Autor im Porträt
Andrea Camilleri

Andrea Camilleri

Andrea Camilleri wurde am 6. September 1925 in Porto Empedocle geboren, einem sizilianischen Küstenstädtchen. Schon im Alter von 17 Jahren begann er, als Drehbuchautor und Regisseur zu arbeiten. Ein Verdienst Camilleris ist es, Werke bedeutender Dramatiker wie Beckett oder Ionesco erstmals auf italienische Bühnen gebracht zu haben. Lange Jahre unterrichtete er an einer Filmschule in Rom. Später wurde er Professor an der Accademia Nazionale d'Arte Drammatica "Silvio d'Amico", wo er 20 Jahre lang unterrichtete. Camilleri ist verheiratet, hat drei Kinder und mehrere Enkel. Seine schriftstellerische Karriere begann er mit Gedichten, Erzählungen und historischen Romanen, die vor allem in Sizilien angesiedelt waren. Erst mit den Geschichten um Commissario Montalbano gelang Camilleri der Durchbruch, zunächst beim italienischen Publikum, dann auch international. 1995 erschien in Deutschland der erste von bislang zehn Montalbano-Krimis, "Die Form des Wassers". Und wer einmal einen anderen Camilleri kennenlernen möchte, nämlich den scharfen Beobachter des Lebens in seinem Heimatland, kann zu dem Band "Italienische Verhältnisse" greifen, einer Sammlung von Beobachtungen, Satiren und Polemiken.
Das meint die buecher.de-Redaktion: Neben Umberto Eco ist Andrea Camilleri nicht nur der bekannteste zeitgenössische Autor Italiens, er ist auch der geistreichste und vielseitigste.

Das Spiel des Poeten / Commissario Montalbano Bd.16

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Andrea Camilleri

Das Spiel des Poeten / Commissario Montalbano Bd.16

Commissario Montalbano liest zwischen den Zeilen

Übersetzung: Seuss, Rita; Kögler, Walter

Gebundenes Buch

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Redaktionstext

Tödliche Rätsel für Commissario Montalbano


Was für ein Auftakt! In "Das Spiel des Poeten" lässt es Andrea Camilleri krachen. Die Geschwister Gregorio und Caterina Palmisano - uralt und religiöse Fanatiker - haben schon lange keinen Kontakt mehr zur Gemeinde. Früher besuchten sie noch die Gottesdienste, aber auch das ist ewig her. Und nun hängt da ein Transparent zwischen den Balkonen ihres Hauses. Der Aufschrift "Ihr Sünder, tut Buße" folgt nach einer Woche "Ihr Sünder, wir werden euch bestrafen" und eine weitere Woche später "Ihr werdet eure Sünden mit dem Leben bezahlen". Meinen die das ernst oder sind sie jetzt völlig übergeschnappt? Und dann geht es auch schon los: Die zwei Alten fangen an, auf Passanten zu schießen. Einsatz für Commissario Montalbano ...


Salvo Montalbano und das Horrorhaus: Die Sache geht ihm an die Nieren ...


Salvo Montalbano schafft es irgendwie, zusammen mit seinem Team, die Kontrolle über Gregorio und Caterina zu bekommen. Beide bieten ein Bild wie aus einem Horrorfilm und auch die Räume des Hauses lehren das Gruseln. Ein Zimmer mutet wie ein Wald an - allerdings ein Wald aus lauter Kreuzen. Und als Montalbano ein Bett inspizieren will, in dem scheinbar eine Tote liegt, faucht ihn Gregorio an: "Wage es ja nicht, dich der Braut zu nähern, die Gott mir gegeben hat!" Unter der Decke: eine lädierte Gummipuppe, mehrmals geflickt und mit nur einem Auge. Caterina verflucht indes Salvo Montalbano und auch sie kann einem Angst machen mit ihrem löchrigen Nachthemd, den vergilbten Haaren und dem einzigen langen Zahn, der noch aus ihrem Mund ragt. Salvo geht dieser Einsatz an die Nieren. Er spürt, dass er mit dem Alter - er ist mittlerweile 57 - nicht dickfelliger, sondern dünnhäutiger geworden ist. "Er sieht die Dinge nicht nur, er nimmt auch ihre Aura wahr, als würde ein feiner Wasserdampf von ihnen aufsteigen und ..." Ja, Montalbano lässt sich mitreißen und erschüttern und das macht dem Commissario Angst.


Der Poet und seine Schatzsuche: bedrohliche Rätsel für den Commissario


Doch das ist erst der Anfang ... Nach der Schießerei erhält Montalbano einen Umschlag. Er liegt auf dem Boden seines Hauses, jemand muss ihn unter der Tür durchgeschoben haben: "AN SALVO MONTALBANO - Schatzsuche". Drin ist eine Art Gedicht mit einem Rätsel. Dann taucht eine weitere Gummipuppe auf - genau an den Stellen lädiert wie die Puppe in Gregorios Bett. Auf eine Schatzsuche hat Montalbano wirklich keine Lust, und auch die zweite Puppe lässt nichts Gutes erahnen. Doch Lust hin oder her - Salvo macht sich daran, das erste Rätsel zu lösen. Die Schnitzeljagd ist eröffnet und der Whiskyverbrauch unseres Commissarios wird im Lauf der Ermittlungen beträchtlich ansteigen. Denn es wird klar: Der Täter hat es auf Montalbano abgesehen.


Noch nie hatte es Montalbano mit einem so gefährlich kriminellen Hirn zu tun ...


Da trifftes sich gut, dass sich Salvos gute Freundin Ingrid meldet, einen Besuch ankündigt und Montalbano bittet, sich mit einem blitzgescheiten Studenten zu treffen, der ihn bewundert. Er heißt Arturo Pennisi, sieht aus wie ein zwanzigjähriger Harry Potter und studiert Philosophie mit Schwerpunkt Erkenntnistheorie. Arturo interessiert, wie Salvos Verstand arbeitet, während er seine Ermittlungen führt. Er will den Commissario beobachten und bei den Ermittlungen dabei sein. Aus alter Freundschaft zu Ingrid willigt Montalbano ein - und beteiligt Arturo an der Schnitzeljagd. Denn die Sache macht ihm nach und nach wirklich Angst, die Botschaften oder Sendungen werden immer bedrohlicher. Als dann auch noch die Abiturientin Ninetta spurlos verschwindet, erkennt Montalbano, dass er es bisher noch nie mit einem so "gefährlich kriminellen Hirn" zu tun gehabt hat ...


Ermittlerporträt

Ermittlersteckbrief Commissario Salvo Montalbano


Andrea Camilleri ist 89 Jahre alt und bekannt als Dramatiker und Schriftsteller. Seinen internationalen Durchbruch aber schaffte er mit den Kriminalromanen um Commissario Salvo Montalbano erst 1994 - da war Camilleri immerhin schon deutlich über 60 ... Den Namen Montalbano hat Camilleri seinem Commissario übrigens in Gedenken an den spanischen Journalisten, Lyriker und Autor Manuel Vázquez Montalbán gegeben. Er ist 2003 gestorben und auch er wurde erst mit seinen Kriminalromanen um den Privatdetektiv Pepe Carvalho international bekannt.


Montalbano liebt die sizilianische Küche, die Literatur und unkonventionelle Ermittlungsmethoden


Aber nun zu Salvo Montalbano ... dem sizilianischen Ermittler mit Leidenschaft für die regionale Küche, für Literatur, unkonventionelle Ermittlungsmethoden und einer tiefen Abneigung gegen die Mafia und die Mächtigen - was in Sizilien oft genug fast deckungsgleich zu sein scheint. Mittlerweile kämpft Salvo, auch schon 57 Jahre, mit seinem Alter und diversen Zipperlein. Und die Frage, ob er wirklich der geborene "Bulle" ist, ist auch noch nicht hinreichend beantwortet. Aber er hat eben ausgezeichnete Instinkte und so sehen Vorgesetzte wie Kollegen meist über seine Launen hinweg. Montalbano will sich in den Täter hineinversetzen, er will verstehen, was diesen antreibt.


Eigenbrötler in Fernbeziehung - Salvo und die Frauen ...


Ja, er ist ein Eigenbrötler und vermutlich gar nicht so unglücklich über die Freiheit, die ihm die Fernbeziehung zu Livia Burlando gewährt. Livia lebt in Genua, er in dem Küstenstädtchen Vigàta - einer fiktiven Stadt in Sizilien. Und da gibt es noch zwei Frauen in Montalbanos Leben, mindestens: eine davon ist die famose Köchin Adelina, Montalbanos "Perle"; die andere heißt Ingrid und ist für Salvo so etwas wie Freundin, Vertraute und - wenn es darauf ankommt - auch Komplizin. Der Umgang der beiden ist sehr vertraut und mancher könnte sie für ein Liebespaar halten - was immer mal wieder Eifersuchtsattacken bei Livia auslöst ... Ingrid ist schließlich sehr attraktiv.


Caponata und Schwertfischröllchen und Whiskey ... der stillt die Sehnsucht


Aber was soll Montalbano machen? - Er hat eben eine Vorliebe für schöne Frauen und natürlich lange Mittagspausen mit köstlichem Essen. Dafür besucht er meist die Trattoria von "Enzo" und verputzt diverse Antipasti, Schwertfischröllchen oder Spaghetti alle vongole veraci. Salvo hat einen gesegneten Appetit und ist das, was man einen stattlichen Mann nennen würde: groß und kräftig. Damit er nicht noch üppiger wird, bricht er oft nach dem Essen zu einem ausgedehnten Verdauungsspaziergang auf der Mole bis zum Leuchtturm auf - dort raucht er genüsslich eine Zigarette und macht Rast auf dem Felsen. Ja, das Leben kann wirklich schön sein und Salvo Montalbano weiß es auch zu leben. Den anbrechenden Tag genießt er "wie eine süße Konfitüre" mit einem morgendlichen Espresso auf seiner Veranda mit Blick auf das Meer, den Strand und den Himmel. Zum abendlichen Genuss gehören zum Beispiel Rotbarben in Tomatensauce, eine Caponata und Wein. Danach Lektüre, ein Roman von Georges Simenon vielleicht, und Whiskey ... der stillt die Sehnsucht nach Livia und die Melancholie über die Welt, wie sie eben ist: korrupt, gierig und brutal.


Kundenbewertungen

Das Ritual der Rache / Commissario Montalbano Bd.13

Bewertung von Nicole G. aus Hugendubel Dresden am 14.03.2012
Camilleri zu lesen ist wie ein Kurzurlaub, aufregend und zugleich spannend!

Die Sekte der Engel

Bewertung von elli aus Herzogenrath am 09.10.2013
Also ich bin ein absoluter Fan von Andrea Camilleri und seinem symphatischen Commissario Montalban. Dies ist nun ein ganz andres Werk. Es geht unglaublich liebevoll mit skurillen und sehr speziellen Charakteren um und zaubert ein stets ein schmunzeln ins Gesicht. Lesen!

Das Ritual der Rache / Commissario Montalbano Bd.13

Bewertung von Friederike H. aus Hugendubel Berlin am 13.03.2012
Commissario Montalbano ermittelt auf seine bewährte und mittlerweile auch sehr vertraute Art. Immer bleibt er allerdings spannend und interessant, so dass man mit großer Zuverlässigkeit sagen kann: ein neuer Roman von Andrea Camilleri, "Das Ritual der Rache" heißt der neue, lohnt sich immer!
Mit einem Toten in einem Plastiksack auf der Müllkippe beginnt dieser Fall, der vielleicht der gesuchte Ehemann sein könnte, den eine Frau eben als vermisst gemeldet hat.

Die Münze von Akragas

Bewertung von Michael B. aus Hugendubel München am 07.02.2012
Die Leser der Krimis von Andrea Camilleri wissen, dass seine Krimis immer auch über eine schlichte Krimihandlung hinausgehen, dass er geradezu liebevoll seine Figuren zeichnet, dass seine Sympathie für einige kaum zu überlesen ist.
Im neuen Buch geht es um eine Goldmünze, römisch, die 1909 auf einem Feld in Sizilien gefunden wird. Camilleri erzählt vom Weg den die Münze nimmt, unterschiedlichste Besitzer, Glücksbringer oder Unglücksbringer, spannend bleibt die Geschichte die natürlich auch den typischen Camillieri-Humor hat.

Die Sekte der Engel

Bewertung von Angelika Ö. aus Buchhandlung Hugendubel am 06.02.2013
Andrea Camilleri ist ein Chronist des sizilianischen Lebens, ob er Krimis schreibt, oder so wie in „Die Sekte der Engel“ einen eher satirischen, und immer auch politischen, Roman.
Menschen sind so, könnte man sagen, mit all ihren Seltsamkeiten, das lohnt sich auf jeden Fall!
Unverheiratete schwangere sizilianische Frauen – das ist auf jeden Fall ein Thema für Andrea Camilleri!

Das Ritual der Rache / Commissario Montalbano Bd.13

Bewertung von Lisega am 07.05.2012
Der 17. Fall für Commissario Montalbano: Heftige Regenfälle spülen auf dem Critaru, dem Töpferacker nahe Vigàta, einen Müllsack mit einer in 30 Teile zerstückelten Leiche frei. Ein Zeichen für "Das Ritual der Rache“ der Mafia? Hat der ortsansässige Boss Don Balduccio Sinagra damit zu tun? Besteht ein Zusammenhang mit dem neuesten Vermisstenfall, dem Ehemann der betörenden Kolumbianerin Dolores Alfano? Und warum will Montalbanos derzeit unausstehlicher Stellvertreter Mimi Augello unbedingt die Ermittlungen leiten? "Das Ritual der Rache“ ist ein clever konstruierter Krimi, beim Lesen wird trotzdem ziemlich schnell klar, dass die offensichtlichen Lösungen nicht die richtigen sind. Doch wie Montalbano den Fall geschickt löst, und v.a. wie er dabei umsichtig im Hintergrund bleibt und seine Mitarbeiter schützt, ist wieder höchst unterhaltsam. So stößt er z.B. in einem Buch des Autors Andrea Camilleri auf den entscheidenden Hinweis im Mordfall, schreibt sich selbst Briefe, um seine Gedanken zu ordnen, und gibt schon mal vor, überzeugter Royalist zu sein, um sich bei Zeugen einzuschmeicheln. Ein weiterer geistreicher Krimi der hervorragenden Reihe.

Das Ritual der Rache / Commissario Montalbano Bd.13

Bewertung von Angela.Bücherwurm aus Wülfrath am 03.04.2013
Auch Kommissare werden älter Eine in dreißig Teile zerstückelte Leiche, verpackt in einem Plastiksack, wird aufgefunden. Die Identität des Toten lässt sich jedoch zunächst nicht feststellen. Dann taucht die äußerst attraktive Signora Dolores Alfano auf, die Zweifel am Verbleib ihres Mannes , eines Seefahrers, hat. Schnell wird die Verbindung zwischen beiden Fällen deutlich und die Aufklärung des Mordfalles erscheint klar zu sein. Doch nichts ist so, wie es auf den ersten Blick aussieht. Außerdem bereitet Montalbano das Verhalten seines Kollegen und Freundes Mimi Augello Kopfzerbrechen. Und auch hier macht der Kommissar eine beunruhigende Entdeckung. Mein Eindruck : Dies ist wieder ein typischer Krimi von Andrea Camilleri mit seinem altbekannten Commissario Montalbano, sowie dessen getreuen Mitarbeitern und Kollegen. In gewohnter Manier nimmt Montalbano seine Ermittlungen auf. Doch auch er merkt, dass er älter wird und das macht ihm ganz schön zu schaffen. Aber seine Liebe zu gutem Essen ist geblieben und auch seine Fernbeziehung zu Livia besteht wie eh und je. Die Krimihandlung selbst birgt keine großen Überraschungen, vieles ist vorhersehbar. Dennoch bietet das Buch angenehme, leichte Unterhaltung ( vor allen für Fans von Montalbano und Co ). Die Charaktere mit all ihren Ecken und Kanten, mit all ihren nur allzu menschlichen Schwächen, sind wie gehabt liebevoll dargestellt und der Schreibstil ist leicht und "süffig ".