Benutzername: Winfried Stanzick
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Bewertungen

Insgesamt 1871 Bewertungen
Bewertung vom 23.06.2017
Deutschland schlafft ab
Zinn, Sara

Deutschland schlafft ab


ausgezeichnet

Sara Zinn, Deutschland schlafft ab, Riva 2010, 260 Seiten, ISBN 978-3-86883-128-3

So kann man mit den Thesen Sarrazins auch umgehen: frech, provokant und hintersinnig, voller Humor versucht Sara Zinn (der Name ist natürlich ein Pseudonym) „ die besten Vorurteile und jede Menge unnützes Halbwissen“ zusammenzutragen und so den Leser dafür zu rüsten, jede Stammtischdebatte zu gewinnen.

Manches ist genial, anderes dagegen eher flach und aufgelistet, um Menge zu machen und das Buch anschwellen zu lassen. Ein Buch, das auf den ersten Blick tatsächlich so aussieht wie Thilo Sarrazins Bestseller.

Sara Zinn ist nach eigenen Angaben 1973 in Nürnberg geboren und eine „Ahnin einer ostgotischen Germanin und eines römischen Bajuwaren-ranken, also eine Deutsche mit deutschem Migrationshintergrund“. Auf diese flapsigen Weise ist das ganze Buch formuliert, von ich sagen muss, weniger wäre mehr gewesen.

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Bewertung vom 23.06.2017
Meehr!!
Schössow, Peter

Meehr!!


ausgezeichnet

Peter Schössow, Meehr!!, Hanser 2010, 32 Seiten, ISBN 978-3-446-23468-0


Bis auf einen kurzen Satz auf der letzten Seite kommt der Bilderbuchautor Peter Schössow in seinem neuen Buch völlig ohne Worte aus. Mit zauberhaften und gleichwohl dramatischen und sich von Seite zu Seite steigernden Bilder erzählt er die Geschichte eines Mannes, der eigentlich nur am Strand spazieren gehen wollte, als ihn ein Sturm überrascht, dessen Wind ihn irgendwann fortweht. Bis hinauf in die Wolken geht die Reise, die dem Mann, nachdem der erste Schreck überwunden ist, sichtlich Freude macht.

Er kann fliegen wie ein Vogel. Ein Traum, den jeder Mensch irgendwann einmal träumt, geht für ihn in Erfüllung.

Ein wunderbares und ausdruckstarkes Bilderbuch.

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Bewertung vom 23.06.2017
ora @ labora
Henckel Donnersmarck, Gregor; Grohmann, Judith

ora @ labora


ausgezeichnet

Abt Gregor Henckel Donnersmarck, ora @ labora, Residenz 2010, 214 Seiten, ISBN 978-27017-3161-9


In einem langen Gespräch mit dem Abt des Stiftes Heiligenkreuz Gregor Henckel Donnersmarck hat die Journalistin Judith Grohmann dem Benediktiner, der schon viele theologische und spirituelle Bücher veröffentlicht hat, nicht nur die in Fragen gefassten Stichworte für seine Ausführungen gegeben, sondern mit ihren klugen und zum Teil provokanten Nachfragen ihn zu genaueren Erklärungen genötigt.

Herausgekommen ist ein Buch nicht nur über die Regeln und die Theologie der Benediktiner, sondern spannende und faszinierende Texte über „Gott und die Welt und das Paradies auf Erden“.

Das Buch ist eine wunderbare Einladung zu einem zeitgemäßen christlichen Glauben und gerade für Zweifler und Suchende zu empfehlen.

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Bewertung vom 23.06.2017
Lied für eine geliebte Frau
Orsenna, Érik

Lied für eine geliebte Frau


ausgezeichnet

Erik Orsenna, Lied für eine geliebte Frau, C. H. Beck 2010, 153 Seiten, ISBN 978-3-406-60617-5

Erik Orsenna ist ein französischer Intellektueller, der viel in der Welt herumgekommen und in der französischen Politik als zeitweiliger Redenschreiber von Mitterand zu hohen Positionen gelangt ist. Einiges aus dieser Zeit plaudert sein Alter Ego in dem vorliegenden Roman auch aus. Doch das steht nicht im Zentrum eines Textes, der sich auf eine literarisch dichte und leidenschaftliche Weise, wie man es selten vorher gelesen hat, mit der Trauer um eine Frau befasst, die einzige Frau in seinem Leben, die er wirklich und wahrhaft geliebt hat.

Sein jüngerer Bruder hat früh geheiratet und redet immer wieder von seiner Frau als seiner „einzigen Liebe“. Der jüngere Bruder wirft dem älteren immer wieder vor, oberflächlich zu sein, wenn der, nach wenigen Monaten nur, schon wieder eine neue Frau zu den Einladungen der Familie des verheirateten Bruders mitbringt. Der verteidigt sich, obwohl er, was zwischen den Zeilen deutlich wird, in seinem Inneren spürt, dass sein Leben, seine Unruhe und Unrast so etwas wie eine uneingestandene Angst davor sind, sich wirklich liebend auf eine Frau einzulassen.

Doch eines Tages begegnet auch er seiner großen, „einzigen“ Liebe. Doch bald erkrankt die wunderbare Frau und nach nur vier gemeinsamen Jahren, zum Schluss geprägt durch hektisches und angstvolles, letztlich aber vergebliches Suchen nach einer medizinischen Lösung, stirbt sie.
„Welches Bild von ihr kann ich für immer in mir bewahren, welches Bild, das niemand mir nehmen kann, nicht einmal das Leben, das weitergeht?“
So fragt er sich und seine Leser schon am Beginn des Buches und macht sich dann, nachdem er seinen familiären Hintergrund und sein Verhältnis zu dem jüngeren Bruder, dem mit der einzigen Liebe, erklärt hat, auf die Suche nach der Verstorbenen. Er weigert sich, den Rat der traditionellen Trauerarbeit anzunehmen und loszulassen. Er sucht nach Wegen, weiterhin mit seiner wahrhaft geliebten Frau zu leben. Als gebildeter Mensch befragt er antike Mythen (Orpheus und Eurydike), das tibetanische Totenbuch, Mediziner, Philosophen und Physiker und die Religionen auf der Suche nach einer Antwort.

Und er erlebt auf eine den Leser bewegende Weise, dass, je mehr er die Geliebte sucht, auch die Nähe zu ihr wieder größer wird und ganz neu entsteht.

Orsennas Roman ist ein Buch über den Zauber der Liebe, ein überzeugendes und ehrliches Stück Autobiographie und ein erschütterndes Zeugnis großer Trauer über einen verloren geglaubten Mensch.

Orsenna ist als Romancier ganz nah an der Erkenntnis, die insbesondere der Psychotherapeut Roland Kachler in den letzten Jahren in vielen Büchern formuliert hat, nachdem er sich nach dem Tod eines Sohnes an der von Freud schon formulierten Prämisse der Trauerarbeit , dem „Loslassen“ abgearbeitet hatte. Er spricht immer wieder davon, dass die Liebe zu dem Verstorbenen eben nicht losgelassen zu werden braucht, denn sie ist das tragende Element, das aus der Trauer heraus führt und eine dauernde Verbindung zu dem Verstorbenen aufrecht erhält, ohne dass die das weitere Leben des Trauernden behindern, einschränken oder verunmöglichen würde.

Erik Orsenna findet das auf seine Weise heraus. Er kann seine einzige und wahre Liebe bei sich behalten und sich dennoch dem Leben und auch der Liebe wieder öffnen. Mich hat das Buch sehr bewegt und mich daran erinnert, jeden Tag mit meiner einzigen Liebe zu schätzen und bewusst zu leben. Nichts, auch nicht dereinst der Tod wird mir das jemals nehmen können.

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Bewertung vom 22.06.2017
Sexuelle Übergriffe unter Kindern
Freund, Ulli; Riedel-Breidenstein, Dagmar

Sexuelle Übergriffe unter Kindern


ausgezeichnet

Ulli Freund, Sexuelle Übergriffe unter Kindern, mebes & noack 2014, ISBN 978-3-927796-74-4

Das vorliegende Handbuch zur Prävention und Intervention bei sexuellen Übergriffen unter Kindern erscheint nun schon in der sechsten Auflage und ist seit seiner ersten Veröffentlichung im Jahre 2006 bei vielen Einrichtungen für Kinder, Erzieherinnen und Erziehern und deren Beratern als fundiertes Informations- und Interventionsmedium nicht ehr wegzudenken.

Nach einem für alle Erzieher lesenswerten Einführungskapitel über die Grundlagen der kindlichen Sexualität und der Sexualerziehung, das zu den Grundlagen aller in der kindlichen Früherziehung Tätigen gehören sollte, geht es im Hauptkapitel um die verschiedenen Erscheinungsformen von sexuellen Übergriffen unter Kindern, ihre Abgrenzung und Tabuisierung, und darum, wie man solche Übergriffe überhaupt erkennt und einordnet.
Mögliche Folgen für das betroffene Kind werden diskutiert und Ursachen und Erklärungsansätze beschrieben.

In einem abschließenden Kapitel geht es um den fachlichen Umgang mit sexuellen Übergriffen unter Kindern, Leitlinien für einen fachlichen Umgang werden benannt, die Bedürfnisse der Kinder erklärt.

Sehr wichtig scheint mir der letzte Abschnitt, wo es um die Kommunikation und die Kooperation unter Erwachsenen geht, zunächst die Verantwortung der KollegInnen, dann die der Leitungsebene und dann die Bedeutung der Eltern im Spannungsfeld zwischen Identifikation und Abwehr.

Ein nach wie vor unerlässliches Sachbuch für die alltägliche Praxis in der Arbeit mit Kindern.

2 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 22.06.2017
Über Bord (DuMont True Tales )
Tough, Paul

Über Bord (DuMont True Tales )


ausgezeichnet

Paul Tough, Über Bord. Ein Überlebenskampf auf offenem Meer, Dumont Reiseverlag 2017, ISBN 978-3-7701-6971-9

Eine neue Reihe mit dem Titel „True Tales“ , wahre Geschichten, bietet der Dumont Reiseverlag in diesem Sommer all jenen an, die gerne Abenteuer- und Reisegeschichten lesen, dabei aber keine großen Wälzer mögen sondern Spaß haben an einer kurzen, spannenden und vor allen Dingen wahren Geschichte, die sie mitnimmt in die große weite Welt.

In dem vorliegenden Band, wie alle anderen etwa 80 Seiten mit vielen Bilder und Fotografien umfassend, erzählt der in Montauk in den USA lebenden Reporter Paul Tough die abenteuerliche Geschichte des Fischers John Aldridge aus Montauk, der mitten in der Nacht im Nordatlantik durch eine unbedachte Bewegung aus seinem Bott „Anna Mary“ stürzt, und ohne eine Schwimmweste oder Notsignal wunderbarerweise überlebt.

Welche Rolle dabei seine Gummistiefel spielten, können Sie in diesem spannend erzählten Buch nachlesen, für das Pual Tough lange mit John Aldridge gesprochen hat.

2 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 22.06.2017
Tod im Paradies (DuMont True Tales)
Vlahos, James

Tod im Paradies (DuMont True Tales)


ausgezeichnet

James Vlahos, Tod im Paradies. Das Geheimnis eines Südseemordes, Dumont Reiseverlag 2017, ISBN 978-3-7701-6975-7

Eine neue Reihe mit dem Titel „True Tales“ , wahre Geschichten, bietet der Dumont Reiseverlag in diesem Sommer all jenen an, die gerne Abenteuer- und Reisegeschichten lesen, dabei aber keine großen Wälzer mögen sondern Spaß haben an einer kurzen, spannenden und vor allen Dingen wahren Geschichte, die sie mitnimmt in die große weite Welt.

In dem vorliegenden Band, wie alle anderen etwa 80 Seiten mit vielen Bilder und Fotografien umfassend, erzählt der kalifornische Autor James Vlahos die Geschichte, wie auf der Südseeinsel Nuku Hiva ein deutscher Weltumsegler auf mysteriöse Weise ermordet wird. Während die Ermittler keinen Schritt vorankommen, reist James Vlahos auf die Insel, befragt Angehörige und die Freude des mutmaßlichen Täters. Und er deckt die Tat auf.

2 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 22.06.2017
The Germans
Wichert, Silke; Zywietz, Nina

The Germans


ausgezeichnet

Silke Wichert, Nina Zywietz, The Germans. Stil und Ikonen einer Nation, Te Neues 20167, ISBN 978-3-8327-6903-1

Was ist eigentlich typisch Deutsch? Gibt es einen für unser Land besonderen Stil in den Bereichen Wohnen, Essen, Kleidung, Musik und Sport? Und was wäre das Besondere daran? Was ist eigentlich deutscher Stil und wie unterscheidet er sich etwa vom britischen oder französischen, wo von Stilfragen zu reden seit jeher ganz normal ist.
Wie sieht er aus, wer hat ihn geprägt, früher und heute? Warum kleiden sich die Deutschen, wie sie sich kleiden? Warum lieben sie praktische Dinge mit Funktion? Warum konnten das Bauhaus, Techno oder die Raufasertapete nur hier entstehen?
Zahlreiche Essays und Experten¬interviews u. a. mit der Mode-historikerin Barbara Vinken geben in diesem kulturhistorisch interessanten Buch darüber Aufschluss. Ikonen einer Nation nehmen den Leser mit auf eine Bilderreise durch die neuere deutsche Stil-geschichte. Man trifft Personen wie Boris Becker und Steffi Graf, Hans-Dietrich Genscher und seinen gelben Pullunder, Claudia Schiffer, Marlene Dietrich, Nena und Gloria von Thurn und Taxis. Mit Kurzporträts, Rückblenden und Interviews wird an deutsche Ikonen, die für einen bestimmten Stil stehen oder standen, erinnert. Am Ende sieht man deutlich, dass die Deutschen häufig viel besser sind als ihr Ruf und ihr präzises Bestreben um Natürlichkeit durchaus eine sehr eigene Ästhetik geprägt hat.

2 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 22.06.2017
Gehirn, Motivation, Beziehung - Ressourcen in der Schule
Hubrig, Christa

Gehirn, Motivation, Beziehung - Ressourcen in der Schule


ausgezeichnet

Christa Hubrig, Gehirn, Motivation, Beziehung – Ressourcen in der Schule, Carl Auer 2010, 320 Seiten, ISBN 978-3-89670-729-1

Die Zielsetzung dieses wichtigen Buches ist es, das systemische Denken und den systemischen Theorieansatz in der Schule zu implementieren. Wichtig dabei ist es vor allen Dingen, dass viele Lehrer sich überzeugen lassen davon, dass sie durch „systemisches Handeln in Unterricht und Beratung“ nicht nur die eigene Rolle und Person bewusst reflektieren und erkennen, dass sie das A und O ihres erfolgreichen pädagogischen Wirkens darstellt, sondern auch ihr Gegenüber, die Schüler und ihre Familiensysteme besser in den Blick bekommen.

Das Buch bietet nicht nur eine profunden Einführung in die Systemtheorie, sondern auch einen Überblick über den gegenwärtigen Stand der neurobiologischen Forschungen und ihre möglichen Auswirklungen auf die Pädagogik und das System Schule.

Der Rezensent drückt die Hoffnung aus, dass die von ihm selbst schon vor langer Zeit in der Beratung von kirchlichen Organisationen und Teams genutzte Theorie und Praxis auch in der Schule Einzug hält, in die sein Sohn nun als Siebenjähriger eingeschult worden ist.

2 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 22.06.2017
Die Brücke
Janisch, Heinz; Bansch, Helga

Die Brücke


ausgezeichnet

Heinz Janisch/ Helga Bansch, Die Brücke, Jungbrunnen 2010, 32 Seiten, ISBN 978-3-7026-5819-9


Schon viele wunderbare, tiefsinnige wie humorvolle Bilderbücher haben die beiden schon zusammen gemacht, der Schriftsteller Heinz Janisch und die Künstlerin Helga Bansch.

Das neue, unter dem Titel „Die Brücke“ bei Jungbrunnen in Wien veröffentlichte Buch handelt von einem Konflikt, bei dem jeder auf seiner Position besteht und nicht nachgeben will, und dem immer wieder erstaunlichen Phänomen, dass es Wege zur Konfliktlösung geben kann, an die vorher niemand zu denken gewagt hätte.

Der Text beginnt geheimnisvoll und zieht Vorleser und zuhörendes Kind sofort in seinen Bann: „Der Fluss kennt viele Geschichten. Er kennt auch die Geschichte von der großen Brücke…“

Auf dieser einfachen Hängebrücke begegnen sich eines Tages ein Bär und ein Riese, denen man schon von vornherein unterstellt, dass sie ihren Willen durchsetzen werden. Sie wollen beide die Brücke überqueren und gehen aufeinander zu. Schon hier sieht man die Brücke im Geist herunter krachen - klar ist auf jeden Fall, auf dem schmalen Steg werden sie nicht aneinander vorbeikommen. Und dann beginnt das übliche verbale Gerangel, bei dem jeder seinen Willen deutlich macht und darauf besteht der erste sein zu müssen.

Das geht so eine ganze Zeit, bis die Brücke gefährlich zu schaukeln beginnt und beide es uneingestandenerweise mit der Angst zu tun bekommen. Und sie kommen auf eine geniale, fantasievolle und schöne Idee …


Ein wunderbares Bilderbuch über Konflikt, Kompromiss und die Weisheit des Nachgebens.

2 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.