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Der Hirte / Fredrik Beier Bd.1
Johnsrud, Ingar
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Der Hirte / Fredrik Beier Bd.1

Eine obskure Bruderschaft - Ingar Johnsrud: Der Hirte



Mit "Der Hirte" ist Ingar Johnsrud, in Norwegen ein bekannter Journalist, zum ersten Mal ins Krimifach gewechselt. Ihm ist ein starkes Debüt gelungen - aus dem Stand heraus hat sich der Autor unter Thrillerfans einen Namen gemacht! In rund zwei Dutzend Länder wurden die Übersetzungsrechte bereits verkauft, und nun ist das Buch auf Deutsch erschienen.


Die Story beginnt mit einem politischen Mord in Afghanistan und schwenkt dann unmittelbar weiter nach Norwegen. Dies ist ein wesentliches Stilmittel Johnsruds: Er verknüpft verschiedene Erzählstränge auf unterschiedlichen Zeitebenen, und erst nach und nach erschließen sich die großen Zusammenhänge. Der Erzähler hat die Karten in der Hand und lässt den Leser nur Zug um Zug einen Blick ins Blatt werfen - so hält er bis zum Ende die Spannung.


Die zentrale Figur ist Fredrik Beier, ein etwas starrköpfiger, aber talentierter Ermittler. Ihm an die Seite wird Kafa Iqbal gestellt, eine wunderschöne und intelligente Analytikerin, außerdem ist Beiers Kollege Andreas Figueras mit von der Partie. Sie werden auf die verschwundene Tochter der Politikerin Kari Lise Wetre angesetzt. Auf den ersten Blick ein Routineauftrag, der sich aber schnell zu einem ungeheuerlichen Fall auswächst, als das Team zum Tatort eines rituellen Massenmords beordert wird.


Es findet etliche grausam zugerichtete Leichen auf einem Hof außerhalb von Oslo, wo die abgeschottet lebende christliche Sekte "Gottes Licht" ihr Unwesen trieb. Wie ein Hochsicherheitstrakt ist das Gelände gesichert, und unter anderem entdecken die Ermittler dort ein professionelles Labor, das für merkwürdige Experimente benutzt worden zu sein scheint. Die noch lebenden Sektenmitglieder sind verschwunden, unter ihnen die vermisste Annette Wetre.


Das seltsame Labor der Sekte legt die Spur zu einem weiteren, zum Verständnis der Geschichte entscheidenden Erzählstrang. Schon als Einleitung zitiert Johnsrud aus einem Buch mit dem Titel "Rassenhygiene", geschrieben in den 1930er-Jahren. Und auch der Originaltitel "Wienerbrorskapet", der wörtlich mit "Wiener Bruderschaft" zu übersetzen wäre, spielt auf eine (fiktive) Vereinigung von Wissenschaftlern an, die in dieser Zeit in Wien Rassenforschung betrieb. Die Geschichte dieser obskuren und schließlich entzweiten Bruderschaft ist der Grundstein für Johnsruds Plot. Johnsrud verquickt den mysteriösen Kriminalfall mit internationaler Politik und dunkler Geschichte, zieht Verbindungen von Altnazis zu christlichen Fanatikern und muslimischen Fundamentalisten. Dabei gibt es eine Menge Actionszenen und Blutvergießen; auch ein unbekannter mächtiger Gegenspieler fehlt nicht...


Man weiß in dieser komplexen Geschichte nie, wohin sich die Dinge als Nächstes wenden - und die Grundstimmung ist düster. "Der Hirte" ist etwas für alle, die Vergnügen an mysteriösen Verschwörungenhaben, etwas für hartgesottene Crime-Aficionados, die weder ein blutrünstiges Gemetzel noch ein menschenverachtender Wissenschaftlerbund abschrecken können. Die Zutaten zu Johnsruds Plot sind vielleicht nicht alle neu, doch hat er sie extrem gekonnt eingesetzt, die Story sorgfältig und schlau konstruiert. Herausgekommen ist ein ebenso temporeicher wie brutaler, aber vor allem: ein hochspannender Thriller.



Ingar Johnsrud

Ingar Johnsrud, Jahrgang 1974, wuchs in Holmestrand auf. Er studierte Film- und Medienwissenschaften und arbeitete fünfzehn Jahre als Journalist bei einem der größten norwegischen Medienunternehmen. Sein erster Roman, der Thriller »Der Hirte«, wurde als bestes Krimidebüt für den Maurits Hansen Prisen nominiert, und in seiner Heimat wird Johnsrud als neuer Star der skandinavischen Spannungsliteratur gefeiert.

Interview: Ingar Johnsrud "Der Hirte"



Obwohl "Der Hirte" nicht damit beginnt, spielt die zweifelhafte rassenbiologische Forschung einer Wiener Bruderschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle für die Handlung. Wie kam es zu dieser Idee?
Ingar Johnsrud: Ich habe mich immer für Geschichte interessiert, deswegen stand für mich schon früh fest, dass es einen historischen Erzählstrang in "Der Hirte" geben sollte. Eines der faszinierendsten Details in Bezug auf Geschichte ist in meinen Augen, wie wir sie für unsere Nachwelt beschreiben. Das sagt, glaube ich, sehr viel darüber aus, wer wir sind und wie wir uns selbst sehen.


Norwegen war während des Zweiten Weltkriegs bekanntlich besetzt. Als Kind und Schüler, in den 1980er- und den frühen 1990er-Jahren, lernte ich bezüglich des Zweiten Weltkriegs in der Schule hauptsächlich, wie in Europa Nazismus und Faschismus wuchsen - und wie die norwegischen Widerstandskämpfer gegen diese Ideologien fochten. Wir studierten, wie sie gegen die Gestapo und deren norwegische Anhänger vorgingen und wie der Widerstand das Regime von Vidkun Quisling untergrub. Wir lernten etwas über denmehr