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Piglet and her Books
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Leipzig
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pigletandherbooks.de

Bewertungen

Insgesamt 365 Bewertungen
Bewertung vom 18.01.2019
Die Sprache der Menschlichkeit
Watson, Christie

Die Sprache der Menschlichkeit


ausgezeichnet

Über zwei Jahrzehnte ist Christie Watson als Krankenschwester tätig. Als Kind und Teenager ist sie noch unsicher, was aus ihr werden soll, doch je mehr sie sich mit dem Leben als Krankenschwester auseinandersetzt, desto mehr merkt sie, wie sehr sie dieser Beruf anspricht. In „Die Sprache der Menschlichkeit“ erzählt sie von ihrem Werdegang, Höhen und Tiefen.

Christie Watson ist im englischsprachigen Raum als Autorin bekannt, doch bevor sie den Stift zur Hand nahm und Bücher schrieb war sie zuvor 20 Jahre lang Krankenschwester. In dieser Zeit hat sie jede Mengen Erfahrungen gesammelt, welche sie in ihrem Buch nun mit uns teilt. Dabei geht sie mit uns Stück für Stück, in jedem Kapitel, durch ihre Stufen der Ausbildung und Weiterbildung. Im ersten Kapitel bewegen wir uns noch gar nicht im Krankenhaus, sondern viel mehr begleiten wir Christie auf ihrer Suche nach einer Ausbildung und damit auf die Suche nach einer Zukunftsperspektive. Letztendlich führt sie der Weg auf eine Schule für Krankenschwestern, und mit dieser Entscheidung wird sie die kommenden 20 Jahre verbringen.

Jedes Kapitel erzählt von einer Phase des Arbeitslebens von Christie Watson. Dabei legt sie vor allem wert darauf zu verdeutlichen, wie wichtig ein Zusammenspiel zwischen den Einheiten ist, die Basis dafür ist Vertrauen. Die Autorin beweist dabei ein erstaunliches Einfühlungsvermögen, aber auch schonungslose Ehrlichkeit. Sie nimmt niemals ein Blatt vor dem Mund und beschreibt ohne Umschweife ihre Gefühle und Gedanken als sie z.B. bei ihrer allerersten Geburt dabei ist. Es ist zwar schockierenden, aber dennoch genau richtig, denn ich glaube vielen ist nicht bewusst, was tatsächlich hinter den Mauern eines Krankenhauses passiert.

Nach Ende der Lektüre konnte ich das Buch nur schwer weglegen. Zu sehr war mein Kopf noch mit den Bildern und Situationen aus dem Buch beschäftigt, ich wollte mich austauschen und mit jemanden über das Gelesene reden. Christie Watson hat es geschafft, mir den Beruf der Krankenschwester noch näher zu bringen und von mir somit noch mehr Respekt für dieses Berufsbild zu gewinnen. Und ich glaube, genau das war das Ziel der Autorin, dass wir Krankenschwestern, als auch die Patienten, mit anderen Augen sehen, mit mehr Verständnis. Sie rückt damit auch die, im Titel benannte, Menschlichkeit mehr in den Mittelpunkt, dabei, so glaube ich, geht es ihr aber vor allem darum, dass man Patienten nicht als Problem sieht, egal ob man im medizinischen Bereich arbeitet oder nicht. Ich denke aber auch, sie möchte denjenigen vor Augen führen, was tatsächlich von unserem Pflegepersonal verlangt wird. Grade in der aktuellen Situation, wo wir von Pflegenotstand und fehlenden Kräften an jeder Ecke sprechen, ist es um so wichtige zu verdeutlichen, was diese Frauen und Männer tagtäglich leisten, meistens leider ohne, dass es ausreichend gewürdigt wird.

Fazit:
„Die Sprache der Menschlichkeit“ beschreibt den 20-jährigen Werdegang der Krankenschwester Christie Watson. Dabei zeigt sie schonungslos, ehrlich, aber auch gefühlvoll, was es bedeutet, eine Krankenschwester zu sein. Sie fordert dabei unterschwellig mehr Verständnis und Respekt für die Arbeit, die das Pflegepersonal jeden Tag leistet, und ich glaube, jeder der dieses Buch liest, wird abschließend zu dem Schluss kommen, denn auch ich erlangt habe: Krankenschwestern sind wahre Helden!

Bewertung vom 18.01.2019
Vox
Dalcher, Christina

Vox


gut

Immer wieder fragt sich Jean, unsere Protagonistin, wie es soweit kommen konnte? Wie konnte es passieren, dass man Frauen so stark unterdrückt, Ihnen die Arbeitsstelle streicht, den Mund verbietet, die Bildungsmöglichkeiten auf ein Minimum beschränkt, kurzum all die Freiheiten streicht, die man kennt und braucht um sich zu entfalten. Jean lebt mit ihrem Mann Patrick und ihren vier Kinder in einer offenbar ansehnlichen Wohngegend, immerhin war sie bis vor einem Jahr eine angesehene Neurolinguistin und ihr Mann ist ein Berater des Präsidenten. Unter dem neuen Gesetz leidet auch ihre Tochter Sonia, sie ist mittlerweile so introvertiert, dass sie selbst die 100 Wörter am Tag nicht spricht. Sonia war auch der Charakter, der mir während des gesamten Länge des Buches immer sympathisch war.

Anders sieht es da bei Jean aus. Hatte ich im ersten Drittel des Buches noch Mitleid mit ihr und war ich irgendwann von ihrer Art und Weise genervt. Zu Beginn bekundet sie immer wieder ihre Versäumnisse, dass sie nicht bei den Protestmärschen dabei war, dass sie nicht gewählt hat, dass sie insgesamt so viel verpasst hatte, weil sie so mit sich beschäftigt war. Ich fand diese Selbstreflexion gut und aufrüttelnd für den Leser, denn oftmals kennt man dieses Verhalten von sich selbst, grade bei der aktuellen politischen Lage. Leider scheint Jean dennoch nichts daraus gelernt zu haben, so hält sie nach der langen Ehe mit ihrem Mann offenbar nicht mehr allzu viel von ihm, ohne mit ihm jedoch wirklich sprechen zu wollen, auch wenn sie nur wenige Worte zur Verfügung hat, müsste ihr doch etwas daran liegen, sich mit ihrem Ehemann auseinandersetzen zu können. Wahrscheinlicher ist es, dass sie sich gar nicht mit ihm auseinandersetzen möchte, denn es gibt noch Dr. Rossi, ein ehemaliger Arbeitskollege von ihr. Wie Jean, kommt auch er aus Italien und relativ schnell fangen sie eine Affäre an. Für mich war diese eingeschobene Liebesgeschichte absolut unnötig, die dazugehörigen Szenen fand ich anstrengend zu lesen, und vor allem lernt auch Jean hier nichts aus der Vergangenheit. Statt mit ihrem Mann zu reden, und das wäre zu Beginn der Affäre noch ohne Wortzähler möglich gewesen, schweigt sie, steigert sich hinein und belügt die Menschen. Dennoch hätte mir die Geschichte gefallen können bis zum Schluss, schließlich ist ein unsympathischer Charakter kein Grund, ein Buch schlecht zu bewerten für mich.

Leider gab es ein noch viel gravierenderes Problem. Ab der Hälfte des Buches verschob sich der Schwerpunkt, so fühlte es sich zumindest für mich an. Mit einmal waren die 100 Wörter und die Unterdrückung der Frauen nicht mehr das Hauptthema, sondern viel mehr ging es darum, dass ein Gegenmittel für eine Hirnerkrankung gefunden wird bzw. die Liebschaft zwischen Dr. Rossi und Jean mehr auszuleuchten. Den Wortzähler hatte Jean zu diesem Moment schon gar nicht mehr. Diese Verschiebung fand ich einfach unglücklich, denn nicht nur ist damit automatisch mein Interesse abgeflaut, da ich mich einfach auf eine andere Lektüre gefreut habe, sondern wurde es einfach immer unrealistischer. Am Ende gab es Einschübe von brutalen Momenten, die keinerlei Förderung für die Spannung oder den Handlungsverlauf hatten. Insgesamt beschlich mich das Gefühl, dass aus einem gesellschaftskritischen Roman ein Thriller mit biochemischen Elementen wurde.

Fazit:

„Vox“ zu beurteilen fällt mir ziemlich schwer. Die Grundidee, mit der auch das Buch beworben wurde, hat mir ziemlich gut gefallen. Auch die „Wachrüttel“-

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.01.2019
Sturmhöhe
Brontë, Emily

Sturmhöhe


sehr gut

„Sturmhöhe“ ist die Geschichte von Catherine und Heathcliff, von einer Liebe, die so zerstörerisch ist, wie kaum eine andere Liebesgeschichte. „Sturmhöhe“ spielt in der Moorlandschaft rund um Yorkshire und ist damit das perfekte Setting für diese düstere Liebesgeschichte. Ob sie mich überzeugen konnte?

Der einzige erschiene Roman von Emily Brontë ist ein Klassiker und wurde auch schon mehrfach verfilmt. Er bietet Stoff für jede Menge Drama, Liebe, Hass und Kummer. Einen Klassiker zu rezensieren fällt mir auch weiterhin sehr schwer, denn immerhin können wir nicht beurteilen, was bereits als klassische Literatur gilt und damit zum Kanon der Weltliteratur gehört.

Ich kann absolut verstehen, dass diese generationsübergreifende Geschichte über Jahrzehnte hinweg die Menschen faszinieren konnte. Es zieht einen in den Bann, es fesselt, und man kann nicht aufhören und das obwohl ich teilweise wirklich schockiert war. Darüber schockiert wie zerfressend die Hassliebe zwischen Heathcliff und Catherine ist, wie sehr sie noch die nachfolgende Generation beeinflusst. Und dabei konnte ich unseren beiden Protagonisten kaum etwas Positives abgewinnen. Heathcliff ist unheimlich, er liebt auf eine besitzergreifende Art und Weise, die ich so bisher noch nicht kannte. Ebenso ist Catherine offenbar kein einfacher Mensch, mir ist ganz lange nicht klar gewesen, ob sie Heathcliff quälen möchte oder wirklich Edgar liebt. Beide Charaktere sind einfach so kompliziert gezeichnet, und sollen, meines Erachtens, nicht sympathisch, sondern vor allem realistisch, verbissen und tiefgründig erscheinen.

Und obwohl hier keine harmonische, liebevolle Geschichte erzählt wird, schafft es Emily Brontë, dass man als Leser jeden Charakter faszinierend findet und versucht in das verzweigte Konstrukt von Wuthering Heights einzudringen. Und dennoch kam mir beim Lesen immer wieder der Gedanke, dass die Beziehungen in diesem Buch durch und durch toxisch sind. Sie sind gefährlich, heimtückisch, gewaltvoll und so absolut ungesund. Vor allem in Sachen Gewalt und Unterdrückung ist „Sturmhöhe“ schon fast alarmierend. Natürlich ist „Sturmhöhe“ in einem anderen Jahrhundert entstanden, und man kann den Schreib- und Gedankenprozess nur bedingt nachempfinden. Dennoch muss ich einfach sagen, dass mich bestimmte Stellen und Handlungen einfach schockiert haben, und es war unschön diese zu lesen.

Trotz des in die Jahre gekommenen Textes war die Übersetzung erfrischend leicht zu lesen ohne dabei an schwieriger Satzstellung oder altbackenen Wörtern hängen zu bleiben. Denn auch wenn es sich um einen Klassiker handelt, möchte man gern leicht lesend durch den Text. Ebenfalls angenehm ist die Erzählart, durch das Sekundäre Erzählen, bei dem eine Person aus der Geschichte, innerhalb der Geschichte erzählt, und somit eine Binnengeschichte erzeugt, verliert man sich schneller im Erzähltem. Eine schöne und gelungene Art des Erzählens.

Fazit:

Heathcliffs Geschichte, denn letztendlich ist es seine, ist faszinierend, spannend und verstörend. Emily Brontë schreibt unheimlich gut, und ihre Charaktere haben Tiefgang, auch wenn ich nicht jeden von ihnen mag. Mit Liebe, Freundschaft, Hass und Gewalt zeichnet sie ein Bild einer Familie über mehrere Jahrzehnte, welches den Leser absolut in seinen Bann zieht. Doch die Elemente waren mir teilweise zu heftig ausgelebt, vor allem die Gewalt und die krankhafte Liebe haben mich als Leser wirklich schockiert. Dennoch bleibt „Sturmhöhe“ ein Klassiker, denn man lesen sollte, einfach, weil er, trotz dieses Mangels, faszinierend und tiefgründig ist.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.01.2019
Der Fall von Gondolin
Tolkien, John R. R.

Der Fall von Gondolin


ausgezeichnet

Der Fall von Gondolin“ zählt zu den drei >Großen Geschichten< des Ersten Zeitalters von Mittelerde. In seinem Mittelpunkt steht nicht nur der verbitterte Kampf zwischen der guten und der bösen Kraft, sondern auch um Tuor, der von Ulmo, dem Herrn über Meere, Seen und Flüsse, ausgewählt wurde, diesen Kampf zu gewinnen. Doch ist Tuor wirklich dieser Herausforderung gewachsen?

Der Aufbau des Buches ist ähnlich, wie schon bei den anderen beiden Geschichten aus dem Ersten Zeitalter („Die Kinder Húrins“ und „Beren und Lúthien“). Nachdem Vorwort und einem Prolog zur Einstimmung folgen die verschiedenen Versionen der Geschichte vom Falls Gondolins. Anschließend gibt uns Christoph Tolkien noch einen Einblick in die Entwicklung der Geschichte, welcher überraschend spannend und interessant ist. Das Abenteuer wird erneut unterstrichen durch die Illustrationen von Alan Lee.

Die Geschichte vom Fall Gondolins wirkt kurz, ist aber in ihrer Intensität ähnlich wie das „Silmarillion“ verfasst. Was bedeutet, auf den Leser warten viele, womöglich neue, Namen und Orte, mit ihrer einzigartigen Landschaft. Dieses Buch lässt sich nicht mal so nebenbei lesen, dabei könnte die Gefahr bestehen, dass man die Übersicht verliert. Und das wäre schade, denn so würde dem Leser eine epische Geschichte aus einem der beliebtesten Buchuniversen entgehen. Zur Unterstützung, da man leicht den Überblick verlieren könnte, gibt es im Anhang eine Auflistung der Namen.

Allzu viele Worte möchte ich über die eigentliche Geschichte nicht verlieren. Jedes Wort wäre hier zu viel, man muss Tolkien einfach selber erleben, auch wenn hier nur noch durch seinen Sohn Christopher zu Wort kommen kann. Dennoch bleibt der typische Tolkien-Schreibstil erhalten, mit bildgewaltigen Landschaftsbeschreibungen und einem Text, der einfach voraussetzt, dass man sich Zeit nimmt um das Buch bewusst zu erleben.

Fazit:

„Der Fall von Gondolin“ ist ein klassischer Tolkien, und ich denke jeder Tolkien-Fan ist froh, dass Christopher Tolkien hier das Erbe seines Vaters zu einem würdigen Ende führt. „Der Fall von Gondolin“ rundet das Erste Zeitalter von Mittelerde ab, und immer wieder bin ich erstaunt, mit wie viel Fantasy und Tiefe J.R.R. Tolkien diese Welt erschaffen hat.

Bewertung vom 18.01.2019
Jeder von uns ist ein Rätsel
Steiger, A. J.

Jeder von uns ist ein Rätsel


ausgezeichnet

Alvie ist eine Einzelgängerin. Andere Menschen sind für sie eher Störenfriede und Rätsel, als dass sie sich mit Ihnen unterhalten oder interagieren könnte. Ganz anders sieht ihr Verhältnis zu Tieren aus, in ihrer Arbeit im Tierpark geht sie vollkommen auf. Als Stanley sie in ihrer alltäglichen Routine „stört“ ist sie zunächst nur verärgert, bis er ihr Interesse weckt.

In diese Geschichte abzutauchen sollte dem Leser nicht schwerfallen, denn Alvie ist als Protagonistin absolut sympathisch. Was sie auszeichnet ist ihr sozialer Umgang mit anderen Menschen. Ich möchte hier bewusst negative Worte für diese Handlungsweise vermeiden, denn ich glaube, für Alvie wie auch für viele andere Menschen, ist es normal und ein alltäglicher Zustand, dass sie nicht gern sozialen Kontakt zu anderen Menschen suchen. Statt also hier zu betonen, dass Alvie letztendlich mit Stanley ins Gespräch kommt, möchte ich vor allem betonen wie gut Alvie dieses Thema mir näher gebracht hat.

Sie ist einfach sie, sie ist total normal, und genau das möchte sie auch nach außen ausstrahlen. Sie will in keine Kategorie eingeteilt oder gar einfach nur als Krankheit betrachtet werden. Sie ist ein Mensch, der ebenso Gefühle hat und sein Umfeld wahrnimmt, wie jeder andere auch. A.J. Steiger hat es meines Erachtens sehr gut geschafft, jemanden wie mir zu zeigen, wie unterschiedlich die Wahrnehmung von Menschen und ihrer Umgebung sein kann.

Aber natürlich steht nicht nur Alvie im Mittelpunkt der Geschichte. In „Jeder von uns ist ein Rätsel“ wird auch die Geschichte von Stanley erzählt. Der, anders als vielleicht erwartet, nicht unbedingt immer der starke Charakter ist, der Alvie auffängt und zu jeder Zeit problemlos durchs Leben geht. Die Beziehung der beiden hat mich im Besonderen sehr rührend, da sie ermöglicht, dass zwei unterschiedliche Sichtweisen auf das Leben vereint werden.

Es geht in den Geschichten von Alvie und Stanley auch darum, wie sehr die Gesellschaft Menschen ausgrenzt, die sie angeblich nicht direkt definieren kann. Es hat beim Lesen richtig weh getan, zu erfahren wie sehr Alvie ausgegrenzt und gemobbt wird. Ich glaube, ich muss nicht erklären, dass dieses Verhalten total falsch ist, und das Widerspiegeln von Alvies Gefühlen zeigt auf einfühlsame Weise, wie sehr dieses Verhalten schon bei den kleinsten Aussagen Leben zerstören kann.

Fazit:

Alive und Stanley waren für mich zwei liebenswerte und reale Protagonisten. Nichts wirkte aufgesetzt, es wurde durch und durch gezeigt wie sehr Alvie unter den Umständen leidet und wie falsch die Einstellung unserer Gesellschaft in Bezug auf Toleranz und Akzeptanz teilweise ist. „Jeder von uns ist ein Rätsel“ berührt den Leser auf so vielen Ebenen. Ein tolles Buch, das unbedingt mehr Aufmerksamkeit verdient hat.

Bewertung vom 18.01.2019
Das Rätsel der schwarzen Blume / Die Duftapotheke Bd.2
Ruhe, Anna

Das Rätsel der schwarzen Blume / Die Duftapotheke Bd.2


sehr gut

Luzie steht noch am Beginn ihrer Ausbildung zur Duftapothekerin und dennoch ist sie bereits vollkommen fasziniert von der Welt der Düfte und möchte am liebsten jede Minute in der versteckten Duftapotheke verbringen. Doch eines Morgens stellen Luzie, Mats und Hanne fest, dass die wichtigste Zutat gestohlen wurde. Und damit beginnt ein neues Abenteuer!

Direkt beim Auspacken fällt sofort wieder das tolle Design des Covers auf. Irgendwie bin ich total verliebt in die Aufmachung, und damit meine ich nicht nur das Cover selber, sondern auch die Seitengestaltung im Buch. Es gibt wunderbare Illustrationen, die die Geschichte untermalen und somit den Leser verzaubern. Und für jeden kleinen Duftapotheker gibt es sogar den ersten Teil des Duftplans als Plakat, damit man beim Lesen die Flakons in ihrer Farbe betrachten kann und später dann natürlich all die Düfte selber kreieren darf.

Wie schon die Gestaltung überzeugen mich in diesem Band auch unsere Protagonisten. Luzie ist neugierig, abenteuerlustig und ganz klar am Beginn ihrer Pubertät. Mats ist auch weiterhin ein kleiner Sturkopf, der am Ende aber trotzdem mit seinen genialen Ideen und seinem Mut zusammen mit Luzie die Gruppe retten kann. Insgesamt wirkt die Gruppe sehr gut aufeinander abgestimmt und eingespielt, ich mochte die Dialoge und die zwischenmenschlichen Momente.

Dennoch konnte mich in diesem neusten Band nicht alles überzeugen. So fand ich, dass unsere Helden dieses Mal sehr schnell per Glück und Zufall die richtigen Wege finden. Ja natürlich, es ist ein Kinderbuch, aber ein paar winzige Schwierigkeiten wären doch möglich gewesen oder? Oft hatte ich das Gefühl, dass es eigentlich keinerlei Hindernisse gab, ein Duft genügte und schon war ein Problem gelöst. Es wurde nie der falsche Duft ausgewählt und alles lief wie geschmiert. Versteht mich nicht falsch, es hat mich gefreut, dass am Ende alles gut wird und unsere Helden ihr Abenteuer bestehen können, und das ist auch wichtig für ein Kinderbuch.



Fazit:

Und trotz dieses kleinen Kritikpunktes hat mir die Geschichte insgesamt sehr gut gefallen, wie schon im ersten Teil flogen die Seiten nur so dahin, und man fiebert trotz allem mit Luzie und Mats mit. Und am Ende gab es nicht nur ein Happy End für unsere Helden, sondern auch eine Wendung, die man nicht erwartet hätte und die ich sehr schön gestaltet fand. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was im dritten Band auf uns wartet.

Bewertung vom 18.01.2019
Gemina. Die Illuminae Akten_02 / Illuminae Bd.2
Kaufman, Amie;Kristoff, Jay

Gemina. Die Illuminae Akten_02 / Illuminae Bd.2


ausgezeichnet

Hannah lebt auf der Raumstation Heimdall. Ihr Leben ist, mit ihren Augen gesehen, eher langweilig, also versucht sie es mit Hilfe von ein paar Aktivitäten aufzupeppen. Unter anderen gerät sie deshalb an Nik, der sich ebenfalls zu langweilen scheint auf dieser riesigen Raumstation. Doch an dem wichtigsten Feiertag, welchen Heimdall feiert, kommt es zu einer Katastrophe und Hanna und Nik kämpfen um ihr Leben, und gegen die Zeit.



Nach dem grandiosen ersten Teil war das Warten auf die Fortsetzung wirklich eine Qual. Als ich dann endlich starten konnte, war ich kurz verwirrt. Wer ist Hannah? Im ersten Band spielte doch Kady noch die Hauptrolle und man hatte sich an sie, mit ihrem technischen Wissen und ganz eigenen Art, bereits gewöhnt. Aber nichtsdestotrotz musste ich natürlich weiterlesen, denn ich war mir sehr sicher, dass Amie Kaufman und Jay Kristoff mich nicht enttäuschen würden. Und tatsächlich, nach einer kleinen Eingewöhnungszeit war ich wieder gefangen von der Geschichte.



Hannah ist, ähnlich wie Kady, ein etwas ungewöhnlicher Charakter. Im normalen Leben würde ich mich mit ihr nicht anfreunden wollen, denn sie wirkt sehr abgehoben und überzeugt von sich, aber ich glaube genau das macht den Reiz aus. Einen Protagonisten zu haben, der eben nicht sofort sympathisch ist, sondern der einem erst im Laufe der Geschichte ans Herz wächst. Und je länger man sich mit Hannah beschäftigt, umso mehr kommt man mit ihr zurecht und will, dass sie dieses Abenteuer übersteht.



Von einem etwas anderen Schlag ist Nik, er ist der Sohn eines Gangster-Boss, und steckt deshalb sehr tief im Geschäft. Er ist ein nicht registrierter Bewohner von Heimdall und seine Akte zeigt eine düstere Vergangenheit, für so einen jungen Mann. Er ist damit zwar der Bad Boy in unserer Geschichte, aber zum Glück kein echtes Klischee. Er ist sarkastisch, witzig, hilfsbereit und hat das Herz am richtigen Fleck. Und natürlich kennen Hannah und Nik sich und natürlich sind am Ende die beiden es, die darum kämpfen, dass Heimdall nicht verloren geht.



Wie schon im ersten Band handelt es sich bei „Gemina“ nicht um einen normalen Roman mit Fließtext. Stattdessen haben wir Chatprotokolle, Akten, Aufzeichnungen von der Überwachungskamera, und vieles mehr. Dadurch wird das Lesen zu einem kleinen Abenteuer und man fühlt sich total aufgehoben, als wäre man tatsächlich der Beobachter dieses ganzen Überfalls. Und natürlich, wie sollte es anders sein, gibt es auch dieses Mal einen wirklich gemeinen Cliffhanger am Ende, weshalb ich es nun eigentlich gar nicht mehr aushalten kann, bis der letzte Band der Illuminae-Akten bei uns in Deutschland erscheint.



Fazit:

Obwohl ich am Anfang etwas gebraucht habe um mit Hannah warm zu werden, und noch leicht verwirrt war, wo Kady steckt, war ich doch irgendwann wieder total gefangen von der Geschichte. Und keine Sorge, die Verbindung zu Kady wird auch irgendwann aufgedeckt. Und natürlich ist „Gemina“ wieder voll mit spannenden Momenten, humorvollen Gesprächen, Nervenkitzel, Bösewichten, gute Menschen und heftigen Wendungen. Lesespaß für alle Fans von guten Sci-Fi-Geschichten!

Bewertung vom 18.01.2019
Spiel der Macht / Die Schatten von Valoria Bd.1
Rutkoski, Marie

Spiel der Macht / Die Schatten von Valoria Bd.1


ausgezeichnet

Kestrel hat nur zwei Möglichkeiten wie ihr Leben weiter gehen soll, entweder sie tritt, wie ihr Vater der Armee bei oder sie heiratet. Ihr Vater ist der ranghöchste General, also scheint ihr Zukunft klar zu sein, doch Kestrel will nicht den vorgeschriebenen Weg gehen. Einer Impulshandlung folgenden ersteigert sie den Sklaven Arin, doch damit wird eine Kette von Ereignissen in Bewegung gesetzt, die Kestrel niemals hat kommen sehen.

Direkt auf den ersten Seiten wird man in die Geschichte geworfen und zunächst habe ich überlegt wohin sich alles entwickeln soll, doch zum Glück schafft es Marie Rutkoski den Leser abzuholen und man ist gefesselt von Kestrels Geschichte. Die Entscheidungen, die sie trifft, der Kampf im Inneren ist spürbar. Kestrel ist nicht die klassische adelige Tochter, sie genießt zwar das gehobene Leben, doch irgendwie merkt man auch, dass sie lieber ausbrechen will um sich damit selbst zu finden. Ab und an haben mich ihre Handlungen überrascht, denn sie hat einen Weg bestritten, der nicht vorhersehbar war.

Aber auch Arin, der ebenfalls Protagonist in „Spiel der Macht“, ist ein besonderer Charakter. Zunächst konnte ich am Anfang seine Motive überhaupt nicht einschätzen, aber je mehr man sich in ihn hineinführte, je mehr man seinen inneren Kampf merkte, um so mehr wird deutlich, dass auch er eine sehr besondere Geschichte zu erzählen hat. Wobei es mir eine ganze Weile echt schwer fiel Arin sympathisch zu finden. Trotzdem schafft es Marie Rutkoski beide Protagonisten auf einer Ebenen begegnen zu lassen, man merkt bei den Gesprächen zwischen den beiden kaum, dass sie eigentlich aus unterschiedlichen Schichten kommen.

Problematisch fand ich den Grundstein des Weltenaufbaus: der vorangegangene Krieg, wodurch Arins Volk versklavt wurde. Die eingebauten Rückblenden und die Geschichten die Erin erzählt hat, waren grausam, und auch wenn es natürlich ein wichtiges Ereignis für den Plot und die gesamte Geschichte war, empfand ich immer Wut. Doch dieses brodelnde Gefühl war wichtig für die Ereignisse im Buch und es hilft dem Leser mehr zu verstehen.



Fazit:

Als ich mit „Spiel der Macht“ angefangen habe, hätte ich niemals gedacht, dass es mich so umhauen würde. Es hat verschiedene Gefühle in mir ausgelöst und am Ende war ich absolut gefesselt. Das Sahnehäufchen war dann noch die Anmerkung der Autorin, welche sich auf den englischen Titel beziehen und näher darauf eingehen. Ich hatte am Ende absolut gelungenes Leseerlebnis und kann jedem Fan von Fantasy dieses Buch beruhigten Gewissens ans Herz legen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.01.2019
Die Geschichte der Bienen / Klima Quartett Bd.1
Lunde, Maja

Die Geschichte der Bienen / Klima Quartett Bd.1


ausgezeichnet

Drei Familien. Drei Jahrzehnte. Drei Geschichte. Alle sind sie vereint durch die Bienen, aber auf ganz unterschiedliche Art. Nur die wenigsten Menschen kennen sich wirklich mit Bienen aus, studieren sie und versuchen ihr Verhalten und Lebensweise zu verstehen. Wir betrachten Bienen als Nutztiere, doch sie sind viel mehr als nur Lieferant von Honig. Und genau darauf stößt uns die Autorin Maja Lunde mit ihrem wunderbar spannenden Roman „Die Geschichte der Bienen“.



Die meisten Menschen finden sie wohl lästig, schlagen um sich, wenn sie Ihnen zu nahe kommen und freuen sich, wenn sie endlich eine erwischt und dann eingefangen oder getötet haben: Bienen. Obwohl ich allergisch auf den Stich einer Biene oder Wespe reagiere, und auch manchmal Schnappatmung habe, sobald es laut summt, versuche ich keines dieser Tiere zu töten. Stattdessen fange ich sie ein und versuche sie wieder raus zu bringen oder „mein Essen zu teilen“. Bienen, aber auch Hummeln und andere Insekten, sind wichtig für unsere Natur. Und damit meine ich nicht nur, weil sie Honig produzieren, mit dem wir dann unser Brot bestreichen oder den Tee versüßen, sondern ich meine auch die Bestäubung, die sie durch das Sammeln des Nektars verursachen und mittragen. Von diesem Standpunkt aus beginnt Maja Lundes Geschichte und zeigt bereits das Ausmaß vom Bienensterben.

Tao lebt in im Jahr 2098, keine sehr weite Zukunft, aber dennoch hat sich die Welt gravierenden geändert. Die Bienen sind ausgestorben, und daher liegt es nun in den Händen der Menschen die Bestäubung vorzunehmen. Wie mühselig und anstrengend diese Arbeit ist zeigt Taos monotone Beschäftigung als Bestäuberin auf einer Farm. Was vorher die Millionen von Bienen übernommen haben müssen nun ebenfalls Millionen von Menschen übernehmen. Dies wirkt sich nicht nur auf den Arbeitsmarkt aus, sondern auch auf die Familienplanung, die Bildung und viele andere Bereiche des Lebens. Maja Lunde skizziert hier eine erschreckende Zukunft, die jeden wachrütteln dürfte.

Ganz anders sieht es bei William im jähr 1852 aus. Er steht am Anfang seiner Forschung und will die Honigernte verbessern. Er verliert sich in seiner Arbeit, erforscht dabei das Leben der Bienen und erkennt, dass in diesen kleinen Tierchen viel mehr steckt als man zunächst denkt. Williams Geschichte ist die des Anfangs, die anderen Stelle noch die Neugier und das Wissen rund um diese Tiere steht.

Im Jahr 2007 kämpft George mit ganz anderen Problemen, denn seine Geschichte ist die vom Anfang des Endes. Mittlerweile ist das Imkergeschäft so schwer, dass man versucht so viel wie möglich gegen die Industrie anzukommen und alles an Profit aus den Bienen herauszuholen, egal ob damit die Bienen unter Stress geraten. George ist dabei gefangen zwischen dem Gedanken, den Bienen keinen Schaden zuzufügen und seine Familie über Wasser zu halten. Dabei wird dem Leser immer mehr deutlich, wie gravierenden Abwärts es mit den Bienen und Imkern geht. Die Ursachen dafür sind schnell gefunden, doch erklären und aufhalten kann sie offenbar niemand.



Fazit:

Alle drei Geschichte verdeutlichen auf ihre Art und Weise, wie sich unser Umgang mit den Bienen auf unser zukünftiges Leben auswirkt. Maja Lunde hat dabei den perfekten Bogen zwischen spannender Familiengeschichte und Warnschild für unsere Natur gespannt und unterhält den Leser von Anfang bis Ende. Es ist ein Aushängeschild dafür, wie wenig der Mensch mittlerweile im Einklang mit der Natur lebt und diese nur noch ausbeutet, statt zu beschützen. „Die Geschichte der Bienen“ ist zurecht wochenlang auf Platz 1 der Bestseller-Charts gewesen und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.