendungen, dieses Mal nicht immer ganz so überzeugen. Es wirkte manchmal etwas arg konstruiert. Und dennoch hält die Autorin den Spannungsbogen so geschickt durchgehend hoch, so dass ich das Buch trotz allem verschlungen habe.

Was mir auch sehr gut gefällt, am Ende ist der Fall restlos aufgeklärt und es bleiben keine Fragen offen. Da war ich mir nach dem ersten Teil gar nicht mal so sicher.

Darf man eine Entwicklung von Benner erwarten? Naja, nicht wirklich. Klar hat er sich weiterentwickelt, aber nur in kleinen Schritten. Eigentlich großartig gemacht, denn auch wenn man noch immer niemanden zum Sympathiepunkte vergeben hat, bleibt Kristina Ohlsson sich treu und wiedersteht der Versuchung aus ihm einen ganz anderen Menschen aufgrund seiner Erfahrungen zu machen. Eine charakterliche Änderung hätte ich auch sehr unwahrscheinlich gefunden, so bleibt Benner glaubwürdig.

Fazit: Alles in allem ist Bruderlüge ein solider, spannender Thriller und guter Abschluss der 2-teiligen Martin Benner Reihe.

Info: Dieser Band kann nicht unabhängig vom ersten Teil gelesen werden, auch wenn es eine kurze Zusammenfassung von Schwesterherz gibt.

Bewertung vom 07.06.2017
Schwesterherz / Martin Benner Bd.1
Ohlsson, Kristina

Schwesterherz / Martin Benner Bd.1


ausgezeichnet

"Und trotzdem manipuliert sie ihren Bruder", sagte Lucy. "Noch aus dem Grab heraus. Hält ihn in einem eisernen Griff, aus dem er nicht herauszukommen scheint. Martin, es ist sechs Monate her, dass sie gestorben ist. Warum lässt er die Sache nicht einfach auf sich beruhen?"

Der etwas andere Thriller, bei dem eine Mörderin posthum rehabilitiert werden soll, ist megaspannend und hat mich mitgerissen!

Anwalt Martin Benner bekommt kurz vor seinem Urlaub unliebsamen Besuch. In seinem Büro taucht plötzlich der Bruder der 5-fach Mörderin Sara Texas auf und bittet ihn um Hilfe. Es ist fest von der Unschuld seiner Schwester überzeugt, die sich während eines Freigangs, noch vor der eigentlichen Verurteilung, das Leben nahm. Die Beweise, denen Benner nachgehen soll sind allerdings z.T. mehr als dubios und Benner fragt sich mehr als einmal, ob er überhaupt Zeit in diesen "Fall" investieren soll. Aber ehe er sich versieht, steckt er bis zum Hals in einem Komplott, das sein Leben für immer verändern wird.

Oh ja, dieser Thriller polarisiert.
Ich muss dazu sagen, dass ich die Fredrika Bergmann Reihe der Autorin nicht kenne, aber ein großer Fan ihrer (leicht mystischen) Kinderkrimis bin.

Das dieser Thriller so polarisiert liegt wahrscheinlich nicht an seiner Geschichte, sondern wohl eher an der Hauptfigur; dem nicht immer ganz so sympathisch daherkommenden Martin Benner. Mit ihm hat sich Kristina Ohlsson keinen einfachen Protagonisten geschaffen. Er ist arrogant, stur und vögelt sich, respektlos gegenüber seiner Exfreundin, durch alle Betten incl. ihrem. Ihm fehlt oftmals die Achtung vor Frauen und seinem Umfeld. Das spiegelt sich natürlich auch im Schreibstil wider, den ich allerdings jetzt nicht als vulgär empfunden habe. Und ganz ehrlich, dennoch mochte ich Benner irgendwie, er ist geradeheraus und überrascht auch immer wieder mit der Liebe zu seiner kleinen Nichte, die er nach dem Tod seiner Schwester zu sich genommen hat und großzieht. Es steckt also irgendwo doch ein Herz in ihm, nur das stellt er halt nicht oft zur Schau.

Es gibt in diesem Buch kaum wirkliche Sympathieträger, ausser Boris, aber der ist ein richtig schwerer Junge und sollte eigentlich keiner sein. Ja, nicht einmal Belle, die kleine Nichte, treibt den Zuckerspiegel des Lesers in die Höhe, sie ist (Benners Erziehung zuzuschreiben) altklug und frühreif für ihre 4 Jahre.
Hat mich das gestört? Nein! Es ist kein Liebesroman, sondern ein knallharter Thriller. Und letzterem wird er mehr als gerecht. Mich hat schon lange kein Thriller mehr derart gefesselt, dass ich Kapitel um Kapitel verschlungen habe.

Die Autorin ist ein Meisterin in Sachen Spannungsbogen. Das Ganze ist so undurchsichtig und man hat lange überhaupt keine Ahnung wo es hinführen könnte. Und immer, wenn einem mal das Gefühl beschleicht, es wird jetzt etwas ruhiger, geht es im Gegenteil, grad erst so richtig los. Es gibt so viele Erkenntnisse und Wendungen, die man so nicht erwartet hat. Und das mag ich, unvorhersehbare Twists, die aber immer im Rahmen des realistisch Möglichen bleiben. Man tappt zwar kontinuierlich im Dunkeln, hat aber trotzdem das Gefühl, die Lösung liegt jetzt gleich zum Greifen nah.

Das Ende ist allerdings nicht wirklich ein Abschluss. Die Frage um die Morde ist zwar geklärt, aber das Thema geriet im Laufe des Buches eigentlich immer weiter in den Hintergrund, so dass es mehr oder weniger ein offener Schluss ist. Für mich gelungen, da man nahtlos an "Bruderlüge" anknüpfen kann, aber nicht unbedingt muss.

Fazit: Ein fesselnder Thriller, mit einer ungewöhnlichen Geschichte und polarisierenden Protagonisten, der mich nahtlos zum zweiten Teil übergehen lässt.

Bewertung vom 21.05.2017
Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge
Hogan, Ruth

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge


gut

Ach, was habe ich mich auf dieses Buch gefreut und vom ersten Absatz (s.o.) war ich hin und weg. Genau die skurile Thematik und der leicht schwarze, englische Humor, den ich erwartet hatte. Das versprach ein Lesehighlight zu werden.... und wurde es dann doch nicht ganz.

Irgendwie wollte dieses kleine Büchlein zu viel und dadurch blieb vieles ein wenig auf der Strecke. Am Meisten die verlorenen Gegenstände. Ich nicht lügen, aber es waren insgesamt vielleicht 6 von denen etwas ausführlicher erzählt wurde. Für meinen Geschmack, zu wenig.

Im Grunde geht es in diesem Buch um Liebe und Freundschaft in allen Facetten. Das ist wunderschön, aber auch hier wieder zu viel. Mir hätte es besser gefallen, wenn die Autorin sich auf Laura konzentriet und ihr und ihren Beziehungen dadurch mehr Tiefe gegeben hätte. So aber bleiben alle Protagonisten recht blass und lieblos eindimensional. Im Zusammnespiel mit dem etwas altbacken daherkommenden Schreibstil und Figuren, gelang es mir nur sehr schwer überhaupt einen Bezug zu Ihnen aufzubauen und Emotionen kamen bei mir nur bedingt an.

Auch fällt es mir schwer, den Schreibstil in Worte zu packen, denn er ist einerseits angenehm und liest sich flüssig, aber auf der anderen Seite ist er auch irgendwie fad. Er reisst nicht mit, baut keine Spannung auf und ich hatte nie das Gefühl jetzt unbedingt weiterlesen zu müssen. Im Gegenteil, wusste man doch schon auf den ersten Seiten von Eunice Geschichte alles.

Fazit: Ja, meine Erwartung war eine andere, aber das macht normalerweise nichts, denn ich lasse mich immer gerne von einem Buch überraschen. Doch Ruth Hogan hat in ihren Erstling einfach zu viel reingepackt, mit enormem Potential, keine Frage, aber die Umsetzung ist in meinen Augen nicht ganz gelungen. Manchmal ist weniger, aber dafür intensiver, einfach mehr.
Die Geschichten, jede für sich, auch die der Gegenstände, haben etwas und doch fehlt dem Buch das gewisse Etwas.

Bewertung vom 15.05.2017
Verhängnisvolle Intrigen / The Innocents Bd.2
Peloquin, Lili

Verhängnisvolle Intrigen / The Innocents Bd.2


ausgezeichnet

>>Noch nie zuvor hatte sich Alice so einsam gefühlt. Sie wusste, dass es seltsam war - mehr als seltsam, eigentlich fast krank - einem toten Mädchen die Schuld an ihren Problemen zu geben, aber sie konnte nicht anders. Es war alles Camillas Schuld.>>

Unfall, Selbstmord oder tatsächlich Mord? Was ist wirklich mit Camilla geschehen? Alice und Charlie geraten immer tiefer in den Strudel aus Lügen, Intrigen und Geheimnissen. Vor allem Alice lässt die Geschichte um den Tod ihrer Stiefschwester nicht mehr los. Mit ihren Nachforschungen bringt sie stückchenweise neue Erkenntnisse ans Licht, gerät dadurch aber auch selber in Gefahr....

Mittlerweile habe ich ein etwas zwiegespaltenes Verhältnis zu zweiten Teilen einer Trilogie, da sie sich häufig wie eine langgezogene Überbrückung zum Finale lesen und nicht wirklich etwas geschieht. Ganz anders hier, denn "Verhängnisvolle Intrigen" hat mich total positiv überrascht. Er steht dem ersten Band in Sachen Spannung und hier und da neue mysteriöse Erkenntnisse, in nichts nach und hat somit genauso einen hohen Unterhaltungswert.

Der Schreibstil ist sehr flüssig, bildhaft und herrlich leicht zu lesen. Auch in diesem Band wechselt die Perspektive zwischen Charlie und Alice. Das ist zwar nicht gekennzeichnet, die beiden sind aber auch nicht wirklich schwer auseinanderzuhalten, so dass immer ganz klar ist, aus welcher Sicht man gerade liest. Neben den altbekannten Charakteren, die weiterhin alle an Bord sind, tauchen auch ein paar Neue auf, so steht z.B. Patrick, Alice Freund von zuhause, plötzlich unangekündigt vor der Tür und was verbirgt der rätselhafte Nick, der im letzten Jahr noch für Dr. van Stratten gearbeitet hat....

Fazit: Megaspannend für die Zielgruppe, aber auch für die Älteren unter uns ein sehr kurzweiliges, (ent)spannendes Lesevergnügen. Mich hat es auf jeden Fall sehr gut unterhalten und ich werde mir gleich morgen den dritten Teil besorgen.

Bewertung vom 10.05.2017
Honeymoon XXL
Richter, Julia; Richter, Stefan

Honeymoon XXL


sehr gut

Wie zwei Honeymooner lernen, die Seele baumeln zu lassen.
Ein Reiseblog...

Ich ja ein riesiger Fan des Delius Klasing Verlages, weil er einfach ein Garant für tolle Erfahrungsberichte, gepaart mit hochwertigen Fotos ist. Auch "Honeymoon XXL" bildet da keine Ausnahme und ist für`s Sofa-Weltenbummeln prima.

Wer allerdings zwei absolute Freigeister erwartet, der wird sie nur bedingt entdecken, denn Julia und Stefan Richter sind (für mich) jetzt nicht die typischen Weltenbummler. Sie sind teilweise relativ schnell genervt und wenn ich hier so oft von überwundenen Hürden lese, muss ich schon ein wenig schmunzeln. Aber das macht sie nur noch sympathischer. Sie sind halt wie du und ich, der Durchschnittsmensch zieht (wenn überhaupt) wahrscheinlich eher nicht sofort tiefenentspannt durch die Lande.

Ich habe kurz vorher "Der weiteste Weg" gelesen und das ist, glaub ich, ein ganz guter Vergleich. Dort gab es sehr viele großartige, individuelle Fotos und Texte von Land und Leuten (aber insgesamt weniger Text). Hier gibt es sehr viel Text und wunderschöne Fotos, aber mir fehlt ein wenig das Individuelle, die Begebenheiten mit Einheimischen, das Abweichen von Touristenpfaden etc.

Wie sie selber sagen, sind sie durch die ersten Länder gerast, so dass sich nach 3 Monaten immer noch kein Faulenz-Urlaubsfeeling eingestellen konnte. Und das merkt man , wenn man es mit den späteren Berichten vergleicht, als sie relaxed und angekommen sind. Das ist auf der einen Seite ganz spannend zu sehen und die Entwicklung mitzuerleben, auf der anderen Seite hat mir dadurch, grad zu Beginn, schon etwas gefehlt. Das es einen Blog mit weiteren Fotos gibt, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, das erfährt man leider erst am Schluss.

Was klasse ist, nach jedem Land gibt es zum Abschluss ein kurzes Resümee in Form von "So war...".
Auch der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, etwas laienhaft vielleicht, aber dadurch umso glaubwürdiger. Es liest sich sehr locker und flüssig.

Fazit: Ein gelungener Reisebericht für den Weltenbummler in uns.
Ich hätte mir gewünscht, die Beiden hätten sich mehr Zeit genommen und wären noch öfter tiefer ins Land mit Kontakt zu den Einheimischen.

Bewertung vom 27.04.2017
Lost Places Beelitz-Heilstätten
Mielzarjewicz, Marc

Lost Places Beelitz-Heilstätten


ausgezeichnet

Faszinierender Bildband mit stimmungsvollen s/w Fotos der Beelitz-Heilstätten bei Berlin.

Worüber ich mir beim Kauf nicht im Klaren war, es gibt keine Texte zu den Bildern.
Der Band ist in 4 Teile gegliedert: Männersanatorium, Frauensanatorium, Männer-Lungenheilstätten, Frauen-Lungenheilstätten. Zu jedem Part gibt es eine ganz kurze deutsch/englische Einleitung und dann folgen Bilder mit kurzen Untertiteln (wie Pavillon, Badehaus etc.). Vorangestellt ist dem Ganzen noch eine einseitige Erläuterung zur Geschichte der Heilstätten.

Und obwohl ich sage, ich hätte gerne sehr viel mehr Texte gehabt, haben mich die puren Fotografien völlig in ihren Bann gezogen. Es wird geschickt mit Licht und Schatten in Szene gesetzt und die s/w Aufnahmen auf schwarzem Hintergrund veröffentlicht, verstärken die Faszination des Verlassenen und Verfallenem. Die mystische Stimmung ist spürbar und hinterlässt beim Betrachter ein Gefühl der Verlorenheit.

Fazit: Eine Bereicherung für jeden Fan von Lost Places und der (alten) Beelitz-Heilstätten, die so leider selbstständig nicht mehr erkundbar sind.

Bewertung vom 20.04.2017
Never before you - Jake & Carrie
Baxter, Amy

Never before you - Jake & Carrie


sehr gut

Nicht neu - aber überraschend gut!

>>Etwas am Ufer liess mich innehalten. Eine dunkle Gestalt machte merkwürdige Bewegungen. Es dauerte ein paar Herzschläge, bis ich erkannte, dass dort jemand tanzte. Allein.>>

Ich muss sagen, dieses Buch wäre an mir vorbeigegangen, wenn ich nicht durch Jellybooks noch einmal drauf aufmerksam geworden wäre.

Obwohl die Story eigentlich komplett in mein Beuteschema fällt, hat mich das Cover eher abgeschreckt und auch der Klappentext stach nicht unbedingt überzeugend aus der Masse heraus. Als ich es dann bei einer Lesestatistik entdeckte, bekam es endlich seine verdiente Chance und hat mich mehr als positiv überrascht.

Eine gut gemachte, teilweise sehr emotionale Bad-Boy Geschichte.

Amy Baxter erfindet hier das Rad nicht neu und der Markt wird mir momentan ein wenig zu überschwemmt von Tätowierern und Clubgirls, dennoch haben mir Jake und Carrie sehr gefallen.
Die Geschichte wird abwechselnd aus beiden Sichtweisen erzählt, so bekommt man das Gefühlsleben beider Protas hautnah mit und baut nicht nur zu Carrie rasch eine Verbindung auf. Sie wirken sehr sympathisch und handeln authentisch.

Im Gegensatz zu Ihnen sind die Nebenfiguren leider ziemlich stereotyp und flach bis nervig (der schwule Tänzerfreund, die sexbesessene besteFreundin, die missgünstige Barkeeperin). Schade, denn ich gehe davon aus, das einem der ein oder andere in den Folgebänden als Hauptprotagonist begegnen wird.

Für mich hätte vielleicht das Drumherum etwas weniger dramatisch gestaltet werden können (denn mir sind die Auflösungen dieser hochdramatischer Situationen oftmals etwas zu einfach gestaltet), doch das ist heutzutage irgendwie schon Standard und gestört hat es mich jetzt auch nicht unbedingt,

Fazit: Ein toller Roman mit genau der richtigen Portion Erotik, Humor, Spannung und einer emotionalen, wunderschönen Liebesgeschichte. Also alles was man braucht...

Bewertung vom 15.04.2017
Der weiteste Weg. Mit dem Campingbus bis Australien
Blum, Bruno

Der weiteste Weg. Mit dem Campingbus bis Australien


ausgezeichnet

Mit zwei Schweizern um die halbe Welt.
Eine spannende und unterhaltsame Tour.

Ich muss gestehen, manchmal reise ich gerne vom Sofa aus mit. Es ist zwar weit davon entfernt live dabei zu sein, aber man erfährt von Orten und Menschen, die man so sonst niemals sehen oder kennenlernen würde. Zudem ist man auch weit davon entfernt ein Jahr oder länger im Auto oder Zelt schlafen zu "dürfen".

Ich bewundere Menschen wie Bodo Blum, der zu Beginn sagt, diesmal hätte er allen erdenklichen Luxus mit im Gepäck. Nachdem er bereits 2x alleine mit Rucksack und Motorrad unterwegs war, geht es jetzt mit einem zum Campingbus umgebauten Mitsubishi-Lieferwagen auf Tour, incl. Hubdach mit 1,05 m Doppelbett, seiner Freundin und einem Klappspaten als Toilette.

Die Beiden waren mir von Anfang an sehr sympathisch und ich bin ihnen mit großem Interesse auf ihrer Reise quer über 3 Kontinente gefolgt. Gestartet wird in Berlin, dann geht es durch Russland, Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, entlang der Seidenstrasse über den Iran, Pakistan, Indien und Nepal nach Australien und über Japan, die Mongolei etc. wieder zurück.

Was mir dabei sehr gut gefällt, sind all die kleinen Hintergrundinformationen, die ganz nebenbei miteinfliessen ohne zu stören. Das macht den Reisebericht unheimlich interessant. Zudem ist er mit vielen tollen Farbfotos unterlegt. Kleinere Bilder, aber auch kontinuierlich 2-seitige Großformate in sehr guter Qualität.

Ich habe selbst die Berichte über Kasachstan, Kirgisistan und Usbeskistan mit großem Interesse verfolgt; Länder, zu denen ich eigentlich absolut keinen Bezug habe. Manchmal hätte ich gerne noch tiefere Einblicke (wie z.B. über Chitral) gehabt, aber das ist wohl schon aufgrund der Fülle an Eindrücken und Erlebnissen kaum machbar. Hier stecken immerhin zweieinhalb Jahre in 221 Seiten. Und so sind es stets nur sehr kurze aber dennoch bleibende und oftmals sehr intensive Eindrücke.

Fazit: Ein gelungener Reisebericht, den ich mit Sicherheit noch öfter zur Hand nehmen werde.
4,5 Sterne

Bewertung vom 13.04.2017
Sungs Laden
Kalisa, Karin

Sungs Laden


ausgezeichnet

Ein modernes federleichtes Wohlfühlmärchen mit nachdenklich machenden ganz leisen Zwischentönen.

Am Prenzlauer Berg blinzelte man in den Himmel und schaute zugleich tief in die eigene anarchische Seele, die ein bisschen Fett angesetzt hatte mit den Jahren.

Allles fängt damit an, dass der Schuldirektor kurz vor Weihnachten mitten in den eh schon hektischen Vorbereitungen, noch schnell eine "weltoffene Woche" veranstalten soll. Der Einfachheit halber und aus Bequemlichkeit, gibt er das Thema an die Lehrerinnen und ihre Schüler mit Migrationshintergrund jeglicher Art ab, die ein "Kulturgut aus der Heimat" vorstellen sollen.

Minh, Sungs Sohn und die zweite Generation einer vietnamesischen Einwanderfamilie, sucht Rat bei seiner Großmutter. Die packt kuzerhand ihre geliebte Wasserspielpuppe aus und erzählt in ruhigen aber sehr eindringlichen Bildern ihre Geschichte.

Dieser kurze Moment löst eine langsame aber schneeballartige Kettenreaktion aus. Im Mittelpunkt die vietnamesischen Ladenbesitzer im Berliner Prenzlberg und ihre Mitmenschen, die größtenteils erst jetzt anfangen ihre Nachbarn wirklich wahrzunehmen.

Ich bin so lange um dieses Buch herumgeschlichen.... Märchen sind nicht so mein, aus manchen Rezensionen meinte ich herauszulesen, dass es so überspitzt wird, dass es schon fast einer Persiflage gleicht (das habe ich jetzt z.B. überhaupt nicht so empfunden!). Letztendlich hat es mich dann doch gepackt, plötzlich musste ich es unbedingt haben, so dass ich noch in der Mittagspause in die Stadt gefahren bin.

Für mich ist dieses Buch ein kleiner Schatz und ich denke, jeder, der diese leisen, aber unterschwellig erzählten kleinen Geschichten mag (wie z.B. Namiko), wird es genauso lieben, wie ich.

Es ist ein Buch der ruhigen Töne, darauf muss man sich einlassen, um sie auch wahrzunehmen und wirken zu lassen. Mich haben sie sehr berührt, die individuellen, aber doch eigentlich so geläufigen Geschichten, jeder einzelnen Person. Warum Ly Phong aufgehört hat zu lächeln, wie verloren Sung sich auf dem vietnamesischen Markt fühlt, weil er die Sprache nicht spricht usw.

Wenn man mag, gibt das Buch einem kleine Einblicke in die Geschichte der vietnamesischen Leiharbeiter, die damals in die DDR gekommen sind. Nicht als Geschichtsstunde, sondern auf die fernöstliche Art, federleicht gehaucht. Das ist es, was das Buch ausmacht.

Ich wohne zwar nicht in Berlin, aber ich liebe den Prenzlberg und er ist gefühlt meine zweite Heimat. Trotzdem hatte ich mich mit der Thematik noch nie befasst, eigentlich war ich mir sogar noch nicht einmal bewusst.
Dieses Buch macht einen Aufmerksam wieder genauer hinzuschauen, seine Mitmenschen wahrzunehmen und auch mal mit Gewohnheiten zu brechen. Und das kann in der heutigen Zeit ja nicht so verkehrt sein, oder....

Fazit: Oberflächlich gesehen, ein schönes Wohlfühlmärchen, hinter dem sich tiefer geschaut, viele Geschichten und Schicksale verbergen.