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The Girl Before
Delaney, J. P.
EUR 13,00
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The Girl Before

Der Spuk im Kopf


Häuser, in denen es nicht mit rechten Dingen zugeht und die ein unheimliches Eigenleben zu führen scheinen, üben seit jeher eine starke Faszination aus. In der Literatur und im Kino wimmelt es von solchen Gemäuern, deren vermeintlicher Spuk in der Regel nicht weiter ist als eine Projektion des traumatisierten oder boshaften Innenlebens der jeweiligen Bewohner. Auch der englische Autor JP Delaney, der unter Pseudonym schreibt, wählt für seinen Thriller "The Girl Before - Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot." (Penguin) ein Haus als zentralen Ort für eine Geschichte, die Fans von Büchern wie "Gone Girl" oder Hitchcock-Filmen wie "Vertigo" begeistern wird. Dieses Haus, das sich in der 1 Folgate Street in einem schicken Londoner Stadtteil befindet, ist allerdings keines dieser jahrhundertealten Herrenhäuser, in denen Spinnennetze in den Ecken hängen, Dielen knarren und Geister umgehen. Vielmehr handelt es sich um ein sehr modernes Haus, das nach aller Kunst der geometrischen und minimalistischen Architektur und technologischen Finesse gestaltet wurde. "Von innen ist das Haus durchgestylt wie eine Galerie. Einfach wunderschön." So beschreibt eine der beiden Protagonistinnen ihr neues Zuhause.

Erzählt wird die Geschichte zweier Frauen: Jane und Emma. In sich abwechselnden Kapiteln wird der Leser in eine hypnotisch und dramaturgisch souverän aufbereitete Handlung hineingezogen, die ihre ganze Spannung zunächst schleichend und erst zum Ende hin mit voller Wucht entfaltet. Jane versucht nach einem Schicksalsschlag einen Neuanfang. Das mysteriöse Haus wird ihr neues Heim - und das, obwohl sich der Vermieter, der gleichzeitig der Architekt des Baus ist, eine Liste von 200 Geboten und Verboten als Bedingung für das Zustandekommen eines Mietvertrages ausgedacht hat. Der Vertrag verlangt von der Bewohnerin ein nahezu asketisches Leben, sprich: keine Bücher, keine Bilder, keine Zimmerpflanzen, keine Teppiche, keine Vorhänge, keine Papierkörbe, keine Wäscheleinen und auch das Rauchen ist verboten. Außerdem muss Jane von Zeit zu Zeit einige obskure Fragen beantworten. "Würdest du dich selbst opfern, um zehn unschuldige Fremde zu retten?" Reagiert sie nicht in der dafür vorgegebenen Zeit, muss sie mit Sanktionen rechnen. So wird beispielsweise der Strom abgeschaltet. Das Haus ist, wie unschwer zu erkennen ist, dem kranken Kopf eines Pedanten, Perfektionisten und Kontrollfreaks entsprungen. Der heißt Edward Monkford und ist eine charismatische Figur, die eine starke sexuelle Anziehungskraft auf Jane ausübt. Allerdings erfährt die junge Frau schon bald, dass ihre Vorgängerin, Emma, in dem Haus zu Tode kam. Zudem tun sich andere Merkwürdigkeiten auf: So gleichen sich die Frauen äußerlich, und beide müssen aktuell tragische Ereignisse verarbeiten. Nur die Charaktere der beiden sind unterschiedlich: Während Jane eine toughe, willensstarke Person ist, haderte Emma mit sich und ihren Schwächen. Der clevere Aufbau der Geschichte trägt maßgeblich zur Spannungsbildung bei, da die Geschichten der beiden Frauen parallel erzählt werden.

Jane macht sich schließlich auf, Emmas Geschichte und die Ursache für ihren Tod zu ergründen. Als Verdächtiger kommt von Anfang an scheinbar nur Edward infrage. Allerdings wird dem Leser schon bald klar, dass irgendetwas an der Geschichte ganz und gar nicht stimmt. Es ist ein Unbehagen, das sich bei der Lektüre aufgrund der Häufung von Ungereimtheiten einschleicht. Auch die Erzählerinnen haben ihre dunklen Geheimnisse, die sich dem Leser peu à peu offenbaren. Hier merkt man die schreiberische Erfahrung von JP Delaney, dem unter anderen Pseudonymen bereits zahlreiche Bestseller in verschiedenen Genres gelungen sind.

Dieser meisterliche Psychothriller wartet mit einer ganzen Reihe von Überraschungen und originellen literarischen Fallstricken auf, die den Leser mit ausreichend Kopfarbeit und Lesegenuss versorgen. Das Buch ist zurecht ein globaler Erfolg, auf dessen Verfilmung durch Hollywoodmann Ron Howard man nur gespannt sein kann.



JP Delaney

THE GIRL BEFORE ist der erste Psychothriller JP Delaneys. Zuvor veröffentlichte Delaney unter anderen Namen bereits einige Romane, die die Bestsellerliste eroberten. THE GIRL BEFORE erschien im Januar 2017 in insgesamt 40 Ländern. Die Verfilmung durch den bekannten Hollywood-Regisseur Ron Howard ist bereits in Planung.

Interview mit JP Delaney

Die zentrale Idee der Geschichte in Ihrem Thriller kreist um ein minimalistisch gestaltetes Haus, das einen Besitzer hat, der nur Mieter akzeptiert, wenn sie sich zu bestimmten Regeln bekennen. War Ihnen daran gelegen, die Sehnsucht des Menschen nach totalitären bzw. autoritären Regeln zu erforschen, was ja auch in Anbetracht der Renationalisierung der Politik in vielen Staaten ein sehr aktuelles Thema ist?

JP Delaney: Ja, das ist aktuell. Aber ich denke, dass das Thema zeitlos ist. Menschen mögen den Gedanken, dass da ein System ist, eine Methode oder eine Disziplin, das/die alle ihre Probleme lösen und die Löcher in ihren Herzen füllen kann. In diesem Fall ist es dieses minimalistische Haus, aber es hätte genauso gut ein Kult oder ein anspruchsvoller Job sein können. Einer meiner Charaktere realisiert schließlich auch, dass man seine Umgebung leeren und von allem Überflüssigen befreien kann, was aber nichts daran ändert, dass das Chaos in deinem Kopf womöglich bleibt.

Warum haben Sie sich für zwei weibliche Charaktere für die zentrale Geschichte entschieden?

JP Delaney: Es ist, nehme ich an,mehr