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Into the Water - Traue keinem. Auch nicht dir selbst.
Hawkins, Paula
EUR 14,99
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Into the Water - Traue keinem. Auch nicht dir selbst.

Ertrunkene Wahrheiten

Paula Hawkins legt den Nachfolger ihres Weltbestsellers "Girl on the Train" vor - eine schaurige und packende Geschichte, die bis ins Zeitalter der Hexen zurückreicht.

Drowning Pool, so nennen sie diese Stelle am Fluss, die Einwohner der beschaulichen Kleinstadt Beckford, die sich im Norden Englands befindet. Seit dem 17. Jahrhundert wurden dort Frauen ertränkt, die man der Hexerei beschuldigte. Mit solch einer grausamen Ertränkungsszene beginnt der neue Thriller der britischen Autorin Paula Hawkins, der mit "Girl on the Train" ein internationaler Bestseller gelang. Der Roman verkaufte sich weltweit zwanzig Millionen Mal und wurde in vierzig Sprachen übersetzt. Nun, zwei Jahre nach diesem traumhaften Erfolg, erscheint bereits der Nachfolger: "Into the Water - Traue keinem. Auch nicht dir selbst." (blanvalet).

Der Auftakt des Buches, die erwähnte Szene einer Ertränkung, setzt die Akzente für eine Geschichte, die sich schleichend und albtraumhaft beim Leser eingräbt. Zu welcher Zeit - ob in der Vergangenheit oder in der Gegenwart - die Frau ermordet wird, bleibt unklar, aber klar ist sofort, dass ein böses Unheil über diesem Ort am Fluss und über dieser Stadt liegt.

"Ein total merkwürdiger Ort, dieses Beckford", sagt einer der Erzähler an einer Stelle des Buches. "Es ist schön hier, teilweise sogar atemberaubend, trotzdem ist es seltsam. Man fühlt sich hier wie losgelöst, abgeschnitten von allem rundum. Sicher, es liegt weitab vom Schuss. Man muss Stunden fahren, um in die Zivilisation zu gelangen."

Dort, wo die Zivilisation aufhört und das Unerklärliche, das Mystische beginnt, befindet sich bekanntlich ein guter Zwischenraum für schauerliche Geschichten und rätselhafte Tode. Von diesen gibt es zahlreiche in diesem Thriller, in dem wiederum Frauen die Hauptrolle übernehmen, Frauen, die Traumatisches erlebt haben, die gedemütigt oder misshandelt wurden, deren Psyche zahlreiche Narben und Wunden aufweist und die als Erzählerinnen deswegen unzuverlässig sind und den Leser somit austricksen, belügen und auf falsche Fährten locken. Es ist ein Trend in der zeitgenössischen Thrillerliteratur, der sich spätestens mit dem Welterfolg "Gone Girl" aus der Feder von Gillian Flynn durchgesetzt hat und der bereits in Stieg Larssons "Millenium"-Trilogie angelegt wurde. Da überrascht es nicht, dass Hawkins ihr neues Buch "allen unbequemen Frauen" widmet.

Julia ist eine dieser schwer durchschaubaren Erzählerinnen. Sie kehrt nach langer Abwesenheit in ihre Heimat zurück, mit der sie eine traumatische Erfahrung verbindet, die sich im Laufe der Geschichte herauskristallisiert. Ein Todesfall in ihrer Familie zwingt sie zu dieser Rückkehr. Ihre Schwester Danielle, von allen Nel genannt, ist im "Drowning Pool" zu Tode gekommen. Hat sie sich das Leben gekommen? Schließlich war sie fasziniert, ja, nahezu besessen von diesem unheimlichen Ort. Sie hatte sogar begonnen, ein Buch über diesen Pool des Todes zu schreiben. Ebendiese Nel taucht als Icherzählerin auf, wie auch ihr besagtes Buch, in dem sie ihre Motivation darlegt, der verstörenden Geschichte des "Drowning Pool" nachzugehen.

"In meinem Bemühen, mich selbst und meine Familie und meine Geschichten zu verstehen, die wir einander erzählen, kam ich irgendwann zu dem Schluss, dass ich versuchen sollte, Sinn in die Geschichten rund um Beckford zu bringen, all die letzten Augenblicke zu schildern, so wie ich sie mir vorstellte, die letzten Momente im Leben jener Frauen, die im Drowning Pool von Beckford ertranken."

Nel hinterlässt ihrer Schwester ihre fünfzehnjährige Tochter. Lena ist ein junger, aufmüpfiger Teen, der neben dem Tod seiner Mutter auch den Tod einer Freundin verarbeiten muss. Die starb ebenfalls am Fluss einen mysteriösen Tod. Insgesamt sind es elf Erzählerinnen und Erzähler, aus deren Perspektive Hawkins diese atemberaubend packende und spannende Geschichte entrollt, in der es um das geht, was Menschen verletzt und antreibt, was Gemeinschaften und Familien zusammenhält oder auseinanderreißt. Der Autorin gelingt es, wie schon im Vorgänger, eine überzeugende Struktur, eine originelle Geschichte und eine mitreißende Sprache zu einem literarischen Gesamtkunstwerk zu verweben, das in der höchsten Qualitätsklasse des Genres angesiedelt ist. Nach und nach kommen so schmerzhafte Verstrickungen und Wahrheiten an die Oberfläche wie die toten Körper, die in der Tiefe dieses schaurigen Pools liegen.

Paula Hawkins

Der lange Weg zum Erfolg

Die britische Autorin Paula Hawkins hat als Journalistin gearbeitet, bevor sie mit "Girl on the Train" zum Star der Thrillerszene wurde.

Es sei ihr letzter Würfelwurf gewesen. So beschreibt Paula Hawkins in Interviews immer wieder die Situation, in der sie sich befand, bevor ihr mit eben diesem Wurf der ganz große Erfolg gelang. Der Psychothriller "Girl on the Train", der 2015 erschien, entwickelte sich in Windeseile zu einem weltweiten Phänomen. Bis heute wurde er in mehr als 50 Länder verkauft und in über 40 Sprachen übersetzt. Die Gesamtauflage: über 20 Millionen. Die Hollywoodverfilmung mit Emily Blunt in der Rolle der alkoholkranken und im Mittelpunkt der Story stehenden Rachel Watson brachte dem trickreichen und spannungsgeladenen Roman 2016 einen weiteren Erfolgsschub.

Bis sich das Glück für die Schriftstellerin Hawkins, die 1972 als Tochter eines Wirtschaftsprofessors in Simbabwe (damals Rhodesien) geboren wurde, einstellte, dauerte es - wie schon erwähnt - eine ganze Weile. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaft, Philosophie und Wirtschaft in Oxford kam die Britin zur renommierten Londoner Tageszeitung The Times, wo sie vor allem über Themen aus der Finanzwelt schrieb. Danach arbeitete sie als freie Journalistin für zahlreiche Publikationen und Medien, für die sie Geschichten in der ganzen Welt recherchierte, beispielsweise über den Diamantenhandel. In ihrem ersten Buch "The Money Goddess" gab sie spezielle Finanztipps für Frauen. 15 Jahre lang arbeitete Hawkins als Journalistin. Zum Romanschreiben kam sie schließlich, als ein Verlag sie für die Idee begeisterte, unterhaltsame und komische Liebesromane zu verfassen. Allerdings waren die Bücher, die Hawkins unter dem Pseudonym Amy Silver veröffentlichte, nicht sonderlich erfolgreich. Von dem vierten Roman in dieser Reihe verkauften sich lediglich 1.000 Exemplare. Der erhoffte Durchbruch als Autorin blieb Silver/Hawkins versagt.

Hawkins lieh sich Geld von ihren Eltern, um ihr nächstes Projekt angehen zu können, mit dem sie in das Genre der sinistren psychologischen Thriller vorzustoßen gedachte. "Ich wollte es diesmal besser machen als mit den vorangegangenen Büchern", erklärt Hawkins. "Und ich habe in diesem Moment alles auf eine Karte gesetzt. Mir war klar, dass ich wieder als Journalistin arbeiten müsste, wenn mir der große Wurf nicht gelingen sollte." Aber er gelang, der große Wurf - mit einem hochambitionierten und komplexen Thriller, in dem die Autorin das Thema häusliche Gewalt gekonnt mit dem des Drogenmissbrauchs verwebt. Die ehrgeizige Frau, die ein Faible für Vintagekleidung hat und die wenig über ihr Privatleben preisgibt, stieß mit ihrem verstörenden Debüt sofort in die erste Liga der Thriller- und Krimimeister vor, von denen sie Tana French, Harriet Lane, Megan Abbott, Louise Welsh oder Kate Atkinson als ihre literarischen Vorbilder angibt. Dank ihres Überraschungserfolges wurde Hawkins im Jahr 2016 zu einer derbestbezahltenAutor(inn)en der Welt. Das Fachmagazin "Forbes" führt sie mit einer Jahreseinnahme von 10 Millionen US-Dollar auf Platz neun der Liste, direkt hinter Harry-Potter-Erfinderin J.K. Rowling.

Nun ist also der Nachfolger des sensationellen Debüts erschienen: "Into the Water". Wie die Autorin zu dem Thema des neuen Buches erklärt, habe sie interessiert, wie Kindheitserinnerungen die Identität formen und prägen und welche Bedeutung Familienbeziehungen für uns haben. Hawkins gibt aber auch zu, dass ihr die Arbeit an dem zweiten Thriller nicht so leicht gefallen sei. "Als ich meinen ersten Thriller schrieb, war ich noch nicht so bekannt", sagte sie in einem Interview. "Heute kennt mich die halbe Welt. Und da ist der Druck natürlich wesentlich höher." Die ersten Kritiken jedenfalls lassen keinen Zweifel daran, dass Hawkins wieder ein großartiges Buch gelungen ist.

Liebe Paula Hawkins, wollen Sie uns etwas aus Ihrem Leben erzählen?
Paula Hawkins: Ich bin in Simbabwe geboren und aufgewachsen und 1989 nach London gezogen. Dort beendete ich meine Schulausbildung und schrieb mich dann an der Oxford University ein, wo ich Politikwissenschaft, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften studierte. Nach Abschluss meines Studiums arbeitete ich als Wirtschaftsjournalistin, u.a. für The Times.

Warum haben Sie sich entschieden, Schriftstellerin zu werden?
Paula Hawkins: Ich habe immer schon gern Geschichten geschrieben, aber nie ernsthaft darüber nachgedacht, dies einmal zum Beruf zu machen. Es war eher ein Traum als etwas, was ich mir fest vorgenommen hätte. Ich bin Realistin, insofern kam mir eine Karriere als Autorin nie sonderlich vielversprechend vor. Als sich dann aber 2008 die Gelegenheit ergab, mich tatsächlich an einem Roman zu versuchen, habe ich die Chance ergriffen.

Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Romane?
Paula Hawkins: Aus den verschiedensten Begebenheiten: meiner eigenen Erfahrungswelt, aus Schilderungen von Freunden, aus den Nachrichten ... Die Welt steckt vollermehr