Benutzername: yesterday
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Bewertungen

Insgesamt 54 Bewertungen
Bewertung vom 24.05.2017
DEMUT / Harry Svensson Bd.1
Olsson, Mats

DEMUT / Harry Svensson Bd.1


ausgezeichnet

Harry Svensson, ehemaliger und doch irgendwie ständiger Journalist und SM-Sympathisant, befindet sich in der grundsätzlich schmeichelhaften Lage, gerade nur arbeiten zu müssen, wenn er es will. Doch wie alles im Leben hat auch dies seine Schattenseiten, stolpert er doch mitten in einen Tatort, der ihn schließlich einem sehr speziellen Mörder auf die Spur bringt.

Dieser Thriller ist zugleich ungewöhnlich und ganz normal. Normal und sehr sehr packend wie Romane und Thriller aus Skandinavien meistens sind, unterhaltsame und fesselnde Krimikunst aus dem Norden. Man weiß, was man bekommt. Nicht so hier. Von der klassischen Krimiseite schon: ein Journalist „ermittelt“ aus Neugier und behält zu viel für sich, wird in die Sache hineingezogen. Doch die sich entfaltende Geschichte selbst ist ungewöhnlich und daher sehr erfrischend. Der Autor schafft es, komplett ohne Blut, aber mit viel Humor und Leidenschaft aller Charaktere, eine sehr eigene Story zu spinnen.

Auch der Täter kommt zu Wort und erlaubt so dem Leser, selbst mitzuraten und beide Sichtweisen kennenzulernen. Letztenendes wäre ich zwar mit einem anderen Ausgang der Geschichte wohl ebenso zufrieden oder noch glücklicher gewesen, aber vielleicht passt auch das tatsächliche Ende besser in die doch spezielle Handlung rund um zu beschäftigte Polizisten, ehemalige Journalisten, neue Freundschaften und viele Teppichklopfer.

Bewertung vom 24.05.2017
Das Buch der Spiegel
Chirovici, E. O.

Das Buch der Spiegel


gut

Nicht nur dieses Buch heißt „Das Buch der Spiegel“, auch ein Manuskript in diesem Buch heißt so. Es spielt eine zentrale Rolle und ist scheinbar verschwunden. Zuerst wird der Literaturagent Peter Katz darauf aufmerksam. Als er sich für die spannende Geschichte um einen ungeklärten Mord vor rund 30 Jahren interessiert und mehr lesen will, ist das Manuskript unauffindbar. Mit dem Autor kann er auch nicht sprechen. Durch seinen Willen, Klarheit in die Sache zu bringen, greifen ein befreundeter Reporter und durch ihn noch jede Menge mehr oder weniger an der vergangenen Geschichte beteiligte Leute in die Recherchen ein.
Dass alles, was die Interessierten aktuell zutage fördern, sehr verworren ist und nicht zusammenzupassen scheint, macht sehr neugierig und man kann das Buch in großen Abschnitten schnell durchlesen. Viele Details und beteiligte Personen werden ausfindig gemacht, ein sehr findiger ehemaliger Polizist, der im Fall damals ermittelte, kniet sich in die Sache rein und kommt seinerseits einer Lösung relativ nahe. Doch können wir annehmen, dass es wirklich so war? Nichts ist wie es scheint, die Erinnerung der Menschen ist nicht unfehlbar. Dies ist das zentrale Thema E.O.Chirovicis. Diesem wird auch eine komplette und konsistente Lösung des Falls und der vielen kleinen Fragen „geopfert“.
Dies schwächt den ansonsten sehr guten Eindruck, den dieser Roman macht. Es bleibt auch am Ende noch viel Spekulationsraum übrig. Dass manche Details nicht geklärt werden oder weiterhin nicht zusammenpassen, erweckt den Eindruck, der Autor selbst hätte die Geschichte nicht zu Ende gedacht und selbst keine Ahnung, wie er alles, was er kunstvoll erdacht hat, entwirren könnte. Ich kann meist gut damit leben, wenn in einem Buch nicht alles restlos geklärt wird – bis zu einem bestimmten Grad. Hier empfand ich den Teil, der offen bleibt und unter „unklarer Erinnerungen der Beteiligten“ einsortiert wird, einfach zu groß.

Bewertung vom 18.05.2017
Schlaflied / Olivia Rönning & Tom Stilton Bd.4
Börjlind, Cilla; Börjlind, Rolf

Schlaflied / Olivia Rönning & Tom Stilton Bd.4


ausgezeichnet

Dieser sehr umfangreiche, 570+ Seiten starke Schweden-Krimi weiß wie viele seiner Art zu überzeugen. Die Autoren finden die richtige Mischung aus Spannung, Grausamkeiten, Nebenschauplätzen, Zwischenmenschlichem und berührenden Momenten. Die Geschichte um ermordete Jugendliche, die auch die Flüchtlingsproblematik in Schweden thematisiert, zieht den Leser so sehr in den Bann, dass am Ende die Einleitung schon vergessen ist. So erzeugen die letzten Sätze noch einmal einen ganz eignen Schmunzler.

Zu Beginn kommen in schneller Folge sehr viele Personen und Schauplätze vor, was ein bisschen verwirrend sein kann. Aber nach und nach kristallisiert sich heraus, was wichtig ist und wer nun mit wem wie in Verbindung steht. Wie eine für die Polizei glückliche Fügung scheint es manchmal zu sein, wenn klar wird, dass ausgerechnet die Freundin des spontan angeheuerten Exkommissar Tom Stilton ein Flüchtlingsmädchen getroffen hat, dessen Bruder in den Fall verwickelt ist, den die Truppe um Mette Olsäter, Olivia Rönning und ihren Kollegen Lisa und Bosse zu lösen versuchen.
Aber der Plot ist so elegant gesponnen, dass das nicht weiter stört. Er führt die Ermittler durch Stockholm, das Umland und bis nach Bukarest. Nach und nach entdecken sie, was hinter den Morden steckt und warum ausgerechnet jene Jugendliche ihr Leben lassen mussten. Macht und Geld sind keine überraschenden Motive, doch auch das trübt den Krimi-Lesegenuss hier nicht.

„Schlaflied“ ist der vierte Teil einer Reihe um Tom und Olivia.

Bewertung vom 07.05.2017
Der Näher / Martin Abel Bd.3
Löffler, Rainer

Der Näher / Martin Abel Bd.3


sehr gut

Ein äußerst seltenes medizinisches Ereignis inspirierte Rainer Löffler wohl zu diesem Thriller, in dem er tief in die kranke Psyche des Täters eintaucht. Dieser terrorisiert die Gegend um den deutschen Ort Gummersbach. Immer wieder verschwinden Frauen und tauchen nicht mehr auf, geklärt werden diese Fälle von der örtlichen Polizei nie. Fallanalytiker Martin Abel wird dorthin zwangsversetzt, um die „einfachen“ Fälle zu klären oder Däumchen zu drehen. Wie nicht anders zu erwarten, findet er zufällig eine der vermissten Frauen. Doch die Leiche ist nicht alleine.
Teilweise verstörend und bizarr ist dieser Thriller, wenn abseits der Ermittlungen auch der Täter zu Wort kommt, näher beleuchtet wird. „Verstehen“, wie er so wurde, wie er aktuell ist, kann wohl niemand wirklich. Die Enthüllung seiner Identität überrascht, hatte doch nicht einmal Abel alles erkannt. Dieser Überraschungseffekt am Ende täuscht auch über den einen oder anderen groben Zufall und die doch sehr grausamen Schilderungen aus dem Leben des „Nähers“ hinweg.
Wer sich von Nebenhandlungen, die nicht notwendig gewesen wären und offensichtlichen falschen Fährten nicht gestört fühlt, darf sich mit diesem Psychothriller auf der sicheren Seite wissen und den Nervenkitzel auch voll auskosten. Mit Spannung weiß der Autor umzugehen, die bleibt das ganze Buch über hoch und kann auch nicht durch sehr blutige Passagen gemildert werden.

Bewertung vom 03.05.2017
Spreewaldtod / Klaudia Wagner Bd.2
Dieckerhoff, Christiane

Spreewaldtod / Klaudia Wagner Bd.2


sehr gut

Noch stärker als im Vorgängerband „Spreewaldgrab“ betont die Autorin hier den Lokalkolorit. Die Leiche eines jungen Mannes wird aus dem Fließ gefischt. Im Spreewald herrscht Hochsommer, die Bauern ernten ihre Gurken und stellen dazu Erntehelfer aus dem Osten ein. Der Tote war einer von ihnen. Es entwickelt sich ein Krimi um Familienbande, Eitelkeiten und Geheimnisse aus der Vergangenheit.

Auch in diesem Band ermittelt wieder Klaudia Wagner, nun nicht mehr ganz „die Neue“ auf ihrer Dienststelle. Doch es ergeben sich andere Hindernisse. Ihr Kollege Thang, der in dieser Geschichte erst gegen Ende eine interessante Rolle einnimmt, fehlt ebenso wie einige andere Kollegen, weshalb Klaudia mit ihrem erklärten Erzfeind zusammengespannt wird. Der Fall entwickelt sich langsam, aber stetig und birgt neben Spannung auch zahlreiche Fettnäpfchen für alle Beteiligten. Viele vom ersten Band liebgewordene, schrullige Charaktere tauchen wieder auf, viele kommen mit den Nachwirkungen von Klaudias erstem Fall weniger gut zurecht, was viel Raum für verschiedenste private Probleme öffnet. Auch wenn diese realistisch eingebaut sind, wirkt es dennoch ein bisschen viel und lenkt auch vom Krimigeschehen ab.

Wen die persönlichen Befindlichkeiten und ihre starken Auswirkungen auf die Handlung nicht stören, der erlebt einen sehr interessanten, kurzweiligen Lokalkrimi, der am Ende mit unerwarteter Dramatik aufwarten kann. Obwohl man die Geschichten voneinander unabhängig lesen und verstehen kann, ist es sicher empfehlenswert, den Vorgänger ebenfalls zu lesen, um die diversen privaten Anspielungen und Probleme besser einordnen zu können – und wohl auch einen Tick weniger störend zu empfinden.

Bewertung vom 03.05.2017
Glücksmädchen / Ellen Tamm Bd.1
Bley, Mikaela

Glücksmädchen / Ellen Tamm Bd.1


gut

Das Rätsel um das Verschwinden der achtjährigen Lycke soll aufgeklärt werden. Zwar arbeitet die Stockholmer Polizei daran, doch eine persönlich stark betroffene Fernsehjournalistin und ihr Team setzen ebenfalls alles daran, sie zu finden. Und die besten Sendequoten zu haben.

Das liest sich raffgieriger als die Szenen sich im Buch darstellen, doch der journalistische Konflikt wird schon thematisiert. Das ist gut und wichtig, sind wir als Konsumenten doch medial beinahe täglich von ähnlich traurigen Geschichten umgeben. Wir müssen uns auch immer fragen, wieviel Voyeur in uns steckt und wie viel Sensationslust noch in Ordnung geht.

Auch wenn der Fall um Lycke letztendlich sehr tragisch ist, gerät er hier leider dennoch ein wenig in den Hintergrund. Die zwischenmenschlichen Probleme nehmen in diesem „Psychothriller“, der für mich eher ein Krimi ist, sehr viel Raum ein. Da sind die Probleme innerhalb der Familie des Mädchens, der Scheidungskrieg der Eltern, die aktuelle Situation der trauernden Eltern. Dies ist noch nachvollziehbar und für die Geschichte nicht ganz unwichtig.

Zusätzlichen seelischen Ballast liefern Ellen Tamm, besagte Journalistin, ihr Vorgesetzter Jimmy und diverse Arbeitskollegen. Auch der Sprecher der Polizei, Ove, mit dem Ellen scheinbar gut auskommt, ist nicht ganz koscher. Ein interessanter Kniff ist, dass die gesamte Geschichte immer die Frauen in den Vordergrund rückt. Nach ihnen sind die einzelnen Abschnitte benannt, ihre Sicht der Dinge wird thematisiert. Vielleicht ist das Buch auch deshalb an manchen Stellen für einen „Psychothriller“ ein bisschen sehr gefühlsduselig. (Und das sage ich als Frau.)

Alles in allem ein nett konstruierter Fall mit mehreren falschen Fährten, einer unbeirrbaren Hauptfigur und einem Ende, das man erahnen kann, aber nicht muss. Leider gibt es zu viele Nebengeräusche, bei denen „weniger ist mehr“ wohl besser gewesen wäre.

Bewertung vom 27.04.2017
Sein blutiges Projekt
Burnet, Graeme Macrae

Sein blutiges Projekt


sehr gut

Vorsicht, dieses Buch sollte man nicht mit falschen Erwartungen lesen, um es genießen und schätzen zu können. Wer sich einen klassischen fiktiven Thriller oder Ermittlungsarbeit erwartet, wird hier enttäuscht. Der Autor fügt reale Ereignisse, die vor rund 150 Jahren in Schottland stattgefunden haben, zu einem ausführlichen Protokoll zusammen, die er mit fiktiven Personen und einigen eigenen literarischen Ideen zusammenfügt. So ergibt sich eine ganz besondere Geschichte rund um einen Teenager, dessen Familie in ärmlichen Verhältnissen lebt und die als arme Bauern mehreren Herrschaften unterstellt sind.
Im Heimatdorf dieses Teenagers, Roderick Macrae, geschehen drei bestialische Morde. Der Autor, Graeme Macrae Burnet (ob irgendwie verwandt oder einfach nur zufällige Namensgleichheit wird nicht angesprochen), lässt den Leser mit auf Spurensuche gehen, wie es denn zu den Taten kam, die Roderick angelastet werden. Im Gefängnis schreibt dieser ein Manuskript, gewissermaßen eine Autobiografie und zusammen mit den Augenzeugenberichten von damals und den Prozessakten leben die Beteiligten und die Ereignisse von damals wieder auf.
Auch wenn, besonders im Prozess-Abschnitt, sehr viel immer wiederholt wird und die Geschichte dadurch schon etwas langatmig wirkt, ist die Idee und die Umsetzung doch sehr besonders und eine ganz eigene Herangehensweise. Realität und Fiktion ergänzen sich so gut, dass man sie nicht unterscheiden kann (der Autor erklärt aber, was von ihm stammt) und so wie sich die Geschichte liest, kann sie sich wohl tatsächlich ereignet haben.

Als „Thriller“ würde ich das Buch nicht bezeichnen, dazu ist die Spannung doch eine ganz andere, denn sie ergibt sich nicht aus einer Tätersuche oder grausigen Andeutungen. Spannend ist vielmehr zu sehen, wie damals, 1869, die Menschen im schottischen Hochland gelebt haben. Zudem erfährt man wie Disziplinen, die uns heute bei der Verbrechensaufklärung selbstverständlich erscheinen, damals erst in ihren Anfängen steckten und auch noch teilweise sehr abstruse Theorie vertreten wurden, als es darum geht, ob ein Täter denn nun zurechnungsfähig ist oder nicht.
Zusätzlich birgt dieser Roman die Möglichkeit, die eigenen Grundsätze und Moralvorstellungen zu prüfen. Wie hätte ich in dem Prozess entschieden? Was hätte ich an Rodericks Stelle getan? Was ist nötig, um Machtmissbrauch beweisen zu können? Somit bleibt das Buch auch nach dem Ende im Gedächtnis und macht durchaus nachdenklich.

Bewertung vom 01.04.2017
Fastenopfer / Kommissar Max Kramer & Nonne Maria Evita Bd.2
Leiss-Huber, Anton

Fastenopfer / Kommissar Max Kramer & Nonne Maria Evita Bd.2


sehr gut

So wie Bücher gewissermaßen die Handschrift ihres Autors tragen (auch wenn ja schon lange alles gedruckt wird), so tragen – wie erfahrene Krimileser wissen – auch Morde immer die Handschrift des Mörders. Dies macht sich der Autor hier trefflich zunutze, als er einen etwas skurrilen Mord in eine sonst doch eher beschauliche Kleinstadt im Allgäu platziert.

In Altötting passiert diese Tat, der Verwalter des „Tilly-Benefiziums“, einer Stiftung, wird erstochen in der Kapelladministration, seinem eigenen Büro, gefunden. Nicht nur bei Morden ist Anton Leiss-Huber kreativ, auch was die Figuren in seinem Lokalkrimi angeht: der Tote hieß Rainer Schutt-Novotny. Und obwohl doch gerade Fastenzeit ist, hat er wahrscheinlich eine ordentliche Henkersmahlzeit genossen. Bis auf Geistliche interessiert sich im Ort aber ohnehin niemand so genau für das Fastengebot.

Doch nicht nur Schutt-Novotny und seine Ablebensumstände sind eigen, auch der ermittelnde Kommissar Max Kramer ist ein leicht skurriler Charakter, seinem doch relativ langweiligen Namen zum Trotz. Er frönt der Leberkäsesemmel und seine ehemalige Liebe, die Novizin Maria Evita, kann von Schokolade nicht genug bekommen. Inoffiziell natürlich. Ebenso inoffiziell ermittelt sie an Max‘ Seite.
Leiss-Huber schafft es, seinen Humor durch das ganze Buch hindurch zu halten und rutscht nicht in „halb-lustige Erzählerei“ ab, was leider auch oft passiert, wenn ein Regionalkrimi lustig sein soll.
Zudem war ich selbst schon öfter in Altötting, was hier zum Lesegenuss auf jeden Fall beiträgt. „Fastenopfer“ macht unbedingt Lust auf seinen Vorgängerband, „Gnadenort“.

Bewertung vom 19.03.2017
Gefährliche Empfehlungen / Xavier Kieffer Bd.5
Hillenbrand, Tom

Gefährliche Empfehlungen / Xavier Kieffer Bd.5


sehr gut

Auch wenn Essen in ausreichendem Maß in diesem Krimi Verwendung findet, so ist das zentrale Thema, worum sich Xavier Kieffers Ermittlungen drehen, nicht zum Verzehr geeignet. Der berühmte Restaurant-Guide „Gabin“ trägt offenbar ein jahrzehntealtes Geheimnis mit sich herum, das nun plötzlich wieder aktuell zu sein scheint. Dieses Buch mit dem kobaltblauen Einband spielte schon vor und im Zweiten Weltkrieg eine größere Rolle als man vermuten könnte und das obwohl es zu Kriegszeiten natürlich nicht erscheinen konnte.
Ausgerechnet auf der großen prunkvollen Eröffnungsfeier eines neuen Gabin-Gebäudes, das Kieffers Freundin Valérie Gabin, herrichten ließ, nehmen die Ereignisse ihren Lauf und der Koch muss nun nicht nur ein Buch sondern auch noch das Geheimnis finden. Dabei trachten ihm scheinbar sehr gewiefte Gegner nach dem Leben. Kieffers Reisen führen quer durch Luxemburg und Frankreich bis sie in einem etwas skurrilen Showdown zwischen ihm, den „Guten“ und den „Bösen“ gipfelt. Wobei Gut und Böse gar nicht so weit auseinanderliegen.
Neben der „Jagd ums Buch“ kommt aber auch der Magen nicht zu kurz und ein paar interessante Einblicke in die Luxemburger Küche sowie Sprache sind sowohl spannend als auch herausfordernd. Praktisch ist da das Glossar am Ende des Buches.
Stichwort Sprache: Unauffällig und gewandt geleitet Hillenbrand den Leser durch die Gassen und Städte. Eine Prise Humor an den richtigen Stellen sowie Dialoge, über die man noch länger schmunzelt, inklusive.
Xavier Kieffer ist für mich eine oft vom Glück geküsste Hauptfigur, die ansonsten um einiges ärmer dran wäre. Nicht nur, dass er immer wieder seine Haut retten kann, ist er doch auch mit der fabelhaften Valérie liiert, die, wie er sich selbst denkt, ja viel interessantere Partner haben könnte. Zudem trinkt er gerne (viel) Wein, Bier und luxemburgischen Schnaps und noch lieber raucht er eine Zigarette nach der anderen. Es stellt sich passenderweise heraus, dass das neben den gesundheitlichen auch noch andere Nachteile hat…

Bewertung vom 05.03.2017
Minus 18 Grad / Fabian Risk Bd.3
Ahnhem, Stefan

Minus 18 Grad / Fabian Risk Bd.3


sehr gut

Achtung! Dieser Krimi mit viel Thrill ist ebenso fesselnd wie möglichweise verwirrend. Gerade zu Beginn ist es noch schwer, die schwedischen Ermittler von den dänischen zu unterscheiden, sind erstere doch für Helsingborg und letztere für Helsingör zuständig.
Hat man da erst einmal alle Charaktere kennengelernt und die Handlungsstränge zuggeordnet, wird es richtig spannend. In Dänemark treiben sich skrupellose Jugendliche herum, die auch über Leichen gehen und auf dem schwedischen Festland fährt ein Toter mit seinem Wagen ins Hafenbecken. So verrückt dies und all die weiteren Vorkommnisse (mehrere Leichen inklusive) klingen, Fabian Risk und seine Kollegen entdecken, wie der Serientäter dies gemacht haben kann und nun beginnt ein Wettlauf um die nächsten potentiellen Opfer.
Meist sieht es für die Ermittler schlecht aus, denn obwohl sie vieles wissen, fehlen ihnen entscheidende Puzzleteile (und manchmal auch das nötige Bisschen Glück) und sie kommen zu spät. Ähnlich Dunja Hougaard, ebenso ehrgeizige wie undiplomatische Polizistin in Helsingör: Aus einer scheinbar einfachen Befragung einer blutüberströmten verwirrten Frau entwickelt sich eine zähe Ermittlung, die noch dazu von innerhalb ihrer eigenen Behörde sabotiert wird. Zu viele unnachgiebige und hitzige Köpfe prallen aufeinander, Eitelkeiten stehen im Fokus.
Auch wenn manches in diesem mehr als 550 Seiten starken Krimi zu schlecht für die „Guten“ und sehr glücklich für die „Bösen“ läuft, so ist das Buch dennoch über weite Strecken realistisch und sehr sehr fesselnd. Zwischendurch kommt einem schon einmal der Gedanke „Ach schon wieder jemand tot?“, aber nach rund der Hälfte der Lektüre ist man dann schon so abgehärtet wie Risk und Hougaard. Was nicht bedeutet, dass es ab dann keine überraschenden Wendungen mehr gibt, beileibe nicht.
Wer bei einer großen Zahl vielschichtiger Protagonisten leicht den Überblick verliert, hat mit „Minus 18°“ vielleicht weniger Freude, aber Krimi- und Thrillerfans, die über kleine „handlungsunterstützende Zufälle“ hinwegsehen können, werden mit diesem Pageturner viele unterhaltsame Stunden verbringen. Um am Ende gleich in den Beginn des nächsten Bandes hineinzugleiten…